Ab wann können Kinder Laufrad fahren lernen?

Das Laufradfahren ist für Kinder oft der erste Schritt in die Welt des Fahrradfahrens. Es fördert die Balance, Koordination und das Selbstbewusstsein eurer Kleinen. Aber ab wann sind Kinder bereit dafür? Und was ist beim Kauf eines Laufrads wichtig?

Ab welchem Alter ist ein Laufrad geeignet?

Tatsächlich gibt es keine klare Antwort auf die Frage, ab welchem Alter Kinder Laufrad fahren können oder sollten. Vielmehr gibt es Empfehlungen der Hersteller, ab wann ihr jeweiliges Modell grundsätzlich geeignet ist. Aber was kein Hersteller wissen kann, ist, wie ein Kind sich individuell entwickelt.

Manche sind schon mit 18 Monaten kaum noch aufzuhalten und rennen recht koordiniert durch die Welt, andere haben im gleichen Alter vielleicht erst richtig laufen gelernt. Sobald sie sich gut koordiniert bewegen können, konkret heißt das: sicher vorwärts, rückwärts und seitwärts gehen können. Dann ist ein Kind zumindest motorisch bereit für diesen Entwicklungsschritt. Genauso wichtig ist aber, dass das Kind überhaupt Interesse an einem Laufrad zeigt.

Oft können Eltern intuitiv feststellen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Denn wenn ihr Nachwuchs neugierig auf die Laufräder anderer Kinder reagiert und sie sich am liebsten auf dem Spielplatz stibitzen würde, dann lohnt es sich, das Thema anzugehen.

Ein Laufrad ab wie vielen Jahren? Zwar geben wir für PUKY-Laufräder eine Altersempfehlung. Sie lautet bei unseren Modellen der kleinsten Größe „ab zwei Jahre“. Noch wichtiger ist aber Deine Einschätzung als Mutter oder Vater. Eltern können in der Regel sehr gut beurteilen, wie weit ihr Kind kognitiv und motorisch entwickelt ist.

Schritthöhe als entscheidendes Kriterium

Es gibt aber auch objektive Daten, die eine Antwort darauf geben, ab wann ein Laufrad infrage kommt. Die wichtigste Kennzahl ist die Schritthöhe Deines Kindes. Die kleinsten PUKY-Laufräder eignen sich ab einer Schritthöhe von 30 Zentimetern. Dank eines höhenverstellbaren Sattels und höhenverstellbaren Lenkers wachsen die kleinen Flitzer ein Stück weit mit.

Vorteile eines Laufrads

Laufräder fördern die Koordinationsfähigkeit, lenken überschüssige Energien der Kinder in sinnvolle Bahnen und helfen beim Lernen grundsätzlicher Verkehrsregeln.

"Mit dem Laufrad wird zusätzlich der Gleichgewichtssinn ständig trainiert und verbessert“, so Dr. med. Jörg Schriever, Unfallbeauftragter des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) gegenüber "Kinder-und Jugendärzte im Netz".

Gleichzeitig sieht er Gefahrenquellen für Kleinkinder eher beim Dreirad. Das erklärt der Mediziner so: "Das kreisförmige, ungewohnte Treten beim Dreirad erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, erschwert das Lenken und die stetige Orientierung in Fahrtrichtung mehr als die dem Kind bekannten Schrittbewegungen beim Laufrad, welche Zweijährige gerade perfektionieren.

René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sagt: "Kinder lernen auf Laufrädern das Gleichgewicht zu halten, trainieren ihre Koordination und Muskulatur und entwickeln ein Gefühl für die Geschwindigkeit. Das hilft später beim Radfahren lernen."

In der Regel lernen Kinder, die viel mit dem Laufrad unterwegs sind, auch früher und schneller das Radfahren, da sie bereits die notwendige Balance haben und nur noch das Treten sowie das Auf- und Absteigen üben müssen. Auf das Fahrrad umzusteigen ist dann bereits ab 3 Jahren möglich. Aber auch nicht nötig!

