Kompakt-E-Bikes erfreuen sich dank ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ungebrochener Beliebtheit. Sie lassen sich optimal auf Reisen in einem Caravan mitnehmen, passen in jede Stadtwohnung und fahren auch auf Feld- und Waldwegen ohne Allüren. Mittlerweile gibt es die „Kleinen“ in so vielen Ausstattungsvarianten, dass jeder ein optimales Kompaktes für sich finden kann.
IMTEST hat fünf aktuelle Modelle sowohl im Alltag auf unterschiedlichen Untergründen gefahren als auch im akkreditierten Labor von Qima testen lassen. Dabei konnte das I:SY N3.8 ZR CX Comfort den Testsieg für sich entscheiden, während das Tern NBD S5I* den Preis-Leistungssieg holte.
Was ist ein Kompakt-E-Bike?
Die Kompakt-E-Bikes im Test kommen alle mit 20-Zoll-Reifen und sind von ihrer gesamten Konstruktion daher kleiner als ein Trekking- oder City-E-Bike. Dadurch lassen sie sich direkter manövrieren, wobei der tiefere Schwerpunkt Fahr-Sicherheit verleiht. Bezüglich ihrer Ausstattung und dem Fahrkomfort müssen sie sich aber nicht hinter den „Großen“ verstecken.
Die IMTEST-Favoriten
- Testsieger: I:SY N3.8 ZR CX Comfort
- 2. Platz und Preis-Leistungs-Sieger: Tern NBD S5i
- 3. Platz: Flyer Upstreet1 7.43
- 4. Platz: Bergamont Hans-E N5E Belt
- 5. Platz: Velo de Ville KEB 590
Im Folgenden werden die einzelnen Modelle detaillierter vorgestellt.
Testsieger: I:SY N3.8 ZR CX Comfort
Das I:SY punktet, wie der Name bereits erahnen lässt, mit einer sehr komfortablen Ausstattung. Dazu zählen nicht nur die Griffe und die gefederte Sattelstütze sondern auch das Kiox 500-Display, mit dem man sich in Kombination mit der Bosch eBike Flow App gut navigieren lassen kann. Die Gesamtausstattung schlägt allerdings beim Preis zu Buche. Mit knapp 5.000 Euro ist das N3.8 ZR CX Comfort mit das teuerste Rad im Test.
PRO: Das E-Bike kombiniert eine Rundum-Sorglos-Ausstattung mit hoher Reichweite, sehr guten Bremswerten und einem hohen zulässigen Gesamtgewicht von 150 Kilogramm.
KONTRA: Der Energieverbrauch bei der Messung der Akkuleistung ist mit 8,9 Wattstunden / Kilometer etwas hoch.
Imtest Ergebnis: gut 1,7
2. Platz und Preis-Leistungs-Sieger: Tern NBD S5i
Das E-Bike von Tern richtet sich nach eigenen Angaben aufgrund der Rahmengeometrie an Menschen, die aus verschiedensten Gründen Probleme mit einem “normalen” E-Bike haben. Denn mit 25 Kilogramm (inklusive Akku) ist das NBD S5i immerhin das leichteste Rad unter den Testkandidaten, was sich auch positiv in der Handhabung bemerkbar macht.
PRO: Sehr einfaches Auf- und Absteigen, lieferte beim Reichweitentest mit 59,5 Kilometern das beste Ergebnis.
KONTRA: Pedalen lassen sich nicht wie bei den anderen Testkandidaten umklappen.
Imtest Ergebnis: gut 1,8
3. Platz: Flyer Upstreet1 7.43
Das Flyer Upstreet1 7.43 besticht durch seine schlanke Optik, da es den Akku elegant im Rahmen verbaut hat und dadurch sehr aufgeräumt daherkommt. Mit 54,5 Kilometern erzielte es bezüglich der Reichweite den gleichen guten Wert wie das I:SY. Dazu gesellt sich ein geringer Energieverbrauch von 7,7 Wattstunden / Kilometer und ein hoher Unterstützungsfaktor bei 6%iger Steigung von 3,4.
