Korsika, die drittgrößte Insel im Mittelmeer, ist ein wahres Paradies für Mountainbiker. Obelix wäre begeistert: Auf Korsika können sogar Wildschweine den Mountainbike-Trail kreuzen.
Lage und Anreise
Korsika liegt nördlich von Sardinien. Die Entfernung zu Frankreich beträgt 183 km, zur italienischen Küste hingegen nur 80 Kilometer. Gute Verbindungen gibt es mit Germanwings, z. B. von Köln-Bonn nach Bastia oder Calvi im Norden. Flugpreis je nach Saison zwischen 150-300 Euro. Bike-Transport ca. 40 Euro One-Way. Aufgrund der langen Anfahrtswege (Fahrzeit Bastia-Ajaccio ca. 4,5 Stunden!) sollte man je nach Zielort einen anderen Zielflughafen auf Korsika wählen.
Beste Reisezeit
Das Klima auf Korsika ist geprägt von heißen, trockenen Sommern. Im Winter fällt in den Bergen Schnee. Für eine MTB-Tour bieten sich Mai und Juni sowie September und Oktober an.
Unterkünfte
Korsika verfügt über nur wenig touristische Infrastruktur. Hotels und andere Unterkünfte findet man hauptsächlich in den Feriengebieten an der Ostküste. Im Landesinneren gibt es fast nur Campingplätze.
Kulinarische Tipps
Wildschweine gibt es nicht nur auf dem Trail, sondern auch als leckere Salami. Ebenso ist der Honig der Insel ausgezeichnet. Korsika hat sogar eine eigene Cola- und Bier-Marke (Kastanien-Bier).
Mountainbiken auf Korsika: Ein Paradies für Abenteurer
Korsika gehört zu den bevorzugten Fleckchen Erde, die Eigenart, ja sogar Persönlichkeit besitzen, denen weder Zeit noch die Menschen etwas anhaben können. Korsika ist eine der bezauberndsten Gegenden der Welt und trägt zu Recht den Namen ‚Insel der Schönheit‘. Eigentlich unverständlich, bietet Korsika doch nahezu ideale Voraussetzungen für Biker.
Auf der Insel finden sich insgesamt 80 Berge mit über 2000 Metern Höhe, dazu unzählige Wanderwege, die immer wieder das Macchia-Labyrinth kreuzen. Der wohl bekannteste unter ihnen: der Hauptwanderweg G20. Vielleicht zählt Korsika unter Bikern auch deshalb noch zu den großen Unbekannten, weil die Insel verkehrstechnisch so schlecht erschlossen ist.
Auf den kurvenreichen Landstraßen kommt man mit dem Auto nur langsam voran, und magenempfindliche Zeitgenossen sollten immer eine Spucktüte bereithalten. Mein Bike-Kumpel Thomas und ich haben uns daher schon während der Reiseplanung eine Strategie überlegt: Wir suchten nach einem geeigneten Basislager, um von dort aus unsere Touren zu planen. Gelandet sind wir im Golf von Valinco im Südwesten der Insel.
Erste Trail-Erfahrungen
"Das wird kein Kindergeburtstag", witzelt Thomas, als wir eine steile Rampe durch dichtes Macchia-Gebüsch hochstrampeln. "Zum Glück haben wir Tubeless-Reifen aufgezogen", antworte ich. "Sonst hätten wir schon ein Dutzend Schlauchflicken verbraucht." Alles andere als ein Kindergeburtstag ist auch der abschließende Ritt über den Mare-e-Monti-Wanderweg. Unsere Gabeln ächzen, als wir über die dicken Felsbrocken fahren.
Immer wieder müssen wir absteigen. Wir fühlen uns ein bisschen wie Nahkämpfer und sehen wohl auch so aus - unsere Arme sind von der Macchia schon gut zerkratzt. Doch der Mare e Monti hält auch eine gehörige Portion Flow für uns bereit.
