Kettenspannung am Motorrad messen: Eine ausführliche Anleitung

Eine korrekte Kettenspannung ist entscheidend für die Leistung und Langlebigkeit eines Motorrads. Eine falsch eingestellte Kette kann zu vorzeitigem Verschleiß und sogar zu Schäden am Antrieb führen.

Grundlagen der Rollenkette

Die Rollenkette ist ein wesentlicher Bestandteil des Motorradantriebs. Sie besteht aus Innen- und Außengliedern. Die Innenglieder haben Laschenaugen mit eingepressten Hülsen. Die Außenglieder bestehen aus Außenlaschen mit eingepressten Nieten oder Bolzen.

Die Teilung, der Abstand von Bolzenmitte zu Bolzenmitte, ist das wichtigste Maß. Ein weiteres wichtiges Maß ist die innere Breite.

Um die durch die Lebensdauer der Kette entstehende Überlänge auszugleichen, werden Kettenspannräder oder gefederte Gleitstücke eingesetzt. Kettenspanner reduzieren Schwingungen erheblich.

Verschleißminimierung und Schmierung

Premium-Hersteller achten auf Werkstoffpaarungen und Oberflächenvergütungen, um den Verschleiß gering zu halten. Ketten werden zudem vorgereckt, um sie vor Einlauflängung zu schützen. Beim Vorrecken werden Rollenketten mit 10 % ihrer Bruchlast vorbelastet.

Richtige Schmierung verhindert Trockenlauf in den Gleitlagern zwischen Bolzen und Hülse sowie zwischen Hülse und Rolle. Bei Vernachlässigung der Schmierung wird die Lebensdauer drastisch reduziert. Bei jedem Schmiervorgang muss eine ausreichende Menge eines flüssigen Schmierproduktes in die Kettengelenke vordringen.

Prüfung vor der Messung

Vor der Messung der Kettenspannung sollte sichergestellt werden, dass die Kettenräder nicht verschlissen sind. Ein Austausch der Kette sollte immer im Satz erfolgen (Kette, Kettenritzel und Kettenrad).

Messung der Kettenspannung

Die Kettenspannung dient dazu, den Durchhang der Rollenkette in Grenzen zu halten. Der Bezugspunkt zum Messen sollte möglichst mittig zwischen Kettenblatt und Kettenritzel liegen, weil dort der maximale Durchhang ist. Der zu messende Durchhang ist definiert als Unterschied zwischen dem Maximum der Kette bei sanftem Druck nach oben und dem Maximum bei sanftem Druck nach unten.

BMW gibt hier irgendwas zwischen 30 und 45 mm an. Wichtig ist, wie sich die Kette verhält, wenn du drauf sitzt, das heißt voll belastet mit der Federung so wie du sie auch benutzt.

Praktische Methode zur Messung

Eine einfache Methode zur Prüfung der Spannung ist folgende:

  1. Einen langen Draht (ca. 60/70 cm) aus einem alten Kleiderbügel biegen. Unten ist ein Haken dran, oben eine Schlaufe, wo der Finger durchkriecht.
  2. Auf das Motorrad setzen, versuchen, beide Füße auf die Fußrasten zu stellen und sich mit der linken Hand an der Hauswand festhalten, so dass das Moped voll belastet ist.
  3. Mit dem Draht unten in ein Kettenglied einfummeln, möglichst in der Mitte, natürlich dort, wo der Kettendurchhang am stärksten ist, und versuchen, sie ein wenig nach oben und unten zu ziehen. Wenn Sie hier ungefähr 1 bis 1,5 cm Spiel hat, ist alles in Ordnung.

Es ist wichtig, die Kette auf keinen Fall zu stramm zu spannen, sonst gibt es beim Fahren insbesondere bei Schlaglöchern oder anderem Durchfedern zu viel Zug auf das Ritzel und die Antriebsachse, und das kann dann zu Schäden führen. Im Zweifel ist eine etwas lasche Kette besser als eine zu feste.

Herstellerangaben und Toleranzen

Der Durchhang ist nur deshalb erforderlich, damit die Kette beim Einfedern nicht überspannt wird, denn beim Einfedern ändert sich die Spannung. Die - modellspezifische - Herstellerangabe müsste so bemessen sein, dass eine Überspannung während der Fahrt ausgeschlossen wird bei der Einstellung auf den vorgegebenen Wert im ausgefederten Zustand, wobei strenggenommen zwischen dem Stand auf dem und dem Seitenständer unterschieden werden muss.