KONTRA: Wünschenswert wäre noch ein Tragegriff im Rahmen, so würde das Pendeln mit dem Rad noch vereinfacht werden.
Imtest Ergebnis: gut 2,0
4. Platz: Bergamont Hans-E N5E Belt
Das Hans-E N5E Belt wirkt auf den ersten Blick mit am wuchtigsten von allen fünf Testkandidaten, was sich auch beim Gewicht von 28,8 Kilogramm widerspiegelt. Der Einsatzzweck liegt hier klar im urbanen Bereich, denn dank Front- und Heck-Gepäckträger lässt sich so einiges an Einkäufen mitnehmen. Alternativ kann auch ein Kindersitz auf dem Heckträger montiert werden. Ebenso praktisch für die Stadtwohnung: Hans lässt sich aufrecht parken.
PRO: Viele praktische Alltagsfeatures, mit 20,2 km/h sehr schnell bei 6%iger Steigung im Test, dazu eine hoher Unterstützungsfaktor von 3,4.
KONTRA: Motor optisch nicht ganz so schön verbaut und um den Akku herauszunehmen, muss das E-Bike senkrecht stehen (Entnahme aus dem unteren Ende des Unterrohrrahmens - siehe Foto).
Imtest Ergebnis: gut 2,2
5. Platz: Velo de Ville KEB 590
Das E-Bike von Velo de Ville bietet einen hohen Fahrkomfort auf sämtlichen Untergründen, da es sowohl mit einer Federgabel als auch mit einer gefederten Sattelstütze ausgestattet ist. Dank Schnellspannern für Sattel und Lenker sowie einklappbaren Pedalen lässt es sich gut im Wohnmobil verstauen. Ein Tragegriff im Rahmen erleichtert dabei die Handhabung.
PRO: Auch wenn das E-Bike in dieser Ausstattung ohne Display kommt, lässt es sich mit der Bosch eBike Flow App koppeln. So kann der Nutzer viele Feinabstimmungen vornehmen und weitere Funktionen nutzen.
KONTRA: Trotz schlankem Antriebssystem (Bosch Performance Line SX) bringt das KEB 590 gut 28 Kilogramm auf die Waage. Zudem ist es das teuerste E-Bike im Test.
Imtest Ergebnis: befriedigend 2,6
Testergebnisse im Detail
Die Darstellung der detaillierten Testergebnisse ist aufgrund von Aktualisierungen oder technischer Anpassungen momentan nicht oder nur eingeschränkt möglich. Aktualisieren Sie bitte diese Seite regelmäßig, um die neueste Darstellung anzuzeigen. Dieser Test wurde vollständig oder in Teilen vor dem 1.1.2025 durchgeführt und folgt noch nicht dem IMTEST-Bewertungsverfahren 2025. Eine Aktualisierung erfolgt in Kürze und kann ggf. zu geringfügigen Änderungen von Noten und/oder Platzierungen führen.
So testet IMTEST E-Bikes
Reichweite, Motorunterstützung, Bremskraft und Fahreindruck - diese und weitere Testpunkte musste alle fünf Kompakt-E-Bikes durchlaufen.
Unterschiedliche Motorkraft für verschiedene Bedürfnisse
Ein genauerer Blick auf das Testfeld lässt schnell erkennen, dass durchweg alle Räder mit einem Bosch-Antrieb ausgestattet sind, wenn auch verschiedene Varianten mit unterschiedlichem Drehmoment. Von 55 Nm beim Velo de Ville bis hin zu 85 Newtonmeter beim I:SY ist quasi alles dabei, in der Mitte liegen Flyer (60 Nm), Tern und Bergamont (beide 65 Nm). Hier stellt sich mitunter schnell die Frage, welcher Motor samt Akku am besten für ein Kompakt-E-Bike geeignet ist, wo die Unterschiede sind und wie man als Leihe die technischen Daten bewerten sollte.
