Knieschmerzen beim Radfahren: Ursachen und Lösungen durch die richtige Sattelhöhe

Knieschmerzen beim Radfahren sind ein weit verbreitetes Problem. Viele Menschen klagen über Knieschmerzen beim Radfahren, und dafür kann es eine Vielzahl von Ursachen geben. In unseren Bikefitting Services werden wir mit dem Problem „Knieschmerzen beim Fahrradfahren“ täglich konfrontiert. Dieser Artikel soll dir helfen, das Problem genauer zu verstehen, mögliche Ursachen einzugrenzen und erste Schritte zu unternehmen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Differenzierung von Knieschmerzen beim Radfahren

Es ist unwahrscheinlich, dass es für deine Knieschmerzen beim Radfahren einen schnellen und simplen Fix gibt. Schmerzen sind generell sehr komplex und so wie sie kamen, so werden sie vermutlich auch wieder gehen. Die Entstehung der Schmerzen ist meist eine Kombination aus:

  • Rad-bezogenes Problem (das Knie wird durch eine fehlerhafte Einstellung einer oder mehrerer Kontaktpunkte am Rad in eine ungünstige Bewegung oder Stellung „gezwungen“),
  • direktes muskuläres Problem (ein bestimmter Muskel, der an der Kniebewegung involviert ist, arbeitet akut oder chronisch „dysfunktional“) oder
  • indirekt muskuläres, peripheres Problem (der betroffene Muskel kompensiert ein Problem, was eigentlich an einer anderen Stelle liegt).

In den meisten Fällen ist jeder Knieschmerz (wie auch nahezu jeder andere Schmerz) sehr häufig eine Kombination aus mehreren, wenn nicht allen drei Faktoren. Nur sehr sehr selten tauchen bei einem völlig mobilen, flexiblen und gestärkten Körper Knieprobleme beim Radfahren auf, die einzig und allein auf die falsch eingestellte Radposition zurückzuführen sind. Wenn doch, dann sind die Fehleinstellungen in diesen Fällen oft so extrem, dass man sie mit einem detaillierteren (auch laienhaften) Blick identifizieren und beheben können sollte.

Rad-spezifische Fehleinstellungen als Ursache von Knieschmerzen

Neben möglichen Vorschäden im Bereich des Knies, falscher Fußstellung am Pedal, zu wenig flexiblen oder zu wenig kräftigen Muskeln in Beinen und Hüfte können auch Fehler im Setup des Fahrrads Ursachen für Knieschmerzen sein. Drei grobe Themenfelder für die Ursache von Knieschmerzen auf dem Rad kann man unterscheiden:

  • Sitzposition, Sattelposition und oder Sattelhöhe inklusive der Platzierungen der Füße auf dem Pedal sind nicht richtig eingestellt.
  • Es gibt ein Ungleichgewicht (Dysbalance) innerhalb deiner Hüft-, Bein- und oder Rumpfmuskeln mit resultierenden Ausweichbewegungen.
  • Du führst die Tretbewegung nicht ideal aus.

Cleats

Als erste Ursache für Knieschmerzen beim Radfahren lassen sich oft falsch eingestellte Cleats nennen. Ein zu weit nach vorn gestelltes Cleat bringt das Knie am oberen Wendepunkt höher und führt damit zu einem spitzen Kniewinkel beim Einstieg in die Druckphase. Sehr ungünstig, da dies zu ungünstigen Kraftverhältnissen rund um die Kniescheibe (sog. retro-patellarem Druck) führen kann. Gleiches gilt im übrigen auch für eine zu lange Kurbellänge! Im Zweifelsfall also das Cleat nach hinten nehmen (und eventuell die Kurbellänge verkürzen)! Ebenso kann ein Cleat mit falsch eingestellter Rotation zu Rotationsbewegungen und damit Scherkräften über die Knieachse führen. Hier sollte man darauf achten, dass man (pauschal betrachtet) das Cleat so einstellt, dass die Ferse des Fußes leicht nach innen rotiert.

