Ein Laufrad selbst zu bauen, erfordert einiges an Wissen und Vorarbeit. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung zum Einspeichen eines Laufrads mit einer 32-Loch-Felge. Hier werden die notwendigen Werkzeuge, die Wahl der richtigen Komponenten und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erläutert.
Wann lohnt es sich, ein Laufrad selbst aufzubauen?
Heute gibt es eine Menge guter fertiger Laufräder oder Systemlaufräder zu kaufen, weshalb nicht mehr jeder Laden automatisch selbst welche baut. Wenn du dein individuelles Laufrad baust, kannst du es ganz auf deine Bedürfnisse abstimmen. Der Aufwand ist allerdings größer.
Voraussetzungen und Werkzeuge
Damit du richtig arbeiten kannst und alles so sitzt, wie es soll, darf das passende Werkzeug natürlich nicht fehlen. Im Wesentlichen sind es eigentlich nur 4 Dinge, die du benötigst:
- Schlitzschraubendreher: Dieser sollte sich eigentlich in jeder Werkstatt befinden. Es empfiehlt sich ein großer Schlitzschraubendreher.
- Speichentensiometer: Damit das Laufrad möglichst stabil ist, sollte jede Speiche die gleiche Spannung haben. Ein ParkTool TM-1 ist hier empfehlenswert.
- Nippelspanner: Diesen benötigst du, um deine Nippel an der Speiche drehen zu können. Je nachdem, welche Speichen und Nippel verwendet werden, musst du hier den passenden parat haben.
- Zentrierständer: Um das Laufrad gut zentrieren zu können, benötigst du noch einen Zentrierständer. Hier braucht es nicht unbedingt das teuerste Modell. Wichtig ist, dass Laufradgröße und Felgenmaulweite eingestellt werden kann.
Wahl der Nabe, Felge, Speichen und Speichennippel
Damit am Ende auch alles zusammenpasst, musst du aufpassen, dass alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Grundlegend muss die Nabe zur Felge passen. Beispielsweise gibt es 28, 32 oder 36 Loch Naben. Entsprechend dazu auch die Felgen. WICHTIG! Hier muss die Anzahl der Speichen an Nabe und Felge gleich sein.
Nun darf man nicht zu schnell sein, da Naben und Felgen auch unterschiedliche Aufnahmen für Speichen haben. Die meisten Naben und Felgen sind für Rundspeichen mit 2 mm Nippel konzipiert. Doch es gibt auch Felgen und Naben mit besonderen Speichenaufnahmen. Mavic Laufräder besitzen zum Beispiel ein völlig eigenes Speichenkonzept.
Es gibt verschiedene Materialien für Laufradkomponenten:
- Nabenkörper: Aluminium
- Speichen: Stahl (vereinzelt auch Aluminium, Titan, Carbon oder Textilfasern)
- Felgen: Aluminium (meistens) oder Carbon
Art der Speichenkreuzungen und Speichenlänge
Um die richtige Länge der Speichen errechnen zu können, musst du dich als erstes entscheiden, wie du einspeichen möchtest. Die gängigsten und am weitesten verbreiteten Arten sind die 2-fach und 3-fach Kreuzung. Wie es schon im Namen steckt, kreuzt eine Speiche entweder 2 oder drei andere. Solltest du ein Laufrad mit 36 Loch Nabe und Felge fahren, musst du es 3-fach einspeichen. 28 Loch Naben und Felgen müssen 2-fach gekreuzt eingespeicht werden.
Damit du jetzt die richtigen Speichen bestellen kannst, müssen die Längen passen. Dafür gibt es online einige Rechner. Ich verwende den Speichenlängenrechner von Sapim. Hier trägst du alle erforderten Wert einfach ein und der Rechner ermittelt dann alle Speichenlängen für dich. WICHTIG: Die Speichenlänge sind oft unterschiedlich auf Brems- und Antriebsseite.
Da ihr bei der Wahl der Speichenlängen schon entscheiden musstet, welche Einspeichart ihr wählt, müsst ihr diese nun eigentlich nur noch anwenden. Sind alle Speichen schon mal an der richtigen Stelle, muss man langsam damit anfangen, Spannung ins Rad zu bekommen. Hier zieht man nach und nach in kleinen Schritten die Speichen an. Wenn man Speichen zu schnell zu viel festzieht, führt das später beim Zentrieren zu mehr Arbeit und kann unter Umständen die Felge verdrücken.
Einspeichen eines 32-Loch-Laufrads
Hier ist eine einfache Methode des Einspeichens beschrieben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vorgehensweisen wird hier die Nabe nicht mit Speichen vorgefüllt. Das Vorfüllen hat sicherlich seine Vorteile, ist aber vom Vorgang her nicht so übersichtlich zu vermitteln. Zudem ist es kein Problem die hier gezeigte Vorgehensweise später selbst zu erweitern.
