Der Krimmler Tauernpass, das Ahrntal und der Kronplatz sind beliebte Ziele für Mountainbiker. Eine Alpenüberquerung über den Krimmler Tauernpass, durch das Ahrntal und auf den Kronplatz verspricht einiges an Herausforderungen. Doch bevor es richtig losgeht, kann man am frühen Morgen noch ein paar Kilometer durch die sanften Almwiesen des Krimmler Achentals radeln.
Der historische Krimmler Tauernweg
Der historische Krimmler Tauernweg mit seinen aneinandergereihten Felsplatten wird schnell unfahrbar. Beim Schieben des Mountainbikes kann man sich vorstellen, dass Kelten und Römer, Säumer und Hirten, viele Juden und sogar einige Kaiser diesen Weg über den Alpenhauptkamm nach Südtirol als Handels- bzw. Fluchtweg nutzten.
Herausforderungen und Wetterbedingungen
Zunehmende Schwierigkeiten bereitet das Wetter. Je höher man kommt, desto mehr gerät man in tiefhängende Wolken. Ab einer Höhe von 2000 Metern bewegt man sich in dichtem Nebel, begleitet von schweren Regentropfen. Das Wasser steht in den Schuhen, die Regenjacke hält gut, aber der Regenschutz des Rucksacks versagt. Auf 2400-2500 Metern Höhe erwartet einen eine halbe Meter dicke Schneedecke. Die Reifen blockieren wegen des Pappschnees, und das Fahrrad wird Meter für Meter schwerer.
Die Orientierung wird schwierig, da das Bikenavi aufgrund schlechten Empfangs nur eine Genauigkeit von 10 Metern hat. Ohne alte Fußspuren eines Wanderers müsste man umkehren. Am Horizont erscheint ein Holzkreuz, das den richtigen Weg weist. Nach einer kurzen Pause und ein paar Beweisfotos geht es schnell bergab, weg von diesem unwirtlichen Übergang.
Abfahrt und flowige Trails
Die ersten 200 Höhenmeter schiebt man bergab, danach wird der Weg fahrbar. Alle 20 Meter sind Entwässerungsgräben mit aufgestellten Steinplatten angebracht, über die man langsam rollt, um Reifenpannen zu vermeiden. Je weiter man nach unten kommt, desto flowiger wird der Downhill. Manchmal denkt man sich, dass eine Asphaltstraße auch etwas Tolles sein kann.
Das nächste Ziel ist es, um 17:00 Uhr an der Gondel am Kronplatz zu sein. Deswegen bleibt man auf der Hauptstraße und verzichtet auf den parallel verlaufenden Radweg. Alles wird gut.
Die Großvenediger-Umrundung
Der Großvenediger, auch „weltalte Majestät“ genannt, ist ein 3657 Meter hoher Gletschergipfel in den Hohen Tauern. Statt einer Audienz am Gipfel möchte man die Trail-haltige Runde rundherum erfahren. Da keiner der Freunde Zeit hat, fragt man die Tochter Magdalena, die bergauf megafit und bergab schnell ist. Trotzdem sind es drei hohe Pässe: Krimmler Tauern, Ochsenlenke und Felbertauern. Die viertägige Tour wird zu drei Etappen gestrafft, und für die langen Talroller ist ein Bustransfer eingeplant. Problematisch könnte das Wetter werden, da nachmittags Wärmegewitter angesagt sind.
Die Etappen der Großvenediger-Umrundung
Die Runde um den Großvenediger lässt sich mit Bustransfer zu einer Drei-Tagestour straffen. Insgesamt hat die Tour: 99,5 Kilometer, 4129 Höhenmeter und 30 Prozent Trail-Anteil.
- Etappe 1: Krimml - Prettau (33,7 Kilometer, 1603 Höhenmeter bergauf, 1191 Tiefenmeter bergab, 33 Prozent Trail-Anteil)
- Etappe 2: Prettau - Zollwirt (37,2 Kilometer, 1507 Höhenmeter bergauf, 1575 Tiefenmeter bergab, 22 Prozent Trail-Anteil)
- Etappe 3: St. Jakob - Krimml (28,7 Kilometer, 1019 Höhenmeter bergauf, 1740 Tiefenmeter bergab, 34 Prozent Trail-Anteil)
Die Mountainbiketour über den Krimmler Tauern gehört zu den Transalp-Klassikern der Ostalpen.