Kinder sollten von ihrer Größe bzw. ihrer Schrittlänge auf einem Laufrad eigenständig sitzen können und mit beiden Füßen -über die ganze Sohle- sicher am Boden stehen. Auch wenn es Durchschnittswerte zu Alter, Körpergröße und Schrittlänge der Kinder gibt, so variieren doch oft die Proportionen mit langem Oberkörper und kurzen Beinen oder umgekehrt.

Beachten Sie aber bitte auch, dass die für die Laufradmodelle angegebene minimale Sitzhöhe (z.B. Puky LRM mit 29 cm) nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass bereits einjährige Kinder, die rein körperlich die nötige Schrittlänge erreichen, Laufrad fahren können oder sollen.

Aus unserer Sicht sollten Laufräder den Kindern frühestens mit 18-24 Monaten angeboten werden - bis zu diesem Alter gibt es mit dem Rutscher eine sinnvollere Alternative.

Worauf sollten Eltern beim Kauf achten?

Es gibt beim Kauf tatsächlich einiges zu beachten. Das fängt bei simplen Fragen an, wie: Ist der Sattel höhenverstellbar? Bis hin zu: Wie hat das Kinderlaufrad XY im Test der Stiftung Warentest abgeschlossen? Hier kommen die wichtigsten Punkte:

Einstiegshöhe

Die sollte für Anfänger:innen ganz klar so niedrig wie möglich liegen und Kindern so einen tiefen Einstieg ermöglichen. Manche Lauflernräder haben erst gar keine Mittelstange, und falls sie doch eine haben, dann sollte sie so tief gebogen sein, dass die Kinder leicht über sie steigen können, ohne hängenzubleiben.

Gewicht und Lenkung

Euer Kind muss sein neues Kinderlaufrad vor allem selbstständig manövrieren können. Ist das Laufrad zu schwer oder die Lenkung zu steif, dann macht das Ganze gleich keinen Spaß mehr. Deshalb lohnt sich ein Test im Geschäft. Da kann euer Kind direkt ausprobieren, ob es das Laufrad aufrecht gerade halten kann und wie es mit der Lenkung klarkommt.

Höhenverstellbarer Lenker und Sattel

Viele Laufräder werden von ihren Herstellern nicht für ein bestimmtes Alter empfohlen, sondern für einen Zeitraum. Oft liegt dieser bei zwei bis fünf Jahren. Damit dies auch realistisch ist und das Lauflernrad mit den Kindern mitwächst, sollten sowohl Sattel als auch Lenker höhenverstellbar sein.

Übrigens: Die Zollangabe hilft bei der richtigen Auswahl der Laufradgröße eher wenig! Ausschlaggebend ist die Größe des Kindes oder vielmehr dessen Beinlänge im Verhältnis zur Sattelhöhe. Manche Hersteller geben die Höhenverhältnisse in Zentimetern auf ihren Webseiten an, andere nicht. Wer sich mit der Höhe unsicher ist, schaut sich die Modelle am besten vor Ort in einem Geschäft an. Da kann euer Kind sein bevorzugtes Laufrad dann auch direkt Probe fahren.

Trittbrett in der Mitte

Bei ihrem Test von Laufrädern hat die Stiftung Warentest festgestellt, dass die Kinder aus ihrer Testgruppe Räder mit einem Trittbrett in der Mitte bevorzugt haben. Grund war wohl, dass sie in Zeiten, in denen sie nicht aktiv Anschwung geben mussten, ihre Füße bequem darauf abstellen konnten. Bei Laufrädern ohne Trittbrett hängen die Füße der Kinder in solchen Situationen dann nämlich einfach in der Luft.

Bremse, ja oder nein?

Im gleichen Test wurde auch festgestellt, dass Laufräder OHNE Bremse sicherer waren als solche mit. Grund dafür war wohl, dass gerade Kleinkinder oft noch kein Gefühl für das Bremsen hatten und es deshalb leichter zu Stürzen kam. Tatsächlich haben die meisten Laufräder auch noch gar keine Bremsen.

Radständer, ja oder nein?

