Haben Sie Probleme mit Ihrer Sitzposition auf dem Rennrad oder möchten Sie einfach etwas verändern? Dieser Artikel bietet Ihnen eine umfassende Analyse der Vor- und Nachteile eines kurzen Vorbaus und hilft Ihnen, die richtige Wahl für Ihre Bedürfnisse zu treffen.
Was ist ein Vorbau und welche Rolle spielt er?
Technisch gesehen verbindet der Vorbau den Gabelschaft mit dem Lenker. Wenn Sie den Lenker bewegen, folgt die Gabel dieser Bewegung mit dem Vorderrad. Daher ist es wichtig, diesem Bauteil besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da fehlerhaft montierte Vorbauten zu schweren Stürzen führen können.
Der Vorbau beeinflusst maßgeblich Ihre Sitzposition. Seine Länge wirkt sich auf die Oberrohrlänge des Rahmens und den Reach des Lenkers aus. Der Winkel und die Montage (positiv oder negativ) beeinflussen die Steuerrohrlänge des Rahmens und den Drop des Lenkers.
Unterschiede zwischen kurzem und langem Vorbau
Worin liegen die Unterschiede zwischen einem kurzen bzw. langen Vorbau?
Langer Vorbau: Je länger der Vorbau, desto weiter vorne befindet sich der Körper, was zu mehr Druck auf das Vorderrad und einem indirekteren Lenkgefühl führt. Ein langer Vorbau ist ideal für Fahrer, die lange Touren bevorzugen oder bei steilen Anstiegen Probleme mit einem steigenden Vorderrad haben. Auch interessant für große Personen, die zu aufrecht auf ihrem Fahrrad sitzen. Vorbauten mit einer Länge über 50 mm werden meist im All Mountain / Touren bzw. XC und Marathon Race Bereich verwendet.
Kurzer Vorbau: Je kürzer der Vorbau, desto aufrechter sitzt man auf dem Bike. Der Druck auf die Räder wandert tendenziell eher in die Richtung des hinteren Laufrades. Interessant für Fahrer, die abfahrtsorientiert unterwegs sind und ein direktes Lenkgefühl bevorzugen. Im Gravity und Enduro-Bereich werden meist Vorbaulängen zwischen 35-50 mm gefahren.
Unterschiede im Vorbauwinkel
Worin unterscheidet sich ein Vorbau mit hohem bzw. niedrigem Vorbauwinkel?
Hoher Vorbauwinkel: Je höher der Vorbauwinkel, desto kürzer wirkt das Bike, wodurch ihr aufrechter auf dem Bike sitzt. Dadurch wird Druck vom Vorderrad genommen und ihr erhaltet ein direkteres Lenkgefühl, dafür neigt das Bike eher zum Untersteuern.
Niedriger Vorbauwinkel: Je niedriger der Vorbauwinkel, desto länger wirkt das Bike, wodurch man sportlicher und gestreckter auf dem Bike sitzt. Das Bike wirkt länger und ihr erhaltet mehr Druck auf dem Vorderrad. Dafür wird das Lenkgefühl indirekter.
Vorbau-Maße: Die wichtigsten Kenngrößen
Es gibt vier wesentliche Kenngrößen, die Sie bei der Auswahl des richtigen Vorbaus beachten sollten:
- Länge: Gemessen von der Mitte des Steuerrohrs bis zur Mitte des Lenkers. Üblicherweise zwischen 90 mm und 120 mm.
- Winkel: Abweichung vom rechten Winkel zwischen Gabelschaft und Vorbau. Typischerweise 6° bis 8°.
- Durchmesser des Gabelschaftes: Üblicherweise 1 1/8“ (28,6mm).
- Durchmesser der Lenkerklemmung: Üblicherweise 31,8 mm.
Aktueller Vorbau-Standard
Der aktuelle Standard bei Rennrädern ist der sogenannte Ahead-Vorbau. Eine Klemmung verbindet den Vorbau mit dem Gabelschaft, die andere mit dem Lenker. Die geteilte Lenkerklemmung ermöglicht einen schnellen und unkomplizierten Austausch des Vorbaus ohne Demontagearbeiten am Lenker.
Integrierte Cockpits
Integrierte Cockpits sind schön - wenn sie passen. Grob lassen sich die Lenkervorbaueinheiten, die die Züge in ihrem Inneren verstecken, in folgende Kategorien einteilen:
- Vollintegrierte Cockpits mit und ohne Verstellmöglichkeiten
- Teilintegrierte Cockpits, bei denen sich Lenker und Vorbau trennen lassen
- Spezialcockpits mit austauschbaren Spacern
Ob und wie weit sich das Cockpit an die persönlichen Wünsche anpassen lässt, variiert von Modell zu Modell sehr stark. Wer sich für ein integriertes Rennradcockpit entscheidet, sollte sich seiner Sitzposition sicher sein oder ein Fitting durchlaufen haben.