Kurz gesagt, gibt das Drehmoment des Motors, angegeben in Newtonmeter, an, wie viel Kraft der Motor auf die Antreibswelle oder den Antriebsstrang ausüben kann, um das Fahrzeug anzutreiben. Sprich, je höher Wert in Newtonmeter, desto kraftvoller ist die Unterstützung. Es kommt immer ganz auf den Einsatzzweck an. Wenn ein E-Bike nur im Flachland bewegt wird und nur selten schwere Lasten transportieren muss, reicht ein Motor mit einem maximalen Drehmoment von 40 bis 50 Newtonmetern durchaus. Fährt man oft und gerne in hügeligen Gegenden, auch abseits befestigter Wege oder zieht regelmäßig einen Hänger mit, macht ein Motor mit einem höheren Drehmoment auf jeden Fall Sinn.
Reichweite: Das lieferten die Testkandidaten im Prüflabor
Um einen objektiven Vergleich unter den E-Bikes zu schaffen, hat IMTEST die fünf Testkandidaten ins international akkreditierte Prüflabor von Qima geschickt. Beim genormten Reichweitentest 200 („R200“) wird nicht nur, wie der Name schon verrät, die Reichweite ermittelt. Der Energieverbrauch, gemessen in Wattstunden pro Kilometer, sowie die Akkukapazität in Wattstunden, werden ebenso gemessen und geben Aufschluss über die Performance des Rads. Weitere Werte, die Qima in diesem Zusammenhang prüft, sind die Geschwindigkeit bei 6%iger Steigung sowie der Unterstützungsfaktor.
Spannenderweise haben fast alle Test-E-Bikes mit 500 Wattstunden und 545 Wattstunden (laut Hersteller) fast gleich leistungsstarke Akkus. Nur das Velo de Ville kommt mit einem 400 Wattstunden-Modell, der in der Basisausstattung meist mit dem SX-Antriebssystem kombiniert ist. Entsprechend ähnliche Werte haben die Kompakt-E-Bikes bezüglich der Reichweite geliefert. Bergamont kommt hier auf 50,2 Kilometer, I:SY und Flyer jeweils auf 54,5 und Tern auf 59,9 Kilometer. Lediglich das Velo de Ville schaffte nur 34,1 Kilometer.
Bosch Performance Line SX-Antrieb sorgt nicht für Leichtgewicht
Den Antrieb, den Velo de Ville hier gewählt hat, ist der neue Bosch Performance Line SX, der in erster Linie für sportliche, leichte Räder wie Gravel-E-Bikes entwickelt wurde. Mit einem Gewicht von 28 Kilogramm ist das KEB 590 jedoch fast genauso schwer wie ein normales Trekking-E-Bike, weswegen der Antrieb an dieser Stelle seine Vorteile, das Fahrradgewicht insgesamt zu reduzieren und sportlich unterwegs zu sein, kaum ausspielen kann. Wer mag, kann jedoch mit einem Range Extender, also einem externen Zusatzakku, die Reichweite einfach steigern.
Die Unterschiede, die bereits beim Reichweitentest ersichtlich sind, ziehen sich auch bei den weiteren Labormessungen fort. Während alle vier Räder, außer das Velo de Ville, bei den 6%igen Steigungsfahrten eine gute Geschwindigkeit zwischen 19,7 Stundenkilometer (I:SY) und 22,9 Stundenkilometern (Tern) erzielten, lag das KEB 590 nur bei 13,7 Stundenkilometern. Auch beim Unterstützungsfaktor waren sich die E-Bikes von Flyer, Tern, Bergamont und I:SY einig und erzielten jeweils einen Wert von 3,4, beziehungsweise 3,5 (I:SY). Das Velo de Ville erreicht hier nur einen Faktor von 2,1.
Ein Kompakt-E-Bike wird sowohl gerne als Alternative zum City-E-Bike genutzt, aber ist auch als Urlaubsrad äußerst beliebt. Fährt man jedoch auf anspruchsvollerem Terrain oder mit viel Gepäck, ist man mit einem der anderen vier E-Bikes mitunter besser bedient.
