Die Vorteile von Laufrädern für Kinder

Fahrzeuge üben seit jeher eine Faszination auf Kinder aus - von Rutschautos über Lauflernwagen bis hin zum Fahrrad. Sobald sie das Laufen sicher beherrschen, bietet das Laufrad eine tolle Möglichkeit, ihren natürlichen Bewegungsdrang zu fördern und sie spielerisch auf das spätere Fahrradfahren vorzubereiten. Aber was sind die Vorteile eines Laufrads? Welche Sicherheitsvorkehrungen gilt es zu beachten und worauf sollten Eltern beim Kauf besonders achten?

Ab wann sind Kinder bereit für ein Laufrad?

Tatsächlich gibt es keine klare Antwort auf die Frage, ab welchem Alter Kinder Laufrad fahren können oder sollten. Vielmehr gibt es Empfehlungen der Hersteller, ab wann ihr jeweiliges Modell grundsätzlich geeignet ist. Es kommt jedoch weniger auf das Lebensjahr des Kindes als auf seine individuellen Voraussetzungen an: Dein Kind sollte sicher laufen, von selbst stabil stehen und kräftig genug sein, um das Laufrad eigenständig halten zu können. Seine Körpergröße und Schrittlänge sind genauso entscheidend wie ein gewisser Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit.

Konkret heißt das: sicher vorwärts, rückwärts und seitwärts gehen können. Dann ist ein Kind zumindest motorisch bereit für diesen Entwicklungsschritt. Genauso wichtig ist aber, dass das Kind überhaupt Interesse an einem Laufrad zeigt. Oft können Eltern intuitiv feststellen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Denn wenn ihr Nachwuchs neugierig auf die Laufräder anderer Kinder reagiert und sie sich am liebsten auf dem Spielplatz stibitzen würde, dann lohnt es sich, das Thema anzugehen.

Die Vorteile eines Laufrads

Ein Laufrad bietet einige Vorteile für die Entwicklung des Kindes. Laufräder fördern die Koordinationsfähigkeit, lenken überschüssige Energien der Kinder in sinnvolle Bahnen und helfen beim Lernen grundsätzlicher Verkehrsregeln. Die Kinder lernen das rechtzeitige Bremsen und Ausweichen und entwickeln ein Gefühl für ihr Gleichgewicht.

„Mit dem Laufrad wird zusätzlich der Gleichgewichtssinn ständig trainiert und verbessert“, so Dr. med. Jörg Schriever, Unfallbeauftragter des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) gegenüber "Kinder-und Jugendärzte im Netz". Es fördert sowohl die motorische als auch die mentale Entwicklung, indem es die Reaktionsfähigkeit verbessert und ein Verständnis für die eigenen Bewegungsabläufe schafft. Gleichzeitig sieht er Gefahrenquellen für Kleinkinder eher beim Dreirad. Das erklärt der Mediziner so: "Das kreisförmige, ungewohnte Treten beim Dreirad erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, erschwert das Lenken und die stetige Orientierung in Fahrtrichtung mehr als die dem Kind bekannten Schrittbewegungen beim Laufrad, welche Zweijährige gerade perfektionieren.

Regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem. Es ist bekannt, dass Kinder und Erwachsene mit einer guten Kondition weniger anfällig für Krankheiten sind. Vor dem Zeitalter der digitalen Technologie sind Kinder nach der Schule aufs Rad gestiegen und mit ihren Freunden hinausgefahren. Heute fahren sie mit dem Finger über den Bildschirm. Die Bewegung draußen aber ist eine hervorragende Aktivität, die die Entwicklung der Kinder in jeder Hinsicht fördert.

Durch das Laufrad lernen Kinder, schneller zu gehen, sich besser in ihrer Umgebung zu orientieren und sich ihrer zugleich stärker bewusst zu werden. Das wird ihnen Sicherheit geben, auch wenn sie nicht zu Hause sind ... Bewegung an der frischen Luft senkt den Stresslevel, macht den Kopf frei, verbessert die Stimmung und stabilisiert Emotionen. Die Kinder werden müde, aber zufrieden sein.

