Leichte Carbon Laufräder im Test: Schnell, leicht und bezahlbar?

Hohe Aero-Felgen gehören zum Auftritt eines Rennrads, mit dem man in Rennen schnell sein will. Sie sehen schnittig aus und drehen tatsächlich messbar am Tempo - im Flachen, bergab sowieso, aber auch auf welligem Terrain. Mit keinem anderen Teil am Rennrad kann man mehr Geschwindigkeit nachrüsten.

Die beste Nachricht aber ist, dass die Preise für die schnellen Räder gefallen sind. Die Laufradsätze im Test hätten vor ein paar Jahren noch leicht das Doppelte gekostet. Äußerlich ist vom Sparkurs nichts auszumachen, die Anmutung hochwertig.

Im Inneren der Struktur hält aber mutmaßlich ein günstigeres Harz die Carbonfäden beieinander, da die Scheibenbrems-Räder ja keine Bremshitze ertragen müssen. Dies macht teure, temperaturbeständige Harze verzichtbar. Zahlreiche Anbieter beleben zudem den Wettbewerb, auch das setzt die Preise unter Druck.

Testfeld und Spezifikationen

Unser Testfeld umfasst das ganze Spektrum von Marken, vom kleinen Importeur Lambda, bis zur Weltfirma Trek mit der Laufradmarke Bontrager. Die Felgen sind zwischen 45 und 55 Millimeter hoch, die Innenweiten betragen zwischen 17,5 und 20 Millimeter. Die Räder sind durch die Bank tubeless-ready und sowohl für die Montage von Faltreifen als auch von Tubeless-Reifen geeignet.

Für den Test haben wir sie mit Faltreifen-Reifen bestückt; Montageprobleme konnten wir dabei keine feststellen. Das Gewicht für Vorder- und Hinterrad zusammen reicht von 1.480 Gramm bis 1.862 Gramm. Im Aussehen ähneln sich die Räder sehr.

Alle Felgen haben mehr oder weniger bauchige Querschnitte; scharfe V-Profile wie aus der Frühzeit des Aero-Laufrads findet man nicht mehr. Auch 24 Speichen sind Standard, die Scheibenbremse erfordert diese Anzahl zur Übertragung der Bremskräfte. Mattschwarz als Oberflächenfarbe ist gesetzt, Aufkleber oder Beschriftungen sind so dezent, dass die Räder mit den meisten Rahmen harmonieren.

Windkanaltests und Fahreindrücke

Umso mehr waren wir gespannt auf die Messungen im Windkanal und die Testfahrten. Gibt es noch relevante Unterschiede zwischen diesen äußerlich sehr ähnlichen Produkten? Im Windkanal messen wir die Räder jeweils als kompletten Satz im Testrad, bemannt mit unserem tretenden Dummy als Testfahrer.

Außerdem haben wir zusätzlich zu unseren 55/55 Millimeter Testlaufrädern von Lambda noch folgende Kombinationen des Modell Speed Attack getestet: 45/55, 70/70 und 70/80.

Getestete Laufräder

  • Aerycs WT 50 - 949 Euro
  • Bontrager Aeolus Elite 50 - 900 Euro
  • Fast Forward Tyro - 999 Euro
  • Lambda Speed Attack 55 - 1.150 Euro
  • Leeze CC50 Disc Basic - 899 Euro
  • Mavic Cosmic SL 45 - 1.190 Euro
  • Veltec Speed 4.5 Disc Basic - 1.099 Euro
  • Vision TC 55 Disc - 1.039 Euro

Junge Marken unter Druck

Mit Aerycs, Leeze, Newmen und Winspace unterbieten gleich vier junge Anbieter im Test die 1500-Gramm-Grenze deutlich - zu attraktiven Konditionen. Fulcrum, Mavic und Shimano halten mit Prestige, verzweigtem Händlernetz und - teilweise - nachhaltiger Produktion in Europa dagegen.

Dass die Modelle der großen Anbieter im Handel oft günstiger zu haben sind, als es die unverbindliche Preisempfehlung vermuten lässt, relativiert den Preisvorteil der Herausforderer. Große Unterschiede gibt’s dagegen bei den Punkten Garantie, Crash Replacement und Lieferumfang. Klar ist: Wettbewerb belebt das Geschäft - gut für potenzielle Kunden. Der ROADBIKE-Test hilft bei der Entscheidung.