Radständer sind bei Fahrrädern kaum wegzudenken. Bei Kinderlaufrädern sind sie aber eher überflüssig, wenn nicht sogar eine Stolperfalle. Die meisten Hersteller verzichten bei Laufrädern ohnehin auf Ständer.

CE-Kennzeichnung versus GS-Zeichen

Beim Kauf lohnt es sich auch darauf zu achten, ob ein Lauflernrad mit einer CE-Kennzeichnung oder dem GS-Zeichen versehen ist. Spielzeug ohne eine CE-Kennung ist in Deutschland verboten. Es entspricht dann nicht den Mindestanforderungen der EU-Richtlinien. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kritisiert allerdings, dass die Grenzwerte bezüglich der Schadstoffbelastungen hier noch viel zu hoch angelegt sind. Das GS-Zeichen ist das deutsche Qualitätssiegel für Produkte und unterliegt strengeren Anforderungen als den EU-Vorgaben. Aber auch hier bemängeln Verbraucherschützer immer noch zu hohe Grenzwerte.

Schadstoffbelastung

Das zeigt sich dann auch in einem vielleicht etwas überraschenden Punkt, nämlich der Schadstoffbelastung bei den von der Stiftung Warentest im Jahr 2018 geprüften 15 Kinderlaufrädern. Nur drei der getesteten Räder erhielten hier die Note "gut", eins schnitt mit "befriedigend“ ab, alle anderen fielen durch. Mangelhaft.

Wer gehofft hat, dass die Hersteller hier in den Folgejahren Verbesserungen vornehmen, wurde jetzt herbe enttäuscht. Im Dezember 2021 veröffentlichte Stiftung Warentest ihre neusten Erkenntnisse zu Lauflernrädern.

Die Schadstoffbelastung in Lenker und Sattel ist so ein kritischer Punkt in der Bewertung der Räder, weil sie direkt mit der Haut des Kindes in Berührung kommen. "Akut giftig sind die gefundenen Mengen nicht. Die Substanzen können aber lang­fristig im Organismus wirken, wenn die Kleinen sie über die Haut aufnehmen", erklärt Stiftung Warentest.

In einigen der getesteten Räder wurde das Flammschutzmittel TCPP (das im Verdacht steht, Krebs zu erregen) sowie verschiedene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen. Einige von ihnen können ebenfalls Krebs erzeugen, andere das Erbgut schädigen. Deshalb lohnt es sich zu überprüfen, wie die Laufräder abgeschnitten haben.

Obwohl Laufräder für die motorische Entwicklung von Kindern unbedingt zu empfehlen sind, schneiden viele Modelle miserabel ab.

Empfehlenswerte Laufräder laut Stiftung Warentest

Die folgenden drei Lauflernräder erhielten die Note "gut“ der Stiftung Warentest im Jahr 2018 und sind auch 2021 noch zu empfehlen:

  • Puky Laufrad LR1 (Testsieger) - Vorsicht: ein anderes Puky-Modell hat den Test nicht bestanden
  • BTwin Runride 100
  • Kettler Speedy

Auch 2021 waren die Ergebnisse des Tests ernüchternd. Zehn der getesteten 13 Lauflernräder fielen aufgrund von zu hoher Schadstoffbelastung durch. Nur zwei der getesteten Laufräder schnitten mit der Note "gut" ab:

  • Puky LR Light (Note 2,0): Testsieger 12/2021
  • Early Rider Superply Bonsai 12“ (Note 2,2); Achtung: Bei diesem Laufrad handelt es sich laut Hersteller um ein Auslaufmodell.

Sicherheitsvorkehrungen

Die Grundregel: Egal wie alt ein Kind ist und wie kurz die Strecke: Rad fahren immer nur mit Helm!

Selbst auf sicherem Terrain sollte ein Kleinkind mit dem Laufrad nie ohne Helm unterwegs sein. Denn nur so vermeidet ihr bei euren Kindern schwere Kopfverletzungen, wenn sie doch mal unglücklich hinfallen.

