KTM E-Bike Insolvenzverfahren: Umfassende Informationen

Die Insolvenz der KTM AG (KTM, Husqvarna, GASGAS) unter dem Dach der österreichischen Pierer Mobility AG wirft auch Schatten auf die Fahrradsparte des Konzerns. Es ist wichtig zu beachten, dass die KTM Fahrrad GmbH, die unter der Marke KTM Fahrräder vertreibt, nicht Teil von Pierer Mobility ist.

Die KTM Fahrrad GmbH stellt klar, dass der Motorrad-Hersteller KTM AG, Teil der Pierer Mobility AG, insolvent ist. Seit 1992 sind der Motorrad-Hersteller KTM AG und der Fahrrad-Hersteller KTM Fahrrad GmbH zwei voneinander komplett unabhängige und eigenständige Unternehmen. Somit gibt es weder wirtschaftliche noch gesellschaftsrechtliche Verbindungen zur Pierer Mobility AG oder zur KTM AG.

Seit 1992 kommt jedes Fahrrad und E-Bike der Marke KTM ausschließlich aus dem Hause KTM Fahrrad GmbH. Weder die KTM AG noch die Pierer Mobility AG stellen Räder oder E-Bikes mit der Marke KTM her. Die KTM Fahrrad GmbH stellt weiterhin klar: KTM-Fahrräder können weiterhin gekauft werden. Auch die gewohnten Gewährleistungsansprüche bleiben bestehen.

Finanzielle Schwierigkeiten der Pierer Mobility AG

Nicht nur im Motorrad-, sondern auch im Fahrradgeschäft läuft es schon länger nicht mehr rund für Pierer. Bereits Ende 2023 verkaufte die Gruppe die Marke R Raymon. Das Unternehmer-Ehepaar Susanne und Felix Puello hatte die Marke 2017 gegründet und führt sie seitdem selbstständig weiter.

Im ersten Halbjahr 2024 sank laut Geschäftsbericht der Holding Pierer Industrie AG der Absatz der Pierer-Fahrradsparte mit den E-Bike-Marken Husqvarna und GASGAS sowie der Radsportmarke Felt um 23 Prozent auf 53.820 Fahrräder, davon 28.771 E-Bikes (-26,1 Prozent) und 25.049 (-19,2 Prozent) herkömmliche Fahrräder.

Unter der Last hoher Lagerbestände und sinkender Verkaufspreise lieferte die Fahrradsparte einen Vorsteuerverlust (Ebit) von 117,1 Millionen Euro ab, wobei rund 75 Millionen Euro davon auf Wertberichtigungen und Rückstellungen für drohende Verluste anfielen. Für das Gesamtjahr 2024 liegen noch keine Geschäftszahlen vor, Pierer Mobility rechnet nach früheren Aussagen mit einem Minus von bis zu 130 Millionen Euro.

Maßnahmen zur Reduzierung der Lagerbestände

Um die Bestände stärker abzubauen, griff der Konzern in der Vergangenheit zu einer bemerkenswerten Maßnahme. 2023 verschenkte die Gruppe 5600 E-Bikes in einer „Summerbike-Aktion“ an ihre Mitarbeiter(innen), wie aus dem Nachhaltigkeitsbericht hervorgeht. Die Bestände seien 2024 gesunken, aber es seien „noch ausreichend Fahrräder auf Lager vorhanden“.

Rettungsmaßnahmen für KTM AG

Die Rettung des traditionsreichen Motorradherstellers KTM AG (100%-ige Tochter der Pierer Mobility) nimmt konkrete Formen an: Wie die österreichische „Krone“ bereits am Samstag berichtete, hat sich der indische Miteigentümer Bajaj ein Darlehen über 566 Millionen Euro gesichert. Damit könnte der größte Teil der für die Gläubiger vorgesehenen Sanierungsquote von 600 Millionen Euro beglichen werden.

Bis spätestens 23. Mai muss allerdings der gesamte Betrag beim Sanierungsverwalter Peter Vogl angekommen sein. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Bajaj mehrfach Kapital nachgeschossen - insgesamt rund 200 Millionen Euro. Das neue Darlehen, das laut Bericht auf Informationen der Plattform ndtvprofit.com basiert, wird von namhaften Finanzinstituten wie JPMorgan Chase, DBS Bank (Singapur) und Citigroup abgesichert.

