KTMs Einstieg in die MotoGP: Eine Geschichte von Ehrgeiz und Erfolg

Der österreichische Motorrad-Hersteller KTM präsentierte am Samstag in Spielberg sein MotoGP-Bike für die Saison 2017. Vor zahlreichen prominenten Gästen wurde die in den Farben Orange und Dunkelblau gehaltene KTM RC16 enthüllt. KTM-Chef Stefan Pierer sagte: "Es ist mein Lebenstraum, Weltmeister in der MotoGP-Klasse zu werden."

Der Beginn eines ambitionierten Projekts

"Das ist ein super-spezieller, emotionaler Moment für mich", sagte KTM-Vorstandsvorsitzender Pierer bei der offiziellen Präsentation. Der Österreicher sprach vom ambitioniertesten und prestigeträchtigsten Projekt der Firmengeschichte und setzte sich und seiner Mannschaft hohe Ziele: "Wir werden unsere Lernkurve brauchen, aber wir werden das Podium erreichen. Am liebsten innerhalb von drei Jahren..."

Pierer wollte keinen konkreten Zeitrahmen für den Gewinn der Weltmeisterschaft nennen, aber das MotoGP-Projekt ist gemeinsam mit Sponsor Red Bull langfristig angelegt: "Wir haben viel Geduld. Wir haben zehn Jahre gebraucht, um die Supercross-Championship in den USA zu gewinnen. Wenn wir zehn Jahre brauchen, um MotoGP-Weltmeister zu werden, dann werden wir so lange nicht aufgeben", versprach der Österreicher.

Die Vorbereitung und das Team

Für Motorsport-Direktor Pit Beirer sind seit der Ankündigung des MotoGP-Comebacks vor rund zwei Jahren aufregende Wochen und Monate vergangen. "Wenn unser Chef Stefan Pierer ein Ziel hat, dann lässt er nicht locker. Es waren harte Monate, die uns ans Limit getrieben haben. Wir mussten eine neue Rennabteilung ins Leben rufen, neue Räumlichkeiten und Fahrzeuge finden und vor allem gutes, neues Personal auftreiben. Jetzt sind wir stolz, hier zu sein und in die höchste Kategorie des Motorradsports einzusteigen", sagte Beirer.

Der ehemalige Motocross-Fahrer ließ keinen Zweifel daran, dass KTM bereit ist, um sich in der MotoGP als ernsthafter Wettbewerber zu etablieren. "Wir haben zwei Crews, die sofort loslegen könnten. Unser Rennteam ist nicht erst in Katar 2017 bereit, sondern schon jetzt", so der Motorsport-Direktor, der seine Truppe mehr als gut im Zeitplan sah.

Das neue Team wird erstmalig beim letzten Grand Prix des Jahres im spanischen Valencia mit Wildcard-Fahrer Mika Kallio an den Start gehen und in der MotoGP-Saison 2017 mit den Fahrern Bradley Smith und Pol Espargaro vertreten sein.

Kommende Woche stehen für die RC16 weitere Testfahrten im italienischen Misano an, ehe noch in Aragon und in Brünn getestet wird. Der letzte Test steigt schließlich in Valencia, wo der finnische Pilot Kallio Mitte November beim letzten Saisonrennen mit einer Wildcard den ersten Renneinsatz des Bikes bestreiten wird.

Technische Details der KTM RC16

Kallio, KTM-Vizepräsident Mike Leitner und der Technische Direktor Sebastian Risse enthüllten bei der offiziellen Präsentation in Spielberg die Maschine. Die RC16 wartet mit zwei technischen Merkmalen auf, die zwar typisch für KTM sind - aber untypisch für die MotoGP: ein Stahl-Gitterrohrrahmen und Fahrwerkskomponenten vom hauseigenen Spezialisten WP Suspension.

"Wir haben viel Erfahrung bezüglich des Stahl-Rahmens. Er hat einige Vorteile: Er lässt sich leichter modifizieren und updaten, die ganze Entwicklungsschleife geht etwas schneller von der Hand", so Risse.

