L'Eroica: Geschichte und Faszination eines Radrennens

Die Eroica ist ein Oldtimer-Fahrrad Ereignis, das Anfang Oktober in Gaiole in Chianti in der Toskana stattfindet, normalerweise am ersten Sonntag des Monats. Es begann im Jahr 1997 und zielt darauf ab, historisches Fahrradfahren wieder neu in Szene zu setzen. Es ist für jeden offen, der ein historisches Fahrrad benützt. Die Veranstaltung ist kein Wettbewerb.

Es gab eine Zeit, in der sich der Radsport auf Schotterwegen abspielte. Eine Zeit, in der es keine Nahrungsergänzungsmittel und Aminosäuren gab, sondern Gemüsesuppe, Tortelli, Wurstwaren und Rotwein.

Nennen Sie sie nicht Rennen, denn hier gewinnt jeder, wichtig ist einzig und allein, „dabei gewesen zu sein“.

Die Ursprünge und der Gründer

Giancarlo Brocci, ein gelernter Mediziner, hat die Veranstaltung mit dem Ziel ins Leben gerufen, das inspirierende Lebensgefühl vergangener Zeiten zu konservieren. Gleichzeitig dient das Event auch als Basis, die letzten charakteristischen Schotterstraßen der Toskana, die „strade bianche“, vor einer Asphaltierung zu schützen - was bisher auch gelungen ist.

Beim ersten Klassiker-Radrennen 1997 gingen 92 Teilnehmer ins Rennen, um diese Ziele zu verfolgen. Seitdem wächst das Event fast kontinuierlich und zieht immer mehr Begeisterte an.

Was macht L'Eroica so besonders?

L’Eroica wörtlich heldenhaft im Italienischen, ist der physische Ausdruck des Wiederstrebens gegen den modernen Lebensstil. Es ist eine Flucht in die Phantasie, zurück in eine Zeit, als Männer noch Männer waren (was sich in ihren opulenten Schnurrbärten und breiten Oberschenkeln äußerte) und Frauen im Rock Rad fuhren (hier hat das 21. Jahrhundert vielleicht doch seine Vorzüge).

Die Organisatoren bestehen darauf, dass L’Eroica mehr sei, als seine Kostümparty, als ob es als Wirklichkeitsflucht nicht schon Ausdruck genug wäre, mit archaischer Technologie eine stundenwährende Herausforderung durch die Hügel der Toscana erleiden zu müssen.

„Vintage ist die Ausrede für eine bestimmte Wertvorstellung. Es erlaubt uns, das Radfahren wie die Sieger der Vergangenheit zu erleben.“

So Giancarlo Brocci, der Gründer der L’Eroica, als er den Etos zu erklären versucht, welcher Teils philosophisch und teils übertrieben, aber zu 100% echt italienisch ist.

„L’Eroica ist keine Kostümparty - wir sind hier um uns selbst zu messen. Im modernen Leben kennen wir keinen wirklichen Durst oder Hunger. Teil der L’Eroica ist es, diese Empfindungen wieder zu fühlen.“

Die einzigartige Mischung aus Geschichte, Kultur und Sport verleiht der Eroica eine ganz besondere Anziehungskraft.

Die Regeln der L'Eroica

Die Regeln der L’Eroica besagen, dass Fahrer historische Räder (bici eroiche) fahren müssen, die spätestens 1987 gebaut wurden. Das heißt, Stahlrahmen, Unterrohrschalthebel, Pedale mit Pedalhaken und Laufräder mit 32 Speichen stehen auf dem Programm und Fahrer müssen Kleidung aus der selben Zeit tragen.

Jeder Fahrer, der an den Start geht, oder der auf der Strecke angetroffen wird, und dessen Rad nicht den Anforderungen entspricht, wird sofort vom Rennen disqualifiziert. Und dies wird in der Tat auch ernst genommen.

Weder Herzfrequenzmesser, Powermeter, GPS Computer oder sonst etwas, das einem von dem Vergnügen, ein Rad auf Sicht zu fahren abbringen könnte.

Wer an der L'Eroica teilnimmt, muss bereit sein für Blut, Schweiß und Tränen - des Glücks. Die "Heldenhafte" verlangt den Teilnehmern alles ab. Auch weil die Regeln historische Fahrräder vorschreiben: vor 1987 gebaut, aus Stahl, Schaltung am Unterrohr und frei laufenden Bremszügen. Carbon und Co sind verpönt, Funktionskleidung verboten.