Gläubiger nehmen den Sanierungsplan für KTM an

Am 25. Februar 2025 stimmten die Gläubiger der insolventen Firma KTM dem vorgelegten Sanierungsplan zu. Dieser Sanierungsplan sieht vor, dass die Gläubiger 30 Prozent ihrer Forderungen durch eine Einmalzahlung bis Mai 2025 erhalten werden. Für die Erfüllung dieser Quote muss die KTM AG einen Betrag in Höhe von 548 Millionen Euro bis spätestens 23. Mai 2025 beim Sanierungsverwalter hinterlegen.

Insgesamt waren gegenüber KTM seit der Insolvenz Ende November 2024 über 2,2 Milliarden Euro an Forderungen eingegangen, davon hat der Insolvenzverwalter Peter Vogl rund 2 Milliarden anerkannt. Am Ende stimmten alle zu, woher das Geld für die Sanierung kommen wird, ist noch unbekannt. Laut dem Insolvenzverwalter gibt es "strategische Investoren", zu denen unter anderem der indische Zweirad- und Autohersteller Bajaj zählt, der bereits seit 2007 an KTM beteiligt ist.

Damit die Produktion schrittweise ab Mitte März 2025 wieder hochgefahren werden kann, werden der KTM AG aus dem "erweiterten Aktionärskreis" finanzielle Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die geplante Vollauslastung der vier Produktionslinien im Einschichtbetrieb soll innerhalb von drei Monaten, also bis Juni 2025, erreicht werden.

Ende November 2024 hatte die österreichische Motorrad-Marke KTM Insolvenz angemeldet. Aufgrund von Management-Fehlern unter Stefan Pierers Leitung hat der KTM-Konzern seit 2022 rund eine Viertelmillion Motorräder zu viel produziert und Schulden in Höhe von über 2 Milliarden Euro angehäuft.

Auswirkungen auf die Fahrradmarken Husqvarna und GasGas

Wie das Unternehmen im Rahmen der Veröffentlichung vorläufiger Geschäftsergebnisse für das erste Halbjahr 2025 mitteilt, verläuft der sogenannte "Wind-down" des Geschäftsfeldes Fahrrad schneller als erwartet. In den ersten sechs Monaten des Jahres setzte der österreichische Konzern noch 50.107 Fahrräder und Elektrofahrräder ab. Nun rechnet das Unternehmen damit, dass die Lagerbestände der Marken Husqvarna und Gasgas bis Ende 2025 vollständig ausverkauft sein werden.

Trotz des Rückzugs versichert Pierer Mobility, dass sämtliche Garantie-, Service- und Ersatzteillieferungen gemäß den gesetzlich vorgeschriebenen Gewährleistungserfordernissen weitergeführt werden. Die Fahrradmarke Felt bleibt von den Ausstiegsplänen unberührt.

Weitere Entwicklungen in der Fahrradbranche

Die Pierer Mobility Gruppe treibt ihren Ausstieg aus dem Fahrradgeschäft schneller voran als ursprünglich geplant. Während das Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 noch über 50.000 Fahrräder absetzte, sollen die Lagerbestände der Marken Husqvarna und Gasgas bis Ende des Jahres vollständig abverkauft sein.

Die Produktion von GasGas und Husqvarna pausiert aber erstmal, Lagerbestände sollen weiter abverkauft werden. “Das Tagesgeschäft läuft für die Endkunden unverändert weiter” verspricht der Konzern und schließt damit ausdrücklich auch Gewährleistung und Garantie mit ein.

Neben KTM gibt es auch andere Unternehmen in der Fahrradbranche, die mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Hier eine kurze Übersicht:

  • Accell Group: Optimiert Produktionsstandorte und zentralisiert die Produktion in Ungarn.
  • YT Industries und 7Anna (NS Bikes, Rondo): Haben ein Sanierungsverfahren bzw. Insolvenz angemeldet.
  • Canyon: Verzeichnet einen Wertverlust von über 40 %.
  • BMC Group: Leitet Stellenabbau und Restrukturierung ein.
Marke/Unternehmen Situation
KTM AG Insolvenzverfahren, Sanierungsplan angenommen
Husqvarna & GasGas Lagerbestände werden abverkauft, Produktion pausiert
Felt Nicht von den Ausstiegsplänen betroffen

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