Die richtige Kettenspannung ist entscheidend für die Leistung und Lebensdauer eines Motorrads. Eine falsch eingestellte Kette kann zu teuren Schäden führen. Hier finden Sie eine ausführliche Anleitung, wie Sie den Kettendurchhang messen und die Kettenspannung korrekt einstellen.
Warum ist die richtige Kettenspannung wichtig?
Eine zu straff gespannte Kette verschleißt sehr schnell und kann das Lager vom Getriebeausgang beschädigen. Durch die Fahrzeuggeometrie spannt sich die Kette, wenn das Motorrad einfedert. Am höchsten ist die Kettenspannung wenn sich Kettenrad, Hinterradschwinge und Ritzel in einer Flucht befinden. Ist die Kette bei maximaler Kettenstreckung gespannt, dann ruiniert es in kurzer Zeit alles, Getriebeausgangslager, Getriebewelle, Schwingenlager, Kettenradträgerlager, alles wird extrem beansprucht.
Eine zu lose Kette kann ebenfalls Probleme verursachen. Papstpower hat recht: Beim kurzzeitigen oder plötzlichen Beschleunigen erfährt die Kette durch den Durchhang (oben) einen Ruck, der die einzelnen Teile der Kettenglieder völlig unnötig belastet. Auch durch das Schlagen der Kette wird sie zu sehr belastet.
Vorbereitung zum Messen der Kettenspannung
Das Motorrad muss so aufgebockt sein, dass sich das Hinterrad frei drehen lässt. Also NICHT auf dem Seitenständer abstellen! Motor AUS, Getriebe im Leerlauf. VOR dem Messen der Kettenspannung solltedie Kette gereinigt und auch geschmiert werden.
Prüfen Sie, ob der Kettenschleifschutz vorne auf der Schwinge genügend dick und an keiner Stelle durchgeschliffen ist. Wenn der Kettenschleifschutz beschädigt ist, muss er unbedingt erneuert werden, sonst wird die Schwinge von der Kette angeschliffen - das bringt zusätzlichen Kettenverschleiß und kann sogar die Schwinge sehr empfindlich beschädigen.
Messen des Kettendurchhangs
Im Laufe ihres Lebens verzieht sich eine Kette unregelmäßig, und auch Kettenritzel und Kettenrad nutzen sich ungleichmäßig ab, auch können diese „eiern“. Daher das Hinterrad mit der einen Hand drehen und mit der anderen Hand die Kette am unteren Teil wippend leicht nach oben drücken: So wird die straffste Stelle gesucht, da ist die Messstelle.
Hinterrad so hinstellen/hindrehen, dass die zuvor gefundene straffste Stelle der Kette unten möglichst genau in der Mitte zwischen Kettenritzel und Kettenrad ist. Einen Zollstock unten an der Schwinge zur Kette hin anlegen. Kette mit dem Finger so weit nach unten ziehen, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte einer Kettenniet nehmen. Kette mit dem Finger so weit nach oben drücken, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte der Kettenniete nehmen. Die Differenz ist der Kettendurchhang.
Faustregel: du solltest die Kette - ohne stark zu drücken - insgesamt ca. 25-35 mm bewegen können.
Die vorgeschriebene Kettenspannung (Kettendurchhang) ist je nach Hersteller und Modell unterschiedlich; sie liegt meistens im Bereich 20 bis 40 mm oder 30 bis 50 mm. Die exakte Angabe finden Sie im Handbuch Ihres Fahrzeugs. Bei einigen Maschinen steht der Kettendurchhang auch auf einem Kleber an einem der Schwingenholme (logischerweise meistens auf der Kettenseite).
Am Ende der Schwinge sind Markierungen zu finden, meistens eine Skala mit mehreren Strichen. Bezugslinien sind z. B. eine Einkerbung auf der Achsaufnahme oder das Ende der Achsaufnahme selbst. Bei einigen Marken (z. B. Honda) sind rote und grüne Verschleißmarkierungen darüber angebracht: Ist die Skala auf der Achsaufnahme im grünen Bereich, ist die Kette in Ordnung. Kommt die Skala jedoch in den roten Bereich, ist die Kette verschlissen und muss erneuert werden.
Einstellen der Kettenspannung
Das Einstellen der Kettenspannung ist bei allen Motorrädern prinzipiell gleich: Wenn die Hinterachse nach hinten verschoben wird, wird die Kette gespannt. Die Achsaufnahme wird durch eine Einstellschraube nach hinten gezogen, der Stehbolzen zieht die Achsaufnahme durch eine Mutter nach hinten, die Achsaufnahme wird durch eine Schraube nach hinten gezogen, oder die Achse sitzt in einem Exzenter (Kawa-saki-Spezialität), der um einen bestimmten Winkel verdreht wird.