Erste Testfahrten und positive Rückmeldungen

Bei Testfahrten in Spielberg im Juli konnten Kallio und Tom Lüthi solide Rundenzeiten fahren. Knapp zwei Sekunden lag Kallio nach zwei Tagen hinter der künftigen Konkurrenz und zeigte sich zufrieden mit der Entwicklungsarbeit: "Es gibt keinen speziellen Punkt, der uns große Schwierigkeiten bereitet. Klar müssen wir uns in allen Bereichen noch verbessern, aber das Gefühl auf dem Bike ist gut."

So sah es auch Motorsport-Direktor Beirer, der von positiven Tests sprach: "Wir haben sehr gute Motoren, nichts ging kaputt, wir konnten deshalb viele, viele Runden drehen, verschiedene Sachen und Strecken ausprobieren und viel dazuzulernen."

Die Gründe für den MotoGP-Einstieg

Die Gründe für den MotoGP-Einstieg erläuterte KTM-CEO Pierer: "Wir sind zur größten Motorradfirma in Europa aufgestiegen. Deshalb müssen wir nun den letzten Schritt machen. Wir sind die führende Firma im Offroad-Bereich, wir dominieren da im Grunde in allen Kategorien. Vor 15 Jahren haben wir uns entschieden, auch in den Sektor der Straßenmaschinen einzusteigen. Inzwischen verkaufen wir mehr als 60 Prozent unserer 200.000 Motorräder im Jahr im Onroad-Bereich. Um auf dem höchsten Level des Motorradsports akzeptiert zu werden, musst du in der MotoGP-WM fahren. Jetzt ist die richtige Zeit", so der Manager.

Außer Marketing-Aspekten gebe es noch weitere Gründe für das MotoGP-Engagement. "Es geht auch um Technologien, die entwickelt werden und irgendwann in die Serienproduktion einfließen", erklärte Pierer.

Für Renndirektor Beirer steht die Perspektive im Vordergrund, die KTM nun seinen jungen, im eigenen Haus ausgebildeten Fahrern bieten kann: "Wir haben gemeinsam mit Red Bull so viele tolle Fahrer hervorgebracht, die wir nach der Moto3 gehen lassen mussten. Nun können die Besten bei uns bleiben. Mein Traum ist es, mit einem jungen Fahrer bei KTM im Rookie Cup zu starten, der dann auch eines Tages in der MotoGP für uns fährt", sagte der Deutsche.

Unterstützung und Anerkennung von außen

Kommendes Jahr starten die Österreicher mit zwei Werksmaschinen in der Moto2 und den beiden RC16 in der MotoGP. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta begrüßte die verstärkten Aktivitäten von KTM: "Dieses Projekt ist sehr wichtig für uns. Wir haben jetzt ein gutes Gleichgewicht mit drei japanischen und drei europäischen Herstellern. Ich bin sicher, dass auch die MotoGP für KTM ein großer Erfolg werden wird", so Ezpeleta.

Befürchtungen vieler Fans, dass unter dem MotoGP-Engagement die Aktivitäten im Motocross leiden werden, zerstreute KTM-Boss Pierer: "Wir werden Offroad nicht vernachlässigen. Diese Bedenken gab es schon vor 15 Jahren, als wir uns entscheiden haben, auf die Straße zu gehen. Wir nehmen alles, was wir machen, sehr ernst", so Pierer.

Der erste Sieg und die Bedeutung für KTM

Nach dem Grand Prix in Brünn war klar, wer am besten geschlafen hat: KTM. Etwas mehr als drei Jahre hat KTM gebraucht, um das erste MotoGP-Rennen zu gewinnen. Und mit Brad Binder hat ein künftiger Star die Bühne betreten.

Brad Binder startete vom siebten Platz in das Rennen und arbeitete sich neun Runden vor Schluss des Rennens auf den ersten Platz vor. Binder wurde damit gleichzeitig zum ersten Rookie-Rennsieger seit 2013.

Brad Binder sagte: „Ganz ehrlich, mir fehlen die Worte. Seit ich ein kleiner Junge war, träume ich von diesem Moment. Und heute wurde er wahr. Es ist umwerfend, meinen ersten GP [in der MotoGP] zu gewinnen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben, und natürlich dem Team danken - dafür, dass es mir heute ein unfassbar schnelles Bike zur Verfügung gestellt hat! Ich wusste nicht, ob ich gewinnen kann, aber ich wollte es wenigstens versuchen. Es waren die verrücktesten zehn Runden meines Lebens am Ende. Ich fuhr so vorsichtig, wie ich konnte. Es war unglaublich.