Ein Nachspannen der Kette ist üblicherweise erst gegen Ende der Lebensdauer einer Kette nötig.

Ungleichmäßige Längung und Toleranzen

Fast alle Ketten längen sich im Laufe ihres Lebens ungleich. Das bedeutet, dass der Durchhang beim Drehen des Hinterrades auf dem Hauptständer unterschiedlich ist. Hier kommt auch die Bedeutung der Toleranz des Kettendurchhangs mehr zum Tragen. Jetzt ist es wichtig, dass man die straffste Stelle der Kette ermittelt und hierbei die 25mm minimaler Durchhang nicht unterschritten werden - auch dann nicht, wenn der maximale Durchhang dann vielleicht größer wird als die angegebenen 35mm Durchhang.

Kettenspannung einstellen: Schritt-für-Schritt Anleitung

  1. Vorbereitung: Das Motorrad muss so aufgebockt sein, dass sich das Hinterrad frei drehen lässt. Also NICHT auf dem Seitenständer abstellen! Motor AUS, Getriebe im Leerlauf. VOR dem Messen der Kettenspannung sollte die Kette gereinigt und auch geschmiert werden.
  2. Prüfung des Kettenschleifschutzes: Prüfen Sie, ob der Kettenschleifschutz vorne auf der Schwinge genügend dick und an keiner Stelle durchgeschliffen ist.
  3. Messstelle suchen: Im Laufe ihres Lebens verzieht sich eine Kette unregelmäßig, und auch Kettenritzel und Kettenrad nutzen sich ungleichmäßig ab, auch können diese „eiern“. Daher das Hinterrad mit der einen Hand drehen und mit der anderen Hand die Kette am unteren Teil wippend leicht nach oben drücken: So wird die straffste Stelle gesucht, da ist die Messstelle.
  4. Kettendurchhang messen: Hinterrad so hinstellen/hindrehen, dass die zuvor gefundene straffste Stelle der Kette unten möglichst genau in der Mitte zwischen Kettenritzel und Kettenrad ist. Einen Zollstock unten an der Schwinge zur Kette hin anlegen. Kette mit dem Finger so weit nach unten ziehen, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte einer Kettenniet nehmen. Kette mit dem Finger so weit nach oben drücken, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte der Kettenniete nehmen. Die Differenz ist der Kettendurchhang.
  5. Kettenspannung einstellen: Hinterachsmutter um mindestens zwei Umdrehungen lösen, damit sich das Hinterrad leicht verschieben lässt. Wenn ein Sicherungssplint in der Achsmutter steckt, diesen vorher ausbauen. Kontermuttern der Kettenspanner auf beiden Seiten um zwei Umdrehungen lösen. Mit den Einstellschrauben/Einstellmuttern die Hinterachse nach hinten verschieben. In Vierteldrehungen rechts - links - rechts - links vorgehen, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht.
  6. Markierungen beachten: Dabei kann man sich an den Markierungen orientieren, die rechts und links am Ende der Schwinge angebracht sind. Die Bezugspunkte auf der Achsaufnahme müssen auf beiden Seiten auf den gleichen Markierungen sein, ansonsten steht das Hinterrad schief.
  7. Abschluss: Achsmutter mit dem vorgeschriebenen Anziehdrehmoment festziehen. Darauf achten, dass die Achsaufnahmen an den Einstellschrauben/-muttern anliegen. Kontermuttern festziehen. Wenn die Achsmutter festgezogen ist, die Kettenspannung erneut prüfen.

Wichtige Hinweise

  • Eine zu stramm gespannte Kette ist schädlicher als eine zu lockere.
  • Die Kette möglichst immer im Satz tauschen (Kette, Kettenritzel und Kettenrad).
  • Moderne Dichtringketten müssen kaum mehr gespannt werden.

Tabellarische Übersicht

Aspekt Details
Messpunkt Mittig zwischen Kettenblatt und Kettenritzel
Messmethode Differenz zwischen maximalem Druck nach oben und unten
BMW Empfehlung 30-45 mm Durchhang (unbelastet)
Wichtigkeit Kette darf beim Einfedern nicht überspannt werden

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