Kniearthrose und Radfahren: Studien und Empfehlungen

Die Natur genießen und mit Bewegung etwas für die Gesundheit tun? Dafür ist Fahrradfahren die ideale Sportart. Immer mehr Menschen schwingen sich aufs Rad. Ob mit dem E-Bike oder klassisch mit Trekkingrad oder Mountainbike: Rad fahren bringt dich in Schwung und sorgt für gute Laune. Sogar bei Rücken- oder Knieschmerzen kannst du dich aufs Fahrrad schwingen und losradeln - wenn du ein paar wesentliche Dinge beachtest.

Gesundheitliche Vorteile des Radfahrens

Rad fahren hat vielfältige positive Auswirkungen auf deine Gesundheit. Grundsätzlich bietet es ein sehr gutes Herz-Kreislauf-Training: Wer regelmäßig Rad fährt, kann damit sein Herz stärken und die Durchblutung verbessern, was wiederum den Körper besser mit Nährstoffen versorgen kann. Aber du kannst nicht nur etwas für deine Ausdauer tun, sondern trainierst und kräftigst gleichzeitig deine Bein- und Rückenmuskulatur.

Rad fahren kann dir somit auch dabei helfen, das Risiko weit verbreiteter Beschwerden wie Venenleiden, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Osteoporose zu verringern. Ein Ausflug mit dem Rad ins Grüne hat zudem einen positiven Effekt auf die Psyche: Bewegung an der frischen Luft, in der Natur hilft dir dabei, den Kopf freizubekommen. Du wirst merken, dass du entspannter und gelassener wirst - und dass dir Stress im Alltag nicht mehr so viel anhaben kann.

Radfahren bei Arthrose: Was Studien sagen

Bei Arthrose im Knie galt intensiver Sport lange als tabu. Doch Studien zeigen: Bewegung kann einen künstlichen Gelenkersatz hinauszögern und Arthrose vorbeugen. Berlin - Auf die positiven Effekte von Sport auch für Arthrosepatienten weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hin. Allerdings komme es auf „den richtigen Sport im richtigen Maß“ an, um das Fortschreiten einer Arthrose zu bremsen, hieß es aus der Fachgesellschaft.

Studien belegen zumindest eindeutig, daß sich körperliche Aktivität positiv auf die Gelenke auswirkt: Nährstoffe werden in den Knorpel hinein-, Abbauprodukte herausbefördert und die Aktivität der Chondrozyten wird angeregt. Außerdem stärkt sie die Muskulatur, verzögert den Krankheitsverlauf und wirkt schmerzlindernd.

Untermauert wird der Nutzen von Sport bei Arthrose zum Beispiel durch eine britische Untersuchung, die beim Europäischen Rheumatologen-Kongreß in Berlin im vergangenen Jahr vorgestellt worden ist (MMW 43, 2004, 19). Das Ergebnis der Analyse: Im Schnitt verringerten sich bei regelmäßigem Walking die Schmerzscore-Werte um 17 Prozent, beim Muskeltraining um sieben Prozent. Insgesamt sei daher nur eines sicher: Bewegung ist gut.

Mit Arthrose im Knie sind grundsätzlich fast alle Sportarten erlaubt. Jeder Erkrankte muss sein individuelles Maß finden. Vorteilhaft ist es, wenn die Sportart schon vor der Erkrankung ausgeübt wurde. Die neue Überarbeitung der medizinischen Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ gibt wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Behandlung von Kniearthrose. Sie soll Millionen Betroffenen in Deutschland helfen, denn Kniearthrose zählt zu den häufigsten Gründen für Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit.

E-Bikes und Gelenkschonung

Der Boom der E-Bikes ist nicht zu bremsen. Viele Menschen, für die das „normale“ Fahrradfahren nicht infrage kam, haben durch die motorunterstützten E-Bikes wieder Freude am Radeln gefunden. Und tatsächlich: Die Flitzer sind ideal für alle, die länger keinen Sport gemacht haben und erst wieder an die Bewegung herangeführt werden möchten.