Stefan Pierer, CEO KTM AG, sagte: „Es ist schwierig, die starken Emotionen zu beschreiben, die uns an diesem speziellen und für KTM historischen Tag erfüllen. Zuallererst möchte ich Brad gratulieren - nicht nur zu einer herausragenden Fahrt, sondern auch dafür, dass er all die Jahre KTM gegenüber loyal war und an uns geglaubt hat. Wir werden diesen Moment sicher gemeinsam genießen. Außerdem will ich Pol dafür danken, dass er uns mit seiner harten Arbeit dabei geholfen hat, diesen Sieg zu erringen; seine Anstrengungen waren für das gesamte Projekt maßgeblich und haben es erst möglich gemacht, unsere Bikes an die Spitze zu bringen. Seit wir dieses Programm ins Leben gerufen haben, gehen wir jede Renndisziplin mit demselben Ehrgeiz an - wir wussten, dass es in dieser Klasse besonders schwierig werden würde, unsere Ziele zu erreichen. Aber nichts ist unmöglich. Wir haben uns der Spitze Schritt für Schritt angenähert, uns einigen Erwartungen widersetzt und weiter an das geglaubt, was wir erreichen könnten. Im vierten Jahr in der MotoGP ein Rennen zu gewinnen zeigt die Arbeitsmoral und das Know-how unserer KTM-Motorsportabteilung und der Techniker in der Forschung und Entwicklung. Ich möchte mich ganz besonders bei Pit Beirer und Mike Leitner für ihre Führungsarbeit und ihre unermüdlichen Anstrengungen, dieses Projekt zu einem Erfolg zu machen, bedanken. Unsere Vision ist, unseren Fahrern einen ununterbrochenen Weg zur Spitze zu ebnen, und Brad ist das beste Beispiel für den Erfolg dieses Konzepts mit seinen Siegen auf KTM im Red Bull MotoGP Rookies Cup, in der Moto3 und der Moto2.

Pit Beirer, KTM Motorsports Director: „Das ist ein unglaublicher Tag für KTM. Ein historischer Augenblick für unser Unternehmen und das ganze Team, aber besonders natürlich für Brad Binder, der seit Jahren an uns und unser Projekt geglaubt hat. Heute wurden wir für unsere harte Arbeit belohnt. Wir wussten, dass wir dieses Jahr ein besseres Bike hatten. Und dieser Sieg kommt nicht von ungefähr, sondern ist ein Resultat dessen, was wir in den letzten Jahren gelernt haben. Wir haben mit Dani Pedrosa, Mika Kallio und dem Test-Team über ein Jahr hart gearbeitet, um dieses Bike auf die Beine zu stellen. Schlussendlich braucht man aber einen großartigen Fahrer, um den obersten Platz am Podest zu erreichen. Und Brad hat uns heute gezeigt, dass seine Siege in der Moto3 und der Moto2 keine Zufälle waren. Das Gefühl ist einfach überwältigend und nun werden wir auf diesem Ergebnis aufbauen. Trotzdem will ich mich auch bei Pol Espargaró bedanken, denn auch er (und seine Mannschaft) haben alles Mögliche geleistet, um dieses Projekt an die Spitze zu hieven.

