Wer sein Fahrrad, wie z.B. ein Brompton, regelmäßig bei jedem Wetter nutzt, steht irgendwann vor der Frage nach der optimalen Beleuchtung. Hier stellt sich die Frage: Akku oder Dynamo?
Alltagsfahrer entscheiden sich oft für eine Dynamobeleuchtung, da diese immer verfügbar ist, keine leeren Akkus verursacht und heutzutage zuverlässig und störungsfrei funktioniert. Die Zeiten der unzuverlässigen Seitenläuferdynamos, die viele Nutzer zu Akkulampen getrieben haben, sind vorbei.
Die Nabendynamo-Ära begann am Brompton im Jahr 2004 mit dem SON XS, der als hochwertige Alternative zum Seitenläufer angeboten wurde. Heute gibt es verschiedene Optionen, sowohl ab Werk als auch zur Nachrüstung. Wer heute ein neues Rad kauft, erhält ab Werk in der Regel eine Nabendynamo-Lösung: den SV8 von Shutter Precision. Dies ist, vorweggenommen, eine durchaus gute und praktische Wahl zu einem fairen Preis.
Alternativ können Dynamo-Laufräder auch nachgerüstet werden, wobei die Auswahl hier zwar kleiner, aber dennoch vielfältig ist. Auf dem Markt gibt es eine riesige Auswahl an Nabendynamos, von denen sich jedoch nur wenige für Brompton-Räder eignen. Dies liegt daran, dass das Brompton nicht nur kleine Laufräder, sondern auch eine schmalere Vorderradnabe als die meisten Fahrräder hat: 74 mm Nabenbreite am Brompton (und den meisten anderen Falträdern) stehen 100 mm Standardbreite bei "normalen" Fahrrädern gegenüber.
So bleibt das Feld der Kandidaten überschaubar: Einer von Shimano, zwei von Shutter Precision und drei von Schmidt Maschinenbau (von denen einer nicht mehr neu erhältlich ist).
Qualitätsführer: Schmidt Maschinenbau (SON)
Qualitätsführer ist eindeutig Schmidt Maschinenbau aus Tübingen mit seinen SON-Modellen. Diese gibt es seit 2004 als tonnenförmiges "Classic"-Modell, verchromt und mit 28 gekreuzten Speichen, und seit vielen Jahren auch als "Semiradial" mit - man ahnt es - annähernd geraden Speichen, in Alu poliert ebenso wie in Schwarz und diversen Eloxalfarben. Wahlweise mit 20 oder 28 Speichen.
Nicht mehr erhältlich ist dessen Vorgänger, der SON XS Radial. Technisch ebenso einwandfrei wie seine Brüder, stellte sich heraus, dass durch den Fahrtwind die radialen Speichen Geräusche produzierten, was etwas irritierend war.
Legendär ist die Langlebigkeit der SONs - meist werden sie nicht geschont und sind eher bei Vielfahrern im Einsatz, dem Normalradler scheint der Preis oft hoch und das war auch schon vor 25 Jahren so. Dennoch sind wohl die meisten je gebauten SONs noch im Einsatz und frühe Modelle aus den späten 90er Jahren (als es noch keine Bromptonversion gab), die optisch und konstruktiv noch etwas anders waren, fast schon ein Prestigeobjekt unter Windgesichtern.
Preislich markiert der SON die Oberliga - das eingespeichte Brompton Laufrad liegt inzwischen bei etwas unter 300€, nachdem viele Jahre lang der Preis dafür bei 250€ lag. Bei Langlebigkeit, Gewicht und Rollwiderstand sowohl ein- wie auch ausgeschaltet liegt der SON dafür ganz vorne im Bewerberfeld. Dazu kommt "made in Germany" von einer überaus sympathischen Firma, fünf Jahre Garantie und im Servicefall prompte, kulante und günstige Reparatur.
Hübsch sind die Dinger obendrein - man sieht ihnen schon an, dass da jemand mit Liebe und Leidenschaft sein Produkt baut.
Herausforderer: Shutter Precision
Shutter Precision aus Taiwan ist hier inzwischen zum ernsten Herausforderer mutiert: Die beiden Modelle SV8 und SV9 sind was Gewicht und Leichtlauf angeht nicht sehr weit vom SON entfernt, formell ist der SV9 sogar etwas leichter als der SON. Ursprünglich baute die Firma Verschlüsse für Fotokameras, daher der Name. Inzwischen haben sie ein grosses Angebot an Nabendynamo für alle möglichen Fahrradarten und sind dabei ein relevanter Player im Markt geworden.