Einzeltests und Fahreindrücke

Aerycs Aero WT 30

Im Vergleich zum letzten Jahr, als Aerycs mit den etwas höheren Aero WT 40 einen Preis-Leistungs-Tipp abräumte, wurde die Carbon-Felge überarbeitet: Satte 23 Millimeter Maulweite bietet die nun in allen der fünf erhältlichen Felgenhöhen - entsprechend breit bauen die Reifen, die mindestens 28, höchstens 65 Millimeter messen dürfen.

Die Felge wurde überarbeitet, Naben und Speichen stammen wie gehabt von DT Swiss. Trotz ihrer Breite wiegt die Hakenfelge nur 345 Gramm - der Laufradsatz aus Vorder- und Hinterrad bringt es so auf gerade mal 1321 Gramm. Das spürt man bei jedem Antritt: Wieselflink geht’s hier nach vorn, die Fahrdynamik begeistert.

Die Kraftübertragung ist top, die Lenkung präzise - je 24 2-fach gekreuzten Messerspeichen von DT Swiss sei Dank. Bei hohem Tempo, in Abfahrten und bei Seitenwind kommt nie Unruhe auf - auch ein Verdienst der nicht zu hohen Felgen. Der Aufbau des Sets war tadellos, die soliden DT Swiss 350-Naben laufen fast widerstandsfrei.

In Kombination mit dem sehr ordentlichen Lieferumfang, drei Jahren Garantie und einem Crash-Replacement-Angebot bietet Aerycs so wieder ein sehr attraktives Gesamtpaket.

Fulcrum Wind 42

Auf eine stolze Kilometerleistung brachten zwei Testfahrer Fulcrums Wind 42. Positiv: Bei Testende waren weder technischer Verschleiß noch nennenswerte optische Beeinträchtigungen feststellbar. Die Lager laufen leicht, die Räder rund.

Damit empfehlen sich die Wind 42 auch als günstigere Alternative zu Fulcrums Wettkampflaufrädern Speed 42: Die Carbon-Hakenfelge kommt mit exakt den gleichen Dimensionen, verwendet aber etwas einfachere Naben, Lager und Speichen. Der Leistung schadet das so wenig wie das im Vergleich zu anderen etwas höhere Gewicht: Die sehr seitensteifen Laufräder gehen sportlich-agil nach vorn, lenken messerscharf ein und stehen auch im Wiegetritt und im Sprint wie eine Eins.

Die höchste Felge in diesem Vergleich schneidet zudem pfeilschnell durch die Luft und zeigt sich selbst bei böigem Wind und hohem Tempo absolut fahrstabil. Ebenfalls positiv: Die Laufräder fahren sich recht komfortabel, was durch breit bauende Reifen dank 23er-Maulweite verstärkt wird. Ungewohnt leise surrt der Freilauf. Kleiner Wermutstropfen: Die Reifenmontage kann Kraft kosten, mehr als zwei Jahre eingeschränkte Garantie gibt’s nicht, der Lieferumfang umfasst nur das Wesentliche. Schön: Die Laufräder werden in der EU hergestellt.

Leeze CC 38 Basic R

Gerade erst hat Leeze die dritte Generation seiner beliebten Laufradlinie Basic vorgestellt, schon erscheint das CC 38 im ROADBIKE-Test - und überzeugt auf Anhieb: Dank des geringen Gewichts gehen die hervorragend aufgebauten Laufräder gut nach vorn, halten dank der aerodynamischen 38-Millimeter-Hakenfelge sehr gut hohes Tempo und bleiben dabei jederzeit fahrstabil. Nervosität bei Seitenwind? Fehlanzeige!

Was die Kraftübertragung und Lenkpräzision angeht, fühlte sich ein Testfahrer gar an Laufräder mit Carbon-Speichen erinnert. All das ist Ergebnis eines umfassenden Updates: Die Felge wurde im Windkanal weiterentwickelt, bei den Naben setzt Leeze nun auf Straightpull-Einspeichung, und anstelle von Pillar- kommen neuerdings Sapim-Messerspeichen zum Einsatz.