Detaillierte Etappenbeschreibung
Etappe 1: Krimml - Prettau
Vom Start in Krimml folgt man kurz der Hauptstraße, bevor man sich in Sicht- und Hörweite der Krimmler Wasserfälle das weite Hochtal hinaufkämpft. Am Krimmler Tauernhaus (1631 m) vorbei, geht's auf einem Fahrweg immer weiter in den Talschluss zur Windbachalm (1882 m). Hier beginnt die lange und schwere Schiebepassage bis zur Passhöhe an den Krimmler Tauern (2633 m). Die Abfahrt beginnt mit einem unangenehmen Plattenweg und unendlich vielen querliegenden Stolpersteinen. Ab der Oberen Tauernalm (2018 m) hat man den härtesten Teil der Abfahrt hinter sich. Doch eine Spazierfahrt ist der finale Downhill zur Unteren Tauernalm (1824 m) keineswegs. Danach rollt man auf Asphalt das Ahrntal hinunter bis nach Kasern oder Prettau.
Schlüsselstellen: Die Krimmler Tauern sind von allen Hauptkamm-Pässen in den Hohen Tauern der bezwingbarste. Nach der elend langen Auffahrt durchs Krimmler Achental muss man ab der Windbachalm 750 Höhenmeter (zwei Stunden) schieben. Bergab erfordern die unzähligen Steinplatten höchste Konzentration. Und gute Unterarme.
Einkehr: Das Krimmler Tauernhaus (1631 m, krimmler-tauernhaus.at) ist die einzige Möglichkeit zwischen Krimml und Krimmler Tauern. Die nächste Einkehr ist erst wieder in der Oberen Tauernalm möglich (2018 m).
Übernachtung: Nach dem tagesfüllenden Übergang vom Oberpinzgau ins Südtiroler Ahrntal sehnt man sich möglichst schnell nach einer guten Unterkunft. Die ersten gibt es in Kasern, z. B. das Berghotel Kason (kasern.com) und in Prettau z. B. den Berggasthof Stern (casere-stern.it) oder den Weiherhof (weiherhof.com. 0039/0474/654336).
Etappe 2: Prettau - Zollwirt
Von Prettau (1467 m) rollt man drei Kilometer talauswärts, umfährt rechts den Straßentunnel und hält sich links bergauf Richtung Hofer. Ab dem Bauernhof geht’s auf Schotter ins Hasental. Die Auffahrt ist kehrenreich und steil. Kurz nach der Hasentalalm (2165 m) beginnt die Schiebestrecke zur schon sichtbaren Ochsenlenke (2585 m). In vielen Kehren windet sich ein alter Militärsteig durch die Bergwiesen nach Osten, um dann gen Süden zum Pass hochzuziehen. Mit dem Bike schiebt man eine Stunde. Mit dem E-MTB ist jeder der gut 400 Höhenmeter fahrbar - ein Traum! Von der einsamen Passhöhe leitet ein flowiger Trail hinab ins Knuttental. Auf etwa 2030 Metern Höhe endet der Trail an einem Fahrweg. Dieser führt zum Klammljoch (2288 m). Von dort geht’s bergab - erst ins Arvental und dann ins Defereggental.
Schlüsselstellen: Die Ochsenlenke ist einer der schönsten Bike-Pässe der Alpen! Aber er macht es dem Aspiranten nicht einfach. Die Schiebestrecke ab der Hasentalalm zur Ochsenlenke führt über einen angenehmen Grasweg, der Downhill vom Pass ist traumhaft flowig. Achtung: Wer mit dem E-MTB unterwegs ist, muss gutes Akku-Management betreiben, denn unterwegs gibt‘s keine Steckdose. Also besser einen zweiten Akku dabeihaben!
