Wer sich ein Lastenrad oder gar ein E-Lastenrad kaufen möchte, der steht oftmals vor der Frage, für welche Art von Fahrradschaltung er sich entscheiden soll. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Schaltungen: Kettenschaltungen, Nabenschaltungen und Tretlagerschaltungen. Der Schalttyp Nabenschaltung verfügt über eine Getriebenabe, und ist häufig bei Lastenrädern, City- und Touring-Bikes verbaut.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Kettenschaltungen, bei denen die Gänge durch das Verschieben der Kette mittels eines S-förmigen Schaltwerks auf verschiedene Ritzel gewechselt werden, befindet sich das Getriebe bei einer Nabenschaltung in der Nabe des Hinterrads. Dies bietet einige Vorteile, insbesondere für den Einsatz bei Lastenrädern.
Wie funktioniert eine Nabenschaltung?
In der Nabe des Hinterrads befindet sich ein Planetengetriebe, dessen mehrere Zahnräder durch Schalten, entweder mittels eines Schalthebels oder eines Drehschaltgriffs am Lenker verschoben werden können. Je nachdem, welches Zahnrad mit dem Antriebsritzel verbunden ist, ändert sich das Übersetzungsverhältnis/der Gang.
Vorteile einer Nabenschaltung
Nabenschaltungen sind deutlich wartungsärmer als Kettenschaltungen, da sie geschützt in der Nabe liegen und somit weniger anfällig für Verschmutzung und Verschleiß sind. Jeder, der eine Kettenschaltung bei Wind und Wetter oder vielleicht auch durchs Gelände gefahren ist, weiß, wie viel Schmutz sich in Verbindung mit Kettenöl zwischen den Ritzeln und Kettengliedern ansammeln kann, was letztlich zu einem Leistungsverlust von bis zu 30 Prozent führt.
Ein großer Vorteil von Nabenschaltungen insbesondere bei Lastenrädern ist die Möglichkeit, auch im Stand schalten zu können. Das ist besonders wichtig, wenn man mit voll beladenem, also sehr schwerem Bike zum Beispiel vor einer Ampel anhalten muss. Wer in diesem Fall eine Kettenschaltung fährt, der muss schnell, noch während das Rad rollt und man leicht pedalieren kann, einen leichten Gang für die nächste Grünphase der Ampel wählen. Wem das nicht gelingt, der muss beim Anfahren richtig schwer treten, um sein Bike in Bewegung zu bringen.
Abgesehen von den fahrerischen Vorzügen einer Nabenschaltung punktet sie vor allem mit ihrem geringen Wartungs- und Pflegebedarf. Durch ihre geschützte Lage in der Nabe des Hinterrads ist sie nicht nur vor äußeren mechanischen Einflüssen gut abgeschirmt, sondern verschmutzt auch nicht. Bisweilen wird das Schaltsystem als wartungsfrei bezeichnet, wartungsarm ist es auf jeden Fall.
Denn wer hin und wieder das Öl der Schaltnabe wechselt, darf von extrem geringem Verschleiß ausgehen. Auf jeden Fall stehen der geringe Wartungsaufwand in keinem Verhältnis zur großen Aufmerksamkeit, die man der Kettenschaltung widmen muss.
Im Gegensatz zu Kettenschaltungen kann eine Nabenschaltung im Stehen geschaltet werden. Vergisst man vor dem Ampelstopp, einen leichten Gang einzulegen, lässt sich das einfach korrigieren.
Durch die simple Schaltlogik kann man sich ganz aufs Fahren konzentrieren. Meist wird per Drehgriff geschaltet - in eine Richtung wird es schneller, in die andere langsamer. Kettenschaltungen mit ihren vielen Kettenblättern vorne und Ritzeln hinten sind nicht so intuitiv zu bedienen.
Praktisch für Alltagsräder: Die Kette läuft bei Nabenschaltungen gerade und lässt sich anders als bei Kettenschaltungen in einem Kettenkasten einfach und wirkungsvoll vor Regen und Schmutz schützen. Das erhöht die Lebensdauer der Kette und sie muss seltener geschmiert werden.
Nabenschaltungen spielen ihre Vorteile besonders im Alltag aus.
Nachteile einer Nabenschaltung
- Höhere Anschaffungskosten
- Etwas höheres Gewicht
- Etwas geringerer Wirkungsgrad
- Hinterradausbau ist kompliziert
- Die Reparatur ist meist aufwendiger
In der Anschaffung ist eine Nabenschaltung meist etwas teurer als eine Kettenschaltung. Wer jedoch die seltenen Wartungsarbeiten, wie den Ölwechsel bei der Nabe, einhält, der wird weniger Verschleiß bei Kette und Kettenblatt erleben, wodurch sich das höhere Investment wieder akklimatisieren sollte.