Vor- und Nachteile integrierter Cockpits
Vollintegriertes Cockpit ohne Verstellung:
- Plus: Kompatibel mit modularen Lösungen, Höhenverstellung durch Spacer
- Minus: Längenanpassung nur durch Tausch des Cockpits
Vollintegriertes Cockpit mit Verstellung:
- Plus: Integrierte Verstellung
- Minus: Jenseits des kleinen Verstellbereichs keine Anpassung möglich
Teilintegriertes Cockpit:
- Plus: Modular, großer Anpassungsbereich, weniger Umbaukosten
- Minus: Nicht ganz so elegant und leicht wie einteilige Cockpits
Spezialcockpit mit austauschbaren Spacern:
- Plus: Modular, relativ großer Anpassungsbereich
- Minus: Erfordert Spezialbauteile
Der richtige Vorbau für verschiedene Kategorien
- Race: Aluminium, 6° bis 8° Winkel, negativ montiert, 110 mm bis 130 mm Länge.
- Aero: Aluminium, 17° Winkel, negativ montiert, aerodynamisch optimiert.
- Tour/Endurance: Aluminium, 6° bis 8° Winkel, positiv oder negativ montiert, 100 mm bis 110 mm Länge.
- Gravel/Cyclocross: Aluminium, 6° bis 8° Winkel, tendenziell kürzer, 90 mm bis 100 mm Länge.
Montage und Einstellung des Vorbaus
Ein häufig auftretender Montagefehler ist ein zu hohes Anzugsdrehmoment. Das vorgeschriebene Drehmoment ist meist auf dem Vorbau vermerkt und sollte penibel eingehalten werden. Gerade an empfindlichen Gabelschäften aus Carbon können sich sonst schnell Schäden bilden. Hier auch auf das Drehmoment des Gabelschaftes achten. Sollten sich diese unterschieden immer das geringere Drehmoment wählen.
Anleitung für die Montage eines Ahead-Vorbaus
- Vorbau, Gabelschaft und Lenker müssen sauber und fettfrei sein.
- Bei Aluminium-Vorbauten und -Gabelschäften Montagefett verwenden.
- Bei Aluminium/Carbon- oder Carbon/Carbon-Kombinationen Carbon-Montagepaste verwenden.
- Den Vorbau mit Spacern auf die gewünschte Höhe bringen.
- Die Vorbaukappe auflegen und den Steuersatz spielfrei einstellen.
- Den Vorbau gerade ausrichten und die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Den Lenker in der gewünschten Position montieren und die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Abschließend den festen und geraden Sitz von Lenker, Vorbau und Steuersatz prüfen.
Lenkerbreite und ihre Bedeutung
Viele Rennräder werden standardmäßig mit einer bestimmten Lenkerbreite ausgeliefert, die selten unter 400 Millimetern liegt. Die für Sie passende Breite hängt von Ihrer Schulterbreite ab. Die Schulterbreite dient jedoch nur als Orientierung; wichtigster Anhaltspunkt ist Ihr persönliches Wohlbefinden.
Drop und Reach: Was bedeuten diese Begriffe?
Drop: Der Drop bezeichnet die Lenkerhöhe, also den Abstand vom Ober- zum Unterlenker - gemessen jeweils von der Rohrmitte.
Reach: Der Reach hat Einfluss auf Fahrweise und Fahrkomfort, denn er bestimmt, wie gestreckt Du auf dem Rad sitzt. Gemessen wird er von der Mitte der Vorbauklemmung bis zu dem Punkt im Drop, der am weitesten von dieser Stelle entfernt ist.
Materialien und Preise
Die Preisspanne für Vorbauten ist relativ groß. Einfache Modelle aus Aluminium gibt es ab ca. 10 €, Carbon-Vorbauten kosten gerne bis zu 300 €. Aluminium ist unproblematischer und schrauberfreundlicher als Carbon. Es ist nicht so empfindlich gegen falsche Drehmomente, und es gibt nur bei ausgewiesenen Leichtbauteilen eine Gewichtsbeschränkung.
Zusammenhang zwischen Vorbaulänge und Reach/Stack
Vorbaulänge und Vorbauwinkel hängen zusammen. Um herauszufinden, welcher Vorbau für Sie passen würde, wenn Sie nur einen Parameter verändern wollen, können Sie den Reach und Stack Ihres Vorbaus berechnen lassen. Dadurch können Sie herausfinden, welcher Vorbau für Sie passen würde, wenn Sie nur einen Parameter verändern wollen.
Beispiel: Angenommen, Sie haben einen Vorbau mit einer Länge von 60 mm und einem Winkel von 30°. Das bedeutet, der Reach Ihres Vorbaus beträgt 33,55 mm und der Stack 49,74 mm.
Die richtige Sitzposition finden
"Es gibt nicht die eine einzige, richtige Sitzposition", sagt Tanja Willersinn, Leiterin des Radlabors Freiburg und Expertin in Sachen Bikefitting. "Wirklich anatomisch vorgeschrieben ist nur die Sitzhöhe, die von der individuellen Innenbeinlänge abhängt." Von diesem Wert ausgehend, kann man sich, je nach Gusto, renn- oder komfortorientiert aufs Rad setzen - oder irgendwo dazwischen.
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