Fahreindruck und Handhabung
Alle fünf Testkandidaten bieten durchweg ein sehr gutes Fahrgefühl und bringen auch abseits befestigter Wege und auf Kopfsteinpflaster eine gewisse Dämpfung. Dafür sorgen zum Teil die dicken Reifen, wie beim Bergamont und I:SY, wo sie etwa 60 Millimeter dick sind, aber auch die Federungen. Während I:SY, Flyer und Tern eine gefederte Sattelstütze mitbringen, hat das Bergamont eine Federgabel. Das Velo de Ville ist sogar mit beidem ausgestattet.
Alle fünf Testkandidaten bieten eine angenehme, aufrechte Sitzhaltung. Auch Sattel und Griffe bieten einen hohen Wohlfühlfaktor. Bis auf das Velo de Ville schalten alle Räder per Drehknauf, das KEB 590 hat hingegen Schalthebel. Hier kommt es auf den individuellen Geschmack an, womit man im Alltag besser zurechtkommt. Als Besonderheit ist das I:SY hier mit einer stufenlosen Schaltung von Enviolo ausgestattet, die sich auch unter Last und bei einem Ampelstopp problemlos, ebenso per Drehknauf, schalten lässt.
Durch ihre Bauart bieten die Kompakten gerade auch E-Bike-Neueinsteigern und körperlich beeinträchtigten Menschen eine gewisse Sicherheit, da man sich gut und schnell mit beiden Beinen am Boden abstützen kann. Besonders das E-Bike von Tern kommt mit einem besonders tiefen und breiten Einstieg und bietet dank Zweibeinständer auch vollbeladen einen sicheren Stand.
Sicher bei jedem Wetter zum Stehen kommen: der Bremsentest
Auch bei der Messung der Bremskraft setzt IMTEST auf das international akkreditierte Prüflabor von Qima. In Anlehnung an die Norm EN 15194 werden sowohl die Vorder- als auch Hinterradbremsen bei nassen und trockenen Bedingungen getestet. Mit einer simulierten Handkraft von 60 Newton wird dann geprüft, wie hoch die Bremsleistung ist.
Bei dieser Prüfung brillierten durch die Bank durch alle fünf Testkandidaten mit Noten zwischen einer glatten Eins (Flyer und Tern) bis 1,6 (Velo de Ville). Selten waren bei einem Vergleichstest alle Räder in diesem Punkt so überzeugend. Das heißt für die Radfahrer: Egal, welches Wetter, ab auf den Sattel und los geht’s.
Kaufberatung: Was Sie vor dem Kauf eines Kompakt-E-Bikes beachten sollten
Kompakt-E-Bikes werden gerne als Alternative zum City-E-Bike genutzt, weswegen die Testkandidaten allesamt Möglichkeiten zum Gepäcktransport sowie ein hohes zulässiges Gesamtgewicht mitbringen. Beim I:SY und Flyer liegt dieses sogar bei 150 Kilogramm.
Wer sein Kompaktrad als Stadtbike nutzt, findet zudem beim Bergamont und Tern ein praktisches Feature: Ist im Fahrradkeller nicht viel Platz, können sie senkrecht geparkt werden.
Hier sind einige wichtige Fragen und Antworten rund um das Thema Kompakt-E-Bikes:
FAQ: Kompakt-E-Bikes
- Was ist ein Kompakt-E-Bike? Kompakt-E-Bikes sind kleiner als herkömmliche E-Bikes und haben meist 20-Zoll-Reifen.
- Worin unterscheiden sich Kompakt-E-Bikes von Falträdern? Falträder lassen sich noch kleiner zusammenfalten als Kompakt-E-Bikes.
- Sind Kompakt-E-Bikes für längere Touren geeignet? Ja, mit dem passenden Akku und Motor sind auch längere Touren möglich.
- Sind Kompakt-E-Bikes für alle Körpergrößen geeignet? Ja, viele Modelle lassen sich an verschiedene Körpergrößen anpassen.
- Wie schwer sind Kompakt-E-Bikes? Das Gewicht variiert je nach Modell, liegt aber meist zwischen 20 und 30 Kilogramm.