Zumeist muss man bei einer Schaltung mit Nabengetriebe seltener schalten, was bei E-Cargobikes wegen der Unterstützung durch den Motor zu tolerieren ist. Wer sich indes ganz der Technik hingeben möchte, der findet bei Herstellern sogar Schaltungen, die automatisch funktionieren.
Für sportliche Zwecke eignen sich die Getriebe dagegen weniger. Zum einen sind sie recht schwer, zum anderen sind die Gangsprünge zu groß und der Übersetzungsbereich zu klein. Außerdem lassen sich Nabenschaltungen nicht unter Last schalten, das heißt, die Tretbewegung muss kurz unterbrochen werden. Bergauf ist das ein Problem, da viel Last auf dem Pedal liegt und ein Aussetzen der Tretbewegung sofort die Fahrt verlangsamt. Das können Kettenschaltungen deutlich besser.
Die meisten gängigen Nabenschaltungen weisen recht große Gangsprünge und einen begrenzten Übersetzungsumfang auf. Das heißt: In einem Gang erscheint das Treten manchmal zu leicht, im nächst schnelleren ist es aber bereits zu schwer. So vermisst man in hügeligem Gelände bergauf vielleicht einen leichteren Berggang, während bergab ein schnellerer Gang fehlt. Nabenschaltungen mit sieben oder acht Gängen sind daher vorwiegend für flachere Einsatzbereiche geeignet.
Oft wird der geringere Wirkungsgrad von Getriebenaben als Nachteil angeführt. Die innere Reibung schluckt mehr Energie als eine Kettenschaltung - zumindest theoretisch.
Tritt doch mal ein Problem an der Nabenschaltung auf, bleibt oft nur der Weg in die Werkstatt.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Wartungsarm | Etwas schwächerer Wirkungsgrad gegenüber gut gewarteten Kettenschaltungen |
| Zuverlässig | Höheres Gewicht |
| Simple Schaltlogik | Reparaturen nur für Fachleute möglich |
| Schalten im Stand ist möglich | Schalten unter Last bei den meisten Modellen nicht möglich |
| Möglichkeit einer Rücktrittbremse | Größere Gangsprünge |
Alternativen zur Kettenschaltung und Nabenschaltung
Classified Powershift Hub
Das belgische Unternehmen Classified präsentiert eine 2-fach-Getriebenabe und sagt dem Umwerfer den Kampf an. Mit der gleichen Übersetzung und Bandbreite herkömmlicher Systeme soll die Getriebenabe den Radsport revolutionieren und das schwächste Glied des Kettenantriebs ins Jenseits verbannen.
Man verlagert die Funktion des oft hakeligen, dem breiten Hinterreifen immer wieder in den Weg kommenden und optisch wenig ansprechenden Umwerfers nach hinten und versteckt sie geschützt vor Umwelteinflüssen in der Hinterradnabe. Classified hat dafür ein elektronisch gesteuertes Getriebe in die Nabe integriert, das identisch zum Umwerfer zwischen einer 1:1- und einer 0,7:1-Übersetzung hoch- und runterschaltet und vom Lenker aus bedient wird.
Kommt das Classified-System zum Einsatz, bleibt die Kettenschaltung als solche bestehen und nur das laut dem belgischen Unternehmen schwächste Glied, der Umwerfer, wird verbannt - nie wieder Kettenabfaller und zerkratzte Kettenstreben.
Tretlagerschaltung
Als weitere Variante einer Fahrradschaltung sei noch die Tretlagerschaltung erwähnt. Sie ist im Vergleich zur Ketten- und Nabenschaltung weit weniger verbreitet. Auch, weil sie sehr teuer in der Anschaffung ist. Am bekanntesten dürfte das Pinion-Getriebe des gleichnamigen Herstellers sein. Fahrräder mit diesem Bauteil haben Einstiegspreise ab 2500 Euro.
Neben dem hohen Preis ist auch das vergleichsweise hohe Gewicht einer Tretlagerschaltung ein Manko. Vor allem, wenn man ein Fahrrad aus dem hochpreisigen Segment besitzt, bei dem man für die Reduktion von Gewicht bezahlt. Noch eine Besonderheit ist, dass sich die meisten Tretlagergehäuse aufgrund ihrer Bauart nicht am Standardrahmen montieren, also nicht nachrüsten lassen.
Doch diese Schaltung hat auch Vorteile: Das Getriebe ist geschützt im Gehäuse am Fahrradrahmen oder an der Tretkurbel untergebracht. Durch ihre robuste Bauweise ist sie nahezu wartungsfrei und sehr unempfindlich. Da die Konstruktion sehr komplex und hochwertig ist, ist dieser Schalttyp bei Kennern und Tüftlern beliebt.
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