Die Rücktrittbremse ist dir sicherlich ein Begriff, vor allem, wenn du regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs bist. Dieses traditionsreiche Bremssystem hat eine lange Geschichte und ist besonders bei Stadträdern, Citybikes und sogar E-Bikes nach wie vor beliebt. Aber was macht die Rücktrittbremse eigentlich aus, und warum wird sie trotz moderner Alternativen wie Handbremsen immer noch häufig genutzt?
Was ist eine Rücktrittbremse?
Ein Rücktritt, auch bekannt als Rücktrittbremse, ist ein Bremssystem bei Fahrrädern, bei dem durch Rückwärtstreten der Pedale die Bremskraft auf das Hinterrad übertragen wird. Es handelt sich um ein geschlossenes System, das in der Nabe des Hinterrads integriert ist. Der Rücktritt ermöglicht es, ohne zusätzliche Handbremsen zu bremsen, was ihn vor allem für Kinder oder ungeübte Fahrer intuitiv macht.
Schon im Jahr 1903 brachte Ernst Sachs, Gründer von Fichtel Sachs, die erste Rücktrittbremse auf den Markt. Diese Innovation revolutionierte den Bau von Fahrrädern und prägt ihn teilweise bis heute. Damals war die Idee verblüffend einfach und dennoch revolutionär. Durch Rückwärtstreten konnte das Hinterrad abgebremst werden, ohne zusätzliche Hebel oder Komponenten wie Handbremsen.
Trotz der vielen Bremssysteme, die es inzwischen gibt, ist die Verwendung der Rücktrittbremse immer noch weit verbreitet. Das Prinzip der Rücktrittbremse ist simpel und dennoch effektiv. Durch das Rückwärtstreten der Pedale wird eine Mechanik in der Nabe des Hinterrads aktiviert. Dies führt dazu, dass die Bremskraft direkt auf das Rad übertragen wird.
Funktionsweise der Rücktrittbremse
Vereinfacht dargestellt drückt beim Rückwärtstreten der Pedale ein innen liegender Bremskonus einen Bremsmantel gegen das Nabengehäuse und spreizt diesen dabei. Die Nabe kann sich so nicht mehr in Laufrichtung mitdrehen und das Hinterrad wird blockiert.
Von außen erkennt man eine Rücktrittbremse an einer größeren Nabe und einem Metallbügel, der mit der Kettenstrebe verbunden ist. Das vordere Ende der Drehmomentstütze ist an die Kettenstrebe geklemmt.
Achtung: Das Metallband im unten zu sehenden Bild ist nur lose um die Kettenstrebe geschlungen. Das ist ein häufiger Fehler. Falls die Bremse zum Halten gegen Rückwärtsrollen des Fahrrads benutzt wird (Zum Beispiel, wenn man bergan an einer Ampel steht), rotiert die Drehmomentstütze aufwärts. Beim normalen Abbremsen rotiert die Drehmomentstütze abwärts. Wiederholte Bewegungsmuster können die Schraube, die das Metallband halten, oder die Achsenmuttern lösen. Das führt zu plötzlichen Bremsausfall. Die Befestigung der Drehmomentstütze an der Kettenstrebe ist lebenswichtig. Falls man das Fahrrad ohne korrekte Befestigung der Drehmomenstütze fährt, rotiert die Stütze beim Bremsen abwärts und löst auf Dauer den linken Konus.
Vor- und Nachteile der Rücktrittbremse
Warum bevorzugen viele Menschen immer noch die Rücktrittbremse, auch wenn es modernere Alternativen wie Scheiben- oder Felgenbremsen gibt? Es gibt jedoch auch Nachteile. Eine Rücktrittbremse bietet in der Regel weniger Bremskraft als moderne Bremssysteme, und die Nutzung erfordert eine gewisse Handkraft, wenn das Fahrrad zum Stehen gebracht werden soll.
Vorteile:
- Wartungsarm: Durch die abgedichtete Bauweise der Nabe ist sie zum einen unanfällig gegenüber allen Witterungsverhältnissen und damit extrem wartungsarm.
- Intuitive Bedienung: Ohne die Hände vom Lenker nehmen zu müssen, wird der Bremsvorgang nahezu intuitiv mit dem Fuß ausgeführt.
- Geeignet für Personen mit eingeschränkter Handkraft: Beim Bremsen bleiben außerdem die Hände frei, womit die Rücktrittbremse ideal für Personen ohne Arme oder mit geringer Handkraft geeignet ist.
Nachteile:
- Schlechte Dosierbarkeit: Gute Dosierbarkeit ist hier nicht gewährleistet.
- Nicht für sportlichen Einsatz geeignet: Ein Rücktritt ist auch nicht für sportlichen Einsatz auf Trails mit vielen Bergabfahrten geeignet.
- Abhängigkeit von der Kette: Fällt die Fahrradkette einmal aus oder es kommt zu einem Kettenriss, versagt die Bremse. Daher ist es auch empfehlenswert, das Rad mit einer zusätzlichen Bremsoption auszustatten.