Sattelhöhe

Wirklich einer der häufigsten Verursacher von Knieschmerzen beim Radfahren ist eine schlecht eingestellte Sitzhöhe. Ein zu tief eingestellter Sattel führt zu einem spitzen Kniewinkel beim Einstieg in die Druckphase und damit zu ungünstigen Kraftverhältnissen rund um die Kniescheibe. Ein zu hoch eingestellter Sattel hingegen bringt oft eine Überstreckung des Knies mit sich und reizt dabei gerne Ansätze der hinteren Muskulatur und vor allem des Tractus Iliotibialis. Als (sehr plakative) Hilfestellung gilt hier, Schmerzen an der Vorderseite des Knies deuten oft auf eine zu niedrige Sitzhöhe, Schmerzen an der Rück- und Außenseite des Knies eher auf eine zu hohe Sitzposition hin.

Sattelneigung und falscher Sattel

Ja auch die Wahl des richtigen Sattels, vor allem aber auch dessen Lage (in Vor- Rückrichtung) und Neigung beeinflussen stark die Belastung des Knies. Ein extrem nach vorne gestellter, sowie nach vorne geneigter Sattel verlagern den Körperschwerpunkt nach vorne und erzeugen eine Art „Drehmoment“ auf dem Rad. Der Körper „Kippt“ nach vorne. Dies, gepaart mit etwas schwacher Körperhaltemuskulatur führt oft zu einer Kompensation im Tritt. Es wird im Einstieg der Druckphase etwas gegen das Pedal „gestemmt“ um sich quasi auf dem Sattel stabil zu halten. Hier wird erneut viel Kraft bei spitzem Kniewinkel erzeugt, was zu Überlastung führen kann. Ein extrem weit nach hinten versetzter oder auch nach hinten geneigter Sattel führen dagegen oft zu einem sehr rückversetzten Körperschwerpunkt und aufrechter Beckenlage, was eine effektive Kraft aus der Streckmuskulatur erschwert. Tipp: Am besten hier erst einmal aus einer visuell, neutralen Einstellung starten und eher tiefer anfangen. Der Fuß sollte auch durch den unteren Punkt nicht zu spitz werden, das Knie leicht gebeugt bleiben.

Cockpitposition

Auch die Lage des Cockpits beeinflusst die Belastung des Knies. Ähnlich wie ein schlecht eingestellter Sattel beeinflusst auch das Cockpit die Lage des Körperschwerpunkts auf dem Rad. Ein zu weit entferntes Cockpit „zieht“ den Körper sozusagen nach vorne auf dem Rad. Kleiner Tip: Wenn man beim Fahren nicht ohne große Hilfsbewegungen die Hände über den Lenker streichen kann, spricht das für einen nach vorn orientierten Körperschwerpunkt.

Muskuläre Ursachen für Knieschmerzen

Sehr viel häufiger tauchen allerdings Knieschmerzen beim Radfahren auf OHNE offensichtlichen Fehler in der Radeinstellung gibt. Warum? Schmerzen haben meistens etwas mit fehlerhafter bzw. nicht adäquater Muskelbeanspruchung zu tun. Viele Muskeln machen nicht wirklich das „wofür sie vorbereitet bzw. gemacht wurden“. Oft auch einfach aus dem Grund, weil andere Muskeln nicht das tun was sie sollen und andere Muskeln entsprechend deren „Aufgaben übernehmen“. Dies gilt sowohl für alle Muskel, die direkt Kraft auf das Pedal bringen, wie auch Muskeln, die den Körper fixieren und halten während Kraft übertragen wird.

Eines der größten und gängigsten Probleme in Relation zu Knieschmerzen beim Fahrradfahren sind Dysbalancen und Schwächen hüftumliegender Muskulatur. Hüftbeugende Muskeln, die für die Pedalbewegung essenziell sind, werden permanent verkürzt. Die gluteale Muskulatur (Gesäßmuskeln), die bei der Pedalbewegung kraftvoll nach hinten unten strecken könn(t)en werden quasi permanent „ausgeschaltet“. Es entsteht ein manifestes Ungleichgewicht, von dem angrenzende Muskeln oft in Mitleidenschaft gezogen werden.