Schritte zum Einstellen der Kettenspannung:
- Hinterachsmutter um mindestens zwei Umdrehungen lösen, damit sich das Hinterrad leicht verschieben lässt. Wenn ein Sicherungssplint in der Achsmutter steckt, diesen vorher ausbauen: Mit einer Zange gerade biegen und herausziehen.
- Kontermuttern der Kettenspanner auf beiden Seiten um zwei Umdrehungen lösen. Dazu je einen Gabelschlüssel auf Kontermutter und Einstellschraube setzen und die Einstellschraube mit dem einen Schlüssel festhalten.
- Mit den Einstellschrauben/Einstellmuttern die Hinterachse nach hinten verschieben. In Vierteldrehungen rechts - links - rechts - links vorgehen, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht. Dabei kann man sich an den Markierungen orientieren, die rechts und links am Ende der Schwinge angebracht sind. Die Bezugspunkte auf der Achsaufnahme müssen auf beiden Seiten auf den gleichen Markierungen sein, ansonsten steht das Hinterrad schief.
- Achten Sie darauf, dass die Kettenspannung auf beiden Seiten des Hinterrads gleichmäßig ist. Es ist auch wichtig zu überprüfen, ob das Hinterrad korrekt ausgerichtet ist, sprich gerade steht. Hierzu gibt es ebenfalls Markierungen an der Schwinge. Das gewährleistet eine gleichmäßige Abnutzung der Kette und der Ritzel und sorgt für einen sauberen Geradeauslauf.
- Achsmutter mit dem vorgeschriebenen Anziehdrehmoment festziehen. Darauf achten, dass die Achsaufnahmen an den Einstellschrauben/-muttern anliegen.
- Kontermuttern festziehen: Vorher die Kettenspannschrauben leicht gegen die Achsaufnahmen „auf Spannung“ drehen, Kopf mit Schlüssel festhalten und Kontermuttern gegen die Schwinge festziehen (leicht handfest).
- Wenn man die Hinterachsmutter mit dem Drehmomentschlüssel festzieht, spannt sich die Kette wieder etwas. Deshalb vor dem Festziehen die Kette eher für „ein wenig zu locker“ erachten als zu stramm. Wenn die Achsmutter festgezogen ist, die Kettenspannung erneut prüfen. Nicht verzagen, wenn alles noch einmal gemacht werden muss, denn das Einstellen der Kettenspannung hat viel mit Gefühl und Übung zu tun. Sollte das erste Einstellen nicht zum gewünschten Ziel geführt haben - zu locker, zu stramm - die Hinterachsmutter wieder lösen und die Einstellschrauben entsprechend ein- oder ausdrehen.
Zusätzliche Tipps
- Kettenflucht prüfen: Eine exakte Kettenflucht ist die erste Voraussetzung, damit Hinter- und Vorderrad in einer Spur laufen.
- Zustand der Ritzel prüfen: Wenn du dich schon um deine Kette kümmerst, kannst du auch den Zustand deiner Ritzel prüfen. Was du hier sehen willst ist ein gleichmäßiges Bild der Ritzelzähne und dass alle Zähne noch vorhanden sind. Die Abnutzung erkennst du auch klar am sogenannten Dach der Zähne. Ist es noch flach und gut ausgeprägt, befindest du dich im grünen Bereich.
- Kette, Kettenritzel und Kettenrad immer im Satz tauschen: Hier ein paar Euro zu sparen und z.B. das Kettenrad nicht zu tauschen weil es noch gut aussieht ist oft am falschen Ende gespart.
Kettenspannung und Fahrergewicht
Wichtig ist wie sich die Kette verhält wenn du drauf sitzt das heißt voll belastet mit der Federung so wie du sie auch benutzt.
Tabelle: Richtwerte für den Kettendurchhang
| Zustand des Motorrads | Empfohlener Kettendurchhang |
|---|---|
| Aufgebockt (Hinterrad frei) | 20-40 mm (Herstellerangaben beachten) |
| Auf Seitenständer | Herstellerangaben beachten |
| Mit Fahrer belastet | Prüfen, dass die Kette nicht zu straff ist |
Die regelmäßige Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Kettenspannung sind Schlüsselmaßnahmen, um vorzeitigen Verschleiß der Kette und der Ritzel zu verhindern. Eine gut eingestellte Kettenspannung trägt nicht nur zur Sicherheit bei, sondern sorgt auch für eine reibungslose Fahrt und minimiert unerwünschte Vibrationen.
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