Die Vor- und Nachteile eines kurzen MTB-Vorbaus

Die Lenkerhöhe ist ein wichtiger Faktor für Komfort und Kontrolle beim Mountainbiken. Früher waren schmale Flat-Bars Standard, aber mit breiteren Riser-Bars hat sich die Fahrposition aufrechter gestaltet. Angesichts des immer größer werdenden Federwegs moderner Bikes stellt sich die Frage, ob eine niedrigere Lenkerposition wieder vorteilhaft sein könnte.

Grundlagen: Stack und Reach

Bevor wir uns mit der Lenkerhöhe beschäftigen, müssen wir die Begriffe Stack und Reach verstehen.

  • Stack: Der vertikale Abstand von der Tretlagermitte zur Oberkante des Steuerrohrs.
  • Reach: Der horizontale Abstand von der Tretlagermitte zur Mitte der Oberkante des Steuerrohrs.

Riser-Lenker vs. Spacer

Es ist ein Irrglaube, dass Spacer mit einer Höhe von 40 mm unter dem Lenker dasselbe sind wie ein 40-mm-Riser-Lenker. Beim Wechsel von einem Flat-Lenker zu einem 40-mm-Riser-Lenker bewegen sich die Kontaktpunkte der Hände vertikal 40 mm nach oben. Spacer unter dem Vorbau verändern jedoch die Position des Vorbaus auf dem Steuerrohr, was nicht nur die Höhe, sondern auch die horizontale Position beeinflusst.

Wenn ein Bike beispielsweise einen Lenkwinkel von 65 Grad hat, wandert der Vorbau für jeden hinzugefügten 10-mm-Spacer um 9,06 mm nach oben und 4,22 mm nach hinten. Eine Höhe von 40 mm mit Spacern würde die Griffe also 36,24 mm nach oben und 16,88 mm zurück bewegen.

Einfluss der Lenkerhöhe auf das Fahrgefühl

Um den Einfluss der Lenkerhöhe auf das Fahrgefühl zu testen, wurden Vergleichsfahrten mit verschiedenen Riser-Lenkern durchgeführt. Dabei wurden Lenker mit 0, 20 und 40 mm Rise getestet, alle auf 760 mm Breite gekürzt. Die Testbikes waren ein RAAW Madonna und ein Pole EVOLINK mit Stack- und Reach-Werten von 639 mm und 475 mm bzw. 639 mm und 510 mm.

Flat-Lenker

Ein montierter Flat-Lenker führte dazu, dass das Körpergewicht nach unten und in Richtung Front gezogen wurde, was eine direktere Verbindung zum Vorderrad ermöglichte. Die Lenkung war bei niedrigen Geschwindigkeiten präzise, und die Traktion des Vorderrades war in Kurven gut spürbar. Allerdings zog die niedrige Front das Gewicht in steilem Terrain weit nach vorn, was mehr Kraft kostete und die Arme und Hände schneller ermüden ließ. Es war auch schwieriger, das Vorderrad in Kompressionen und über Löchern zu entlasten.

40-mm-Riser-Lenker

Ein 40-mm-Riser-Lenker führte zu einer offeneren und komfortableren Fahrposition. Auf steileren Trails fühlten sich die Tester zentraler ins Bike integriert, mit besserer Gewichtsverteilung zwischen Armen und Beinen und weniger Erschöpfungsgefühl. Das Vorderrad fühlte sich in steilen Kurven ausgewogen an, und das Rad konnte leichter über Hindernisse gehoben werden. Auf flacheren Trails und in Kurven mit weniger Geschwindigkeit fehlte jedoch die Verbindung zum Vorderrad, sodass man sich aktiver nach vorne lehnen musste, um maximale Kontrolle zu gewährleisten.

Die richtige Lenkerhöhe finden

Die Körperposition auf dem Bike wird stark von der Einstellung des Fahrwerks beeinflusst. Stelle daher sicher, dass das Setup von Gabel und Dämpfer korrekt ist, bevor du die Lenkerhöhe optimierst.

Die ideale Lenkerhöhe ist subjektiv und hängt von der körperlichen Statur, der Bike-Auswahl und dem gewählten Terrain ab. Eine flache Front verleiht auf flacheren Trails Grip am Vorderrad, führt aber zu einer physisch fordernden Position auf steileren Trails. Ein höherer Lenker bringt mehr Kontrolle und Komfort in steilem Gelände sowie eine entspanntere Position in sanftem Terrain. Die Nachteile sind Traktionsverlust auf steileren Anstiegen und weniger Gewicht über dem Vorderrad auf flacheren Trails.