Steigen wir nun mit dieser „dysfunktionalen“ Hüftmuskulatur aufs Rad, sind kompensatorische Maßnahmen quasi vorprogrammiert. Zum Beispiel weicht das Knie am oberen Wendepunkt gerne nach außen um den Hüftbeuger zu entlasten.

Was tun bei Knieschmerzen trotz korrekter Radeinstellung?

Wenn das Rad optimal eingestellt ist und trotzdem Knieschmerzen auftreten, liegt die Ursache oft in einer fehlerhaften Muskelbeanspruchung. Dysbalancen und Schwächen der Hüftmuskulatur sind häufige Probleme. Hier sind einige Maßnahmen, die helfen können:

  • Die statische Haltung der hüftumliegenden Muskeln muss regelmäßig aufgelöst werden!
  • Stretching des Quadriceps
  • Dynamisches Längen der Hüftbeuger (Stichwort „Hüftöffner“)
  • Kräftigen der glutealen und posterioren Muskelgruppen
  • Stärkung der tiefen Bauchmuskulatur

Es braucht dazu nicht viel. Einige Hilfsmittel (die gibt es z.B. allen an einem Ort bei Gorilla Sports) und eine kleine Routine an Übungen. Die Regelmäßigkeit der Übungen ist hierbei wesentlich entscheidender als die „Härte“ der einzelnen Session. Es geht nicht um das große Workout, sondern 10min täglich während der Kaffee durchläuft!

Zusammenhang von Schmerz und Ursache

Prinzipiell lässt sich der Zusammenhang von Schmerz und Ursache am Knie recht einfach ergründen und dann auch abstellen. Leider entspricht der Schmerzort recht selten exakt dem Problemort, die Ursache kann irgendwo zwischen unterem Rücken und Fußspitze liegen. Sehr selten resultieren Knieprobleme aus genau einer Fehlstellung, falscher Einstellung am Bike oder einer einzigen Dysbalance im Körper. Viel wahrscheinlicher sind Kombinationen.

Sattelhöhe richtig einstellen

Um den Sattel richtig einzustellen wird bei modernen Fahrrädern meist ein Inbusschlüssel benötigt, bei älteren Modellen einen Ring- oder Gabelschlüssel. Als erstes sollte der Sattel waagerecht justiert werden. Das gelingt am Besten mit einer Wasserwaage. An jeder Sattelstütze gibt es eine oder zwei Klemmschrauben.

Zu tiefer Sattel belastet das Knie stärker und sorgt für eine schellere Ermüdung der Muskulatur. Um eine überhöhte Sitzposition auszugleichen muss die Fußspitze nach unten bewegt werden. Dadurch wandert der Druckpunkt am Fuß, vom Fußballen (Großzehengrundgelenk) zu den Fußzehen. Das Pedalieren mit den Fußspitzen sorgt für eine schlechtere Kraftübertragung und viel Druck auf die Zehen. Ist der Sattel zu hoch wird das Knie durchgedrückt und der Fuß überstreckt. Es erhöht sich der Druck auf den vorderen Teil des Fußes.

Die Fersenmethode

Die einfachste Methode, um die Sattelhöhe richtig einzustellen, ist die Fersenmethode. Der Vorteil: Es werden keine Werkzeuge benötigt, und sie kann auch während einer Tour durchgeführt werden.

  1. Auf das Fahrrad setzen
  2. Ein Pedal mit dem Fuß bis auf die tiefste Stelle drehen
  3. Ferse auf das untere Pedal stellen
  4. Das Knie ist locker durchgedrückt: ideale Sitzhöhe
  5. Das Knie ist angewinkelt: Sattel zu niedrig
  6. Das Pedal wird mit der Ferse nicht oder nur mühsam erreicht: Sattel zu hoch

Tipp: Sollte es vorkommen, dass Sie beim Fahren trotzdem auf dem Sattel hin und her rutschen, könnte der Sattel noch ein wenig zu hoch sein. Testen Sie, ob Sie stabiler sitzen, wenn Sie die Sattelhöhe 1 bis 2 Zentimeter niedriger stellen.