Auch für Menschen im fortgeschrittenen Alter sowie mit Beschwerden oder Vorerkrankungen können E-Bikes empfehlenswert sein. Wer Kniebeschwerden hat und das Knie nicht so stark belasten kann, ist mit einem E-Bike gut beraten. Denn hier kann die Intensität durch die Unterstützung entsprechend gesteuert werden, und es muss mit weniger Druck in die Pedale getreten werden.

Tipps für gelenkschonendes Radfahren

  • Die richtige Radeinstellung: Nur mit der richtigen Radeinstellung wird's gesund für Muskeln und Knochen. Die ideale Trittfrequenz liegt bei 80 bis 100 Pedalumdrehungen pro Minute. Deshalb sollte man auch eher in niedrigen Gängen fahren.
  • Individuelle Anpassung: Generelle Empfehlungen für ein standardisiertes Bewegungsprogramm sind nach Ansicht von Professor Jürgen Freiwald, Sportwissenschaftler von der Universität Wuppertal, kaum möglich. Aber welche, das müsse individuell ausprobiert und je nach aktuellem Beschwerdebild immer wieder verändert werden.
  • Vermeidung von Überlastung: Gibt es beruflich oder durch Freizeitsport bedingte Über- und Fehlbelastungen von Gelenken, und wie oft treten Zeichen einer aktivierten Arthrose (Schmerzen, Schwellung) auf? Steile Berge sollten von Patienten mit Gonarthrose vermieden werden, da dabei das Kniegelenk stark belastet wird.
  • Regelmäßigkeit: Wichtig ist vor allem, daß das Training regelmäßig erfolgt. Den besten Effekt für die Gelenke erreicht man, wenn man regelmäßig trainiert, also mindestens dreimal in der Woche oder 30 Minuten jeden Tag.
  • Weitere Sportarten: Schwimmen ist nicht gleich SchwimmenSchwimmen gehört zwar prinzipiell zu den günstigen Sportarten bei Arthrose, da dabei das Körpergewicht wenig auf die Gelenke drückt. So sind Kraul- und Rückenschwimmen vor allem bei Arthrosen an Hüft- und Kniegelenken empfehlenswerter als das meist praktizierte Brustschwimmen mit dem gelenkbelastendem Beinscherenschlag.

Wichtige Hinweise

Bevor man Patienten von ihrem Lieblingssport abrät - etwa Golf oder Kegeln wegen Rücken- oder Kniebeschwerden - sollte überlegt werden, wie man den Sport gelenkschonender betreiben kann. Es gibt einige Erkrankungen und Knieverletzungen, bei denen Hinson dringend vom Radfahren abrät. Du solltest das Radfahren auch einschränken, wenn du dabei ungewöhnlich starke Schmerzen hast, fügt er hinzu.

Bei akuten Schmerzen sollte man keinen Sport betreiben. Arthrose kann sowohl durch zu wenig als auch durch zu viel Bewegung entstehen. Wenn du in einer schönen Landschaft unterwegs bist, gibt es natürlich viel zu gucken. Denke aber bitte stets daran, auf den laufenden Verkehr zu achten, und behalte die Strecke im Blick. Gerade im Wald oder an unübersichtlichen Biegungen ist besondere Aufmerksamkeit geboten, damit es nicht zu Unfällen mit Wanderern oder anderen Radfahrern kommt.

Weitere Empfehlungen der DGOU

Insbesondere bei Arthrosen im Kniegelenk empfiehlt die DGOU Radfahren, Nordic Walking, Skilanglauf, Schwimmen, Aqua-Jogging und Wassergymnastik, Rudern, Aerobic, Ausdauertraining auf dem Cross-Trainer oder Krafttraining im Fitnessstudio. Sportarten wie Squash, Hand-, Fuß- oder Volleyball, Joggen, Reiten, Ski alpin und Tennis sind laut der DGOU wegen der hohen Stoßbelastungen eher schädlich für das Kniegelenk.

Besonders schädlich sei allerdings Inaktivität: „Wer sich - etwa aus Angst vor Schmer­zen - kaum noch bewegt, produziert weniger Gelenkflüssigkeit. Der Knorpel im Knie­gelenk wird dann spröde, was zu noch mehr Verschleiß und Schmerzen führt“, warnt die Kongresspräsidentin.

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