Kühlflüssigkeit im Motorrad: Eigenschaften und wichtige Hinweise

Die Kühlflüssigkeit spielt eine entscheidende Rolle für die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit Ihres Motorradmotors. Die falsche oder fehlende Wartung der Kühlanlage kann teure Schäden verursachen. Im Folgenden erfahren Sie alles Wichtige über die Eigenschaften, die richtige Wartung und den Austausch der Kühlflüssigkeit.

Warum ist Kühlflüssigkeit wichtig?

Im Verbrennungsmotor entstehen hohe Temperaturen. Damit der Motor nicht überhitzt, wird die Wärme zum Kühler geleitet. In einem pumpengetriebenen Kreislauf fließen in der Kühlanlage rund fünf bis zehn Liter Kühlflüssigkeit vom Zylinderkopf und -block zum Kühler. Die Kühlflüssigkeit trägt dazu bei, den Motor auf einer Temperatur zu halten, die seinen Betrieb nicht beeinträchtigt und die Komponenten nicht beschädigt.

Bestandteile und ihre Funktionen

Die Kühlflüssigkeit ist ein Gemisch aus mehreren Grundsubstanzen:

  • Wasser: Dient als Hauptträger für die Wärmeableitung.
  • Monoethylenglykol: Wirkt als Frostschutzmittel und erhöht den Siedepunkt.
  • Zusätze: Schützen vor Korrosion und Ablagerungen.

Handelsüblich sind Konzentrate, die zur Anwendung etwa 1:1 mit möglichst reinem und kalkarmem Wasser vermischt werden. Es sollte also destilliertes Wasser sein, wie es auch im Bügeleisen verwendet wird und zum Beispiel in Drogerien erhältlich ist. Im Fachhandel gibt es zudem Kühlwasser-Fertigmischungen, die bereits ausreichend destilliertes Wasser enthalten.

Regelmäßige Kontrolle der Kühlflüssigkeit

Eine regelmäßige Kontrolle des Kühlwasserstands ist ratsam, da der Stand mit der Zeit abnehmen kann. Diffusion durch Kunststoffteile oder eine undichte Stelle können dazu führen, dass mit der Zeit Kühlflüssigkeit verloren geht, aber nicht von den Sensoren angezeigt wird. Ursache können zum Beispiel Marderbisse an Schläuchen sein.

Wie oft sollte man kontrollieren?

Alle 15.000 bis 30.000 Kilometer sollte man einen prüfenden Blick auf den Ausgleichsbehälter werfen. Im Rahmen der Inspektion macht das die Werkstatt. Nachfüllen braucht man also nur, wenn wirklich Flüssigkeit fehlt.

Wie kontrolliert man richtig?

  1. Motorzustand: Die Kühlflüssigkeit sollte nur bei kaltem oder nicht warm gelaufenem Motor kontrolliert und nachgefüllt werden.
  2. Behälter finden: Im Motorraum ist der meist weiße oder transparente Kühlmittelbehälter am Warnsymbol "Vorsicht Verbrühungsgefahr" erkennbar.
  3. Füllstand prüfen: An der Seite sind die Markierungen "Max" und "Min" für Maximum und Minimum zu sehen. Ist der Motor noch kalt, sollte der Kühlmittelstand zwischen beiden Markierungen liegen.

Was tun bei Abweichungen?

  • Zu hoher Stand: Der ADAC rät zu einem Werkstattbesuch.
  • Zu niedriger Stand: Das System muss auf undichte Stellen geprüft werden. Laien erkennen sie an Pfützen unter dem Fahrzeug. Sinkt der Pegel schon kurze Zeit nach dem Auffüllen wieder, liegt auf jeden Fall ein Defekt vor.

Wann sollte die Kühlflüssigkeit gewechselt werden?

Die Kühlflüssigkeit hält nicht ewig. Nach etwa 100.000 Kilometern ist ein Wechsel der Kühlflüssigkeit aber in jedem Fall sinnvoll. Ihr Wechsel wird von einigen Herstellern vorgeschrieben. Er wird aber leicht vergessen, weil er häufig in die zweite Lebenshälfte des Fahrzeugs fällt, in der eine Wartung nach Herstellervorgaben oft nicht mehr stattfindet.

Die richtige Mischung

Bei der Kühlflüssigkeit kommt es auf die passende Mischung an. Der richtige Cocktail für den Motor ist vom Fahrzeughersteller vorgeschrieben und sollte grundsätzlich nur wie angegeben verwendet werden. Motoren brauchen eine Mischung aus Wasser, dem Frostschutzmittel Monoethylenglykol und speziellen Zusätzen, vor allem zur Abdichtung und gegen Rost. Stimmt die Mischung nicht, kann zum Beispiel die Wasserpumpe kaputt gehen und einen Motorschaden verursachen.

Es handelt sich also um ganz spezielle Mischungen, deren chemische Eigenschaften häufig in Qualitätsnormen der Fahrzeughersteller definiert sind. Es gibt deshalb verschiedene Sorten, die auf Namen wie G11, G12, G12+ oder G13 hören. Welche Kühlflüssigkeit für ein bestimmtes Modell das richtige ist, verrät die jeweilige Bedienungsanleitung.