Bei Erstausstattung sind sie ebenso vertreten wie zur Nachrüstung und zudem sind Shutter Dynamos inzwischen auch unter diversen anderen Labeln im Markt erhältlich. Unter anderem basieren die (nicht fürs Brompton geeigneten) Dynamos von Supernova auf einem etwas geänderten Shutter Design.
Erkennbar sind aktuelle Shutter-Nabendynamos am kleinen kugeligen Gehäuse aus Aluminium in silber oder dchwarz, das durchaus an bestimmte SON-Modelle erinnert. Von Leichtlauf und Gewicht ist der SV9 ist hierbei noch etwas besser als der SV8, der von Brompton ab Werk angeboten wird.
Vom Leichtlauf her sind die Shutters etwas schlechter als der SON, aber nicht dramatisch. Während die 8er Serie auch für große Laufräder verfügbar ist darf die 9er Serie nur an maximal 20" großen Rädern betrieben werden - sie benötigt die höhere Drehzahl der kleinen Räder um die in der StVZo vorgeschriebenen Leistungsdaten von 6Volt/3Watt einzuhalten.
Preislich spart man beim SV8 gegenüber dem SON in der Praxis um die 100€ - das Dynamolaufrad von Brompton kostet komplett knapp 200€ (2022). Der Preis einzeln (ohne Laufrad) gekauften Dynamos schwankt deutlich: Normale Shutter Dynamos gehen im deutschen Handel Sonderangebot bei um 60€ los und enden bei grob 130-150€, je nach Modell.
Die Brompton Modelle bekommt man nur selten einzeln und wenn, dann meist nicht im Sonderangebot. Zu beachten ist, das richtige Modell zu erwischen: Die Brompton Varianten haben ein dem Modelltyp nachgestelltes "FC" im Namen, das ist wichtig, weil dies die 8mm Achsdurchmesser des Brompton kennzeichnet - fehlt das läuft man Gefahr ein Modell für Dahon mit grösserem Achsdurchmesser geliefert zu bekommen.
Mechanisch sind die Shutters untadelig aber weniger edel als der SON, weniger aufwändig konstruiert und auch weniger langlebig. Wenn die Lager aufgeben (was mehrere 10.000km dauern kann oder auch früher auftreten) können diese getauscht werden - allerdings wohl nur beim Hersteller in Taiwan.
Dass es das Angebot gibt ist großartig, es zu nutzen aus Europa wohl eher umständlich und mit Versandkosten je nachdem unwirtschaftlich, ein neuer Dynamo kann billiger sein. Der geneigte Heimwerker kann sich aber auch selbst ans Werk machen und die Lager bei der Gelegenheit durch hochwertige Industrielager austauschen.
Allerdings hat Shutter Precision die Konstruktion der Dynamonabe geändert - bei neueren Versionen gibt es offenbar idR keine Schlüsselflächen mehr, ein Öffnen des Dynamos in Eigenregie scheint daher nicht mehr möglich.
Im Defektfall ist ein SP Dynamo nicht wirtschaftlich reparabel (Ausspeichen, Versandkosten nach Taiwan, Reparaturpauschale, ggf.
Ehemaliger Standard: Shimano
Industriegigant Shimano spielt heute am Brompton keine grosse Rolle mehr. Als 2010 der völlig veraltete Seitenläuferdynamo am Brompton durch einen Nabendynamo abgelöst wurde kam dieser von Shimano. Die Lösung musste günstig sein und für Kunden mit Ästehtik- und Peformancevorlieben gab es damals bereits seit einigen Jahren den SON Classic ab Werk von Brompton (wenn auch für einen recht fürstlichen Aufpreis).
Der Shimano DH-F703FB war dann die Nabe der Wahl. DH steht für "Dynamo Hub", "SB" Vermutlich für "Small" (Achsbreite) und "Brompton" (Achsdurchmesser). Der 703 kommt aus der Capreo Serie, Shimanos Komponentengruppe für kleine Laufräder.
Eine Schönheit war er nie und mit 590g vom Hersteller angegebenem Gewicht auch etwas schwer geraten. Problematischer war jedoch, dass der Rollwiderstand sowohl an- wie auch ausgeschaltet erheblich höher war als beim SON und der Wirkungsgrad des Dynamos recht lausig, der Fahrer also mehr Kraft für den gleichen Vortrieb aufwenden musste, sogar wenn das Licht aus ist. Und das in einem Ausmaß, das sensiblere Naturen durchaus bemerkten.