Einkehr: Bis ins Arvental gibt es keine einzige Einkehrmöglichkeit. Man deckt sich besser in der Unterkunft in Prettau mit einem Lunchpaket ein. Im Arvental kann man in der Jagdhausalm (jagdhausalm.com) Hunger und Durst stillen.
Übernachtung: Das Osttiroler Defereggental ist touristisch bestens erschlossen. Auf osttirol.com/defereggental gibt's eine große Auswahl an Unterkünften. Wir haben im Zollwirt in St. Jakob übernachtet (zollwirt.at). Es ist das erste Gasthaus, wenn man vom Klammljoch ins Defereggental kommt.
Etappe 3: St. Jakob - Krimml
Frühmorgens kurbelt man 25 Kilometer das Defereggental nach Huben. Hier nimmt man den Linienbus (Infos: vvt.at) zum Matreier Tauernhaus (1512 m). Von dort leitet ein neuer Fahrweg (noch nicht auf allen Landkarten verzeichnet) zum „Venedigerblick“ (1982 m). Der Fahrweg wendet sich gen Nordosten und endet an einem Wendeplatz (ca. 2360 m). Ab hier trägt man sein Bike steil und unangenehm zur St. Pöltner Hütte (2841 m) am Tauernkreuz. Runter zum Hintersee geht’s auf dem Weg 917. Ab hier führt ein asphaltierter Weg zur Felbertauernstraße B 108 und der folgt man nach Mittersill. Achtung: viel Verkehr und Tunnels - Licht!
Schlüsselstellen: Die letzten 80 Meter zur St. Pöltner Hütte sind speziell für E-Mountainbiker unangenehm. Aber der Spuk ist schnell vorbei. Die Abfahrt auf dem Weg 917 ist sehr anspruchsvoll (meist S3, stellenweise sogar S4). Keinesfalls den Weg 917A nehmen! Auf ca. 2000 m Höhe kann man alternativ hinüber zum Brentling queren und auf der Bergwerkstraße zum Hintersee abfahren.
Einkehr: Sowohl im Defereggental als auch im Matreier Tauerntal kann man sich problemlos von einer zur nächsten Jausenstation hangeln. Die lohnendsten sind das Matreier Tauernhaus (matreier-tauernhaus.com) und die St. Pöltner Hütte, direkt an der Passhöhe der Felbertauern (alpenverein.at/stpoeltnerhuette).
Zusätzliche Tourenoptionen rund um Krimml
Neben der beschriebenen Tour gibt es weitere attraktive Mountainbike-Strecken rund um Krimml:
- Tour zur Salzachalm: Einkehrmöglichkeit in der Salzachhütte am Salzachjoch.
- Route zum Plattenkogel: Mittelschwere Strecke auf rund 2.000 Meter Höhe mit Panoramablick auf die Alpen.
Die Krimmler Wasserfälle
Bekannt ist Krimml für die Wasserfälle, die zu den höchsten der Welt gehören und in mehreren Abschnitten ins Tal donnern. Die Wanderung zu den Wasserfällen gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Wanderungen in Salzburg. Immer mehr Besucher erkunden die Wasserfälle und den Oberlauf der Krimmler Ache mittlerweile aber auch mit dem Bike.
Eine Option ist es, am Krimmler Tauernweg bis auf rund 1500 Meter Seehöhe hinaufzufahren. Nach dem Tunnel, bei der Schettbrücke, zweigt nach rechts der Weg zum Oberen Achenfall ab.
Die Kitzbüheler Alpen
Auf der gegenüberliegenden Seite findet ihr mit den Kitzbüheler Alpen eines der besten Gebirge zum Mountainbiken in Österreich. Ein idealer Ausgangspunkt ist Krimml selbst, oder aber Königsleiten, das etwas höher am Gerlospass liegt.
Tabelle: Etappen der Großvenediger-Umrundung
| Etappe | Länge | Höhenmeter bergauf | Höhenmeter bergab | Trail-Anteil |
|---|---|---|---|---|
| Krimml - Prettau | 33,7 km | 1603 m | 1191 m | 33% |
| Prettau - Zollwirt | 37,2 km | 1507 m | 1575 m | 22% |
| St. Jakob - Krimml | 28,7 km | 1019 m | 1740 m | 34% |
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