Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen: Eine statistische Analyse und die Bedeutung des Fahrradhelms

Radfahren ist eine beliebte und umweltfreundliche Fortbewegungsart, doch leider birgt sie auch Risiken. Ein Fahrradunfall ohne Helm kann schwerwiegende Folgen haben, insbesondere Kopfverletzungen. Dieser Artikel untersucht die Statistiken zu Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen in Deutschland, die Wichtigkeit des Tragens eines Helms und die rechtlichen Aspekte.

Die Realität der Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen

In der Neurochirurgie des Klinikums Ingolstadt zeigt Professor Siamak Asgari die CT-Aufnahme des Schädels einer 66-Jährigen. Die Frau war mit einem E-Bike ohne Helm unterwegs und ist auf die linke Kopfseite gestürzt. Was der Frau passiert ist: Das Gehirn schwimmt beim Menschen in Flüssigkeit im Schädel. Trifft der Schädel wie bei einem Sturz hart auf, schwappt es im Knochen hin und her - Verletzungen können deshalb auch auf der dem Aufprall gegenüberliegenden Seite auftreten.

Daten aus dem TraumaRegister DGU® zeigen für das Berichtsjahr 2019: Fahrradfahrer haben oft nur leichte Verletzungen an Armen und Beinen. Sind sie jedoch schwer verletzt, dann ist sehr oft der Kopf betroffen.

Laut Polizeibericht gab es im Jahr 2017 608 gemeldete Fahrradunfälle im Stadtgebiet Freiburg, wovon einer sogar tödlich endete. „Die Mehrzahl der Radfahrer verletzten sich an den Beinen und an den Armen. Bei schwerstverletzten Unfallopfern ist aber meist die Kopfverletzung der entscheidende Faktor für das Überleben“, sagt der Unfallchirurg Dr. Hammer. So sind laut Statistik Kopfverletzungen für die Hälfte aller Todesfälle bei Radfahrern ohne Helm verantwortlich.

Welchen Anteil Kopfverletzungen an diesen Zahlen haben, ist nicht bekannt, weil die amtliche Statistik bei einem Fahrradunfall nicht unterscheidet, welche Körperregion betroffen ist.

Die Schutzwirkung des Fahrradhelms

Aus seiner Erfahrung als Neurochirurg fordert Professor Asgari dringend vor allem bei E-Bikes die Fahrer und Fahrerinnen auf, einen Helm zu tragen. Der Helm dämpft den Aufprall. Asgari schätzt, dass Unfälle mit Helm die Wahrscheinlichkeit, bei einem Fahrradunfall zu sterben, um 80 Prozent reduziert, gefährdet sind besonders die 60- bis 80-Jährigen.

Rad- und Autofahrer können vieles tun, Unfälle zu vermeiden, doch ein Risiko bleibt. Unter diesen Rahmenbedingungen bieten Helme den Radfahrenden den bestmöglichen Schutz. „Fahrradhelme können Unfälle nicht vermeiden, aber die Verletzungsfolgen deutlich verringern. Kopf- und insbesondere Gehirnverletzungen können irreversible Schäden verursachen. Im Gegensatz dazu können wir heute Knochenbrüche so gut behandeln, dass diese meist folgenlos verheilen“, sagt Prof. Dr. Michael J. Raschke, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Münster.

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Wie ein Fahrradhelm schützt: Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.

Sehr anschaulich wird dies beim sogenannten Melonentest: Wenn die Frucht ungeschützt aus 1,50 Metern fällt, zerbricht sie. In einen - ausgemusterten - Fahrradhelm gelegt, richtig befestigt und aus der gleichen Höhe fallen gelassen, bleibt sie unbeschädigt.

Um den Schutz eines Helmes zu verdeutlichen, verweist der Neurologe auf den Melonentest: Lässt man eine Wassermelone aus 1,50 m Höhe auf den Boden fallen, zerbricht sie. Wird die Melone allerdings in einem Helm befestigt fallen gelassen, bleibt sie unbeschädigt. Prallt der Kopf ungeschützt auf Asphalt auf, kann es zu schweren Blutungen und Gewebeverletzungen im Gehirn kommen, so Neurologe Erbguth. Sprache, Motorik oder Bewusstsein könnten so geschädigt werden.

Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Empfehlenswerte Produkte sind im ADAC Test von Fahrradhelmen für Erwachsene und für Kinder zu finden. Eines der Resultate: Sogar ein schlechter Helm kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.

„Schwere Kopfverletzungen beim Fahrradfahrer sind häufiger als bei Motorradfahrern, die einen Helm tragen müssen. Das zeigt, dass Helme schwere Kopfverletzungen vermeiden können“, sagt Dr. Christopher Spering, Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Helmquote und Altersgruppen

Keinen Meter ohne Helm fordert Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer. Nach Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) trugen 2022 im Schnitt gut 40 Prozent aller Fahrradfahrer den Helm, bei den Pedelecs waren es über 60 Prozent. Besonders hoch ist die Quote bei Kindern bis zehn Jahren mit über 80 Prozent.

Auffällig ist, dass mit der zunehmenden Zahl von E-Bikes auch die Zahl der Fahrradfahrer ansteigt, die einen Helm tragen. Die Helmquote lag laut Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2022 bei Fahrerinnen und Fahrern konventioneller Fahrräder bei 34 Prozent. Unter den E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrern haben dagegen 60,1 Prozent einen Helm getragen. Insgesamt lag die Helmquote unter allen Radfahrenden bei 40,3 Prozent. Damit ist die Quote gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen: 2021 lag sie noch bei 34,6 Prozent.

Die Helmquote, das heißt der Anteil von Radfahrenden, die in Deutschland regelmäßig einen Helm tragen, lag 2021 bei knapp 32 Prozent, so die Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) [1]. Über alle Altersklassen hinweg ist sie seit der Vorjahreserhebung um etwa 5 Prozent gestiegen und erreicht damit ihren bisherigen Höchststand.

Jung oder alt: Wer trägt einen Helm? Die Helmtragequote lag 2022 bei 40,3 Prozent. Dabei war sie bei Pedelecfahrern mit 60,1 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (34 Prozent). Am höchsten - 81,3 Prozent - war sie 2022 bei den Jüngsten, nämlich bei Kindern von sechs bis zehn Jahren.

Mit 31,2 Prozent liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten.

Während die meisten Eltern ihrem Kind einen Helm aufsetzen, tragen Erwachsene oftmals keinen. Das zeigen Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen aus dem Jahr 2018. 82 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren tragen einen Helm. Über alle Altersgruppen hinweg trugen nur 18 Prozent der beobachteten Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen einen Schutzhelm. „Wir empfehlen das Helmtragen in jedem Alter“, sagt Spering. Dringend erhöhen müsse sich die Helmtragequote bei älteren Menschen. Denn hier steige das Unfallgeschehen stark an. „Wir sehen in der Klinik immer mehr ältere Radfahrer nach schweren Unfällen. Durch die verstärkte Nutzung von elektrischen Rädern erreichen sie schnell hohe Geschwindigkeiten, die sie dann schwerer kontrollieren können“, erklärt Spering.

Die Unfallstatistik für 2019 zeigt: Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2019 insgesamt 86.897 Fahrradfahrer, die bei einem Verkehrsunfall verletzt wurden. 15.176 Fahrradfahrer wurden schwer verletzt, 445 verunglückten tödlich. Radlerinnen und Radler der Generation 75+ sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. 2019 starben 188 Menschen dieser Altersgruppe bei einem Fahrradunfall, 60 davon mit dem E-Bike. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.