Schmidt Maschinenbau nutzte das zu Marketingzwecken und hatte auf seinen Messeständen meist eine kleine Teststation mit einem Brompton-Laufrad mit einem SON Dynamo und eines mit einem Shimano. Entsprechend wurde das Shimano Laufrad (das übrigens das einzige, je ab Werk am Brompton verbaute Shimano-Bauteil war) zwar häufig als Erstausstattung mitgeliefert aber nur selten nachgerüstet. Da griff der geneigte Bromptonaut dann lieber gleich zum SON.
In gebrauchten Rädern ist es aber häufig anzutreffen. Wer also heute ein SON-Laufrad im neuen Brompton haben will muss ohne Dynamo bestellen und nachrüsten (und hat danach ein Laufrad übrig, wenn es der Händler nicht in Zahlung nimmt, weil die Aufrüstung direkt bei ihm beim Kauf vorgenommen wurde). Das war allerdings schon vorher üblich bei fachkompetenten Bromptonauten - der Aufpreis, den Brompton für die SON-Lichtanlage nahm war so üppig, dass Nachrüsten trotz übrigem Vorderrad sehr weit über 100€ billiger war.
Einen Vorteil hat der Shimano-Dynamo gegenüber der Konkurrenz: Man kommt an die Innereien ran ohne das Rad auszuspeichen. Leider muss man das auch manchmal, denn auch dem Shimano-Dynamo sind defekte Lager und andere Kalamitäten nicht fremd. Sehr viel weniger fremd als dem SON und vemutlich etwas weniger als den Shutter-Dynamos.
Dafür bekommt man die Innereien ziemlich günstig und der Komplett-Tausch ist nicht übermässig kompliziert. Nachrüsten wird den Shimano heutzutage wohl kaum jemand freiwillig - von allen Nabendynamos am Brompton ist er die schlechteste Option.
SON 28 vs. SON delux
Der SON 28 ist darauf ausgelegt, auch bei niedrigen Geschwindigkeiten wie beispielsweise 15 km/h eine hohe Leistung abzugeben. Dadurch erzeugt er genügend Strom, um die Beleuchtung am Fahrrad zu betreiben oder während der Fahrt externe Geräte wie Handy oder Navigationsgerät aufzuladen.
Der SON 28 erfüllt die gesetzlich vorgeschriebene Spannungsabgabe für alle Radgrößen bis zu 28/29 Zoll. Der SONdelux hingegen ist speziell für LED-Scheinwerfer wie den SON Edelux II konzipiert.
Die Spannungskurve beim SONdelux steigt etwas langsamer an, was bedeutet, dass er eine etwas höhere Geschwindigkeit von etwa 20 km/h benötigt, um die gleiche Spannung und Leistung wie der SON 28 bei 15 km/h zu erzeugen.
Moderne LEDs sind in der Lage, auch bei geringer elektrischer Leistung viel Licht zu erzeugen. Beim SONdelux kann es bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h zu einer geringeren Lichtausbeute kommen, aber mit über 60 Lux Helligkeit bei 15 km/h ist immer noch ausreichend Licht vorhanden, um die Sichtbarkeit während der Fahrt zu gewährleisten.
Ab einer Geschwindigkeit von über 20 km/h ist der Helligkeitsunterschied zwischen den beiden Modellen praktisch nicht mehr wahrnehmbar.
Der SONdelux verwendet ein reduziertes Magnetsystem, wodurch je nach Nabenmodell bis zu 50 Gramm Gewicht eingespart werden können. Er ist auf geringen Rollwiderstand und ein leichtes Gewicht optimiert, ohne Kompromisse bei der Festigkeit des Gehäuses einzugehen.
Dadurch verringert er den durchschnittlichen Antriebsbedarf um etwa 15%. Wenn der SONdelux als Nabendynamo verwendet wird, ist der zusätzliche Leistungsbedarf bei ausgeschaltetem Licht vernachlässigbar gering und kaum spürbar.
Der SONdelux dreht sich daher schneller als der SON 28, um die gleiche Leistung zu erzielen, und eignet sich daher besser für Fahrten mit höherer Geschwindigkeit (<20 km/h) oder Fahrräder mit kleinerem Laufraddurchmesser.