Korsikas liebliche Seite
Dass Korsika auch lieblich sein kann, beweist uns der folgende Tag. Gemütlich kurbeln Thomas und ich auf einer kleinen Landstraße ins Bergdörfchen Sollacaro. Links und rechts von uns verwandeln Klatschmohn, Schafgarbe und Butterblumen die weiten, grünen Wiesen in ein buntes Blumenmeer. Alte, knorrige Olivenbäume säumen unseren Weg. Ja, Korsikas Schönheit zeigt sich hier in vielen Facetten.
Wir entscheiden uns für Forelle mit frischen Kräutern. Ein Genuss! Die anschließende Piste führt uns durch dichte Wälder immer weiter in die Berge. Dort, wo die Bäume Lücken lassen, fällt der Blick auf den Hafen von Propriano und auf die weißen Sandbuchten des Golfs von Valinco.
"Es hat eben auch sein Gutes, dass die Franzosen Korsika lange vernachlässigt haben und die Insel einen touristischen Dornröschenschlaf halten durfte", kommentiert Thomas unseren Ausblick. Bei der Abfahrt über einen zugewachsenen Serpentinenweg lassen wir es krachen, obwohl das Macchia-Gebüsch wieder heftig an Armen und Waden reißt.
Begegnung mit Wildschweinen
Dann der Schockmoment: In einer Kurve stürzt mit wildem Gegrunze fünf Meter vor mir unvermittelt ein Wildschwein aus dem Gebüsch - und verschwindet so schnell, wie es gekommen ist. Der Wildwechsel treibt meinen Puls in astronomische Höhen. "Nie hätte ich gedacht, dass die Viecher so groß sind", rufe ich. "Obelix hätte seinen Spaß gehabt!" Unser Spaß wartet ein paar Kilometer weiter. Der Mare e Monti schlängelt sich durch eine echte Zauberwelt.
Die Wipfel riesiger Bäume wiegen im Wind bedächtig hin und her. Lange Flechten hängen von mächtigen Ästen hinab. Das Spiel aus Licht und Schatten sorgt für eine fast mystische Stimmung. Auf den nächsten Trail-Passagen pumpen wir mit der Gabel um die Wette, fliegen förmlich über kleine Stufen und rauschen durch unzählige Kurven. Auch beim Gute-Nacht-Bier in Porto Pollo denken wir noch immer an den Mare e Monti.
Er steht auf unserer Singletrail-Hitliste ganz weit oben - so wie Korsika als Insel zum Mountainbiken.
Anspruchsvolle Trails und Macchia-Gestrüpp
Wer auf eigene Faust loszieht, der wird schnell klasse Passagen entdecken. Doch meist sind die Trails schon bald von massigen Felsen verblockt. Dann muss das Bike stundenlang geschultert werden. Oder die Macchia, ein für mediterrane Gefilde typischer, schier undurchdringlicher Buschwald, hat den vermeintlichen Trail fest im Würgegriff. Dieses kunterbunte Potpourri wild wuchernder Kräuter wie Cistrose, Ginster, Baumheide, Erdbeerbaum, Myrte bedeckt gut die Hälfte der Insel. Oftmals mehrere Meter hoch, bildet die Macchia einen undurchdringlichen Irrgarten.
Deshalb ist ein Guide wie Yann unersetzlich. Yann Bartos ist diplomierter Mountainbiker, zur Hälfte Deutscher, und kennt die Trails wie seine Westentasche - eine optimale Besetzung.
Tour durch die Desert des Agriates
Wie entscheidend sein Knowhow ist, erfahren wir schon auf der ersten Tour durch die Desert des Agriates. Dieser Landstrich ist keine Wüste im eigentlichen Sinn. Im Frühjahr steht sie sogar in voller Blüte, aber weh dem, der sie unterschätzt. Ihren Wüstentitel trägt sie vielmehr wegen ihrer Abgeschiedenheit. Steile Abfahrten auf losem Geröll, kantig gestuftem Fels und schwer einzuschätzenden Rinnen lassen die Dämpfer zappeln. Der Trail führt durch ein Naturschutzgebiet direkt zum Meer.