Etwa 78 Prozent der Kinder von 6 bis 10 Jahren hatten ein Helm auf (-4 Prozent). Bei den 11- bis 16-Jährigen ist die Nutzung um 16 Prozent eingebrochen (38 statt 54 Prozent in 2020). Auch bei anderen Altersgruppen veränderte sich die Nutzung stark. Einen Anstieg um das Doppelte ist bei der Altersgruppe der 31- bis 40-jährigen zu beobachten (von ca. 15 auf 30 Prozent). Dennoch besteht in allen Altersgruppen erhebliches Potential für mehr Verkehrssicherheit durch eine Steigerung der Helmtragequote. „Zu wenige Erwachsene entscheiden sich für einen Helm auf dem Fahrrad“, sagt Dr.

Hier eine Tabelle, die die Helmtragequote nach Altersgruppen im Jahr 2022 zusammenfasst:

Altersgruppe Helmtragequote
6-10 Jahre 81,3%
17-21 Jahre 31,2%
Pedelecfahrer 60,1%
Konventionelle Radfahrer 34%

Tipps zum Helmkauf und zum Tragen

Wichtig ist auch, dass der Helm auf dem Kopf nicht wackelt und gut angepasst ist. Petra Husemann-Roew vom Fahrradclub ADFC Bayern sagt: Beim Aufsetzen muss der Helm so auf dem Kopf sitzen, dass er nicht rutscht, wenn man sich nach vorn beugt - das kann man mit einem Einstellrädchen anpassen. Der Riemen unterm Kinn darf einen Finger breit Luft haben, der Helm sollte über den Augenbrauen etwa zwei Finger breit frei lassen, und er sollte waagrecht sitzen.

Tipps zum Helmkauf und zum Tragen: Die wichtigste Empfehlung ist, auch für jede noch so kurze Strecke auf dem Rad einen Helm zu tragen. Vor dem Kauf sollte man ihn unbedingt anprobieren. Dass der Helm den geltenden Anforderungen genügt, zeigt das CE-Kennzeichen als Mindestanforderung.

Der Helm sollte mit einer LED-Beleuchtung und reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen ausgestattet sein. Noch besser wird die Sichtbarkeit mit einem hellen Design in auffälligen Farben. Vor dem Aufsetzen ist darauf zu achten, dass die Riemen nicht verdreht sind. Beim aufgesetzten Helm sollen sie vor und hinter dem Ohr vorbeilaufen. Das Kinnriemenschloss darf bei straff gespanntem Riemen nicht direkt auf dem Unterkieferknochen aufliegen, sondern unter dem Kinn.

Der Helm soll mittig auf dem Kopf sitzen und die Hälfte der Stirn bedecken. Bei geschlossenem Kinnriemen darf er sich nicht verschieben lassen. Der TÜV empfiehlt ebenso wie der ADAC, einen Helm nach fünf Jahren auszumustern. Nach einem Sturz ist der Helm zu entsorgen und zu ersetzen.

Wichtig, so Husemann-Roew, ist auch, den Helm regelmäßig zu tauschen: etwa alle fünf bis sieben Jahre, denn Kunststoff altert, die Schutzwirkung lässt nach. Und: Nach jedem Ereignis, also wenn man auf den Helm gestürzt oder der hart heruntergefallen ist, sollte man ihn ebenfalls wechseln - denn dann können feine Haarrisse auftreten, die die Schutzwirkung ebenfalls mindern.

Von großer Bedeutung für die Schutzfunktion des Helms sind dessen Art der Herstellung und sein Alter. Folgende Tipps sollten beim Kauf beachtet werden:

  • Der Helm muss den gängigen TÜV-Normen entsprechen
  • Der Helm muss gut passen und im Idealfall verstellbar sein, um „mitwachsen“ zu können
  • Ein Helm sollte nach jedem Aufprall und generell nach fünf Jahren ausgewechselt werden
  • Der Helm sollte nur zum Radfahren getragen werden. Keinesfalls sollten ihn Kinder beim Spielen aufbehalten, da er beim Herumtoben die Luft abschnüren könnte

Gesetzliche Regelungen und Versicherungsschutz

Auf den Versicherungsschutz hat der Helm keinen Einfluss, so Zeidler - für konventionelle Fahrräder und Pedelecs, die bis 25 Kilometer pro Stunde unterstützt werden, existiert in Deutschland keine Helmpflicht. Anders bei den schnelleren S-Pedelecs mit Unterstützung bis 45 km/h - die gelten als Kleinkrafträder, für die Helm und eine Versicherung vorgeschrieben sind. Wer ein S-Pedelec ohne Helm fährt, riskiert bei einem Unfall, dass er mit in die Haftung für mögliche Schäden genommen wird.

