Fahrradfahrer mit guten Fingerfertigkeiten können aus einer Nabe, einer Felge und Speichen selbst ein Laufrad montieren. Mit Geduld und handwerklichem Geschick ist das kein Problem.
Ob du ein Vorder- oder Hinterrad einspeichen möchtest, ist bei der Verwendung von Material und Werkzeug erst einmal völlig egal. Um ein Laufrad einzuspeichen, benötigst du eine Felge mit 36 Löchern, eine dazu passende Nabe und 36 neue Speichen. Diese Variante ist die häufigste.
Wichtige Kenngrößen und Werkzeuge
Eine wichtige Kenngröße beim Laufradbau ist die korrekte Länge der Speichen. Die Länge hängt meist von der Bauart der Nabe und der Felge ab. Außerdem treten oft Unterschiede zwischen einem Vorderrad und einem Hinterrad auf.
Du benötigst lediglich einen Schraubenzieher und einen Nippelspanner (Nippeldreher). Damit das Zentrieren des Laufrades einfacher von der Hand geht, ist ein Zentrierständer sehr praktisch.
Speichenmuster und Kreuzungen
Generell ist es so, dass die Speichen zwischen Nabe und Felge niemals gerade eingesetzt werden. Die als Verbindung liegenden Speichen zwischen Felge und Nabe verlaufen tangential. Diese Schräglage verbessert den sogenannten Anlenkwinkel am belasteten Nabenflansch.
Ein Rad lässt sich auf verschiedene Arten einspeichen. Die unterschiedlichen Varianten ergeben sich einmal durch die Anzahl der Kreuzungen von zwei benachbarten Speichen. Außerdem ist relevant, mit welchen Speichen sich die Verbindungen kreuzen. Sie werden immer abwechselnd von links nach rechts gestellt.
Bei der Dreifachkreuzung wird die neue Fahrradspeiche mit drei benachbarten Speichen auf der gleichen Seite der Nabe gekreuzt. Die Varianten haben jedoch alle ihre Vor- und Nachteile. Eine pauschale Aussage, welche Speichenkreuzung ein gutes Laufrad ausmachen, ist nicht möglich.
Bei einem Tangentialwinkel der Speichen von 90 Grad erfolgt eine optimale Kraftübertragung zwischen Nabe und Felge. Die Vierfachkreuzung erreicht mit 95 Grad bei 32 Speichen und 85 Grad bei 36 Speichen das Optimum von 90 Grad am besten. Bei der Dreifachkreuzung liegen 32 Speichen nur mit einen Tangentialwinkel von 75 Grad und bei 36 Speichen sogar nur mit 65 Grad an. In der Praxis ist diese Aufbau aber folgenlos und die Nachteile sind zu vernachlässigen.
Stattdessen punkten die Dreifachkreuzungen mit ihrer Seitensteifigkeit, die bei einer Vierfachkreuzung deutlich schlechter ausfällt. Bei den drei genannten Varianten werden die Speichen übrigens immer ähnlich stark belastet.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einspeichen
Die folgende Anleitung zum Einspeichen gilt für ein Laufrad mit 36 Speichen und einer Dreifachkreuzung. Stecke die erste Speiche durch ein Loch in der Felge. Nimm eine noch nicht verschraubte Speiche und führe sie in entgegengesetzter Richtung an zwei verschraubten Speichen vorbei, so dass eine Kreuzung entsteht.
Zentrieren des Laufrads
Nach dem Einspeichen wird die Felge in den meisten Fällen noch nicht ganz rund laufen. Du ermittelst den Zustand, indem du das Rad anschiebst und anhand der Umdrehung den Lauf kontrollierst. Fehler lassen sich durch Zentrieren leicht ausmerzen. Bei einem Seitenschlag ziehst du die Speichen, die auf der gegenüber liegenden Seite sitzen, etwas fester.
Beim Spannen und Festziehen empfehlen wir, immer sehr langsam und vorsichtig vorzugehen. Schon die kleinste Umdrehung kann sich auf den Lauf der Felge auswirken. Lass das Rad deshalb immer wieder drehen, bevor du die Speichennippel fester schraubst. Manchmal reicht bereits eine halbe Umdrehung, um eine perfekte Spannung der Felge zu erreichen oder sie zu überspannen.