Mike Leitner, Red Bull KTM Race Manager: „Heute war ein fantastischer Tag. Wir hatten das ganze Wochenende über das Gefühl, auf dieser Strecke schnell sein zu können. Unsere Fahrer fuhren gute Rundenzeiten und wir hatten große Erwartungen für das Rennen. Brad und Pol hatten beide eine ausgezeichnete Renn-Pace und obwohl wir extrem glücklich sind, hätten wir aus diesem GP noch mehr herausholen können! Mit seinem sechsten Platz hat auch Miguel großartige Arbeit geleistet, wir könnten also nicht glücklicher sein. Wir starteten dieses Projekt im Jahr 2017 mit einem kleinen Team und haben bei KTM die gesamte Infrastruktur aufgebaut. Die Leute in unserem Unternehmen haben die richtige Mentalität und wussten, dass wir eine monumentale Aufgabe vor uns hatten: Wir hatten nicht die gleiche Erfahrung im Rundstrecken-Sport wie die anderen Hersteller. In den letzten drei Jahren hatten wir viele Hochs und Tiefs, haben heute aber endlich die Ernte eingefahren. Bereits in Jerez - und besonders hier - hat man gesehen, dass wir der Spitze viel näher sind. Mit unserer unterschiedlichen technischen Philosophie (mit einem Stahlrahmen und unserer WP-Federung) haben wir auf dieser langen, technischen Strecke von Brünn gezeigt, wozu wir fähig sind, und mit dem Sieg all jene belohnt, die an diesem Projekt beteiligt waren. Ich freue mich besonders, dass wir dem Vorstand von KTM zeigen konnten, dass sich ihre Investitionen und ihre Unterstützung sowie das volle Vertrauen unseres Sponsors ausgezahlt haben.

Technische Fortschritte und Innovationen

Seit dem Einstieg der Marke in die Königsklasse 2017 hat KTM den Rückstand seiner Bikes auf die Spitze der MotoGP um fast zwei Sekunden verkürzt. Sebastian Risse - Red Bull KTM Factory Racing MotoGP Technical Coordinator sagte, dass KTM mit der RC16 rasant Fortschritte gemacht hat. Das Motorkonzept wurde überarbeitet und der typische Stahl-Rahmen weiterentwickelt. Die Mannschaft weiß also, wie man schnell weiterkommt. Eine der besten Anekdoten dreht sich um das Test-Team und den Einsatz des brandneuen Motors bei einem Michelin-Reifentest in Le Mans im Jahr 2017. Espargaró packte den verbesserten Motor kurzerhand in ein Privatflugzeug, um in Jerez einen weiteren Test zu fahren.

Sebastian Risse erläuterte, dass das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt und sie andauernd neue Dinge herausfinden. Die Elektronik ist ein sehr komplexes Thema und eines, das auf der Strecke seine Komplexität zeigt. Bei anderen Komponenten manifestiert sich die Komplexität eher im Werk - etwa, wenn es um ein neues Fahrwerk, ein neues Teil oder einen neuen Motor geht. Dann testen sie auf der Strecke, probieren Dinge aus und analysieren. Neue Teile sind entweder besser oder schlechter und dann müssen sie eine Entscheidung fällen. Die Komplexität wandert von Teil zu Teil! Bei der Elektronik müssen sie auf jedes Detail achten und sich alles, was der Fahrer ihnen sagt, genau anhören. Sie müssen immer wieder reingehen und versuchen, Unterschiede zwischen einzelnen Sitzungen oder sogar den einzelnen Läufen innerhalb einer Sitzung zu finden. Auch die Aerodynamik des Motorrads entwickelt sich weiter und beim Fahrwerk haben sie viel an der Steifigkeit gearbeitet. Sie begannen als ‚die Neuen‘ und da sie sich für einen Stahlrahmen entschieden hatten, konnten sie auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen. Stattdessen mussten sie hier und in anderen Bereichen ihren eigenen Weg finden. Das hieß, viele zusätzliche Schritte zu machen und viele zusätzliche Testbikes zu bauen.

Risse und sein Team machten kontinuierlich Fortschritte und versuchten sich durch das Labyrinth möglicher Verbesserungen zu bewegen. Jede Ressource und jedes Budget ist begrenzt und um das Bike schneller und besser zu machen, muss man beides auf optimale Weise einsetzen, die Entwicklungsarbeit ausbalancieren. Risse gehört zu den Menschen, die diese Entscheidungen treffen, ist aber nicht der, der sie anstößt. Es ist toll, wenn eine Theorie, die Daten und der Fahrer in die gleiche Richtung deuten. Dann sind sie zu 100 % sicher, dass sie auf einer heißen Spur sind. Wenn das nicht der Fall ist, heißt das, dass sie etwas lernen können. Für ihn hat der Fahrer oberste Priorität. Er muss Vertrauen in ihre Lösungen haben. Idealerweise hält man sich an das, was der Fahrer sagt, und lernt in anderen Bereichen dazu, bis man eine Erklärung für das ‚Warum‘ hat (warum man das Bike verändern muss). Dann vergleicht man das mit den Daten, um am Ende zu einer zufriedenstellenden Lösung zu gelangen. Die Informationen der Fahrer haben Priorität.