Gerade am Anfang empfiehlt es sich, wenn eure Kinder mit dem Lauflernrad nur auf ebenen Flächen fahren üben. Für die ersten Versuche bieten sich Orte fern von Straßen und Gewässern an. Am besten sucht ihr euch einen Park mit geteerten Wegen. An manchen Orten gibt es sogar bestimmte Übungsplätze, wo ihr in Ruhe euren Rhythmus finden könnt.

Am Anfang können Eltern noch neben dem Kinderlaufrad herlaufen und im Notfall eingreifen, sollte der Nachwuchs doch mal zu viel Geschwindigkeit aufnehmen. Denn gerade bei den ersten Versuchen muss das Kind noch ein Gefühl fürs Gleichgewicht und vor allem auch das Bremsen mit den Füßen finden.

Lassen Sie es langsam angehen - denn neben zu wenig Motivation ist zu geringe Risikoeinschätzung des Kindes auch kein guter Lehrer.

Fahrradhelm: Ein absolutes Muss!

Für eine gute und sichere Motorik sind folgende Einstellungen wesentlich: die richtige Sattelhöhe, die passende Lenkerhöhe und die sichere Pedalstellung.

Wie können Sie dabei helfen? Halten Sie den Rücken Ihres Kindes fest und reden Sie mit ihr oder ihm - das gibt die notwendige Sicherheit. Laufen Sie nebenher, aber schieben Sie ihr Kind nicht. Wenn es gut läuft, lassen Sie den Rücken los, laufen aber noch etwas mit und reden weiter. Wenn das gut klappt, üben Sie bremsen und Kurven fahren - hierzu können Sie einen kleinen Parcours erstellen, den Sie gemeinsam mit Ihrem Kind z. B.

Wichtig ist, dass das Kind beim Fahren mit dem Laufrad sowohl einen Helm als auch Schuhe trägt. Ein Helm schützt vor schweren Kopfverletzungen, falls das Kind mit dem Rad umkippt. Schuhe sorgen dafür, dass die Fußsohlen beim Bremsen auf dem Boden unversehrt bleiben. Damit das Kind Fußgängern wie Radfahrern auffällt, sollten an dem Laufrad reflektierende Elemente anbringen. Das können etwa rückstrahlende Aufkleber sein.

Zu guter Letzt sollte das Laufrad regelmäßig kontrolliert werden und im Zweifelsfall zur Wartung in eine Werkstatt gebracht werden.

Wo dürfen Kinder mit dem Laufrad fahren?

Seid ihr jünger als 8 Jahre alt, müsst ihr auf dem Gehweg fahren. Zwischen 8 und 10 Jahren dürft ihr auf der Straße oder auf dem Gehweg fahren und ab 10 müsst ihr auf der Straße fahren.

Das Allerwichtigste ist Ruhe und Geduld. Und wenn Sie dann einen kleinen Fahrprofi ausgebildet haben, genießen Sie gemeinsame Fahrradtouren. Dabei können Sie auch immer wieder wichtige Kompetenzen üben.

Kinder müssen übrigens bis zum 8. Geburtstag auf dem Gehweg fahren, zwischen 8 und 9 Jahren dürfen sie es auch noch, ab 10 Jahren allerdings nicht mehr.

Tabelle: Richtwerte für Kinderfahrradgrößen

Alter des Kindes (ca.) Körpergröße (ca.) Schrittlänge (ca.) Radgröße (Zoll)
2-4 Jahre 85-100 cm 35-45 cm 12 Zoll
3-5 Jahre 95-110 cm 40-50 cm 14 Zoll
4-6 Jahre 105-120 cm 45-55 cm 16 Zoll
5-8 Jahre 115-130 cm 50-60 cm 18 Zoll
7-10 Jahre 125-145 cm 55-65 cm 20 Zoll

Hinweis: Die Angaben in dieser Tabelle sind Richtwerte und können je nach Kind variieren. Es ist wichtig, dass das Kind das Fahrrad vor dem Kauf ausprobiert, um sicherzustellen, dass es die richtige Größe hat.

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