Das Laufrad hat sich in den letzten Jahren als das modernere Mobilitätsmittel etabliert. Im Gegensatz zum Dreirad werden hier zentrale motorische Fähigkeiten trainiert: das Halten des Gleichgewichts, das Einschätzen von Geschwindigkeit und das Koordinieren von Bewegungsabläufen. Das Laufrad ist ein aktives Lerninstrument. Es zwingt Kinder, sich selbstständig mit ihrer Beweglichkeit auseinanderzusetzen und fördert damit nicht nur physische, sondern auch kognitive Fähigkeiten - etwa die Raumorientierung und das Risikobewusstsein.

Worauf sollten Eltern beim Kauf besonders achten?

Es gibt beim Kauf tatsächlich einiges zu beachten. Das fängt bei simplen Fragen an, wie: Ist der Sattel höhenverstellbar? Bis hin zu: Wie hat das Kinderlaufrad XY im Test der Stiftung Warentest abgeschlossen? Hier kommen die wichtigsten Punkte:

  • Einstiegshöhe: Die sollte für Anfänger:innen ganz klar so niedrig wie möglich liegen und Kindern so einen tiefen Einstieg ermöglichen. Manche Lauflernräder haben erst gar keine Mittelstange, und falls sie doch eine haben, dann sollte sie so tief gebogen sein, dass die Kinder leicht über sie steigen können, ohne hängenzubleiben.
  • Gewicht und Lenkung: Euer Kind muss sein neues Kinderlaufrad vor allem selbstständig manövrieren können. Ist das Laufrad zu schwer oder die Lenkung zu steif, dann macht das Ganze gleich keinen Spaß mehr. Deshalb lohnt sich ein Test im Geschäft. Da kann euer Kind direkt ausprobieren, ob es das Laufrad aufrecht gerade halten kann und wie es mit der Lenkung klarkommt.
  • Höhenverstellbarer Lenker und Sattel: Damit dies auch realistisch ist und das Lauflernrad mit den Kindern mitwächst, sollten sowohl Sattel als auch Lenker höhenverstellbar sein. Ausschlaggebend ist die Größe des Kindes oder vielmehr dessen Beinlänge im Verhältnis zur Sattelhöhe. Wer sich mit der Höhe unsicher ist, schaut sich die Modelle am besten vor Ort in einem Geschäft an. Da kann euer Kind sein bevorzugtes Laufrad dann auch direkt Probe fahren.
  • Trittbrett in der Mitte: Bei ihrem Test von Laufrädern hat die Stiftung Warentest festgestellt, dass die Kinder aus ihrer Testgruppe Räder mit einem Trittbrett in der Mitte bevorzugt haben. Grund war wohl, dass sie in Zeiten, in denen sie nicht aktiv Anschwung geben mussten, ihre Füße bequem darauf abstellen konnten. Bei Laufrädern ohne Trittbrett hängen die Füße der Kinder in solchen Situationen dann nämlich einfach in der Luft.
  • CE-Kennzeichnung versus GS-Zeichen: Beim Kauf lohnt es sich auch darauf zu achten, ob ein Lauflernrad mit einer CE-Kennzeichnung oder dem GS-Zeichen versehen ist. Spielzeug ohne eine CE-Kennung ist in Deutschland verboten. Es entspricht dann nicht den Mindestanforderungen der EU-Richtlinien. Das GS-Zeichen ist das deutsche Qualitätssiegel für Produkte und unterliegt strengeren Anforderungen als den EU-Vorgaben.

Bremse, ja oder nein?