Von dort an führt ein brettharter Aufstieg über eine mit Felsen gespickte Piste hoch zum Boca de Vezzu. Auf diesen 35 Kilometern gibt es nix. Keine Kneipe, keinen Schluck Trinkwasser, keine Menschenseele. Nur Greifvögel.
10 schöne Mountainbike-Strecken auf Korsika
Knackige Steigungen, anspruchsvolle Aufstiege: Korsika wird an der Küste von eleganten Städten gesäumt, während das Herz der bergigen Mittelmeerinsel größtenteils von dichtem, tiefgrünem Wald bedeckt ist. Zerklüftete Gipfel wie der Monte Cino - der höchste der gesamten Insel - sowie schroffe Felsformationen bieten Kontraste zum idyllischen Zusammenspiel von Goldgelb und Kobaltblau an der Küste.
Obwohl Korsika seit dem Jahre 1768 als französische Region gilt, erleben Reisende vor Ort eine charakteristisch italienische Kultur. Einsame Trails mit tiefen Schluchten und malerische Dörfer sind hier ebenso zu finden wie moderne Städte, wie die Hafenstadt Bastia.
Empfohlene MTB-Touren:
- Küstenrunde zwischen L'Ile Rousse und Calvi
- Camp Corse Tour - Von Macinaggio über Méria
- Calvi und der Leuchtturm La Revellata
- MTB-Tour durch das Fangu-Tal
- Über Piana zum Capu Rossu
- Höhenrunde von Algajola nach Monticello
- Von Mausoléo durch das Tartagine-Tal
- Kleine MTB-Tour am Col de Scalella
- Loto-Strand durch den Nationalpark Désert des Agriates
- Durch das Asco-Tal den Aiguilles de Popolasca entgegen
Küstenrunde zwischen L'Ile Rousse und Calvi
Sie sind auf der Suche nach einer leichten Tour und möchten wissen, was Sie als Mountainbiker auf der französischen Insel Korsika erwartet? Gleiten Sie ab Le Bodri auf 31,5 Kilometer auf Asphalt dahin, aber rechnen Sie auch mit Schiebepassagen. Langsamer, dafür nicht weniger aussichtsvoll, geht es dann an weitläufigen Sandstränden und mediterranem Buschwerk vorbei. Ruhige Buchten laden zum Baden und Entspannen ein, bevor sich Mountainbiker wieder auf den Weg nach Le Bodri machen.
Calvi und der Leuchtturm La Revellata
Stadtbesichtigung und Abstecher zum Leuchtturm La Revellata gefällig? 31 Kilometer gilt es bei der mittelschweren Rundroute zu bezwingen. Aktive Mountainbiker fahren am Parkplatz bei der Tankstelle vor Calvi los und radeln verkehrsfrei und fernab von jedem Trubel in Richtung Leuchtturm. Abgelegene Wege und verwunschene Pfade entführen Sie auf eine Reise durch typisch korsische Küstenlandschaften und bringen Sie etwa zur Kapelle Sanctuaire de Notre Dame de la Serra, die den buchstäblichen Höhepunkt der Strecke darstellt. Nach dem Tiefblick auf Calvi sowie den höchsten Gipfel der Insel ist alle Anstrengung vergessen.
MTB-Tour durch das Fangu-Tal
Geübte Mountainbiker aufgepasst: Die 54,3 Kilometer lange, schwere Rundroute erstreckt sich ab dem Genueserturm in Galéria quer durch das Fangu-Tal, das von Flüssen und karger korsischer Landschaft geprägt wird. Anspruchsvolle Anstiege zum höchsten Punkt der Strecke - dem Bocca di Bonassa auf 1.500 Meter - sind ebenso enthalten wie Asphaltstraßen sowie steinige und knifflige Trails. Erfahrene Mountainbiker freuen sich auf den langen und aufregenden Singletrail nach Tuvarelli. Gumpen sorgen für willkommene Abkühlung während der MTB-Tour.