Statt Energie-Riegel gibt es Brot, Käse und Kohleintopf. Und zur Startnummer aus Stoff eine Flasche Chianti.

Wenn Sie sich nicht „heldenhaft” genug fühlen, die 209 km mit einem Höhenunterschied von über 3.700 m auf vorwiegend hügeligem Terrain und Schotterstraßen zu bewältigen, keine Angst, die L’Eroica wird über diverse Streckenlängen ausgetragen: eine Spazierfahrt über 46 km Länge, um die „heroische“ Atmosphäre einzuatmen; das „Einfallstor“ zum Mythos der L’Eroica über eine Distanz von 75 km; die Chianti-Classic-Tour und die mittellange Strecke von 130 bzw. 135 km Länge.

Die Strecken und Herausforderungen

Zur Wahl stehen fünf unterschiedliche Strecken über 46, 81, 106, 135 und 209 Kilometer. Alle haben es in sich: Die schwer zu befahrenen Schotterstraßen schlängeln sich mit bis zu 18-prozentiger Steigung durch die Landschaft. Bei der längsten Strecke sind insgesamt rund 3900 Höhenmeter zu bewältigen.

So schön das toskanische Hügelpanorama auch sein mag - den Teilnehmern des Nostalgie-Radrennens macht es das Leben schwer. Vor idyllischer Kulisse kämpfen sie ums Zurücklegen jeden Meters. Die Zeit wird wie erwähnt nicht gemessen. Vielmehr geht es darum, möglichst heldengleich ins Ziel zu kommen.

Dazu zählt zum Beispiel auch, anderen Teilnehmer beim Aufpumpen eines Reifens zu helfen. An den Zwischenstationen machen die Radfahrer bei Rotwein und toskanischen Spezialitäten Rast, um sich für die kommenden Streckenabschnitte zu stärken.

Die Eroica-Familie: Ableger weltweit

Aufgrund des erfolgreichen Konzepts gibt es mittlerweile mehr als ein Dutzend Ableger-Veranstaltungen auf der ganzen Welt.

Das Vintage-Radsport-Event erfreute sich immer größerer Beliebtheit, und so gibt es neben dem Original, der "Eroica di Gaiole" - sie findet jährlich im Herbst im Chianti-Gebiet in der Toskana statt - mittlerweile weltweit zehn Ableger des legendären Retro-Rennens, wie etwa in Montagu (Südafrika), Paso Robles (USA) oder Mount Fuji (Japan).

Folgende Rennen sind neben der Tour in Gaiole geplant bzw. haben bereits stattgefunden:

  • Eroica Japan - 12. & 13. April 2025
  • Eroica Montalcino, Italien - 25. Mai 2025
  • Eroica Valkenburg, Niederlande - 6. Juni 2025
  • Eroica Germania, Deutschland - 23. August 2025
  • Eroica Dolomiti, Italien - 6. September 2025

Einige andere historische Radrennen in Italien

Wenn Sie sich für historische Radrennen interessieren, sollten Sie sich diese Veranstaltungen in Italien nicht entgehen lassen:

  • L’Intrepida (Anghiari): Mit drei Streckenvarianten (42 km, 85 km, 120 km) besticht dieses Rennen durch die landschaftliche Schönheit und die historische Bedeutung der Orte.
  • La Polverosa (Parma): Startet in Montechiarugolo und führt durch die einladende Poebene.
  • La Moserissima (Trento): Zu Ehren von Francesco Moser und seiner Familie, mit Strecken durch das Etschtal.
  • Strade Bianche: Die Routen (es gibt die Wahl zwischen vier verschiedenen) führen kilometerweit über die strade bianchi, oder weißen Straßen der Toskana, die ikonischen weißen Kiesstraßen.

Anmeldung und Teilnahme

Alle Interessierten können sich auf der Webseite der Eroica anmelden. Die Registrierung für einen der Teilnehmerplätze läuft normalerweise ab Januar.

Wer übrigens kein passendes altes Rennrad zuhause stehen hat, findet vor Ort Möglichkeiten, ein passendes Modell zu mieten oder sogar zu kaufen. Verschiedene Stände bieten zudem auch Bekleidung zur Vervollständigung des Nostalgie-Outfits an.

Übrigens: Alle Routen sind entsprechend ausgeschildert. Die 209 km lange Strecke ist mittlerweile auch ganzjährig befahrbar.

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