Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen ohne Helm: Eine statistische Analyse

Für die einen gehört ein Fahrradhelm zu jeder Fahrt dazu, andere stört er eher. Zweifelsohne schützt ein Helm vor schweren Kopfverletzungen - ganz gleich, ob man auf einer langen Fahrradtour unterwegs ist oder nur zum Bäcker um die Ecke fährt.

Die Bedeutung des Fahrradhelms

Um den Schutz eines Helmes zu verdeutlichen, verweist der Neurologe auf den Melonentest: Lässt man eine Wassermelone aus 1,50 m Höhe auf den Boden fallen, zerbricht sie. Wird die Melone allerdings in einem Helm befestigt fallen gelassen, bleibt sie unbeschädigt.

Prallt der Kopf ungeschützt auf Asphalt auf, kann es zu schweren Blutungen und Gewebeverletzungen im Gehirn kommen, so Neurologe Erbguth. Sprache, Motorik oder Bewusstsein könnten so geschädigt werden. „Im Falle eines Sturzes kann ein Helm dazu beitragen, eine schwere Kopfverletzung zu verhindern,“ sagt Prof. Dr. Michael J.

Fahrradhelme verringern das Risiko schwerer Verletzungen am Kopf. Diese sind oftmals besonders kritisch, denn nicht selten führen Stürze auf den Schädel zu bleibenden Schäden. Laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) bleiben etwa 73 Prozent Radfahrer mit Helm bei einem Unfall am Kopf unverletzt. Bei einem Fahrradunfall ohne Helm sind es dagegen nur 46 Prozent.

Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Sogar ein schlechter Helm kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.

Wie ein Fahrradhelm schützt

Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.

Statistiken und Fakten

Laut Polizeibericht gab es im Jahr 2017 608 gemeldete Fahrradunfälle im Stadtgebiet Freiburg, wovon einer sogar tödlich endete. „Die Mehrzahl der Radfahrer verletzten sich an den Beinen und an den Armen. Bei schwerstverletzten Unfallopfern ist aber meist die Kopfverletzung der entscheidende Faktor für das Überleben“, sagt der Unfallchirurg Dr. Hammer.

So sind laut Statistik Kopfverletzungen für die Hälfte aller Todesfälle bei Radfahrern ohne Helm verantwortlich. 474 Menschen kamen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2022 bei einem Fahrradunfall ums Leben, 2021 waren es 372.

Die Helmquote, das heißt der Anteil von Radfahrenden, die in Deutschland regelmäßig einen Helm tragen, lag 2021 bei knapp 32 Prozent, so die Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Insgesamt lag die Helmquote unter allen Radfahrenden bei 40,3 Prozent. Damit ist die Quote gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen: 2021 lag sie noch bei 34,6 Prozent.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat die Helmtragequoten der Fahrradfahrer - differenziert nach Altersgruppen - für das Jahr 2020 veröffentlicht. Zwar ist die Helmtragequote gegenüber dem Vorjahr in allen Altersgruppen der beobachteten Personen von 23 Prozent auf 26 Prozent geringfügig angestiegen, nichtsdestotrotz ist der niedrige Anteil von rund ¼ der Radfahrer, die mit Helm unterwegs besorgniserregend.

Etwa 78 Prozent der Kinder von 6 bis 10 Jahren hatten ein Helm auf (-4 Prozent). Bei den 11- bis 16-Jährigen ist die Nutzung um 16 Prozent eingebrochen (38 statt 54 Prozent in 2020). Auch bei anderen Altersgruppen veränderte sich die Nutzung stark. Einen Anstieg um das Doppelte ist bei der Altersgruppe der 31- bis 40-jährigen zu beobachten (von ca. 15 auf 30 Prozent).

Im Jahr 2019 stellte die Altersgruppe der über 65-Jährigen mehr als die Hälfte der getöteten Radfahrenden, bei Elektrofahrrädern lag der Anteil sogar bei 72 Prozent.