Die genannten Hinweise gelten allgemein sowohl für das Vorderrad und das Hinterrad sowie für die allermeisten Felgengrößen. Einziges Kriterium, das du berücksichtigen musst, ist die bereits erwähnte Speichenlänge. Ein Hinterrad verfügt normalerweise über kürzere Speichen.
Mit unserer Schritt für Schritt-Anleitung hast du eine gute Orientierung, um dein Laufrad einspeichen zu können.
Lochmuster der Felge
Felgen werden in verschiedenen Speichenlochmustern gefertigt. Zwei Lochmuster müssen für unterschiedliche Vorgehensweise beim Einspeichen unterschieden werden. In Bild 1 ist das europäische Lochmuster (EU) dargestellt. In Bild 2 ist das französische Lochmuster (FR) dargestellt. Hier zeigt das erste Speichenloch hinter dem Ventilloch in Richtung des rechten Nabenflansches.
Sollten die Speichenlöcher ohne Versatz angeordnet sein, so ist das Einspeichschema für das europäische Lochmuster zu verwenden.
Achtung
Die Vorgehensweise beim Einspeichen ist abhängig vom Lochmuster der Felge. Die genaue Vorgehensweise beim Einspeichen für beide Schemata befindet sich im Anhang.
Einspeichen mit Rohloff Speedhub 500/14
Laufräder mit der Rohloff Speedhub 500/14 sind stabiler als Hinterräder mit Kettenschaltung und 36 Speichen. Die Speichen sind symmetrisch angeordnet. Jede steht unter der gleichen Spannung.
Die Anzahl der Kreuzungen variiert abhängig von der Felgengröße.
- Bei allen Felgen 26” und größer (28"/29") müssen die Speichen 2-fach gekreuzt werden.
- Bei allen 24” sowie kleineren Felgen (20") müssen die Speichen immer 1-fach gekreuzt eingelegt werden.
Hinweise zum Einspeichen mit Rohloff Speedhub
Die Zugspeichen mit Speichenkopf innen einlegen. Bei den Kreuzspeichen muss sich der Speichenkopf außen befinden.
Das Drehen des Rades beim Einspeichen wird erleichtert, wenn der 11. Gang eingelegt ist.
Die im folgenden beschriebene Abzählrichtung (vor bzw. hinter) bezieht sich immer auf die Fahrtrichtung.
Wichtig
Kreuzspeichen überkreuzen die Zugspeichen. Mit dem Einspeichen auf der Deckelseite beginnen.
Drei Speichenlöcher (bei 1-fach Kreuzung ein Speichenloch) dahinter wird die Kreuzspeiche von außen nach innen in das Gehäuse eingelegt (Kopf außen). Die nächste Zugspeiche und die nächste Kreuzspeiche jeweils zwei Löcher weiter in die Nabe und jeweils vier Löcher weiter in die Felge einlegen. Zugspeichen und Kreuzspeichen jeweils hinterkreuzen.
Paarweise fortfahren, bis alle Speichen der Deckelseite eingelegt sind. Gegenüber dem Ventilloch befindet sich eine Deckelschraube. In das Speichenloch gegenüber dieser Deckelschraube wird nun die erste Speiche der Ritzelseite von innen nach außen eingelegt (Kopf innen). Diese Speiche in das dritte hinter dem Ventilloch liegende Speichenloch der Felge einlegen.
Stützring / Flanschring zur Montage auf dem Speichenflansch bevor das Hinterrad eingespeicht wird. Die Ringe verhindern bei einem möglichen Flanschbruch den Ausriss der Speiche.
Mit dem Einspeichen auf der Ritzelseite beginnen.
Achtung
Weitere Informationen zur richtigen Speichenlänge und richtigen Speichenvorspannkraft (mind. 1000N mit auf Betriebsdruck gefüllten Reifen) finden Sie im Kapitel “Laufrad” sowie im “Anhang” Richtige Speichenwahl.
