Die Pflege der Fahrradkette ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Langlebigkeit. Schließlich ist nichts ärgerlicher als ein unrund laufender Antrieb - vor allem auf langen Trainingseinheiten oder Wettkämpfen. Doch bei der Frage nach der richtigen Pflege gehen die Meinungen auseinander: Kettenwachs oder Kettenöl? Beide Methoden haben ihre Vorteile, aber auch Nachteile.
Die Fahrradkette ist das Herzstück des Antriebs. Eine schlecht gepflegte Kette erhöht nicht nur den Verschleiß von Kette, Kassette und Kettenblättern, sondern raubt auch wertvolle Watt.
Kettenöl ist der Standard, auf den viele seit Jahren vertrauen. Kettenwachs ist die moderne Alternative, die vor allem bei ambitionierten Athleten immer beliebter wird. Anstatt einer öligen Schicht bildet das Wachs eine trockene Schutzschicht auf der Kette.
Kettenöl vs. Kettenwachs: Ein Vergleich
Während Kettenöl der vielseitige Allrounder ist, punktet Kettenwachs mit Effizienz und Sauberkeit - besonders bei trockenen Bedingungen. Die gute Nachricht: Beide Optionen sorgen bei richtiger Anwendung dafür, dass du mit einem geschmeidig laufenden Antrieb und einem Lächeln auf die Strecke gehst.
Kettenöl: Perfekt für Athleten, die eine unkomplizierte Lösung suchen, vor allem wenn sie häufig bei wechselnden Wetterbedingungen unterwegs sind. Kettenwachs: Ideal für ambitionierte Athleten, die bei trockenen Bedingungen das Maximum aus ihrem Antrieb holen wollen.
Ob Kettenwachs oder Kettenöl hängt letztlich von den persönlichen Prioritäten ab.
Die Welt des Kettenwachses
Pioniere des Kettenwachsens haben schon vor Jahrzehnten damit begonnen, Paraffin statt Öl auf die Kette aufzutragen, im Prinzip also Kerzenwachs zu verwenden. Ein damit geschmierter Antrieb zieht kaum Dreck an und wo kein Dreck haftet, ist auch weniger Verschleiß. Viel weniger Verschleiß. Ganz besonders beim Biken im feuchten Tann. Weil Wachsen aber einiges an Vorbereitung benötigt - so müssen die Bauteile vor dem Auftrag komplett fettfrei sein, damit Wachs überhaupt haften kann - war Wachsen lange ein Nischenthema. Das hat sich geändert.
Mittlerweile hat so ziemlich jeder traditionelle Hersteller Kettenwachs im Programm, hinzu gesellen sich zig Firmen, die Wachsen zu ihrem Hauptthema gemacht haben. Der Markt ist regelrecht explodiert.
Heißwachs oder Tropfwachs?
Im Wesentlichen gibt es dabei zwei Produktlinien: Heißwachse und Tropfwachse. Erstere müssen aufgeschmolzen und Ketten vor dem Gang ins heiße Bad demontiert werden - was die Prozedur aufwendig macht. Tropfwachse werden hingegen aus der Flasche aufgetragen - analog zu Öl. Laut Herstellern sollen die Heißwachse aber besser sein.
Da Tropfwachse einfacher anzuwenden sind, scheint sich der Markt aber mehr in diese Richtung zu bewegen. Beide Methoden lassen sich auch kombinieren. So kann man die heißgewachste Kette mit Tropfwachsen nachschmieren, bevor man sie nach einigen Zyklen zur Generalüberholung erneut ins heiße Wachsbad gibt.
Aufwändig in der Anwendung: Der gesamte Antrieb muss vor dem ersten Wachsen komplett entfettet werden.
Vorteile von Kettenwachs
Dass gewachste Ketten kaum Schmutz anziehen, können wir aus jahrelanger Praxis bestätigen. Selbst nach einer Fahrt durch dicksten Schmodder, ist die gewachste Kette immer noch erstaunlich sauber. Und das wiederum ist die Grundlage für eine deutlich längere Haltbarkeit von Ketten, Ritzeln und Kettenblättern (mehrfache Lebensdauer ist drin!). Da die Verschleißpakete moderner Räder in die Hunderte gehen können - Kassettenpreise reichen bis 500 Euro - ist die Haltbarkeit ein immens wichtiger Faktor in den laufenden Betriebskosten.
Die Sauberkeit kommt aber nicht nur der Technik zugute. Gewachste Ketten hinterlassen wenig Spuren, nur beim Einfahren rieselt etwas Kettenwachs. Das macht den Umgang mit dem Bike angenehm. Besonders bei Transport und häufigen Radwechseln sind die Vorteile im Wortsinne zu greifen.
Nachteile und Herausforderungen
Probleme in der Praxis betreffen vor allem Regenfahrten. Das Bike nass in die Garage zu stellen, war noch nie eine gute Idee. Erst recht nicht mit gewachstem Antrieb, denn dieser bietet weniger Korrosionsschutz als Öl, das im Gegensatz zu Wachs nachkriechen kann. Über Nacht kann daher schon der erste Rost auf einer nass geparkten Wachskette blühen. Daher sollten gewachste Antriebe nach jeder Nassfahrt abgetrocknet und idealerweise nachgeschmiert werden.