- Kann ich ein Kompakt-E-Bike leicht transportieren? Ja, durch ihre kompakte Größe lassen sie sich leichter im Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren.
- Sind Kompakt-E-Bikes für Offroad-Fahrten geeignet? Einige Modelle mit breiten Reifen und Federung sind auch für Offroad-Fahrten geeignet.
- Wie teuer ist ein gutes Kompakt-E-Bike? Die Preise variieren stark, je nach Ausstattung und Marke.
Fehleinschätzungen über Kompakt-E-Bikes
Es gibt einige Vorurteile gegenüber Kompakt-E-Bikes. Hier werden die häufigsten Fehleinschätzungen widerlegt:
Fehleinschätzung 1: So kleine Reifen und Felgen sind nicht stabil genug.
Doch, kleine Räder sind sogar stabiler als die großen. Je kleiner ein Laufrad, desto stabiler ist es bei gleichem Aufbau. Eine Acht in so ein Laufrad hineinzubekommen ist fast schon eine Herausforderung. Verständlich: Je länger etwas ist, desto leichter lässt es sich verbiegen - und das trifft auf Felgen auch zu.
Fehleinschätzung 2: Da muss man so viel treten.
Das war schon ein beliebtes Argument gegen die Eingang-Klappräder der 70er-Jahre. Und: Es traf dort zu. Durch die kleinen Räder kam man flugs vom Fleck, aber in Sachen Geschwindigkeit waren diese Räder ein Malheur. Für über 20 Stundenkilometer musste man ein Meister der hohen Trittfrequenz sein. Doch das wäre auch damals schon anders möglich gewesen: mit Gangschaltungen wie bei unseren Testboliden. Und dadurch haben, unabhängig von der Motorunterstützung, unsere Kompakt-E-Bikes durchgängig eine Übersetzung, die eine Trittfrequenz wie etwa bei großen Laufrädern ermöglicht. Hinzu kommt die Leistung der Motoren, die auch niedrigere Trittfrequenzen mit wenig Trittkraft möglich machen.
Fehleinschätzung 3: E-Bikes mit so kleinen Rädern sind unkomfortabel.
Richtig ist zunächst, dass kleinere Reifendurchmesser kleine Hürden wie eine Bordsteinauffahrt weniger leicht “schlucken”. Doch haben unsere Zwanzigzöller grundsätzlich dicke Reifen von mindestens 50 Millimetern Breite. Diese rollen auch mit wenig Druck sehr leichtfüßig. Nebeneffekt: Sie dämpfen Schläge vom Untergrund deutlich besser als schmale Reifen, mit denen man nur höhere Luftdrucke fahren kann. Wer die Pneus seines Kompaktrads also nicht auf vier, sondern nur bis gut 2 bis 2,5 Bar aufpumpt, kann damit relativ komfortabel unterwegs sein. Beachten Sie den auf der Reifenflanke angegebenen Druck! Nebenher: Der natürliche Feind des City-Bikers, die Straßenbahnschiene, verliert mit den breiten Reifen auch seine Schrecken.
Fehleinschätzung 4: One Size fits all - das geht nicht!
Können Kompakträder wirklich für Körpergrößen zwischen 1,60 und 1,90 Metern passen? Und wieso geht das bei anderen Rädern nicht? Die erste Frage ist einfach zu beantworten. Können Sattelhöhe, Lenkerhöhe und eventuell auch Lenkerneigung ausreichend breit verstellt werden, fühlen sich Menschen innerhalb dieses Größenspektrums ergonomisch tatsächlich wohl. Die zweite Antwort ist komplexer. Vereinfacht gesagt: Es liegt an den kleinen Laufrädern.