Zuerst möchte ich jedoch zeigen, wie es bei einem Laufrad mit 32 Speichen funktioniert, die sich dazu nur zweimal kreuzen. Dies vereinfacht die ganze Sache nochmal und ich muss eigennützlich gestehen, dass es mir auch die Erstellung dieser hier verwendeten 3D-Zeichnungen erleichterte.
So kann die Art der Speichenlochanordnung in der Felge für Verwirrung sorgen. Es geht um das Speichenlochmuster. Wenn man sich eine gute Felge anschaut, sieht man, dass die eine Hälfte der Löcher sich rechts außerhalb der Mitte und die andere Hälfte links außerhalb der Mitte befinden. Da das europäische Speichenlochmuster die gängigere Variante ist, soll diese hier erstmal erklärt werden. Das europäische Speichenlochmuster ist daran zu erkennen, dass das erste Speichenloch oberhalb vom Ventil in Fahrtrichtung gesehen rechts außerhalb der Mitte sitzt.
32 Speichen, 2-fach gekreuzt, symmetrische Einspeichung, d.h. die Speichen sind auf der linken und rechten Seite alle gleich lang, wie es. z.B. bei einem Laufrad mit Rohloffnabe der Fall ist.
Die folgenden Speichen (Zugspeichen; in der Zeichnung rot dargestellt) werden mit dem Speichenkopf auf der Innenseite des Nabenflansches eingespeicht. Die führenden Speichen (Druckspeichen; in der Zeichnung blau dargsestellt) werden mit den Speichenköpfen auf der Außenseite des Nabenflansches eingespeicht. Die Speichnnippel werden nur soweit aufgeschraubt, dass sie die Speiche sicher im Speichenloch halten.
Wir starten auf der rechten Seite des Laufrades - also der Antriebsseite. Die Druckspeiche auf Position 1 in der Nabe und die Zugspeiche auf Position 6. Da wir hier eine Felge mit europäischem Lochspeichenmuster vorliegen haben, starten wir mit dem ersten Loch links neben dem Ventil und mit der Blick auf die rechte Seite des Laufrades - „Antriebsseite“ anderen Speiche geht es in das zweite Loch rechts neben dem Ventil. Jetzt kann man die restlichen 7 führenden Speichen (blau) einziehen. Nun geht es auf der linken Seite des Laufrades weiter. Der Knackpunkt beim Einspeichen auf der linken Seite ist nur, dass man weiß wo es weitergeht. Hier ist es wichtig zu wissen, dass sich die Speichenlöcher in der Nabe auf beiden Flanschseiten nicht genau gegenüberliegen. Hier gibt es also einen kleinen Versatz. Wie der Pfeil in der Zeichnung zeigt, fängt man von der linken Seite aus gesehen hinter dem Loch der rechten Seite an. Mit dem Einziehen der restlichen Zugspeichen ist der Vorgang des Einspeichens abgeschlossen.
Zentrieren des Laufrads
Nun kommen wir zur Königsdisziplin. Das Laufrad muss zentriert werden. Bei einem Seitenschlag verläuft die Felge an einer oder mehreren Stellen außerhalb der Mitte. Beim Achter ist es ähnlich wie bei einem Seitenschlag. Hier folgt nach einem Seitenschlag nach links oder rechts unmittelbar ein Seitenschlag in die entgegengesetzt Richtung. Beim Höhenschlag schlägt die Felge an einer oder mehren bestimmten Stelle nach oben aus.
Weitere Tipps und Hinweise
- Speichenmuster: Am Mountainbike sind Speichen fast immer dreifach gekreuzt, das heißt, jede Speiche kreuzt drei entgegenlaufende Speichen zwischen Nabe und Felge. Das ergibt die beste Balance aus Stabilität und Elastizität.
- Speichenspannung: Mit einem Speichentensiometer (Parktool TM-1 oder DT Swiss Tensio 2) kannst Du einfach die Spannung der Speichen bestimmen.
- Felgenausrichtung: Die Speichenlöcher haben in vielen Felgen eine Ausrichtung nach rechts oder links.
Tabelle: Übersicht der Laufradkomponenten und Materialien
| Komponente | Material | Hinweise |
|---|---|---|
| Nabenkörper | Aluminium | Leicht und stabil |
| Speichen | Stahl | Hohe Zugfestigkeit, verschiedene Formen verfügbar |
| Nippel | Messing oder Aluminium | Messing korrosionsbeständiger, Aluminium leichter |
| Felgen | Aluminium oder Carbon | Aluminium günstiger, Carbon präzise steuerbar |
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