Sowohl in Sachen Technik und Prototypen-Komponenten als auch bei Hard- und Software sind MotoGP-Bikes das Nonplusultra. Das dient nicht nur dazu, einen Fahrer auch noch um die letzten Millisekunden pro Runde schneller zu machen. Die auf diesem Niveau gewonnenen Informationen, werden auch an die Forschungs- & Entwicklungsabteilung in Österreich weitergegeben. In Bereichen wie Aerodynamik, Fahrwerkssteifigkeit und Elektronik arbeiten sie mit den Jungs von KTM STREET und dem Produktionsmanagement in der Forschungs- & Entwicklungsabteilung zusammen. Das betrifft nicht nur einzelne Entwicklungen, sondern auch Ansätze und Analysen, etwa Erkenntnisse zu gewissen Effekten und wie diese in andere Lösungen, Teile oder Ideen übertragen werden können, die (auf den beiden Bikes) mitunter völlig unterschiedlich aussehen. Es gibt Dinge, die sie lernen können … oft ist es aber leider nicht ganz so einfach.

Abschließend erläuterte Risse eine Produktionsmethode, die bereits jetzt einen positiven Effekt auf die Serien-Offroad-Bikes hat und auch andere Modelle bereichern sollte. Innovative Technologien wie (3D-)Druck sind interessante Spielplätze. Mehr und mehr Teile werden gedruckt und er denkt, dass sie das bald auch bei Serienmotorrädern vermehrt sehen werden. Dieser Technik gehört die Zukunft und sie haben hier einen kleinen Vorsprung.

Die Geschichte der MotoGP

Seit dem Jahr 2002 markiert die MotoGP die Königsklasse des zweirädrigen Motorsports für Straßen-Motorräder, doch die Ursprünge der Motorrad-Weltmeisterschaft gehen viel weiter zurück. Das erste Motorrad mit Benzinmotor, das in Serie produziert wurde, stammt aus dem Jahr 1894 und hört auf den Namen „Hildebrand & Wolfmüller“. 13 Jahre später, im Jahr 1907, fand mit der legendären Isle of Man TT das erste offizielle Motorrad-Rennen der Welt statt.

Es dauerte allerdings bis zum Jahr 1949, bis der Weltverband FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) erstmals eine Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder austragen ließ - die inoffizielle Geburtsstunde der MotoGP. Damals traten die Fahrer in verschiedenen Hubraumklassen an. Unterteilt wurden die Meisterschaften in 50 ccm bzw. 80 ccm, 125 ccm, 250 ccm, 350 ccm und 500 ccm für Solo-Maschinen, beziehungsweise in 500 ccm für Motorräder samt Beiwagen. In der Anfangszeit dominierten vor allem englische und italienische Marken mit Viertaktmotoren das Geschehen. Rekordhalter ist der im Jahr 1942 geborene Italiener Giacomo „Ago“ Agostini, der am 15. September 1963 beim Heimrennen im italienischen Monza erstmals an den Start ging.

1983 wurde zunächst die 350-ccm-Klasse ersatzlos gestrichen, ein Jahr darauf die 50-ccm-Klasse durch die 80er-Klasse ersetzt. Auch der klassische Rennstart, der seinerzeit noch mit dem Anschieben der Rennmaschinen einherging, wurde Ender der 1980er Jahre durch einen stehenden Start ersetzt. In den 1990er Jahren wurden dann auch noch die 80-ccm-Klasse und die Seitenwagen-Rennen aus dem Programm entfernt, bis zum Jahr 2001 wurde dann ausschließlich in den Hubraum-Klassen 125 ccm, 250 ccm und 500 ccm gefahren.

