KTM RC16: Leistung und Entwicklung des MotoGP-Prototypen

Die KTM RC16 ist ein reines MotoGP-Prototypenmotorrad, das von KTM für den Einsatz in der FIM MotoGP-Weltmeisterschaft entwickelt wird. Sie ist nicht straßenzugelassen und ausschließlich für den Rennsport vorgesehen.

Entwicklung der KTM RC16 von 2016 bis 2024

2016 - Erstes Rollout und Wildcard-Debüt

Im Jahr 2016 präsentierte KTM die RC16 erstmals öffentlich beim Saisonfinale in Valencia. Der Einsatz erfolgte als Wildcard mit Testfahrer Mika Kallio. Die RC16 basiert auf einem Stahl-Gitterrohrrahmen - ein Alleinstellungsmerkmal in der MotoGP. Der 90°-V4-Motor dient als mittragendes Element. Die RC16 verwendet ein eigenes Seamless-Getriebe und WP Suspension-Komponenten, da WP ein Tochterunternehmen von KTM ist.

2017 - Erste volle MotoGP-Saison

2017 startete KTM mit der RC16 als Werksteam in der MotoGP. Die Fahrer waren Pol Espargaró und Bradley Smith. Die Maschine wurde im Laufe der Saison mehrfach überarbeitet, insbesondere in den Bereichen Aerodynamik, Elektronik (Magneti Marelli ECU) und Chassisabstimmung. Die RC16 fuhr wie alle MotoGP-Maschinen auf Michelin-Slicks.

2018-2019 - Technische Weiterentwicklung und Kundenteam

In den Jahren 2018 und 2019 erfuhr die RC16 zahlreiche technische Updates. Dazu zählten neue Winglet-Designs, überarbeitete Motorcharakteristik und verbesserte Elektronik. 2019 wurde das Tech3-Team als Kundenteam mit der RC16 ausgestattet. Die Sitzposition ist kompromisslos auf Rennbetrieb ausgelegt. Die RC16 ist ein Einsitzer ohne Soziusoption.

2020 - Erster MotoGP-Sieg

2020 erzielte Brad Binder auf der RC16 den ersten MotoGP-Sieg für KTM beim Grand Prix von Tschechien in Brünn. Die RC16 erhielt ein überarbeitetes Chassis mit angepasster Steifigkeit sowie ein neues Aerodynamikpaket. Die Maschine blieb mit WP-Fahrwerk und Michelin-Reifen ausgestattet. Im Cockpit kam ein vollfarbiges LC-Display zum Einsatz, das primär für Telemetrie- und Diagnosedaten dient.

2021-2023 - Chassis- und Aero-Updates

Zwischen 2021 und 2023 wurde die RC16 kontinuierlich weiterentwickelt. KTM kombinierte den Stahlrahmen mit Carbon-Elementen zur Optimierung der Torsionssteifigkeit. Die Aerodynamik wurde mehrfach überarbeitet, unter anderem mit neuen Winglets und Luftführungselementen. Die RC16 blieb ein reines Rennfahrzeug ohne Straßenzulassung. Eine Serienversion existierte nicht.

2024 - Aktueller Stand

Auch 2024 setzt KTM die RC16 in der MotoGP ein. Die Maschine wird vom Red Bull KTM Factory Racing Team und dem GasGas Tech3 Team gefahren. Offiziell bestätigt sind weitere Updates an Motor, Aerodynamik und Chassis.

Technische Details der KTM RC16

An Leistung mangelt es dem 990-cm3-V4-Motor nicht, er bringt es inzwischen auf rund 270 PS bei 16.000/min. Doch, wie Mike Leitner betont, kommt es auf die Harmonie von Rahmen, Federelemente, Elektronik, Reifen und Motorleistung an. Schließlich muss die brutale Kraft kontrollierbar bleiben. Im Punkt Fahrbarkeit zeigen sich Espargaro und Smith soweit zufrieden mit dem Ergebnis. Einzig das Umlegen des Motorrads in die Kurve und die Traktion beim Herausbeschleunigen entspricht noch nicht ganz den Wünschen der beiden, aber daran arbeitet das Team gerade mit Hochdruck.

Weitere technische Details:

  • Auspuffanlage: Akrapovič 4-in-2, Titan Konstruktion
  • Hubraum: 1000ccm aus 4 Zylinder - V
  • Leistung: über 265 PS
  • Geschwindigkeit: über 350 km/h

Vergleich: Formel 1 gegen MotoGP

Es ist der ultimative Vergleich der beiden Königsklassen: Formel 1 gegen MotoGP, vier gegen zwei Räder, 1.000 gegen 290 PS. Das Motorrad ist zwar um Welten langsamer, doch daran stört sich keiner. Warum?