Keine gesetzliche Helmpflicht besteht auch für Pedelecs bis 25 km/h. Schnelle Pedelecs bis 45 km/h gelten als Kraftfahrzeuge und dürfen nur mit einem geeigneten Helm gefahren werden.

Auch für E-Bikes, die ohne Tretunterstützung diese Geschwindigkeiten erreichen können, gilt eine gesetzliche Helmpflicht.

Da es keine Helmpflicht für Radfahrer in Deutschland gibt, sind Radler also auch nicht gezwungen einen solche zu tragen. Ein Bußgeld gibt es ebenfalls nicht, wenn kein Helm vorhanden ist.

Zahlt die Versicherung bei einem Unfall ohne Helm? Ist der Radfahrer am Unfall unschuldig beteiligt, wird in der Regel durch die Versicherung gezahlt. Allerdings ist die Rechtsprechung nicht einheitlich. Radfahrer sind gern schnell unterwegs und in der Rushhour sind sie gegenüber Kraftfahrern mit Motorrad, LKW oder Auto häufig im Vorteil.

Da die Straßenverkehrsordnung (StVO) keine Helmpflicht vorschreibt, erhalten Radler beim Fahrradunfall ohne Helm auch meist keine Teilschuld. Zumindest gibt es einige Urteile, welche diese Annahme stärken. Das gilt insbesondere dann, wenn Radfahrer unverschuldet in einen Verkehrsunfall z. B. mit einem Auto verwickelt werden. Die gegnerische Haftpflicht muss also selbst beim Fahrradunfall ohne Helm die volle Summe zahlen. Bei der eigenen Haft-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung sollte es bei den meisten Firmen ebenfalls keine Probleme geben. Es gibt aber ein paar, die bei einem Fahrradunfall ohne Helm die Entschädigungssumme nur teilweise auszahlen.

Internationale Perspektiven und Helmpflicht

Nur in einer Handvoll Staaten weltweit existiert eine Helmpflicht für Radfahrende jeden Alters, die auch kontrolliert wird. In Spanien besteht sie außerhalb geschlossener Ortschaften für alle. In weiteren Ländern, darunter Österreich, Tschechien, Kroatien und Schweden, müssen Kinder und Jugendliche grundsätzlich einen Fahrradhelm tragen. Dabei variiert die Altersgrenze von Land zu Land.

Pionier war Australien, in dessen Bundesstaaten und Territorien die Verpflichtung zum Tragen eines Helms zwischen 1990 und 1992 eingeführt wurde. Danach ging nach einer Studie im International Journal of Epidemiology von 2019 die Zahl tödlicher Unfälle von Radfahrern deutlich zurück.

Dass eine Helmpflicht wirksam ist, hat jetzt eine große Studie im Fachmagazin International Journal of Epidemiology gezeigt. In ganz Australien wurde Anfang der 1990er Jahre die Helmpflicht eingeführt. Unmittelbar nach Einführung kam es jährlich zu fast 50 tödlichen Fahrradunfällen pro Jahr weniger. Die Forscher schätzen daher, dass bis 2016 etwa 1.300 Radfahrer weniger ums Leben gekommen sind als ohne Helmpflicht. „Die Studie bestätigt eindrücklich, was wir fast täglich im Notfallzentrum sehen“, sagt Dr. Hammer.

Kontroverse um die Helmpflicht

Eine Helmpflicht für Radfahrerinnen und Radfahrer wird immer wieder diskutiert. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lehnt eine Pflicht ab.

