High-End-Sporthandschuhe im Test: Welches Modell bietet den besten Schutz?

Die wichtigste Funktion der Motorradhandschuhe ist, die Hände des Fahrers bei Stürzen zu schützen. Gleichzeitig müssen sie die Beweglichkeit der Finger garantieren sowie deren Auskühlen verhindern. Bei fast 85 Prozent der Motorradunfälle sind die Hände mit betroffen. Denn die Hände sind zum einen exponiert, zum anderen machen wir mit ihnen bei Stürzen automatisch Abwehrbewegungen. Auch bei einem Sturz mit dem Motorrad streckt man instinktiv die Hände aus, um sich abzufangen.

Zehn Paar High-End-Sporthandschuhe gingen ins Rennen, eine Preisobergrenze wurde dabei nicht genannt. Die Hersteller sollten jedoch nur Modelle antreten lassen, von denen sie selbst voll und ganz überzeugt sind und die sie guten Gewissens zumindest jedem Hobbyracer und Landstraßenheizer empfehlen können.

Die Testkandidaten im Überblick

Im Folgenden werden einige der getesteten High-End-Sporthandschuhe detaillierter betrachtet:

  • Held Phantom II: Dieser hochwertige Handschuh bietet Top-Schutz und gute Langlebigkeit. Er ist leicht an- und auszuziehen und überzeugt durch eine super Lederqualität sowie einen sehr stabilen Aufbau. Besonders hervorzuheben sind der vorbildliche Quetsch- und Abstreifschutz sowie die großflächige Aramidgewebe-Schutzlage. Einziger Kritikpunkt ist die mäßige Polsterung des Daumens und die anfängliche Steifheit.
  • Dainese Full Metal 6: Ein radikal rennsportlich gemachter Handschuh mit stabilem Korpus. Er zeichnet sich durch ein sehr solides Grundgerüst mit ergonomisch geformtem Knöchelprotektor, geschmeidiges Leder und einen stabilen Seitenaufprallschutz aus. Die Stulpe liegt optimal an und der Klettriegel verschließt sehr sicher. Verbesserungspotenzial gibt es bei der Klimatisierung und der Proportionierung der Finger.
  • Vanucci Speed Profi: Konsequent auf Sport getrimmt, aber gefällig genug für Landstraßentouren. Er bietet ein schön direktes Griffgefühl, festen Halt, einen stabilen Aufbau, sehr guten Knöchelschutz und eine Hartschale an der Stulpe. Die hochwertigen Materialien und die prima Verarbeitung sowie die gute Belüftung und Beweglichkeit sind weitere Pluspunkte. Der Handgelenk-Klettriegel ist jedoch zum Teil schwierig zu greifen und schließen, zudem ist eine längere Eintragezeit erforderlich.
  • Alpinestars GP Pro R2: Dieser Handschuh bietet klasse Schutz, ist sehr stabil im Mittelhandbereich und verfügt über großflächige Kunststoffschalen für guten Schutz an der Stulpe. Er hat passende Proportionen, einen knackigen Sitz und einen sehr hohen Abstreifschutz. Allerdings ist der Einstieg extrem eng und beschwerlich und er benötigt eine längere Eintragezeit.
  • Büse Donington Pro: Ein toller, alltagstauglicher Handschuh zum fairen Preis. Er ermöglicht die Smartphone-Bedienung, bietet ein angenehm zu tragendes Leder, ist vorbildlich mit einer Aramidlage unterfüttert und bietet ein exaktes Griffgefühl sowie komfortables Handling. Die Verarbeitung ist gut, jedoch ist die Gesamtkonstruktion wenig stabil und Daumen und Handkante sind nur mäßig geschützt.
  • Spidi Carbo 4: Ein gut gemachter, alltagsorientierter Universal-Handschuh mit sportlicher Ausrichtung. Die Fingerknöchelprotektoren sitzen passend, die Passform insgesamt ist gut, der Einstieg ist bequem und die Stulpe sitzt schön fest an und ist leicht zu schließen. Das Griffgefühl ist direkt, jedoch gibt es Kritik am schweißigen Innenfutter, der nachlässigen Verarbeitung und störenden Nahtwulsten an den Fingerkuppen.
  • Furygan Fit-R: Rein optisch spricht dieser Handschuh radikale Sportfahrer an. Er verfügt über eine mit Hartschale armierte, gut lange und eng anlegbare Stulpe, eine ordentliche Stabilität und eine Fingerbrücke sowie eine gute Belüftung. Je nach Testfahrer gab es jedoch teilweise unangenehme Druckstellen an den Verstärkungen, zudem gibt es Kritik an der etwas lustlosen Verarbeitung und dem indifferenten Griffgefühl.
  • Germot Highspeed: Mehr Poser als Vollblut-Sportler - dieser Handschuh ist für die Rennstrecke zu schwach und für den Alltag zu kompliziert. Er bietet angenehm geschmeidiges Leder, gute Beweglichkeit, einen torsionssteifen Handrücken-Protektor und eine Hartschalen-Stulpe sowie eine Fingerbrücke. Die Handhabung ist jedoch umständlich durch den Doppel-Klettverschluss an der Stulpe, die Konstruktion ist mäßig stabil, es gibt Scheuer- und Druckstellen, ein schwitziges Futter und eine teils nachlässige Verarbeitung.