- Geringere Bremskraft: Das Hinterrad zu blockieren ist zwar mit Rücktritt leicht zu erreichen, ein blockierendes Rad ist aber keine gut wirkende Bremsung.
- Kraftaufwand variiert: Eine Rücktrittbremse ist weitestgehend unabhängig von der Witterung, dafür ist der Kraftaufwand je nach Pedalstellung sehr unterschiedlich.
Rücktrittbremse vs. Freilaufbremse
Oft wird die Rücktrittbremse mit der Freilaufbremse verglichen. Beim Freilauf kannst du die Pedale frei bewegen, ohne dadurch zu bremsen, während die Rücktrittbremse durch Rückwärtstreten aktiviert wird. Das Fahrrad kann vorwärts rollen, ohne dass die Pedale vorwärts angetrieben werden. Das ist die Freilauffunktion der Nabe (daher wird Sie im englischen Sprachraum auch "Coaster Brake" zu Deutsch "Freilaufbremse" genannt).
Verbreitung und Einsatzgebiete
Citybikes profitieren besonders von der Rücktrittbremse, da sie für den urbanen Gebrauch oft eine wartungsarme und zuverlässige Lösung darstellt. Ebenfalls wird sie bei einigen E-Bikes integriert, da sie sich problemlos mit den modernen Antriebssystemen kombinieren lässt.
Rücktrittbremse für Kinderfahrräder?
Die Kurzfassung: Kindern besser kein Fahrrad mit Rücktrittbremse kaufen. Die Antwort dürfte sein, dass Rücktrittbremsen vor Allem an kleineren Kinderrädern für die Hersteller billiger und weniger aufwändig zu realisieren sind, als Handbremsen.
Im Gegensatz dazu machen sich einige der spezialisierten Hersteller die Mühe, Bremshebel die mit kurzen Fingern und wenig Handkraft funktionieren, selbst zu entwerfen und exklusiv für die Marke herstellen zu lassen.
Eine Rücktrittbremse ist wartungsärmer als alle anderen Bremstypen. Entsprechend ist ein regelmäßiger Check der Bremsen bei den anderen Bremstypen aus Sicherheitsgründen unabdingbar: Sind die Beläge bald verschlissen? Lassen sich die Bremshebel fatalerweise schon bis zum Lenker durchdrücken? Hier sollten Eltern regelmäßig selbst prüfen, ob die Bremsen noch gut funktionieren.
Aber die selbstständige Wartung von Felgenbremsen ist weder aufwändig noch schwierig. Und: Rücktritt am Kinderrad ist bei aller hier geäußerten Kritik natürlich trotzdem kein Weltuntergang ;-) Die meisten von uns Erwachsenen hatten Kinderfahrräder mit Rücktritt und haben das nicht nur überlebt, sondern - ganz im Gegenteil - auch damit richtig Spaß.
Alternativen zur Rücktrittbremse
Für Verzögerung an Fahrrädern sorgen vor allem Felgenbremsen, aber auch Scheiben- und Nabenbremsen sind gebräuchlich. Zu letzteren zählen Trommel- und Rollenbremsen.
Felgenbremsen
Bei Felgenbremsen drückt eine Bremszange zwei Gummis auf die Bremsflächen der Felge. Die sind meist aus Aluminium, was eine gute Reibung garantiert. Betätigt werden die Bremsen per Seilzug oder hydraulisch. Das funktioniert bestens, auch bei höchsten Geschwindigkeiten bringt man damit ein Fahrrad schnell zum Stehen.
Gute Laufräder haben Verschleißindikatoren auf ihrer Bremsfläche. Daran kann man die Abnutzung der Felge erkennen. Im normalen Alltagsbetrieb hält ein Laufrad nahezu ewig, bei stärkerer Beanspruchung kann es schon mal nach 25 000 bis 30 000 Kilometern „durchgebremst“ sein.
Scheibenbremsen
Seit einigen Jahren sind Scheibenbremsen an Alltagsrädern auf dem Vormarsch. Hinsichtlich der Wirkung nehmen sich beide System kaum etwas. Die Hydraulik ist eleganter und einen Tick wirkungsvoller. Für die Entlüftung der Öldruckleitungen ist aber etwas Geschick erforderlich, die Bremsbeläge selbst sind einfach zu wechseln.
So funktioniert es: Ein Bremssattel drückt beidseitig auf eine Scheibe, die sich rund um die Fahrradnabe befindet.
Hydraulische Felgenbremsen
Funktionieren über Öldruck und sind damit etwas wirksamer als die per Seilzug betätigten Felgenbremsen.
Trommelbremsen
Haben meist spezielle Bremsbeläge. Man findet sie an Hollandrädern und vielen Citybikes. Sie sitzen im Vorderrad und werden über Seilzüge bedient.
Rollenbremsen
Die Bremsbeläge werden wie bei der Trommelbremse von innen gegen eine Metalltrommel gedrückt. Bei Rollenbremsen reibt Metall auf Metall.
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