Wer bereits darauf brennt, sein Fahrrad oder Mountainbike nach der Winterpause wieder den Hang herunterzujagen oder sogar schon eine erste Tour unternommen hat, kann sich in diesem Jahr einen neuen Begleiter aufs Smartphone holen, um seine Tour zu tracken. Das Angebot an nützlichen Fahrrad-Apps ist riesig. Egal, ob als Alltagsradler, der auf der Suche nach der besten Strecke von A nach B ist, oder Radsportler, der seine umfangreichen Zahlen gern festhalten und den Trainingsprozess dokumentieren will.
Viele verbinden mit GPS-Navigation eben: Teures Gerät kaufen, Software und Karten installieren, stundenlanges Haareraufen am Rechner und am Ende auch noch die Online-Portale nach der passenden Tour durchforsten. Dabei ist das dank der Touren-Apps ja gar nicht mehr nötig. Das Gerät selbst, also das Smartphone, haben die Meisten schon und wie man eine App herunterlädt, ist bekannt. Jetzt muss man nur noch seine Wunsch-Tour aus einem Tourenportal auswählen und schon öffnet sich die Route auf der passenden Karte. Die Navigation kann direkt losgehen!
Okay, eine kleine Hürde bleibt doch noch, nämlich: Welche App von welchem Tourenportal wähle ich? Das Angebot ist mittlerweile groß. Es gibt Anbieter mit Sprach-Navigation, 3D-Animation, Offline-Karten und direkter Community-Anbindung. Manche legen Wert auf detaillierteste Untergrund-Beschreibungen, andere fassen diese Informationen lieber visuell in einem anschaulichen Höhenprofil zusammen. Die eine App kostet eine Download-Gebühr, die andere ist gratis, nervt dafür aber mit Werbebannern.
Letztendlich ist es natürlich Geschmackssache, mit welcher Darstellung man auf Tour am besten klar kommt. Doch wie so oft offenbaren sich die Unterschiede erst im Praxistest. Wir haben uns die Apps der vier größten Anbieter mal heruntergeladen und waren im Wald überrascht von den unterschiedlichen "Führungsstilen". Doch bevor Sie sich für einen der 70 bis 80 MB großen Downloads entscheiden, hier noch ein paar wissenswerte Tipps zur App-Navigation:
Wie funktionieren Touren-Apps für Biker?
Man registriert sich auf der Homepage des jeweiligen Tourenportals, lädt sich die App herunter und wird damit mobiles Mitglied einer "Tauschbörse". Dadurch erhält man jederzeit Zugriff auf alle Touren, die andere Biker weltweit bereits empfehlen, sollte aber auch mal eigene Runden verraten. Bei diesem Austausch lernt man auch schnell, wie wichtig es ist, die Touren möglichst genau zu beschreiben. Gute Apps stellen dafür ein entsprechendes Formular zum Ausfüllen bereit. Wichtig: Beim Installieren auf dem Handy nicht vergessen, der App den Zugriff auf die Standortabfrage beim Verwenden zu erlauben, sonst funktionieren GPS-Ortung und Navigation nicht.
Welche App ist die Richtige?
Eine gute App greift auf ein großes Tourenportal mit vielen aktiven Mitgliedern zurück. Viele User bedeuten nicht nur viele Touren, sondern auch glaubhaftere Tourenbewertungen, Rankings und bei manchen Portalen auch aktuelle Zustandsberichte der Trails. Das macht die Auswahl der besten Routen leichter. Doch was hilft die beste Beschreibung und die nutzerfreundlichste Bedienung, wenn das Portal keine Touren in Ihrer Nähe oder in Ihren Lieblingsrevieren enthält? Ein weiteres Hauptkriterium sind die Karten. Die meisten Portale greifen auf die von Open Street Map zurück, die auch Trails darstellen. Wichtig ist, dass man die Karten offline speichern kann. Denn wer in Gegenden mit schlechtem Empfang oder über die 1500-Meter-Höhenmarke hinaustouren will, steht sonst eventuell ohne Netz und Track da.
Großes Thema: Strom sparen auf der MTB-Tour!
Die Karten-Darstellung im Handy ist - im Gegensatz zum GPS-Gerät - brillant. Leider kostet dieser Vorteil aber auch viel Strom. Nach etwa 3 Stunden Dauerbetrieb ist selbst der stärkste Akku leer. Für längere Touren lohnt sich daher die Anschaffung einer Powerbank, damit Sie unterwegs aufladen können. Weitere Tipps zum Stromsparen: Tourenauswahl und Karten-Download im Wlan-Bereich ausführen, im Handy "Auto-Bildschirmhelligkeit" auf "Tageslicht" umstellen, die Tour parallel nicht zusätzlich aufzeichnen und am besten den "Flugmodus" aktivieren. Für den GPS-Empfang ist kein Mobilfunknetz nötig.