Die Standardgröße für Laufräder ist für City- und Tourenräder 28 Zoll. Es gibt aber daneben noch wichtige Rahmenmaße, unter anderem für den Radstand - den Abstand der Achsen. Er wächst bei “großen Rädern” alleine deshalb schon mit der Größe des Radlers, weil ansonsten die Fußspitzen in Kurven mit dem Vorderrad in Konflikt kämen. Verwende ich ein 20-Zoll-Vorderrad, passiert das nicht. Wenn aber der Radstand bei einem 28-Zöller so gewählt wird, dass es auch bei großen Menschen keinen solchen Konflikt gibt, wird das Rad für kleine Menschen schlicht zu lang, und auch die Lenkgeometrie wäre für sie schwierig.
Fehleinschätzung 5: Das spart nicht wirklich Platz.
Doch, und zwar lang wie breit. Ein 28er-Fahrrad hat eine Gesamtlänge von etwa 195 Zentimetern. Bei unseren Falträdern kommen wir im Mittel auf etwa 165 Zentimeter.
Zuladung der Kompakt-E-Bikes
Einkauf, Baumarkt, Kindertaxi: Unsere Kompakträder sind auch Transporträder im Kleinen. Hier sehen Sie auf einen Blick, wie viel ein 75 Kilogramm schwerer Fahrer auf dem jeweiligen Bike noch zuladen kann. Achtung: Dieser Wert sagt aber nichts über die Belastbarkeit der Träger aus. Die Daten finden Sie im jeweiligen Testbrief.
- Bergamont: 27,3 Kilo
- Cooper: 30,6 Kilo (Träger: 10 Kilo)
- Riese und Müller: 34,5 Kilo
- I:sy: 48,9 Kilo
- Winora: 50 Kilo
- Kalkhoff: 67,5 Kilo
Die Rahmen der Kompakt-E-Bikes
Meist bilden Kreuzrahmen-ähnliche, stabile Frames die Basis für Kompakträder. Bis auf den Rahmen des lifestyligen Cooper UTY sind das sehr robuste Alurahmen mit großen Rohrquerschnitten, durchwegs sauber verarbeitet und mit gelungener Aufnahme des Mittelmotors, auf den alle Testprobanden setzen. Bei manchen Bikes gibt es eine teilbare Hinterbaustrebe, die das Einfädeln eines Antriebsriemens erlaubt. Das Tinker erledigt das noch eleganter durch einen speziellen Hinterbau. Die Kettenstrebe verläuft hier nicht innerhalb, sondern oberhalb des Riemens.
Kompakt heißt auch robust und tragfähig: Kurze, dicke Rohre können mehr Last verkraften als lange - auch daher sind diese Räder oft bessere Lastenträger als die Normalos. So liegen die Systemgewichte der Räder zwischen 130 und satten 170 Kilogramm (Kalkhoff).
Komfort bei Kompakt-E-Bikes
Wer mehr Komfort will, als ihn die breiten Reifen bieten können - was schon einiges ist -, sollte auf eine Federstütze wie am Kalkhoff setzen. Sie spricht gut an und ist per Lenkerhebel absenkbar.
Noch mehr Federung? Das Test-Tinker kann mit einer fein arbeitenden Federgabel und einer ebensolchen Parallelogramm-Federstütze fast schon Fully-Gefühle bieten.
Was die kleinen, fetten Reifen grundsätzlich besser können als die meisten anderen, ist Kopfsteinpflaster. Hier scheitern sogar hochwertige Federgabeln. Mit dem richtigen (geringen) Luftdruck befüllte Breitreifen bollern die nervigen Steine nahezu weg.
Gepäcktaschen auf Kompakträder?
Fast immer sind Kompakt-E-Bikes mit Gepäcktaschen-tauglichen Heckträgern ausgestattet. Wegen der kleinen Räder und vor allem bei Trägern mit zweiter Reling hängen die Taschen sehr tief, was dem Schwerpunkt und damit dem sicheren Handling zugutekommt.
Am käfigartigen Träger des Bergamont-Trägers sind Gepäcktaschen dagegen sehr simpel anzuhängen, ohne irgendwo anzuecken. Beim Fahren mit 20 Kilo Gepäck schnitten unsere Kompakten übrigens durchwegs gut bis sehr gut ab - besser als mancher Tiefeinsteiger!