Die Gegner der Helmpflicht argumentieren, dass diese das Radfahren so unattraktiv mache, dass weniger Menschen mit dem Fahrrad unterwegs seien und deshalb auch weniger tödlich verunglücken.Ein weiteres Vorurteil gegen den Helm ist das vermeintliche Zurückdrängen des Radverkehrs. Das Werben für das freiwillige Tragen wäre nur die erste Stufe auf dem Weg zu einer Helmpflicht. Diese würde die Freiheit zu sehr einschränken und Angst verbreiten, was zur Folge hätte, dass weniger Menschen dann aufs Fahrrad steigen. Eine Radhelmpflicht gibt es in Deutschland jedoch nicht und die meisten Akteure in der Präventionsarbeit wie die Deutsche Verkehrswacht sprechen sich auch nicht dafür aus. Es herrscht zudem Einigkeit, dass der Radverkehr gefördert werden muss. Der Helm rettet nachweislich Leben und macht den Radverkehr dadurch sicherer.

Vor allem aus versicherungstechnischen Gründen wird die Einführung einer Helmpflicht aber als nicht zielführend angesehen.

Forschungsstandpunkte und Studien

Die Verkehrsministerien Baden-Württembergs und Thüringens ließen von der HFC-Human-Factors-Consult GmbH zwischen 2014 und 2017 Fragestellungen rund um Fahrradhelm und Fahrradhelmpflicht untersuchen. Nach dieser Studie war bei einem Viertel aller Fahrradunfälle der Kopf betroffen, und Helme konnten 20 Prozent der leichten und 80 Prozent der schweren Kopfverletzungen verhindern.

Die Dekra Fahrzeugtechnik testete und bewertete 2020 das Nutzenpotenzial von Fahrradhelmen in realen Unfallszenarien. Als Fazit der zahlreichen Crashversuche stellte sie fest, dass richtig getragene Fahrradhelme das Risiko schwerer Kopfverletzungen bei einem Unfall - sowohl mit einem Unfallgegner als auch bei einem Sturz ohne Fremdbeteiligung - deutlich reduzieren.

Ein beträchtlicher Anteil der verunglückten Fahrradfahrenden erleiden schwere und tödliche Verletzungen im Kopfbereich. Durch das Tragen von Fahrradhelmen werden zwischen 20 Prozent der Kopfverletzungen bei Leichtverletzten und bis zu über 80 Prozent der Kopfverletzungen bei besonders schwer Verletzten vermieden. Dies legt eine Studie der HFC Human-Factors-Consult GmbH von 2017 dar, die im Auftrag der Verkehrsministerien Baden-Württemberg und Thüringen erstellt wurde [2]. „Im Falle eines Sturzes kann ein Helm dazu beitragen, eine schwere Kopfverletzung zu verhindern,“ sagt Prof. Dr. Michael J. Dass der Fahrradhelm wirksam schützt, zeigte 2014 eine umfangreiche Analyse realer Verkehrsunfälle von Radfahrenden der Unfallforschung der Versicherer (UDV) [3].

Dazu wurden unter anderem 543 Unfälle mit verletzten Radfahrenden aus Universitätskliniken in München (UKLMU) und in Münster (UKM) sowie 117 tödliche Fahrradunfälle der Sicherheitsunfalldatenbank (SUD) des Instituts für Rechtsmedizin München analysiert. Lediglich 16 Prozent der verunglückten Fahrradfahrenden in Münster trugen einen Fahrradhelm und 21 Prozent in München. In der SUD waren es sogar nur 6 der 117 getöteten Fahrradfahrer (5 %). Radfahrende mit Helm erlitten höchstens leichte Kopfverletzungen, schwere Kopfverletzungen waren nur bei Radfahrenden ohne Helm zu beobachten. Für 151 verunfallte Personen konnten anhand äußerlicher Verletzungen an Schädel und Gesicht Rückschlüsse auf die Anprallstellen am Kopf gezogen werden. Demnach erfolgte der Aufprall meist direkt oder schräg von vorne. Helmträger zeigten dabei seltener Kontaktstellen an Hinterkopf oder Schädeldecke; also Bereichen, die durch den Helm geschützt werden. Von den 117 getöteten Fahrradfahrenden der SUD wies fast jeder mindestens eine Kopfverletzung auf; in über der Hälfte war ein Schädelhirntrauma todesursächlich. Die Lage der oberflächlichen Kopfverletzungen belegt, dass die Schläfenregion besonders häufig betroffen ist. In der Studie war zudem ein deutlicher Anstieg der erfassten Fälle mit dem Alter zu erkennen. Dies deckt sich auch mit den jährlichen Unfallzahlen. Im Jahr 2019 stellte die Altersgruppe der über 65-Jährigen mehr als die Hälfte der getöteten Radfahrenden, bei Elektrofahrrädern lag der Anteil sogar bei 72 Prozent. In nur zwei Jahren, von 2017 bis 2019, verdoppelte sich die Zahl der verunglückten Pedelec-Nutzer*innen von 5.100 auf 10.600.