Viel Bewährtes findet sich aber auch in den Neuen wieder, etwa die Maulweite von 21 Millimeter, die einfache Wartung des hell surrenden Freilaufs oder das optionale, aufpreispflichtige Upgrade der Naben auf Keramiklager von Croder oder Ceramicspeed. Das lebenslange Crash Replacement ist attraktiv, mehr als die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gibt’s jedoch nicht. Auch der Lieferumfang ist überschaubar. Dennoch sind Leezes neue Basics mehr als eine Überlegung wert, der Preis ist absolut fair.

Mavic Cosmic SL 32

Licht und Schatten offenbarten die überarbeiteten Cosmic SL 32 Disc. In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort. Dieser wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Maulweite gegenüber früheren Ausführungen der Laufräder auf nun 21 Millimeter angewachsen ist und Reifen entsprechend breiter bauen und noch besser dämpfen können.

Auf wenig Gegenliebe stieß hingegen die als träge, fast schwammig empfundene Beschleunigung. "Kommen nicht aus dem Quark", notierte ein Testfahrer. Bemerkenswert und schade, denn die Fulcrum Wind 42 hatten trotz eines ähnlich hohen Gewichts und deutlich höherer Felgen für ihren Antritt allgemeines Lob geerntet.

Apropos Gewicht: Das Set wiegt über 50 Gramm mehr, als der Hersteller verspricht. Auch der Aufbau war nicht hundertprozentig zufriedenstellend: Das Hinterrad stand leicht außermittig. Einmal auf Touren gebracht, rollen die Laufräder mit tief röhrendem Freilauf und lassen sich von böigem Seitenwind nicht aus der Ruhe bringen.

Keine Blöße gibt sich Mavic in puncto Service: Der Lieferumfang ist gut, bei Registrierung seiner Laufräder gilt eine lebenslange Garantie, und auch Crash Replacement wird angeboten.

Newmen Streem Climbing

Richtig gelesen: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Und das, obwohl die Felgen 35 bzw. 38 Millimeter hoch und innen immerhin 22 Millimeter weit sind. So ein Leichtgewicht zaubert auch sofort ein breites Grinsen ins Gesicht: Leicht wie eine Feder katapultiert man sich im Wiegetritt nach vorn, bergauf scheint man zu fliegen.

Nach Hunderten Kilometern und etlichen Pässen in den französischen Seealpen attestierte Testfahrer Jakob Heni den Newmen-Laufrädern zudem beeindruckende Spurtreue bergab. Nach über 3500 Kilometern laufen die Newmen Fade R-Naben leicht. Das Vorderrad ist rechts radial eingespeicht, links dreifach gekreuzt.

Zweiter großer Pluspunkt: Nach über 3500 Testkilometern geben die Laufräder in puncto Verschleiß keinen Anlass zur Klage: Die Lager laufen extrem leichtgängig, Höhen- und Seitenschläge sind keine zu verzeichnen, optisch wirken Felgen und Naben wie neu. Nur eine leichte Außermittigkeit des Hinterrads verhindert die Endnote eins plus mit Sternchen.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist das Tubelesssystem mit sehr breitem Felgenloch, in dem das Ventil auf Wunsch vollständig versenkt werden kann. Mit beiliegendem Adapter kann man aber auch klassische Tubelessventile oder -schläuche verwenden. Der Lieferumfang ist großzügig, drei Jahre Garantie und das lebenslange Crash Replacement ebenso.

Shimano Ultegra WH-RS8170 C36

Testfahrer Eric Gutglück lieferte seine positiven Praxiseindrücke gleich mit potenzieller Gegenrede ab, "denn alle meine Testeindrücke könnte man auch negativ auslegen". Dem Redakteur gefiel der Laufradsatz als ausgewogen, laufruhig und grundsolide, "wer anders draufblickt, empfindet ihn aber vielleicht als charakterschwach und eher langweilig".

