Die Sitzposition auf einem Motorrad gehört zu den wichtigsten Kaufkriterien, wenn man ein Motorrad kaufen möchte. Ein brisantes und sehr komplexes Thema ist die Motorrädergonomie. Der Grund - wir alle haben anders geformte Körper. Leider ist es sehr schwer das rauszubekommen, nicht alle Händler haben Motorräder, da die man ggf. gerade sucht.
Die Bedeutung der Ergonomie
Wichtig in allen Fällen: Die Ergonomie muss zu unseren Körpermaßen passen und die Sitzposition ein gutes Gefühl von Sicherheit, Überblick und Fahrzeugbeherrschung vermitteln. Die Sitzhaltung beeinflusst maßgeblich die Beweglichkeit von Schultern, Nacken und Kopf und damit die immens wichtige Blickführung. Wer mal ein Sportmotorrad mit tief montierten Lenkerstummeln bewegt, merkt das schnell - spätestens, wenn er in die erste Bergauf-Serpentine einbiegt. Oder wer versucht, auf einem langen Cruiser mit vorverlegten Fußrasten den Rücken halbwegs gerade zu halten.
Den Rücken gerade, aber nicht ins Hohlkreuz durchgestreckt, die Arme leicht angewinkelt, den Blick weit voraus - das darf ruhig als Grundposition angesehen werden. Wenn wir die Arme strecken müssen, ist der Lenker zu weit weg und wir müssen die Entscheidung fällen, ob wir ihn näher heranholen oder uns nach vorne beugen. Bis auf die Hebeleien, die Lenkerposition in den Halterungen und bei manchen Maschinen die Sitzhöhe lässt sich meist nichts einstellen, Anpassungen an die persönliche Ergonomie erfordern daher oft auch einen Umbau. Der kann sich lohnen, denn wir wollen ja nicht verkrampft auf dem Bike thronen, sondern idealerweise mit leicht nach vorne gekipptem Becken sowie leichter Körperspannung in Beinen und Oberkörper eine aktive Sitzposition einnehmen.
Nur dann können wir das Körpergewicht reaktionsschnell so verlagern, wie es die Situation erfordert: Beim Beschleunigen stützen wir uns über die Beine nach hinten ab, beim Bremsen mit Knieschluss am Tank nach vorn. In Kurven rutschen wir leicht nach innen oder folgen mit einem Hüftknick dem Schräglagenwechsel des Motorrads. Auf diese Weise wird der Lenker auch nicht als Haltestange missbraucht, sodass wir keine Störeinflüsse in das Fahrwerk einleiten.
Anpassen von Hebeln und Pedalen
Was an Hebeln und Pedalen einstellbar ist, sollte der aktiven Sitzposition angepasst werden. Bei ausgestreckter Hand zu Brems- und Kupplungshebel sollten Unterarm, Handfläche und Finger des Fahrers eine gerade Linie bilden.
Weitere Tipps für eine entspannte Fahrt
- Die Hände sollten die Griffe immer locker umfassen.
- Regelmäßig atmen, um Verspannungen zu vermeiden.
- Bei längeren Touren: aufrecht hinsetzen, Schultern und Arme locker, Blick voraus, die Hände abwechselnd fest und locker um die Griffe, Füße mit den Ballen auf die Rasten.
- Bei nächster Gelegenheit eine Pause machen.
Die Rolle des Kniewinkels
Viele Motorradfahrer kennen das Problem, zu schnell in die Kurve zu fahren. Ich kenne viele Motorradfreunde, die unzufrieden mit dem Kniewinkel ihres Bikes sind. Die wenigsten von ihnen wussten, dass sich der Kniewinkel auf dem Motorrad durch ein paar Veränderungen am Motorrad zu deinem Wohl, ganz einfach verändern lässt. So kannst du beispielsweise den Sitz deines Motorrads einfach in der Höhe verstellen. Achte bei der Umstellung jedoch darauf, dass ein zu tief eingestellter Sitzt zu einem engen Kniewinkel führt. Wenn sich der Sitz deines Motorrads nicht verstellen lässt kannst du auch einen Sattler mit der Anpassung deines Sitzes beauftragen.
Eine weitere Möglichkeit den Kniewinkel zu beeinflussen, ist die Fußrasten zu verstellen. Viele sportliche Motorradfahrer haben ihre Fußrasten weiter oben platziert, was einen engeren Kniewinkel zur Folge hat. Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass ein zu weit eingestellter Kniewinkel die Kontrolle über dein Bike gefährdet. Ein zu eng eingestellter Kniewinkel kostet dich viel Kraft, sodass du keine langen Strecken ohne Schmerzen fahren kannst. Als ich letztens lange mit einem zu engen Winkel gefahren bin, sind sogar meine Beine eingeschlafen.
Die Bedeutung der Körperhaltung
Um die bestmögliche Sitzposition einnehmen zu können, solltest du dich Vorne in der Nähe des Kraftstofftanks platzieren. So bleibt die untere Körperhälfte sicher auf dem Bike, da das Gewicht auf den Vorderreifen verteilt wird. Um hier die beste Sitzposition erlangen zu können, halte deine Arme und deinen Rücken entspannt und selbstverständlich gebeugt. Auf diese Weise ist dein Körper bereit, die Auswirkungen von Straßenunebenheiten zu ertragen. Zudem sind die Auswirkungen von Unebenheiten auf das Fahrgestell des Motorrads, von diesem leichter zu verkraften. Um die größtmögliche Beweglichkeit auf dem Bike zu haben, solltest du deine Wirbelsäule gerade halten. Schiebe hierzu dein Becken nach vorne. Diese aufrechte Haltung gewährleistet dir eine größere Beweglichkeit, sodass du in Gefahrensituationen schneller und besser reagieren kannst.