Was tun bei Überhitzung?

Leuchtet das rote Kühlwasser-Symbol auf, droht der Motor zu überhitzen. Dann sollte man nicht weiterfahren und ein sofortiger Check des Kühlsystems ist unerlässlich.

Wenn der Motor überhitzt gilt: Unbedingt bei nächster Gelegenheit stehen bleiben. Anschließend die Motorhaube öffnen, damit die Wärme entweichen kann. Dann hilft nur warten: Der Motorblock muss zunächst abkühlen, bis man den Füllstand des Kühlmittels checken kann.

Ist noch genug im Tank, können Sie mit niedriger Drehzahl weiterfahren - allerdings immer mit Blick auf die Warnleuchten und Temperaturanzeige am Armaturenbrett. Zur Sicherheit sollte man umgehend eine Werkstatt ansteuern.

Notfall: Nur destilliertes Wasser nachfüllen

Steht im Notfall die passende Mischung nicht zur Verfügung, füllen Sie kein anderes Kühlmittel, sondern zunächst nur Wasser ein. Das richtige Mischungsverhältnis mit dem vorgeschriebenen Kühlmittel kann später eingestellt werden. Dafür gibt es Konzentrate, die eins zu eins mit möglichst reinem und kalkarmem Wasser zu vermischen sind.

Kühlmittel selbst wechseln: Schritt für Schritt

Wenn mal wieder ein Ölwechsel ansteht, lohnt es sich auch, das Kühlmittel auszutauschen. Somit bleibt die Leistungsfähigkeit des Motors erhalten. Für die Arbeit sollten rund 10 bis 15 Minuten eingeplant werden.

  1. Vorbereitung: Beim Ablassen des Kühlmittels muss der Motor kalt sein. Durch Hitze entsteht Druck im System. Beim Öffnen des Ablassventils könnte die heiße Flüssigkeit herausspritzen und zu Verbrennungen führen. Am besten tauscht ihr die Flüssigkeit deshalb vor einer Fahrt und nicht danach. Zudem sollte ein Gefäß mit ausreichendem Volumen bereitstehen, in dem ihr die Flüssigkeit auffangt. Prüft bitte, ob es auch unter das Motorrad passt, bevor ihr die Schraube löst.
  2. Alte Flüssigkeit ablassen: Dafür öffnen wir zuerst die Verschlusskappe am Kühler. Die meisten Motorräder haben eine Ablassschraube, mit der das Kühlmittel bequem abgelassen werden kann. Nachdem wir den Auffangbehälter darunter platziert haben, lösen wir die Ablassschraube. Jetzt kurz warten bis auch die letzten Tropfen herausgeflossen sind. Dann die Schraube wieder handfest anziehen. Manche Motorräder kommen ohne eine Ablassschraube für die Kühlflüssigkeit aus. In diesem Fall müsst ihr eine Schlauchschelle lösen und den Schlauch abziehen. Sucht euch dafür am besten eine Stelle, die möglichst tief im Kreislauf liegt, damit möglichst viel von der alten Flüssigkeit herausfließen kann.
  3. System befüllen: Um neue Flüssigkeit ins System einzufüllen, bleibt die Verschlusskappe offen. Falls euer Kühler ein zusätzliches Entlüftungsventil hat, wird dieses auch geöffnet. Jetzt füllt ihr den Kühler mit neuer Flüssigkeit auf. Wir nutzen Motorex Coolant M3.0. Lasst ein wenig Luft bis zum Rand.
  4. Motor laufen lassen: Jetzt lasst ihr den Motor an. Falls das Motorrad kein Thermostat hat, sinkt der Stand schnell, sobald die Pumpe anläuft. Dies ist euer Startsignal, neue Flüssigkeit nachzufüllen. Bei Motorrädern mit Thermostat, öffnet sich dieses erst, sobald der Motor eine Mindesttemperatur erreicht. Es kann also einige Minuten dauern, bis der Stand sinkt. Wenn ihr bemerkt, dass der Stand nicht mehr abfällt, lass das Bike noch ein paar Minuten laufen. Vermutlich habt ihr noch die ein oder andere Luftblase im System. Die Zirkulation wird die Blasen aber noch heraustreiben.
  5. Füllstand prüfen: Nach der ersten Fahrt solltet ihr den Füllstand noch einmal überprüfen. Wenn sich nichts ändert, ist alles in Ordnung. Falls er nochmal um ein paar Zentimeter fällt, war der Kreislauf scheinbar nicht richtig entlüftet. Behaltet auch die Kühlwassertemperatur während er ersten Fahrten ein wenig im Auge. Wenn ihr hier höhere Temperaturen beobachtet, sitzt noch eine Blase im System. Checkt auch gerne, ob Flüssigkeit an der Ablassschraube oder der geöffneten Schelle austritt.

Wo kann man Kühlmittel kaufen?

Bei uns finden Sie Kühlmittel von renommierten Herstellern wie Bel-ray, Castrol, Motul oder Valvoline. Wir bieten Motorradkühlmittel als Lösung und Konzentrat zum Selbstmischen mit destilliertem Wasser, sowie Additive zur Verbesserung der Eigenschaften der Flüssigkeit und Präparate zur Reinigung des Kühlsystems.

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