Die Hügi-Methode

Zahlenaffine sind mit der Hügi-Methode gut beraten. Diese mathematische Formel zur Berechnung der Sitzhöhe wurde in den 1980er-Jahren vom Schweizer Wilfried Hügi entwickelt. Zunächst wird die Schrittlänge gemessen. Diese Zahl wird anschließend mit dem Faktor 0,885 multipliziert. Das Ergebnis ergibt den optimalen Abstand von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Fahrradsattels.

Weitere Tipps zur Vermeidung von Knieschmerzen

  • Korrekte Sitzposition: Ein professionelles Bikefitting kann Abhilfe schaffen und dir ein angenehmeres und schnelleres Fahren ermöglichen.
  • Regelmäßige Dehnung und Kräftigung: Gehe häufiger auf die Matte und erhöhe deine Mobilität und Stabilität mit Athletiktraining oder Yoga.
  • Langsam steigern: Steigere das Kilometerpensum und die Intensität langsam.
  • Leichte Gänge verwenden: Vermeide zu hohe Belastungen.
  • Enge Beinführung beachten: Achte darauf, dass die Knie parallel und möglichst nah am Rahmen geführt werden.

Übungen zur Kräftigung und Dehnung

  • Kräftigung des Hüftstreckers und des Rückens: Leg Dich rücklings auf eine Decke oder den Teppich, stelle nun einen Fuß neben das Knie des anderen Beins. Drücke langsam den aufgestellten Fuß in den Boden und hebe damit den Po vom Boden soweit es geht, ziehe dabei nicht die Ferse Richtung Gesäß, die Kraft kommt aus dem Pomuskel, nicht dem Beinbeuger.
  • Dehnung Gesäßmuskel: Stelle dich vor einen stabilen Tisch oder hüfthohe Arbeitsfläche, lege ein Bein mit der Außenseite so darauf, dass die Fußsohle in Richtung der Hüfte weist. Zieh den Fuß so weit wie möglich zu dir hin, bleibe aber gerade stehen. Jetzt neige deinen Oberkörper nach vorne und lege dich auf das exponierte Bein.
  • Langen Hüftbeuger dehnen: Lege ein gefaltetes Handtuch als Polster auf zum Beispiel eine stabile Tischkante oder ein Geländer in oder knapp unter Hüfthöhe. Stehe mit dem Rücken dazu etwa drei Handbreit weit weg und lege einen Fuß Höhe Sprunggelenk auf das Polster. Beuge jetzt das Standbein etwas, bleib mit dem Oberkörper aber aufrecht und spanne den Bauch an, dabei sollte sich die Hüfte des zu dehnenden Beins überstrecken.
  • Seitliche Knie- und Sprunggelenkmuskeln kräftigen: Zur Stabilisierung von Gelenken sind Balanceübungen ideal. Wer kein Balanceboard oder ähnliches besitzt, braucht nur einen Besenstil und ein stabiles Schneidbrett oder dickes Buch. Lege den Stil auf einen weichen Boden, damit der nicht wegrollen kann und platziere das Brett längs darauf. Stelle Dich einbeinig mit leicht gebeugtem Knie darauf und versuche, deine Stellung auszubalancieren.
  • Beinbeugemuskel und Waden flexibel machen: Stelle Dich zum Dehnen auf den Boden und lege ein etwa daumendickes Buch unter die Zehen beider Füße. Beuge den Oberkörper nach vorn und geh in den Dehnschmerz auf der kompletten Rückseite der Beine, wer es ertragen kann, zieht die Brust sogar Richtung Oberschenkel.

Tabelle: Fehler, Symptome und Lösungen bei Knieschmerzen

Symptom Wahrscheinliche Ursache Mögliche Lösung
Knievorderseite, Kniescheibensehne Ungünstiger Kniewinkel am oberen Totpunkt der Kurbel Flüssiger bzw.

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