Bei der Wahl einer App müssen vorab ein paar Prämissen gesetzt werden. Urbanen Radlern reicht eventuell schon eine möglichst sinnvolle, an die Radinfrastruktur angepasste Route von A nach B. Mit überschaubarem Funktionsumfang und entsprechend einfacher Bedienung sind dafür Apps wie Google Maps oder Apple Karten ideal. Doch wer die Grenzen der Ballungsräume hinter sich lässt, hat meist höhere Ansprüche an die Routenführung und sieht sich mit einer etwas kniffligeren Planung konfrontiert. Gerade wenn die Tour-Präferenzen jenseits des Asphalts liegen, ist es essenziell, dass die App über feine Filter-Funktionen verfügt und auf entsprechend detailliertes Kartenmaterial zurückgreift. Gute Apps unterscheiden zwischen verschiedenen Untergründen, Radtypen und Höhenprofilen, damit die Gravel-Runde nicht auf ruppigen MTB-Trails endet, Radreisende nicht jeden verfügbaren Höhenmeter mitnehmen und Rennradfahrer sich nicht über Forst-Autobahnen quälen müssen. Je feiner die Auswahlkriterien bei der Routenplanung sind, desto weniger muss vor oder während der Tour im Detail nachgebessert werden.
Mit höheren Ansprüchen wächst natürlich die Komplexität der Apps. Mit einer Ausnahme sind die getesteten Apps zumindest in den Grundzügen kostenfrei nutzbar. Teilweise kann mit einer Registrierung kleinräumig Kartenmaterial freigeschaltet werden. Die Zahlmodelle unterscheiden sich, sind aber überwiegend an monatliche oder jährliche Abos geknüpft. Teilweise können auch einzelne Optionen zugebucht werden. Das kann sinnvoll sein, wenn man die App beispielsweise nur während einer Radreise verwenden möchte. Laufende Kosten lassen sich bei den meisten Apps aber kaum vermeiden. Mit einem einmaligen Investment kommt man lediglich bei Komoot zurecht.
Gerade für regelmäßige Anwender ist die Option der Offline-Nutzung durchaus sinnvoll. Um mobiles Datenvolumen zu sparen, werden die relevanten Kartenkacheln einfach im WLAN runtergeladen und lokal gespeichert. Einige App-Funktionen sind aber trotz Karten-Download teilweise nur mit einer Datenverbindung möglich. Das ist die Crux an der App-Nutzung.
Große Touren mit hohem Anspruch an die Routenwahl werden idealerweise am Computer geplant. In den getesteten Apps funktioniert das zwar auch mehr oder weniger gut auf dem mobilen Gerät, doch allein die limitierte Größe des Displays und der dadurch eingeschränkte Überblick kann Nerven kosten. Doch bei größeren Touren ist es schon sinnvoll, die Routen zu überprüfen, zu ergänzen oder zu korrigieren, um unterwegs unschöne Überraschungen zu vermeiden. Denn trotz fein abgestufter Routen-Kriterien, landet man erfahrungsgemäß auch mit den besten Apps früher oder später auf fragwürdigen Strecken, in Sackgassen oder vor sonstigen Hindernissen.
Eine Alternative zu selbst erstellten Routen bieten Touren-Portale, die idealerweise in die App integriert sind. Diese bieten fertige Strecken, die sich dann einfach speichern und nachfahren lassen - teilweise gibt es dazu sehr fundierte Beschreibungen und Fotos der Highlights. Neben der steten Inspirationsquelle sind die Tour-Datenbanken ganz hervorragend für spontane Unternehmungen geeignet. Teilweise sind die Routen von den App-Anbietern generiert, viele stammen aber auch von anderen Nutzern, die ihre Daten teilen. Da diese Routen vor der Veröffentlichung nicht überprüft werden, ist auch hier - vor allem im Gelände - Vorsicht geboten.
Beim Thema Export und Import von Routen schließt sich der Kreis zu den eingangs erwähnten GPS-Geräten, denn in der App geplante oder gespeicherte Routen können idealerweise auch in anderen Apps oder aber auf GPS-Geräten genutzt werden. Das gängigste Format ist die gpx-Datei.