Drei Speichenlöcher (bei 1-fach Kreuzung ein Speichenloch) davor wird die Zugspeiche von innen nach außen in das Gehäuse eingelegt (Kopf innen). Sie wird in die Felge zwei Löcher hinter der Kreuzspeiche eingelegt und mit dieser hinterkreuzt. Die nächste Zugspeiche und die nächste Kreuzspeiche jeweils zwei Löcher weiter in die Nabe und jeweils vier Löcher weiter in die Felge einlegen. Zugspeichen und Kreuzspeichen jeweils hinterkreuzen.
Paarweise fortfahren, bis alle Speichen der Ritzelseite eingelegt sind. Gegenüber dem Ventilloch befindet sich eine Deckelschraube. Zwei Löcher hinter dieser Schraube wird nun die erste Speiche der Deckelseite von außen nach innen (Kopf außen) eingelegt. Diese Speiche in das erste hinter dem Ventilloch liegende Speichenloch der Felge einlegen.
Alle restlichen Speichen analog Bilder 3 und 4 montieren.
Die Wahl der Speichen
Das Material der Wahl für Speichen ist rostfreier Stahl. Rostfreier Stahl ist haltbar und rostet nicht. Titan wird ebenfalls für Speichen eingesetzt, was allerdings nach Sheldon Browns Meinung herausgeworfenes Geld ist. Carbonspeichen sind ebenfalls am Markt erhältlich. Diese haben sich als bruchanfällig und gefährlich herausgestellt.
Der Durchmesser von Speichen wird manchmal in Drahtmaßen ausgedrückt. Es gibt mehrere verschiedene nationale Systeme für ihre Messgrößen und das führt zu Verwirrung. Speziell ist problematisch, dass französische Maße kleiner werden für dünnere Drähte und US/britische Maße größer werden für kleinere Drahtmaße.
Konifizierte Speichen
Speichen haben entweder einen gleichmäßigen oder variablen (konifizierten) Durchmesser. Einfach konifizierte Speichen sind am Nabenende dicker als normal, werden dann dünner und bleiben gleichmäßig bis zum Felgenende hin. Doppelt konifizierte Speichen sind an den Enden dicker als in der Mitte.
Die gebräuchlichsten Durchmesser sind 2,0/1,8/2,0mm (auch 14/15er Maß) und 1,8/1,6/1,8 (auch 15/16er Maß). Doppelt konifizierte Speichen sparen nicht nur Gewicht. Die dickeren Enden machen sie haltbarer in den höher belasteten Bereichen als gerade Speichen gleicher Dicke. Das dünnere Mittelstück macht die Speichen flexibler.
Æro-Speichen
Æro-(elliptische-) Speichen sind eine Variante der doppelt konifizierten Speichen, bei denen das dünnere Mittelstück elliptisch abgeflacht ist. Dies macht sie ein klein wenig aerodynamischer als runde Speichen. Die am weitesten verbreitete dieser Speichen ist die Wheelsmith Æro. Sie misst 1,8mm (15er Maß) an den Enden; das Mittelstück ist äquivalent zu einem 16er Maß, jedoch in der Form einer Ellipse von 2,0x1,6mm.
Æro-(messerförmige-) Speichen haben eine betontere aerodynamische - eher flache als elliptische - Form. Zwar sind sie die aerodynamischsten Speichen, passen jedoch nicht durch Standardnabenflanschlöcher, weil sie zu breit sind. Um Messerspeichen nutzen zu können, müssen die Naben mit einer Feile eingeritzt werden. Dies schwächt aber den Flansch und man verliert zudem die Gewährleistungsansprüche des Herstellers.
Speichennippel
Speichennippel werden zumeist aus vernickeltem Messing hergestellt. Für Leichtgewicht- und Hochleistungslaufräder gibt es auch Aluminiumnippel. Sie sparen ein klein wenig Gewicht und sind sehr zuverlässig, wenn man sie richtig benutzt. Aluminiumnippel dürfen nur mit Felgen verwendet werden, die um die Löcher herum ein anders Material haben als Aluminium selbst (geöste Felgen).