Über Piana zum Capu Rossu
Steinig und steil geht es über Piana bis zum pittoresken Capu Rossu. Die schwere Strecke für geübte Mountainbiker findet am D81 Parkplatz nördlich von Piana ihren Anfang und führt Sie nach 25,8 Kilometer zurück zum Startpunkt. Schwingen Sie sich im Forêt de Piana auf den Sattel und freuen Sie sich schon nach Kurzem auf den ersten von einigen Downhills im Schatten spendenden Wald, gefolgt von wunderbaren Aussichten über den Golf von Porto.
Höhenrunde von Algajola nach Monticello
Bergauf und bergab geht es mit korsischem Panorama im Blick auf Singletrails durch die höheren Ebenen der Insel. Starten Sie in Algajola und genießen Sie schon bald bezaubernde Aussichten auf das Mittelmeer. Zur Einkehr bieten sich etwa traditionelle Bistros mit typisch italienischem Flair am Dorfplatz in Monticello an. Flowtrails mit grandioser Aussicht wirken am Ende der mittelschweren 31,3 Kilometer-Rundstrecke entschädigend für die Strapazen.
Von Mausoléo durch das Tartagine-Tal
In der ursprünglichen und ruhigen Gemeinde Mausoléo beginnt die Rundtour Ihrer Wahl. Unterhalb des Monte Padro, der mit seiner Höhe von 2.390 Meter zu den Zweitausendern Korsikas zählt, radeln Sie durch das Tartagine-Tal - das inseleigene Bergpanorama stets fest im Blick. Trails, naturbelassene Forstwege und schweißtreibende Anstiege prägen die 30,2 Kilometer lange und mittelschwere Strecke.
Kleine MTB-Tour am Col de Scalella
Ab dem Col de Scalella D27 radeln Sie auf Schotterwegen und durch grünen Wald hindurch. Die relativ kurze Strecke misst eine Länge von insgesamt 13,6 Kilometer und kann als mittelschwer eingestuft werden. Sie begeistert Mountainbiker vor allem mit der atemberaubenden Aussicht auf die umliegenden Zweitausender der Mittelmeerinsel Korsika. Dazu zählen zum Beispiel der Monte d'Oro oder der Monte Renoso.
Loto-Strand durch den Nationalpark Désert des Agriates
Aussichtsreich und für Anfänger zu bewältigen: Auf 35,5 Kilometer erstreckt sich die leichte Mountainbike-Runde, die Sie vom Ortsrand des Ortes Casta durch die Macchia führt. Zur Rast eignet sich der von strahlend weißem Sand bedeckte Loto-Strand, bevor es wieder zum Ausgangspunkt zurück geht.
Durch das Asco-Tal den Aiguilles de Popolasca entgegen
Kurz und knackig zeigt sich dieser Weg für Mountainbiker. Er ist sowohl für Anfänger als auch für geübte Mountainbiker geeignet. Die leichte Strecke beginnt beim Friedhof in Popolasca und führt bergab nach Cabanella - die aufregende Downhill-Etappe bereitet auch Fortgeschrittenen viel Freude.
Korsika: Insel für Individualisten und Bike-Geheimtipp
Wer das Eiland mit dem Bike erkundet, muss vor allem eins mitbringen: Kondition. Die Mühe wird mit grandiosen Ausblicken belohnt. Korsika, vielleicht Europas letztes echtes Abenteuer. Endlose, schroffe Felsen, die nur von wenigen schmalen Pfaden durchzogen werden.
Außerhalb der Städte sind Menschen selten, dafür wartet das gesamte Landschaftssortiment auf einen: schneebedeckte Bergkuppen, weiße Sandstrände, Urwald und karge Steinformationen. Wer einmal mitten in den korsischen Bergen steckt, muss allein wieder raus.
Empfohlene Touren
- Ausblick auf Corte (9,81 km, 300 hm, 1:10 h)
- Erfrischungs-Tour in Vivario (40,1 km, 1245 hm, 5 h)
- Wildschweinjagd in Callacucci (47,12 km >1156 hm / 4 h)
- Spelunca-Schlucht (65,70 km, ca. 2000 hm, 9 h)
- Algajola, die Meerrunde (25 km, 723 hm, 2:30 h)
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