Wenn das Licht am Fahrrad eingeschaltet ist, steigt der Leistungsbedarf deutlich an, da bis zu 4 Watt an die Lichtanlage abgegeben werden. Dabei kann der SONdelux seine technischen Vorteile ausspielen.
Der Leistungsverlust durch den SON Nabendynamo ist so gering, dass sich das Einschalten des Lichts kaum bemerkbar macht. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Vorderradnabe ohne Dynamo beträgt der Leistungsverlust beim SONdelux bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h weniger als 1% und beim SON 28 etwa 1,2%. Man muss also kaum mehr Kraft aufwenden.
Überblick über Modelle
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Nabendynamos:
| Hersteller | Modell | Gewicht (Herstellerangabe) | Speichenanzahl | Farben | Preis (ca. Ende 2022) |
|---|---|---|---|---|---|
| SON (Schmidt Maschinenbau) | SON XS Classic für Brompton | 400g | 28 | Alu poliert | 249€ (Laufrad früher 250€) |
| SON (Schmidt Maschinenbau) | SON XS Semiradial für Brompton | 350g | 20 oder 28 | Alu poliert, Silber oder schwarz eloxiert, gegen Aufpreis auch ein- oder zweifarbig silber, schwarz, rot, blau, orange, gold, hellgrün oder rosa eloxiert. | 249€, komplettes Laufrad UVP 320-360€, Strassenpreis aktuell eher rd. 300€ |
| SON (Schmidt Maschinenbau) | SON XS Radial | 28 | nur noch gebraucht erhältlich | ||
| Shutter Precision | SV8FC | 350g | 20, 24 oder 28 | Silber, schwarz | 180€ (UVP Laufrad von Brompton, Strasse ab 150€), Dynamo solo ca. 100€ (schwer zu kriegen ausser aus Asien) |
| Shutter Precision | SV9FC | 299g | 24, 28 oder 32 | Silber, schwarz | Dynamo ca. 120€ (schwer beschaffbar), Laufrad 210€ (silber) bis 230€ (schwarz) |
| Shimano | DH-F703SB | 590g | 28 | Alu matt, schwarz | Dynamo ca. |
Worauf sollte man achten?
Wer ein neues Brompton kauft ist mit dem Shutter ökonomisch und pragmatisch unterwegs. Wer gebraucht kauft nimmt, was verbaut ist. Wer nachrüstet oder es hochwertig oder schick mag wird wahrscheinlich oft zum SON greifen (idR zum Semiradial) - dem fühlbaren Preisunterschied (inzwischen knapp der doppelte Preis des Shutter Laufrades) stehen eine Menge Vorteile gegenüber und so riesig ist der Preisunterschied nun auch wieder nicht, schon gar nicht auf mehrere Jahre betrachtet.
Gegenüber Akkuleuchten sind aktuelle Beleuchtungssysteme mit Nabendynamo eine sehr gute (und in meinen Augen meist bessere) Alternative. Das oftmals befürchtete Mehrgewicht liegt in der Praxis meist bei 100-200g für die komplette Lichtanlage incl. Auch die häufig geäusserten Befürchtungen zu schwerem Lauf durch Nabendynamos sind Vorurteile aus der Zeit der Seitenläufer und heute nicht mehr valide.
Die SON Dynamos konsumieren im Leerlauf zwischen ca. 0,5 Watt Antriebsleistung bei 10km/h und unter 2 Watt bei 30 km/h. Ein durchschnittlicher Radler produziert um die 100Watt Dauerantriebsleistung, der eine mehr, der andere weniger.
Wenn das Licht eingeschaltet ist steigt die vom Nabendynamo konsumierte Leistung: Formell ist ein Dynamo mit 6V/3W, die er laut StVZO liefert, gelistet, in der Praxis kommen z.B. bei 10 km/h um die 2 Watt raus und bei 30 km/h um die 6 Watt (auch wieder beim SON). Bei anderen Dynamos kann das ganz anders aussehen, die Shutters sind nicht ganz so gut wie der SON, aber nicht weit entfernt.
Neben Licht kann man an Dynamos z.B. auch Ladegeräte anschliessen, die per USB den erzeugten Strom in's Handy speisen zum laden. Das ist wohl eher auf Touren und Reisen interessant, das Laden dauert lange und für viele sind Powerbanks da heutzutage eine brauchbare (und meist billigere) Alternative. Wer aber sein Handy für die Navigation benutzt oder abseits von Stromversorgung mit dem Zelt unterwegs ist für den ist sowas eine prima Sache.
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