Detaillierte Betrachtung ausgewählter Apps
KOMOOT
Optisch ist Komoot das modernste MTB-Touren-Portal mit der intuitivsten Handhabung. Wer bisher nur im Auto mit Navi unterwegs war, wird sich bei Komoot am wohlsten fühlen. Die Menüführung ist selbsterklärend und wird mit eingeblendeten Anwendertipps zum Kinderspiel. Die Tour beginnt vor der Haustür mit der "Bring mich hin"-Funktion. Egal, ob man mit dem Bike, dem Auto oder der Bahn zum Startpunkt der Tour geleitet werden möchte. Hilfreich ist auch die Highlight-Funktion: In der Karte sind Singletrails und schöne Aussichtsplätze extra markiert. Man kann die Routen durch einfaches Ziehen des Tracks verschieben, und sollte man unterwegs vom Weg abkommen, errechnet Komoot eine neue Route zurück zur Tour. Offline-Karten, Sprach-Navigation und Routing gehören zum Grundservice. Schade: Auch Schotterwege werden hier oft als Singletrails bezeichnet. Gratis ist nur eine Proberegion, weitere kosten.
Vorteile:
- "Bring mich hin"- und Routing-Funktion
- Umrechnung bei Routenabweichung
- Offline-Karten
- Eingeblendete Anwendungstipps
- Sprachnavigation, Highlight-Funktion
Nachteile:
- Offroad gleichgesetzt mit "Singletrail"
- Untergrundbeschreibung als Balken und verwirrend komplex
- Mit 3,99 Euro pro Region oder 29,99 Euro weltweit die teuerste App
Fazit: Wer bisher nur im Auto mit Navi unterwegs war, wird sich mit Komoot bei Mountainbike-Touren am wohlsten fühlen. Die Menüführung ist kinderleicht und die Tools werden ständig aktualisiert.
OUTDOORACTIVE PREMIUM
Outdooractive ist Europas größte Outdoor-Plattform mit eigenen Topo-Karten und allen nötigen App-Features. Sparen Sie sich das Runterladen der Gratis-App. Damit bekommt man zwar Zugriff auf das große Tourenportal und kann den Tracks in der wirklich detaillierten, hauseigenen Karte folgen, aber das große Aha-Erlebnis kommt erst mit der Premium-Version der Allgäuer Anbieter: Sprachnavigation, Offline-Karten, Routing-Funktion, "Toolbox" mit Tacho, Neigungsmesser, Notruf-Modul, Richtungspfeile, Wetter, Gipfelfinder und dank der Kooperation mit dem Alpenverein auch ein Hüttenverzeichnis samt Öffnungszeiten. Sehr beeindruckend finden wir auch die genauen Höhenprofile mit farblich markierten Untergrundangaben. Die Touren stammen von Trail-affinen Usern, von Redakteuren und Fremdenverkehrsämtern. Kleines Manko: Die Offline-Karte ließ sich unterwegs zwar zoomen, aber leider nicht händisch verschieben. Dafür verrät der Tacho, wie weit es noch ist.
Vorteile:
- Eigene, sehr detaillierte Karten
- Sprachnavi, Pfeilsymbole, Notruf
- Öffnungszeiten von Hütten
- Höhenprofile mit Untergrundangabe
- Toolbox mit Gipfelfinder und Tacho
Nachteile:
- Gratis-Version richtet sich nicht nach Fahrtrichtung aus
- Premium-Version: Die Offline-Karte lässt sich zwar zoomen, aber nicht verschieben.
Fazit: Im Prinzip kann Outdooractive alles, was Komoot auch kann. Nur merkt man hier an den vielen nützlichen Details, dass die Macher den Sport mit Herzblut ausüben. Preis für die Premim-Version: 9,99 Euro.
GPS-TOUR.INFO
GPS-Tour.info ist eine Gratis-App mit Riesen-Tourenauswahl und sehr aktiver Community. Keine andere Touren-Plattform lebt so stark von der Gemeinschaft. Zuviel verlangt ist das nicht, immerhin gibt es die App zum Gratis-Download. Das ist sicher auch der Grund für die große Anzahl von Mitgliedern, die das Tourenportal schon seit einigen Jahren füttern. Im Gegensatz zu Komoot weiß man hier, was ein echter Singletrail ist. Gute Touren mit hohem Trailanteil scheinen auf diesem Portal Ehrensache zu sein. Das haben die Macher der Seite wirklich clever gemacht: Jede Tour kommt in ein Ranking. Sie punktet zunächst mit exakten Beschreibungen in Text und Bild und später durch Bewertungen der Community. Minuspunkt: Die Offline-Karte richtet sich nicht in Fahrtrichtung aus.