Tabelle: Helmtragequote nach Altersgruppen (BASt, 2020)

Altersgruppe Helmtragequote
6-10 Jahre 78%
11-16 Jahre 38%
31-40 Jahre ca. 30%

Helmpflicht: Ja oder Nein?

Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland aber nicht. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lehnt eine Pflicht ab.

„Aus unfallchirurgischer Sicht muss die Helmpflicht die logische Konsequenz der aktuellen Verletzungssituation sein“, so Dr. Hammer. Dass eine Helmpflicht wirksam ist, hat jetzt eine große Studie im Fachmagazin International Journal of Epidemiology gezeigt. In ganz Australien wurde Anfang der 1990er Jahre die Helmpflicht eingeführt.

Unmittelbar nach Einführung kam es jährlich zu fast 50 tödlichen Fahrradunfällen pro Jahr weniger. Die Forscher schätzen daher, dass bis 2016 etwa 1.300 Radfahrer weniger ums Leben gekommen sind als ohne Helmpflicht. „Die Studie bestätigt eindrücklich, was wir fast täglich im Notfallzentrum sehen“, sagt Dr. Hammer.

Da auch motorenunterstützte Zweiräder, als Pedelecs oder E-Bikes bezeichnet, immer beliebter werden, fordert die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie schon seit Längerem eine Helmpflicht für Elektrofahrräder ab 25 Stundenkilometer.

Eine Radhelmpflicht gibt es in Deutschland jedoch nicht und die meisten Akteure in der Präventionsarbeit wie die Deutsche Verkehrswacht sprechen sich auch nicht dafür aus. Es herrscht zudem Einigkeit, dass der Radverkehr gefördert werden muss. Der Helm rettet nachweislich Leben und macht den Radverkehr dadurch sicherer.

In Spanien besteht sie außerhalb geschlossener Ortschaften für alle. In weiteren Ländern, darunter Österreich, Tschechien, Kroatien und Schweden, müssen Kinder und Jugendliche grundsätzlich einen Fahrradhelm tragen. Dabei variiert die Altersgrenze von Land zu Land.

Die Gegner der Helmpflicht argumentieren, dass diese das Radfahren so unattraktiv mache, dass weniger Menschen mit dem Fahrrad unterwegs seien und deshalb auch weniger tödlich verunglücken.

Tipps zum Helmkauf und zum Tragen

Von großer Bedeutung für die Schutzfunktion des Helms sind dessen Art der Herstellung und sein Alter. Folgende Tipps sollten beim Kauf beachtet werden:

  • Der Helm muss den gängigen TÜV-Normen entsprechen
  • Der Helm muss gut passen und im Idealfall verstellbar sein, um „mitwachsen“ zu können
  • Ein Helm sollte nach jedem Aufprall und generell nach fünf Jahren ausgewechselt werden
  • Der Helm sollte nur zum Radfahren getragen werden. Keinesfalls sollten ihn Kinder beim Spielen aufbehalten, da er beim Herumtoben die Luft abschnüren könnte

Wichtig ist auch, dass der Helm auf dem Kopf nicht wackelt und gut angepasst ist. Petra Husemann-Roew vom Fahrradclub ADFC Bayern sagt: Beim Aufsetzen muss der Helm so auf dem Kopf sitzen, dass er nicht rutscht, wenn man sich nach vorn beugt - das kann man mit einem Einstellrädchen anpassen.

Der Riemen unterm Kinn darf einen Finger breit Luft haben, der Helm sollte über den Augenbrauen etwa zwei Finger breit frei lassen, und er sollte waagrecht sitzen.

Wichtig, so Husemann-Roew, ist auch, den Helm regelmäßig zu tauschen: etwa alle fünf bis sieben Jahre, denn Kunststoff altert, die Schutzwirkung lässt nach. Und: Nach jedem Ereignis, also wenn man auf den Helm gestürzt oder der hart heruntergefallen ist, sollte man ihn ebenfalls wechseln - denn dann können feine Haarrisse auftreten, die die Schutzwirkung ebenfalls mindern.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0