Kein Rennwagen ist auf einer Rundstrecke schneller als ein Formel-1-Auto. Keine Rennmaschine schneller als ein MotoGP-Bike. Deshalb sind beide Serien die Königsklassen. Beide locken Millionen an die Rennstrecke.

Es gibt keine gemeinsamen Veranstaltungen. Auf vier Rennstrecken jedoch fahren beide: Austin, Barcelona, Silverstone und Spielberg. Das gibt uns die Möglichkeit, zu vergleichen. Dafür haben wir uns die exakten Fahrdaten von Red Bull und KTM in Spielberg besorgt.

Die Unterschiede sind dabei eklatant. Die Formel 1 ist 20 Sekunden schneller. Und das, obwohl der Red Bull Ring nur 4.318 Meter lang ist und nur zehn Kurven hat. In jeder ist die Formel 1 schneller. Der Geschwindigkeitsunterschied reicht von 7,5 bis zu 130,7 km/h.

Vergleichstabelle: Formel 1 vs. MotoGP in Spielberg

Merkmal Formel 1 MotoGP
Geschwindigkeit Schneller Langsamer
Spektakulärität Weniger Mehr
Anpressdruck Hoch Gering
Reifenmanagement Wichtig Wichtig

Die Zweirad-Fraktion macht fehlende Geschwindigkeit mit mehr Bewegung im und auf dem Motorrad wett. Es rutscht viel mehr. Kurz gesagt, weil ein Motorrad weniger und dünnere Reifen hat und Aerodynamik im Verhältnis eine Minimalrolle spielt. Ein Rennmotorrad generiert Anpressdruck nur in gewissen Fahrzuständen. Auf- und Abtrieb wechseln sich ab.

Ein Formel-1-Auto klebt wie Kaugummi auf der Straße - aber nur in sauberer Luft. Der Hintermann klagt bei einer Wagenlänge Abstand über einen Abtriebsverlust von rund 45 Prozent.

In die Kurven lehnen sich die MotoGP-Fahrer mit teilweise über 60 Grad Schräglage. Ein Formel-1-Auto klebt auf dem Asphalt.

Die Michelin-Reifen der MotoGP sind keine Dauerbrenner. Auch die Zweirad-Helden müssen in den Rennen, die um die 40 Minuten lang sind, Reifen schonen. Reifenwechsel gibt es bei Trockenrennen nicht. Die Pirelli-Reifen der F1 sind unberechenbarer. Sie ins magische Fenster zu bringen, ist eine Kunst für sich.

Reifenmanagement spielt in beiden Serien eine Rolle. Ebenso der Spritverbrauch. Die Formel 1 darf über die Renndistanz etwa 148 Liter verbrennen. Die Motorräder 22 Liter.

In den Kurven spielt die Formel 1 ihre Vorteile gnadenlos aus: mechanischer Grip und Aerodynamik. In Schräglage schrumpft die Kontaktfläche des Reifens einer Rennmaschine auf fünf bis zehn Zentimeter. Die Reifen sind so konstruiert, dass sie auf der Flanke maximalen Grip liefern.

Motorräder balancieren durch Kurven, F1-Autos fegen wie auf Schienen hindurch. Frontflügel, Unterboden, Diffusor und Heckflügel drücken sie auf den Boden. Die Autos sind fünf Meter lang, haben eine deutlich größere Verkleidungsfläche, da lässt sich mit der Luft spielen. Ein MotoGP-Bike ist knapp über zwei Meter lang. Anbauteile entdeckten die Ingenieure erst vor ein paar Jahren: Seither tragen die Frontpartien sogenannte Winglets.

Ein MotoGP-Motorrad hat in etwa ein Viertel der Leistung eines F1-Autos, ist dafür viel leichter.

In der Formel 1 bringt die Aerodynamik die Rundenzeit. In der MotoGP ist es vor allem der Fahrer. Ein Ausnahmekönner kann die Schwächen seines Arbeitsgeräts umfahren.

Die MotoGP-Teams beschränken die Kommunikation bewusst. "Wir senden maximal zwei bis drei Nachrichten pro Rennen. Der Fahrer wäre sonst in seiner Konzentration gestört. Würde es bei uns Funkverkehr geben, wären die meisten Fahrer überfordert, weil sie 100 Prozent ihrer Konzentration aufwenden müssen, um die Maschine am Limit zu fahren."

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