Zur richtigen Sitzhaltung auf dem Motorrad gilt auch, dass du deine Ellenbogen anwinkelst. Richte deinen Blick immer gerade aus und lasse dich nicht ablenken. Kommen wir zu deinen Händen die hoffentlich in sicheren Motorradhandschuhen eingepackt sind. Deine Finger und Handfläche sollten eine Linie haben. Diese Haltung ermöglicht dir, dass du Bremse, Gas und Kupplung besser und einfacher bedienen kannst. Wenn es einfach geht, mach es also nicht extra schwierig. Dank des sicheren Halts der Füße zwischen den Fußrasten, ist es dir problemlos möglich dein Körpergewicht je nach Bedarf leicht zu verlagern. Wenn deine Füße nicht sicher auf den Fußballen sitzen, kann es passieren, dass deine Schuhe in der Kurve auf den Boden schleifen.
Häufige Fehler vermeiden
- Ein häufiger Anfängerfehler von Motorradfahrern ist es die Schultern nach oben zu ziehen.
- Dies ist meist die Folge einer zu großen Nervosität und Angespanntheit.
- Beim Fahren ist es wichtig, dass du regelmäßig auf dem Motorrad atmest.
- Menschen atmen unter Stress oft sehr unregelmäßig, das merke ich auch oft bei mir.
- Das heißt, um entspannt auf dem Bike zu sein, solltest du dich daran gewöhnen, in regelmäßigen Abständen zu atmen.
Online-Rechner zur Simulation der Ergonomie
Bisher war die übliche Vorgehensweise so, dass man die Höhe der Beinlänge nimmt und aus Erfahrungen auf Motorrädern dies extrapolieren zu lassen. Dafür haben wir recherchiert und haben das Tool „Motorrad Ergonomie Simulator,“ gefunden. Dieses Tool hilft dir. genau das Problem zu lösen. So kannst du simulieren, wie du auf das Motorrad passen würdest. Das Tool ist in Englisch. Wir haben alle Punkte (siehe unterstehendes Bild) übersetzt.
Die rechte Seite zeigt es im Original in Englisch an. Oben im Menü kannst du dein Motorrad aussuchen. Sobald du dein Motorrad gefunden hast gib die Höhenangabe an und weiter unten kannst du die Passform angeben. 1-3 Grad z.B. beim Hüft/Kniewinkel sind schon ein großer Unterschied oder die Sitzhöhe, da wirken 2-3 cm manchmal schon Wunder. Mit jeder Änderung erkennst du dann, ob du deine Füße vom Motorrad auf den Boden bringen kannst.
Der Simulator gibt den Knie- und Hüftwinkel sowie die Sitzhöhe an sowie die Vorwärtsneigung. Der Clou der Simulator misst es genau an der Stelle, wo du auf dem Motorrad sitzt und nicht am tiefsten Punkt des Sitzes (machen die meisten Hersteller). Der beste Weg die Zahlen zu nutzen ist, dass man ein Motorrad wählt, dass du gefahren bist und das gut zu dir passt. Dieses musst du dann mit Motorrädern vergleichen, die du in Betracht ziehst. Man sollte sich auf den ersten Blick nicht von der Seite täuschen lassen, sie sieht veraltet aus, scheint aber sehr gut gepflegt zu sein.
Sitzhöhe und Körpergröße
Die Auswahl, welches Motorrad sich für einen 1,90-Meter- Mann eignet und welches für eine 1,60-Meter-Frau, ist durchaus knifflig. Die von den Herstellern genannte Sitzhöhe allein genügt jedenfalls nicht, schließlich kommt es auch auf den Abstand zu den Fußrasten und zum Lenker an. Da helfen Sitzsimulatoren im Internet weiter.
Sie können die Suche nach einem Motorrad, das Ihrer Körpergröße besonders gut entspricht, mit einem Kniff vereinfachen. Messen Sie dafür den Abstand von Ihrer Fußsohle bis nach oben zu Ihrem Schritt aus. Somit ergibt sich die Sitzhöhe. Nehmen Sie die Messung zunächst ohne Schuhe vor.
Empfohlene Sitzhöhe nach Körpergröße (ungefähre Angaben):
| Körpergröße | Empfohlene Sitzhöhe |
|---|---|
| 160 cm | ca. [Wert] |
| 165 cm | ca. [Wert] |
| 170 cm | ca. [Wert] |
| 175 cm | ca. [Wert] |
| 180 cm | ca. [Wert] |
| 190 cm | ca. [Wert] |
Eine Tabelle wie diese sollte ausschließlich als ungefährer Anhaltspunkt dienen, wie die Erfahrung zeigt. Doch Vorsicht: Selbst, wenn die Sitzhöhe eines Motorrads laut Tabelle zu den eigenen Maßen passt, können andere Faktoren die Maschine trotzdem als unpassend ausschließen.
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