Im gleichen Test wurde auch festgestellt, dass Laufräder OHNE Bremse sicherer waren als solche mit. Grund dafür war wohl, dass gerade Kleinkinder oft noch kein Gefühl für das Bremsen hatten und es deshalb leichter zu Stürzen kam. Tatsächlich haben die meisten Laufräder auch noch gar keine Bremsen. Es gibt einige Laufräder mit Bremse auf dem Markt. Vor allem bei den größeren Laufrädern gibt es eine große Auswahl an Modellen mit Bremse. Doch macht eine Bremse am Laufrad überhaupt Sinn? Was sind die Vorteile? Gibt es Nachteile?

Natürlich kann eine gute Bremse am Kinderlaufrad ein Plus für die Verkehrssicherheit sein. Wenn das Kind in einer Gefahrensituation besser bremsen kann ist dies sehr wünschenswert. Dafur spricht auch, dass eine Handbremse am Laufrad bereits das Bremsen am Fahrrad vorbereiten kann und somit ein schnellerer und sicherer Umstieg erfolgen wird. Dies kann also eher als eine Investition in die Zukunft betrachtet werden.

Allerdings gibt es auch einige Gegenargumente. Die Kleinsten können mit der Bremse überfordert sein und zum Bremsen immer die Füße benutzen. Nicht nur weil sie diese eh schon auf dem Boden haben sondern auch weil diese Bremsmethode ein höhere Stabilität und Sicherheitsgefühl vermittelt. Eine Bremse am Laufrad bedeutet auch immer ein höheres Gewicht und höhere Kosten. Eine einfaches Laufrad ohne Bremse kann daher für kleine Kinder die gerade erst das Laufradfahren lernen die bessere Wahl sein.

Zusammenfassend kann man also sagen:

  • Pro
    • Sicherheitsgewinn
    • Vorbereitung auf das Fahrradfahren
    • Spaßgewinn für die Größeren
  • Contra
    • höheres Gewicht
    • höhere Kosten
    • oft mindere Qualität ohne ausreichende Bremswirkung durch Kinderhände
    • von den kleineren nicht zu beherrschen

Welche Sicherheitsvorkehrungen gilt es zu beachten?

Die Grundregel: Egal wie alt ein Kind ist und wie kurz die Strecke: Rad fahren immer nur mit Helm! Selbst auf sicherem Terrain sollte ein Kleinkind mit dem Laufrad nie ohne Helm unterwegs sein. Denn nur so vermeidet ihr bei euren Kindern schwere Kopfverletzungen, wenn sie doch mal unglücklich hinfallen. Gerade am Anfang empfiehlt es sich, wenn eure Kinder mit dem Lauflernrad nur auf ebenen Flächen fahren üben.

Für die ersten Versuche bieten sich Orte fern von Straßen und Gewässern an. Am besten sucht ihr euch einen Park mit geteerten Wegen. An manchen Orten gibt es sogar bestimmte Übungsplätze, wo ihr in Ruhe euren Rhythmus finden könnt. Am Anfang können Eltern noch neben dem Kinderlaufrad herlaufen und im Notfall eingreifen, sollte der Nachwuchs doch mal zu viel Geschwindigkeit aufnehmen. Denn gerade bei den ersten Versuchen muss das Kind noch ein Gefühl fürs Gleichgewicht und vor allem auch das Bremsen mit den Füßen finden.

Wichtig ist, dass das Kind beim Fahren mit dem Laufrad sowohl einen Helm als auch Schuhe trägt. Ein Helm schützt vor schweren Kopfverletzungen, falls das Kind mit dem Rad umkippt. Schuhe sorgen dafür, dass die Fußsohlen beim Bremsen auf dem Boden unversehrt bleiben. Damit das Kind Fußgängern wie Radfahrern auffällt, sollten an dem Laufrad reflektierende Elemente anbringen. Das können etwa rückstrahlende Aufkleber sein. Zu guter Letzt sollte das Laufrad regelmäßig kontrolliert werden und im Zweifelsfall zur Wartung in eine Werkstatt gebracht werden.