Das Einspeichen
Das Einsetzen wird am einfachsten im Sitzen durchgeführt, während man eine Kante der Felge in den Schoß drückt. Wenn Laufradbau zum täglichen Geschäft gehört, beginnt man damit, alle Speichen in die Nabe einzufädeln und danach verbindet man die Speichen nach und nach mit der Felge. Dieser Ansatz ist etwas schneller, wenn man Laufräder in Reihe produzieren möchte. Gelegenheitslaufradbauer ziehen die Speichen zumeist in Gruppen ein.
Ein konventionell gebautes Laufrad hat vier Speichengruppen: Die Hälfte der Speichen kommen auf den rechten Nabenflansch und die andere Hälfte auf den Linken. Die unten folgende Anleitung bezieht sich auf ein 36 Speichenrad mit dreifach gekreuztem Muster.
Diese erste Speiche muss am richtigen Platz montiert werden, sonst ist das Ventilloch am Ende an der falschen Stelle (schwer zugänglich für Luftpumpen) und die Bohrungen der Felge passen möglicherweise nicht zu den Winkeln der Speichen.
Felgen
Felgen für Felgenbremsen weisen eine Bremsflanke auf und verschleißen mit der Zeit, Felgen für Scheibenbremsen können ohne diese Funktion konstruiert werden, sind daher leichter und leben theoretisch länger. Keinesfalls darfst Du Scheibenbremsfelgen mit Felgenbremsen kombinieren!
Früher waren Felgen U-förmig, bestanden also aus nur einer Wand, man sagte auch Kastenfelge dazu. Um mehr Stabilität in den Felgen zu erreichen, besonders als Aluminium sich als Material durchsetzte, konstruierte man sogenannte Hohlkammerfelgen, die einen zweiten Felgenboden bekamen. Das ist das heute noch vorherrschende Konstruktionsprinzip, auch bei Carbonfelgen.
ERD - Effektiver Felgendurchmesser
Der ERD (effective rim diameter) gibt den effektiven Felgendurchmesser auf den Millimeter genau an. Das ist wichtig, wenn man die passenden Speichenlängen für ein Rad ermitteln möchte. 26 oder 28 Zoll wären da viel zu ungenau. Genau genommen ist der ERD der maximale Abstand des Felgenbodens, also der beiden Punkte, wo zwei genau gegenüber sitzende Speichen mit den Nippeln auf der Felge aufliegen.
Werkzeuge für den Laufradbau
Das wichtigste Tool zum Laufradbau ist der Zentrierständer. Alle Modelle sind variabel einsetzbar für verschiedene Laufraddurchmesser, Felgenbreiten und Achsmaße. Es gibt eine große Preisspanne zwischen sehr einfachen, einseitigen Varianten wie dem Pro Truing Stand 2.0 von Feedbacksports und wahren Profigeräten wie dem Zentrierständer von DT Swiss.
Für das Modell TS-2.2P von Parktool gibt es verschiedenstes Zubehör, von Steckachsen bis zu den Messuhren TS-2Di, die Du nicht mehr missen willst, wenn Du sie mal benutzt hast.Modelle, die sich nicht selbsttätig mittig einstellen, müssen mit einer Zentrierlehre wie der 1554-1 von Park Tool ab und zu kalibriert werden. Alternativ kannst Du die Mittigkeit des Rads mit einer Laufradzentrierlehre überprüfen.
Zum Spannen der Nippel brauchst Du die zu den Nippeln passenden Nippelspanner - meist wird der 3,25-Millimeter-Speichenschlüssel für moderne Nippel passen. Beispiele sind etwa der rote Spokey und der Universalschlüssel von DT Swiss. Für Messerspeichen empfiehlt sich die Verwendung eines Speichenhalters (z. B. Sapims Speichenschlüssel für CX/CX-Ray). Systemlaufräder von Mavic oder Fulcrum benötigen zum Service eigene Speichenschlüssel.
Weitere Spezialwerkzeuge helfen beim sicheren Einbringen des Nippels in die Felge und erleichtern die ersten Umdrehungen. Damit Dein Laufrad perfekt wird, ist auch ein Speichentensiometer (Parktool TM-1 oder DT Swiss Tensio 2) ratsam, mit dem Du einfach die Spannung der Speichen bestimmen kannst. Bei Carbonfelgen ist das Tensiometer Pflicht, um Schäden durch zu starkes Spannen der Speichen zu vermeiden!
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