Testergebnisse im Überblick

Hier eine Zusammenfassung der Testergebnisse:

Handschuh Bewertung
Held Phantom II Sehr gut
Dainese Full Metal 6 Sehr gut
Vanucci Speed Profi IV Sehr gut
Alpinestars GP Pro R2 Gut
Modeka Challenge Long Gut
Büse Donington Pro Gut
Spidi Carbo 4 Gut
Furygan Fit-R Befriedigend
Rev’it RS3 Befriedigend
Germot Highspeed Befriedigend

Tipps vor dem Handschuhkauf

Bevor Sie sich bei der Auswahl buchstäblich vergreifen, bitte auf folgende Punkte bei der Anprobe achten:

  • Beim Umschließen der Lenkergriffe sollten weder Fingerkuppen unangenehm anstoßen noch dürfen sich Falten oder Wulste an der Innenhand bilden.
  • Der Handgelenk-Klettriegel muss sicher und fest zu verschließen sein, um ungewolltes Abstreifen zu verhindern. Optimal ist eine gute Abdeckung des Riegels, damit er sich beim Sturz nirgends verheddern kann.
  • Unbedingt überprüfen, ob Hartschalen-Protektoren gut abgepolstert sind, um das Verletzungsrisiko nicht durch scharfe Kanten zusätzlich zu erhöhen.
  • Eine großflächige Klettlasche zur Weitenverstellung sorgt am Ärmel für festen, flatterfreien Sitz.
  • Insbesondere hochwertige Sporthandschuhe aus zunächst eher starrem Rinds- oder Känguruleder nicht zu groß kaufen: Sie weiten sich noch beim Tragen!

So testet MOTORRAD

Bei Fahrtests und im Labor nahmen die Tester alle Handschuhe unter die Lupe und bewerteten nach folgenden Kriterien:

  • Passform/Tragekomfort (35 Punkte): Auf einer kurvenreichen Passstrecke mit vielen Brems- und Kuppelaktionen wurden die Handschuhe von verschiedenen Fahrern auf Praxistauglichkeit und guten Sitz untersucht. Wie steht es um Griffgefühl, Beweglichkeit, Tragekomfort und Proportionen?
  • Sicherheit (35 Punkte): Auf dem Fallprüfstand der Firma Sas-Tec in Markgröningen wurde das Dämpfungsverhalten der integrierten Protektoren bewertet. Zudem wurden Verstärkungen, Abstreifschutz, Stabilität der Grundkonstruktion sowie der Abriebschutz durchs Obermaterial beurteilt.
  • Klimatisierung (15 Punkte): Schwitzig bei Sonne? Schlecht. Schnelles Auskühlen? Auch. Eine gute Balance ist optimal.
  • Ausstattung/Verarbeitung (15 Punkte): Lederdicke und -qualität sowie alle einzelnen Komponenten und die gesamte Verarbeitung des Handschuhs wurden bewertet.

Empfehlungen der MOTORRAD-Tester

  • Thorsten Dentges: Favorisiert auf reinrassigen Sportmotorrädern grundsätzlich nur feinstes Leder. Und findet Känguru nicht nur beim Zoobesuch am besten. Seine Favoriten sind Held und Dainese.
  • Tobias Beyl: Mag es gern etwas softer und setzt guten Tragekomfort vor ultraknackige Passform. Gut aussehen sollten die Teile natürlich auch! Seine Favoriten sind Germot und Furygan.
  • Jörg Lohse: Vollausstattung, darunter geht nichts! Am liebsten mit wahrer Materialschlacht: Titan, Karbon, Rochenleder, Kevlar-Inlays, Glasfasern et cetera. Sein Favorit ist Dainese.

Motorradhandschuhe: Leder oder Textil?

Ob die Motorradhandschuhe aus Leder (häufig Känguru- bzw. Ziegenleder) oder Textilmaterial sind, ist nicht nur Geschmackssache. Ältere ADAC Tests haben bewiesen, dass gute Lederhandschuhe abriebfester sind als Exemplare aus Textilien. Außerdem wichtig: Generell sollten alle Handschuhe Protektoren besitzen, die die besonders gefährdeten Knöchel und die Handballen schützen.

Da es unterschiedliches Protektoren-Material gibt, ist vor dem Kauf eine Beratung im Fachhandel empfehlenswert. Es gibt Protektoren aus PU-Schaummaterialien, die sich bei Stürzen versteifen. Ein Laie kann diese kaum von Schaumstoff unterscheiden, der als Polsterung eingearbeitet wurde und sich bei Beschädigung der Handschuh-Oberfläche sofort auflösen würde.

Gute Hersteller bieten für bis zu 300 Euro Racing-Handschuhe aus besonders reißfestem Känguru- oder auch Ziegenleder an. Zum Schutz der Mittelhandknöchel sowie der Fingerglieder haben sie Einsätze aus Hightech-Materialien, z.B. Kevlar oder Karbon.

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