Schadstoffbelastung

Im Dezember 2021 veröffentlichte Stiftung Warentest ihre neusten Erkenntnisse zu Lauflernrädern. Die Schadstoffbelastung in Lenker und Sattel ist so ein kritischer Punkt in der Bewertung der Räder, weil sie direkt mit der Haut des Kindes in Berührung kommen. "Akut giftig sind die gefundenen Mengen nicht. Die Substanzen können aber lang­fristig im Organismus wirken, wenn die Kleinen sie über die Haut aufnehmen", erklärt Stiftung Warentest.

In einigen der getesteten Räder wurde das Flammschutzmittel TCPP (das im Verdacht steht, Krebs zu erregen) sowie verschiedene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen. Einige von ihnen können ebenfalls Krebs erzeugen, andere das Erbgut schädigen. Deshalb lohnt es sich zu überprüfen, wie die Laufräder abgeschnitten haben.

Alternativen zum Laufrad

Die Entscheidung, ob ein Laufrad oder ein Dreirad besser für das eigene Kind geeignet ist, stellt viele Eltern vor eine zentrale Frage in der frühkindlichen Entwicklungsförderung. Beide Fahrzeuge haben ihre Tradition, ihre Vorteile - aber auch ihre Grenzen.

Dreirad

Dreiräder gelten traditionell als das Einstiegsfahrzeug in die Mobilität für Kleinkinder. Sie vermitteln durch ihre Bauform Sicherheit, erlauben es auch weniger bewegungsfreudigen Kindern, sich fortzubewegen - und sie lassen sich durch Schiebestangen leicht von Eltern kontrollieren. Gerade bei sehr jungen Kindern (ab etwa 12 Monaten) werden Dreiräder oft als „erste Wahl“ betrachtet.

Vorteile des Dreirads:

  • Hohe Kippsicherheit
  • Möglichkeit zur passiven Fortbewegung (Eltern schieben)
  • Pädagogisch wertvoll für sehr junge Kinder zur ersten Orientierung im Raum

Nachteile des Dreirads:

  • Geringe Förderung des Gleichgewichts
  • Ungeeignet als Vorbereitung auf das Fahrrad
  • Oft schwer und sperrig
  • Geringe Motivation zur Eigenaktivität

Stützräder

Stützräder sind kleine Räder, die rechts und links am Hinterrad eines Fahrrads montiert werden. Sie verhindern, dass das Fahrrad beim Fahren umkippt. Die Experten von ADFC und ADAC raten von Stützrädern ab. Sie stammen aus der Zeit, als es noch keine Laufräder für Kinder gab. Wenn an einem Rad Stützräder montiert sind, verlassen sich Kinder darauf und lernen dadurch nicht, das Gleichgewicht zu halten. Zudem können Stützräder leicht an Hindernissen hängenbleiben und sind somit eine Unfallgefahr. Nur für Kinder, die Gleichgewichtsstörungen haben, sind Stützräder eine Option.

Empfehlungen der Stiftung Warentest

Obwohl Laufräder für die motorische Entwicklung von Kindern unbedingt zu empfehlen sind, schneiden viele Modelle miserabel ab.

Die folgenden drei Lauflernräder erhielten die Note "gut“ der Stiftung Warentest im Jahr 2018 und sind auch 2021 noch zu empfehlen:

  • Puky Laufrad LR1 (Testsieger)
  • BTwin Runride 100
  • Kettler Speedy

Auch 2021 waren die Ergebnisse des Tests ernüchternd. Zehn der getesteten 13 Lauflernräder fielen aufgrund von zu hoher Schadstoffbelastung durch. Nur zwei der getesteten Laufräder schnitten mit der Note "gut" ab:

  • Puky LR Light (Note 2,0): Testsieger 12/2021
  • Early Rider Superply Bonsai 12“ (Note 2,2)

Und natürlich gibt es neben den getesteten Modellen auch noch viele andere, die ihr in unserem Laufrad-Vergleich vergleichen könnt. Mit den oben beschriebenen Punkten könnt ihr zum größten Teil (abgesehen von der Schadstoffbelastung) selbst checken, ob ein Rad für euer Kind geeignet ist oder eher nicht.

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