Zeitgleich etablierte sich ebenfalls unter dem Dach der FIM die sogenannte Superbike-Weltmeisterschaft (SBK), in der Fahrer und Teams mit seriennahen Motorrädern an den Start gingen. Sie wurde ursprünglich von den vier großen japanischen Herstellern Honda, Yamaha, Kawasaki und Suzuki ins Leben gerufen. Im Lauf der Saison 2001 wurde der Druck der japanischen Hersteller, allen voran Honda, auf den Dachverband so groß, dass es zu einer weitreichenden Umstrukturierung innerhalb der Motorrad-WM kam.

Die "Rossi"-Jahre und die Dominanz spanischer Fahrer

Mit dem neuen Branding folgten auch neue Regularien. So kamen in der Königsklasse des Motorradsports fortan Viertaktmotoren mit maximal 990 cm Leistung zum Einsatz. Im finalen Jahr der ursprünglichen Motorrad-WM mit 500 ccm Hubraum (2001) krönte sich der „Doctor“ Valentino Rossi zum Weltmeister. Auch die Anfänge der MotoGP sollten an den Italiener gehen, der zwischen 2002 und 2005 ganze vier Titel als Fahrerweltmeister einheimste, zunächst auf einer Honda-Maschine, dann auf Yamaha. Rossi führt gemeinsam mit dem Spanier Marc Márquez die Bestenliste der Fahrerweltmeister an - beide Piloten kommen bislang auf sechs Weltmeistertitel in der MotoGP.

Zur Saison 2012 wurde der Hubraum dann wieder angehoben. Ab dieser Saison waren die Bikes mit 1.000 ccm Hubraum ausgestattet, gleichzeitig wurde die maximale Zylinderzahl auf vier beschränkt. Es begann die Dominanz der spanischen Fahrer: Zwischen 2012 und 2020 wanderte der Titel des Fahrerweltmeisters nach Spanien. Marc Márquez auf Honda krönte sich ganze sechs Mal zum Weltmeister (zuletzt in der Saison 2019), Yamaha-Pilot Jorge Lorenzo sicherte sich zwei weitere Titel, während die Krone in der Saison 2020 an Joan Mir ging.

Technische Daten und Rekorde

Seit 2016 gilt innerhalb der technischen Regularien ein Mindestgewicht von 158 kg für ein Bike in der MotoGP-Klasse. Die Leistung eines Motorrades ist hingegen nicht reguliert und wird aus Wettbewerbsgründen lediglich in Untergrenzen bemessen. Schätzungen zufolge leistet ein aktuelles Motorrad in der MotoGP zwischen 260 und 300 PS. Damit sind Geschwindigkeiten von über 360 km/h möglich. Den aktuellen Rekord stellte der Ducati-Pilot Jorge Martín im Jahr 2022 im italienischen Mugello auf. 363,6 km/h schnell war der Spanier. Damit liegt die MotoGP in Sachen Top-Speed fast auf Augenhöhe mit der Formel 1.

Der MotoGP Kalender 2024: Alle Rennen im Überblick. Mit satten 21 Rennen fällt der MotoGP-Kalender so umfangreich aus, wie nie zuvor. Das zweimalige Weltmeister Pedro Acosta wechselt 2024 in die Königsklasse und startet an der Seite von Augusto Fernandez für GasGas. Gresini setzt für 2024 auf das Duo Márquez: Die Brüder Marc und Alex Márquez starten auf Ducati.

KTM im Motorsport: Eine Erfolgsgeschichte

Der größte europäische Motorrad-Hersteller, KTM, ist in allen bekannten Rennserien im Motorsport vertreten. Und das ziemlich erfolgreich. Über 340 Weltmeistertitel wurden bislang eingefahren. Absolutes Highlight: Der Einstieg in die MotoGP (höchste Motorsport-Klasse auf zwei Rädern) im Jahr 2017.

Das Unternehmen konnte dank hohen Investments in die MotoGP den Umsatz nahezu verdoppeln.

KTM MotoGP: Meilensteine und Erfolge
Jahr Ereignis Details
2017 Einstieg in die MotoGP Erste volle Saison des KTM-Werksteams
2017 Erstes Rennen in Katar Zielankunft als 16. und 17.
2020 Erster MotoGP-Sieg Brad Binder gewinnt in Brünn
2017-2020 Technische Fortschritte Verkürzung des Rückstands auf die Spitze um ca. 2 Sekunden

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