Es empfiehlt sich, mit der Lenkerhöhe zu experimentieren, indem man die Spacer unter oder über dem Vorbau montiert. Versuche, einen Zentimeter nach oben oder unten zu gehen und beobachte, ob es eine Verbesserung darstellt. Für ein Allround-Bike empfiehlt es sich, eine Position zu finden, die so hoch ist, wie gerade noch möglich, und mit der man in flachen Kurven genug Gewicht über dem Vorderrad hat.

Der kurze Vorbau

Ein kürzerer Vorbau hat Einfluss auf zwei Punkte:

  • Lenkverhalten: Das Lenkverhalten wird direkter, da der breite Lenker näher am Steuerrohr sitzt. Dadurch lässt sich "schneller" einlenken.
  • Sitzposition: Die Sitzposition wird aufrechter und der Schwerpunkt wandert nach hinten. Das ermöglicht es, den Körper weiter nach hinten über den Sattel zu schieben, was besonders bei steilen Abfahrten mehr Sicherheit gibt.

Die Länge des Vorbaus ist immer ein Kompromiss. Die Nachteile des kürzeren Vorbaus können dadurch wettgemacht werden, dass man den Oberkörper beim Bergauffahren weiter nach vorne drückt.

Bei einem Testlauf mit einem Specialized Stumpjumper FSR fiel die stärkere Neigung zum Aufsteigen des Vorderrades auf, was ein aktives Verlagern des Oberkörpers nach vorne erforderlich machte.

Weitere Aspekte von Lenker und Vorbau

Lenkerbreite

Die Lenkerbreite wird an der Vorbiegung in der Regel von Mitte zu Mitte gemessen. Im Klemmbereich beträgt das Maß in der Regel 31,8 Millimeter. Die Lenkerbreite richtet sich nach der Breite der Schultern und der persönlichen Vorliebe. Der Lenker sollte so breit sein, dass die Handgelenke gerade noch nicht seitlich abknicken.

Reach und Drop

Reach bezeichnet die Vorbiegung des Lenkers, während der Drop beziffert, wie tief der Lenkerbogen nach unten reicht.

In Sachen Sitzposition macht es einen großen Unterschied, ob der Lenker komfortable sieben oder gestreckte neun Zentimeter Vorbiegung aufweist ("Reach") oder ob man im Unterlenker moderate elf oder stramme 15 Zentimeter in die Tiefe greift ("Drop").

Materialien und Bauweisen

Rennradlenker gibt es aus Aluminium, Carbon, Stahl oder Titan. Zudem können Rohrquerschnitte und -durchmesser variieren, und der Unterlenkerbogen kann klassisch rund oder anatomisch angepasst sein. Lenker und Vorbau können eine untrennbare Einheit bilden.

Sitzposition

"Es gibt nicht die eine einzige, richtige Sitzposition", sagt Tanja Willersinn. Wirklich anatomisch vorgeschrieben ist nur die Sitzhöhe, die von der individuellen Innenbeinlänge abhängt. Das einfachste Handlungsfeld, um mit der Sitzposition zu experimentieren, sind die Lenker- und Vorbauabmessungen. Hat man dann einmal eine geeignete Sitzposition gefunden, sollte diese auf allen genutzten Rädern identisch eingestellt sein.

Vorbauwinkel

Der Winkel des Vorbaus beeinflusst, wie hoch der Lenker "hängt" - und wirkt sich damit ebenfalls auf Sitzposition und Handling aus. Sehr stark verbreitet sind Vorbauten mit sechs Grad Neigung, erhältlich sind aber auch extremere Modelle mit bis zu 40 Grad.

Lenkerform

Die Form des Lenkers beeinflusst ebenfalls das Fahrgefühl. Ein breiter Lenker greift sich komfortabel, vereinfacht tiefes Atmen und sorgt für größere Ruhe beim Lenken und im Wiegetritt. Schmale Lenker können aerodynamische Vorteile bringen.

Berücksichtigen Sie auch individuelle Aspekte: Personen mit Problemen im Schulter-, Nacken- und Lendenwirbelbereich sollten Lenker mit geringem Drop verbauen und im Zweifel unterm Vorbau lieber einen Spacer zu viel als zu wenig montieren.

Während einer Ausfahrt sollte man mehrfach die Position am Lenker wechseln, um einer einseitigen Haltung und Schmerzen vorzubeugen.

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