Die Listen mit nützlichem Zubehör für die Kleinen sind oft lang. So gibt es beim I:sy nicht nur den klassischen Korb - auch den für Vierbeiner - und viele verschiedene Taschen, sondern ebenso spezielle (System-)Gepäckträger für vorne und hinten. Dabei sind auch Adapter erhältlich, die das schnelle, sichere Anbringen von speziellem Zubehör ermöglichen.
Bequem-Einsteiger vs. Tiefeinsteiger
Tiefer Einstieg ist für Kompakt-E-Bikes Pflicht. Doch während wir bei einem 28-Zoll-Rad mit Oberrohr bei mittlerer Rahmenhöhe mit gut 80 Zentimetern Oberrohrhöhe rechnen müssen, geht das mit dem I:sy schon bei rund 47 Zentimetern los. Das Kalkhoff fordert 52, Bergamont 55, Winora 57, Riese und Müller etwa 64 und das Cooper 67. Die beiden letzten sind sicher nicht besonders Stop-and-go-affin, doch auch hier ist das Aufsteigen immer noch weit angenehmer als per Beinschwung über den Sattel und auch für kleine Menschen gut machbar.
Kompakt, aber sicher!
Auch in Sachen Sicherheit werden die Kompakt-E-Bikes wie Große behandelt werden. So finden wir an den Vorderrädern teilweise große 180er-Bremsscheiben, mit denen die Räder durchweg knackig und wohldosiert verzögern, aber auch mit 160ern wie am Tinker und Cooper ist die Verzögerung angemessen.
Der City-Affinität kommt das Rahmenschloss wie am I:sy oder Cooper zugute. Schnell mal vorm Bäcker abstellen, damit sichern und - in Sichtweite - einkaufen, das erleichtert den Alltag. Fürs Langzeitparken braucht es natürlich ein starkes Schloss und einen Anschluss an einen Fahrradbügel oder ein Verkehrszeichen.
Perfekt ist ein ins Rad integrierter Tracking-Chip wie im Tinker. Der ist mittlerweile bei vielen E-Bike-Herstellern erhältlich und führt bei Diebstahl oft zum Wiedererhalt des Rads.
Was bekommt man also mit den Kleinen für 3000 bis 5000 Euro?
Durchwegs Räder, die für die City und vielen Pendelwegen darin prädestiniert sind wie das Radius, die durchaus extrem komfortabel sein können, wie man am Tinker erlebt, bis auf den Lifestyle-Charmeur Cooper sehr familienfreundlich daherkommen und nicht zuletzt jede Menge Fahrspaß auch mit Gepäck bieten, wie am I:sy.
Dabei orientieren Sie sich haltungsmäßig mal eher am Hollandrad wie dem Bergamont, mal eher am Tourer wie dem Kalkhoff und fahren wirklich alles deutlich ausgewogener, als es der Skeptiker, der vom klassischen 28er kommt, erwartet. Und manches ist schon eine Stilikone, wenn auch eine aus dem Alltag...
Tabelle: Kompakt-E-Bikes im Vergleich
| Modell | Motor | Akku | Reichweite (ca.) | Gewicht | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|
| I:SY N3.8 ZR CX Comfort | Bosch Performance Line CX | 500 Wh | 54,5 km | 27,25 kg | 5.000 € |
| Tern NBD S5i | Bosch | 500 Wh | 59,9 km | 25 kg | 4.000 € |
| Flyer Upstreet1 7.43 | Bosch | 500 Wh | 54,5 km | 26 kg | 4.500 € |
| Bergamont Hans-E N5E Belt | Bosch | 500 Wh | 50,2 km | 28,8 kg | 3.800 € |
| Velo de Ville KEB 590 | Bosch Performance Line SX | 400 Wh | 34,1 km | 28 kg | 4.200 € |
| Kalkhoff Entice C.B Excite+ | Bosch Performance Line | 490 Wh | 68 km | 26 kg | 3.499 € |
| Riese & Müller Tinker2 | Bosch Performance Line | 490 Wh | 59 km | 24 kg | 4.800 € |
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