Klar ist: Den optisch sehr dezenten, technisch über jeden Zweifel erhabenen Shimano-Laufradsatz auf Ultegra-Niveau kauft man nicht, um damit an der Eisdiele zu posieren. Wer aber genau das gar nicht plant, hat gute Chancen, hier einen Begleiter fürs Leben zu finden.

Denn der WH-RS8170 C36, wie er Shimano-typisch etwas kryptisch heißt, überzeugt in der Praxis mit guter Kraftübertragung, stoischer Ruhe bei Seitenwind und angenehmem Dämpfungskomfort. Im Labor punktet er mit soliden Messwerten, im Dauertest mit Verlässlichkeit und Haltbarkeit: Nach gut 1500 Testkilometern steht der Laufradsatz wie eine Eins ohne Seiten- und Höhenschläge, die Konuskugellager mit Schleifdichtung laufen wie am ersten Tag und lassen sich mit dem richtigen Werkzeug leicht selbst warten. Schade: Vergünstigte Konditionen nach Sturzschäden gibt’s bei Shimano nicht, dafür zwei Jahre Garantie. Und: kein Gewichtslimit.

Tubeless-Reifen verschiedener Marken ließen sich leicht auf der Felge mit 21er-Maulweite montieren, rasteten schnell ein und hielten sehr gut die Luft.

Winspace Lún Grapid

Winspace - nie gehört? Die chinesische Marke produziert seit 2008 Rahmen, Laufräder und weitere Fahrradprodukte aus Kohlefaser und drängt mit aggressiven Preisen zunehmend auch in Europa auf den Markt. Das bekommt die Konkurrenz hier zu spüren mit dem Lún Grapid.

Streng genommen handelt es sich dabei um einen Gravel-Laufradsatz mit 25er-Maulweite, der aber mit Reifen ab 30 Millimetern bestückt auch an Performance- und Endurance-Rennrädern eine gute Figur abgibt. Denn mit 1355 Gramm Set-Gewicht spielt er ganz vorne mit und gefällt mit sportlich-agilem Handling.

Auf böigen Seitenwind reagieren die 38 Millimeter hohen Felgen allerdings recht sensibel. Die knapp 1000 Testkilometer hinterließen keine nennenswerten Spuren: Die Naben mit überdimensionierten Edelstahllagern laufen leicht, die Räder drehen sich mittig und ohne Höhen- oder Seitenschlag.

Der Freilauf surrt auffällig hell, der Lieferumfang umfasst eine Lenkertasche. Garantie gibt’s für zwei Jahre, Crash Replacement bietet der Hersteller keines. Auch einen Onlineshop oder Ladenverkauf gibt’s bislang nicht - der Bezug erfolgt durch direkte Kontaktaufnahme mit Winspace Germany. Wer das akzeptiert, macht hier ein Schnäppchen.

Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero

Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen. Als modernstes Laufrad mit One-Piece-Konstruktion, innovativen Aero-Reifen und 60 mm Felgen erfüllt es sämtliche Punkte auf unserer Wunschliste mit Bravour. Dazu kommen das geringe Gewicht und ein perfekt ausbalanciertes Fahrgefühl.

Tabelle: Übersicht der getesteten Laufräder

Laufradmodell Preis (Euro) Gewicht (Gramm) Felgenhöhe (mm) Innenweite (mm) Besonderheiten
Aerycs WT 50 949 - 50 - -
Bontrager Aeolus Elite 50 900 - 50 - -
Fast Forward Tyro 999 - - - -
Lambda Speed Attack 55 1150 - 55 - -
Leeze CC50 Disc Basic 899 - 50 - -
Mavic Cosmic SL 45 1190 - 45 - -
Veltec Speed 4.5 Disc Basic 1099 - - - -
Vision TC 55 Disc 1039 - 55 - -
Newmen Streem Climbing - <1200 35/38 22 Sehr leicht
Fulcrum Wind 42 - - - 23 Made in EU
Leeze CC 38 Basic R - - 38 21 Preis/Leistung Tipp
Mavic Cosmic SL 32 - - - 21 Lebenslange Garantie
Shimano Ultegra WH-RS8170 C36 - 1488 36 21 11- und 12-fach kompatibel
Winspace Lún Grapid - 1355 38 25 Gravel-Laufradsatz

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