Vorteile:
- Große Tourenauswahl auch in ländlichen Regionen
- Einfache Menüführung
- Offline-Karten
- Aufgezeichneter Track in anderer Farbe
Nachteile:
- Kein akustisches Zeichen beim Abzweig
- Offline-Karte richtet sich nicht nach der Fahrtrichtung aus
- Unmoderne Optik
Fazit: Gute Trail-Touren sind auf dieser Plattform Ehrensache. Auf Schnickschnack wie Sprachnavigation wird verzichtet. Für alle, die es im Wald lieber ruhig haben.
GPSIES
GPSies war eines der ersten Touren-Portale im Netz. Die App ist relativ neu und kommt ohne Schnickschnack aus. Die App öffnet sich mit Werbebannern, was aber in etwa so lange dauert, wie wenn ein GPS-Gerät nach Satelliten sucht. Dahinter wartet schließlich eines der größten deutschen Tourenportale - zur Gratis-Nutzung. Die Menüführung ist einfach: Tour auswählen, selbst zum Startpunkt finden und dem lautlosen Track auf der Spur bleiben. Bei der Testfahrt zentrierte sich die Karte leider nicht, man musste mit dem Finger nachziehen. Wer dieses Portal nutzt und gern Singletrails fährt, sollte einigermaßen geschult in Sachen Kartenlesen sein. Viele der Community-Touren sind ohne Text und Bild beschrieben und aus dem wilden Zickzack der Höhenprofil-Linien kann man leider auch nicht viel herauslesen.
Wer allerdings 15 Euro investiert, bekommt Open-Street-Map-Karten als Grundlage und eine werbefreie Oberfläche. Bei einer Einmalzahlung von 50 Euro sogar für immer.
Vorteile:
- Riesige Tourenauswahl
- Konvertierer für GPS-Formate
- Gratis-Download (dafür Werbebanner)
- Herzfrequenz-Messer
Nachteile:
- Optik und Menüführung relativ altmodisch
- Karte zentriert sich auf Tour nicht automatisch
- Keine akustischen Signale beim Abzweig
Fazit: Für Einsteiger ist die GPSies-App etwas unmodern und fummelig, die Auswahl an Touren ist dafür riesig. Liebhaber der ersten Stunde bleiben diesem mit Liebe geführten Portal treu.
Weitere nützliche Apps
Neben den bereits genannten Apps gibt es noch eine Vielzahl weiterer nützlicher Helfer für Mountainbiker:
- MTB Hangtime: Erfasst interessante Daten zur Fahrt, erkennt Sprünge automatisch und zeichnet sie als gesonderten Punkt auf der Streckenkarte ein.
- Werkstatt-Apps: Bieten gut beschriebene Montageanleitungen mit Tipps zur Verfügung.
- Bike Gear Calculator: Berechnet das Gangverhältnis unter Beachtung der Reifen, Kurbellänge und anderer Parameter.
- Echo112: Übermittelt die GPS-Daten an die Notrufzentrale im Ernstfall.
- Trailforks: Führt zu einem Trail und bietet Informationen zu Länge, Höhenunterschied und Fahrzeit.
Tipps für die Smartphone-Navigation
Zum Schluss noch ein paar Praxis-Tipps für die Smartphone-Navigation:
- Ein großes Manko ist der Energieverbrauch der Geräte. Im Vergleich zu Radcomputer ist ein Smartphone unter ungünstigen Umständen schnell leer. Eine Powerbank samt Ladekabel ist neben einer guten Lenkerhalterung obligatorisch.
- Radreisende sollten immer ein Auge auf die Steckdosen-Infrastruktur haben. Räder mit Nabendynamos können teilweise mit USB-Steckern ausgerüstet werden, sodass Smartphones auch während der Fahrt mit Strom versorgt werden.
- Zu beachten ist, dass manche Dynamos erst ab einer gewissen Geschwindigkeit genügend Spannung zur Verfügung stellen. Abhilfe schafft ein Pufferspeicher. In sonnigen Gebieten haben wir auch schon gute Erfahrungen mit faltbaren Solar-Panels gemacht.
- Zusätzlich sollte alles, was Strom frisst, deaktiviert werden - unnötige Datenverbindungen, Hintergrundaktualisierungen und latent geöffnete Apps saugen die Telefone schnell leer. Auch die Helligkeit des Displays kann zum Stromsparen etwas runtergefahren werden.
- Bei übersichtlicher Streckenführung kann man das Smartphone ausschalten. Die meisten Apps schicken Abbiegehinweise auf das Sperrdisplay.
- Radreisenden sei die gute, alte Papierkarte als Ergänzung zur Technik empfohlen.
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