Wie weit das Bike mit einer Wachsung kommt, variiert. Hersteller versprechen zum Teil Laufleistungen von bis zu 1.000 Kilometern pro Anwendung. Das mag unter bestimmten Bedingungen auf der Straße zutreffen, nach unserer Erfahrung sind 200 Kilometer eine realistischere Praxis-Reichweite, bei winterlichen Bedingungen auch deutlich weniger. Tendenziell kommen wir mit Öl weiter.
Unser Test zeigt, dass die Versprechen der Hersteller tatsächlich stimmen: Kettenwachs schmiert sehr gut. Die besten schlagen in der Effizienz auch ein sehr gutes High-End-Kettenöl - allerdings nur knapp. Der Effizienzgewinn gegenüber der Original-Schmierung von Shimano, die eher Korrosionsschutz-Charakter hat - ist hingegen deutlich. 5,5 Watt spart ein gutes Wachs hier bei 370 W Antriebsleistung. Das sind immerhin 1,5 Prozent. Wenig oder viel? Das liegt im Auge des Betrachters. Die Original-Schmierung der Kette durch etwas Schnelleres zu ersetzen, sollte zumindest für Rennfahrer Pflichtprogramm sein. Verschlissen und/oder verdreckt sind die Unterschiede zwischen den Produkten mutmaßlich noch um einiges größer als in unserem Test ermittelt.
Bei höheren Leistungen nimmt der Wirkungsgrad des Kettengetriebes grundsätzlich zu. Das Ranking für die hohe Leistung ist daher nicht komplett identisch mit dem für die geringere Leistung. Unsere Messungen zeigen, dass die meisten Wachse auch bei sehr hoher Leistung - wie sie etwa E-Bikes entfachen - sehr gut funktionieren. Als Trend ist erkennbar, dass Heißwachse zuverlässig gut funktionieren und das Ranking anführen. Tropfwachse mischen zum Teil aber auch weit vorne mit. Auch ein Wachs-freier Trockenschmierstoff, das „Dry Fluid“, schneidet sehr gut ab.
Wachsen bringt’s. Mehr Tempo, mehr Haltbarkeit, saubere Finger. Der größte Aufwand ist das Entfetten der Ketten. Vorgewachste Ketten machen den Einstieg besonders leicht. Läuft das Wachsen erstmal, ist es nur wenig aufwändiger als Ölen und spart Bares, denn der Antrieb hält damit länger, was die Kosten fürs Wachsen mehr als kompensiert.
Die verschiedenen Kettenwachs-Konzepte
Heißwachs
Das Kettenwachs wird aufgeschmolzen und die demontierte Kette ins Wachsbad eingelegt.
- Vorteil: Vollständige Befüllung der Kette mit Wachs
- Nachteil: Höherer Aufwand
Tropfwachs
Es wird wie Öl aus der Flasche aufgetragen.
- Vorteil: einfache Handhabung
- Nachteil: benötigt mehrere Stunden zum Trocknen, etwas weniger effizient als Heißwachs.
- Praktisch: die Kombination beider Methoden. Vorbereitung mit Heißwachs, Nachschmierung mit Tropfwachs. Vorgewachste Wechselketten sind eine weitere Option.
Vor- und Nachteile von Kettenwachs
- + Kaum Schmutzanhaftung, dadurch längere Lebensdauer
- + geringere Betriebskosten
- + Effizienzgewinn
- + nie mehr schwarze Finger
- - Erstaufwand des Entfettens
- - Korrosion nach Nassfahrten
- - Nachschmieren unterwegs problematisch
Laborwerte im Überblick
Heißwachse schmieren auf sehr hohem Niveau - je geringer der Reibungsverlust, desto besser.
Getestete Tropfwachse
Insgesamt haben wir zehn unterschiedliche Tropfwachse über den Prüfstand gescheucht. In der Handhabung sind diese natürlich etwas einfacher als die Heißwachs-Kollegen. Sehr ergiebig, geringste Mengen reichen. Ideal auch zum Nachschmieren auf Tour.
| Produkt | Preis | Größe / Preis pro Liter | Lösungsmittel / Additive | Verlustleistung 370 W | Verlustleistung 680 W |
|---|---|---|---|---|---|
| Dynamic Slick Wax | 12,99 Euro | 100 ml / 130 Euro | Wasser / keine | 15,9 W | 21,1 W |
| Finish Line Halo Wax Lubricant | 38,50 Euro | 120 ml / 321 Euro | Wasser / Wolfram, Keramik | 15,2 W | 17,7 W |
| Motorex Chain Wax | 9,95 Euro | 100 ml / 100 Euro | Wasser / keine | 13,7 W | 14,3 W |
| Muc Off Dry Lube Kettenwachs | 16,99 Euro | 120 ml / 142 Euro | Alkohol / keine | 13,3 W | 16,3 W |
| Silca Super Secret Chain Lube | 54 Euro | 240 ml / 225 Euro | Wasser / Wolframdisulfid | 13 W | 16,3 W |
| Toniq Chain Wax All Weather | 13,90 Euro | 100 ml / 139 Euro | Wasser / keine | 16,7 W | 17 W |
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