Auch die BASt hatte 2016 eine Studie veröffentlicht [4], bei der Verletzungs- und Behandlungsdaten sowie eine repräsentative Umfrage unter Radfahrenden ausgewertet wurden. Hier zeigte sich ebenfalls, dass bei älteren Radfahrenden die Verletzungsschwere anstieg, sie häufiger stationär behandelt wurden und alle aufgrund schwerer Kopfverletzung verstarben. So machten Kopfverletzungen bei stationären Patientinnen und Patienten den größten Anteil aus. Bei acht Prozent wurden Schädel-Hirn-Traumata festgestellt. Der Anteil an Kopfverletzungen war für stationär Behandelte, die keinen Helm trugen, fast zehnmal häufiger. Zwölf Prozent aller Fahrradunfälle wurden nach Angaben der Patienten polizeilich protokolliert, bei Alleinunfällen war eine Unfallaufnahme nur in vier Prozent der Fälle bekannt. Die Studienlage scheint eindeutig zu sein.

Weitere Aspekte und Empfehlungen

So können die größten Gefahren vermieden werden und das sind Zusammenstöße mit Autos. Unfallgegner Nummer Eins ist nach wie vor der Pkw (75,3 %) und in den meisten Fällen auch Verursacher. Aber Unfälle passieren. Selbst wenn der Helm keine Garantie gegen Kopfverletzungen ist, kann er sie aber innerhalb der Grenzen seines Wirkungsbereichs verhindern oder zumindest abmildern. Etliche Unfälle ereignen sich nicht bei hohen Geschwindigkeiten oder durch ein Kfz. Fast jede/r dritte getötete Radfahrende (30 %) stirbt bei einem Alleinunfall ohne dass andere Verkehrsteilnehmende involviert waren oder es nachweislich an der Infrastruktur lag. Im Jahr 2019 waren es 135 Radlerinnen und Radler (Destatis).

Besonders der „E-Bike“-Boom und die größer werdende Nutzergruppe der älteren Menschen machen den Fahrradhelm darum unverzichtbar und zum Lebensretter, wenn er richtig auf dem Kopf sitzt.

Infrastruktur und Verkehrssicherheit

So kann Radfahren sicherer werden: Die Infrastruktur für den Radverkehr in Deutschland ist nicht immer optimal. Um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen, müssen die Kommunen, Landkreise und Bundesländer für sichere Radverkehrsanlagen sorgen. Dazu gehört - auch wegen der starken Zunahme von Pedelecs - die Realisierung durchgängiger Radverkehrsnetze mit ausreichend breiten Radwegen und sicheren Führungen über Knotenpunkte und Einmündungen. Auch Radschnellwege und Fahrradstraßen sind hilfreiche Maßnahmen.

Wichtig ist mehr Aufklärungsarbeit, damit alle Verkehrsteilnehmenden, also Auto- und Radfahrende, Fußgänger und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, mehr Verständnis füreinander entwickeln. Gefordert sind mehr gegenseitige Rücksichtnahme und die Einhaltung der Verkehrsregeln.

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