Leichte E-MTBs unter 20 kg im Test: Eine neue Ära des E-Mountainbikings?

In den letzten Jahren haben Light-E-MTBs wie keine andere Bike-Kategorie im Rampenlicht gestanden. Jeder namhafte Hersteller hat ein Light-E-MTB entwickelt und ständig wurden neue Motorsysteme und Technologien auf den Markt gebracht. Doch so schnell, wie sie gekommen sind, werden sie auch wieder verschwinden.

Viel Power, große Akkus und eine robuste Ausstattung haben in der Vergangenheit zwangsläufig immer eines bedeutet: E-Mountainbikes haben die 20-kg-Marke ordentlich gesprengt und ein Gewicht von 24 kg oder mehr war keine Seltenheit. Vor allem Bikes wie das Norco Sight VLT oder ROTWILD R.X1000 haben mit Akku-Kapazitäten von über 900 Wh das Akku-Wettrüsten angeführt und ordentlich Gewicht auf die Waage gebracht.

Auf der Gegenseite standen die Light-E-MTBs: weniger Motorpower, kleinere Akkus und geringeres Gewicht. Meilensteine waren hier Bikes wie das Lapierre eZesty und die erste Generation des Specialized Levo SL, die früh gezeigt haben, was diese Kategorie ermöglicht hat: Sie fahren sich beinahe wie analoge MTBs, sind kaum als E-Bikes zu erkennen und haben die E-Mountainbike-Entwicklung in wichtigen Aspekten vorangetrieben.

Definition und Konzepte von Light-E-MTBs

Gemeinsam mit unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE haben wir kürzlich die 9 spannendsten Light-E-MTBs gegeneinander antreten lassen - und bereits hitzig diskutiert, lange bevor es auf die Trails ging. Denn die Frage, wie sich Light-E-MTBs definieren, war nie abschließend geklärt, und die Hersteller haben unterschiedliche Light-Konzepte entwickelt.

Kleinere Akkus in Kombination mit Fullpower-Motoren oder spezielle Light-Motoren mit verschiedenen Akku-Konfigurationen führen hinsichtlich des Gesamtgewichts zu ähnlichen Ergebnissen. Auch die Wahl der Ausstattung kann das Endergebnis stark beeinflussen. Deshalb war die Entscheidung, welche Bikes letztendlich in unserem Vergleichstest antreten, keine einfache Aufgabe, und wir haben uns bewusst für unterschiedliche Konzepte entschieden.

So hat unser Vergleichstest gezeigt, dass Konzepte, wie wir sie am Cannondale Moterra SL finden oder am neuen Orbea Rise LT - eines der spannendsten Light-E-MTBs der letzten Jahre -, wegweisend für die Zukunft sind. Beide Modelle setzen auf die volle Leistung ihres Motors, bieten ausreichend Akkukapazität und behalten dennoch ein niedriges Gesamtgewicht bei. Auch das MERIDA eONE-SIXTY folgt diesem Ansatz und kombiniert ihn mit extra Federweg und einer robusten Ausstattung.

Ein echter Paukenschlag kam von DJI, dem Drohnenhersteller, der mit seinem Bike-Modell Amflow auf der EUROBIKE für Aufsehen sorgte: Die Spezialisten von DJI haben dazu ein Trail-Bike mit einem bärenstarken 120-Nm-Motor und einem 600-Wh-Akku kombiniert und es dennoch geschafft, trotz solider Ausstattung unter 20 kg zu bleiben.

Technologische Fortschritte und ihre Auswirkungen

So wie die neuen und vielversprechenden Player DJI und ZF den Markt aufmischen, so treiben auch Hersteller wie Shimano, Bosch und TQ die Entwicklung ständig voran. Mit der Folge, dass neue Motorsysteme kleiner, leichter und stärker werden. Die Frage, ob ein Light- oder ein Full-Power-Motor das Ziel ist, wird sich bald nicht mehr stellen. Dafür wird die Frage nach der passenden Akkukapazität immer wichtiger.

Auch hier gibt es stetig neue Zelltechnologien, die die Akkus kleiner, leichter und leistungsfähiger machen. Kombiniert man all das mit der stetigen Entwicklung von Rahmen und Komponenten, lässt sich einfach ableiten, was uns in der Zukunft erwartet. Bereits heute gibt es einige Bikes - wie das Orbea, Cannondale, Amflow oder MERIDA -, die den Start dieser neuen Generation ankündigen und wir werden Stück für Stück mehr solcher Bikes auf dem Markt sehen.

Denn kraftvolle Motoren mit einer hohen Reichweite, variable Akku-Konzepte, smarte Features und eine robuste Ausstattung bedeuten nicht zwangsweise ein hohes Gewicht.

Preisliche Aspekte und Ausstattung

Auch preislich geraten die Light-E-MTBs immer mehr in eine Konfliktsituation. Durch deutlich größere Stückzahlen und Abnahmemengen der Motoren und Akkus von Full-Power-E-MTBs sind diese oftmals deutlich erschwinglicher als Light-Modelle mit vergleichbarer Ausstattung.

Ein weiterer Nachteil der Light-E-MTBs: Sie sind meist nur in der teuren Top-Ausstattungsvariante wirklich leicht. Greift man weiter unten ins Regal und wählt eine günstigere Ausstattungsvariante, landet man durch Komponenten, die weniger gewichtsoptimiert sind, schnell wieder über 21 kg oder noch mehr.

Zukunftsaussichten und Alternativen

Doch Light-Systeme werden nicht vollständig aus der Bike-Industrie verschwinden und einige Bike-Hersteller werden auch in Zukunft noch auf schwächere Motoren und kleine Akkus setzen. Besonders bei CC-orientierten Konzepten wie dem Thömus Lightrider oder dem SCOTT Lumen eRIDE und im Gravel- und Road-Bereich machen solch kleine und „schwache“ Systeme noch Sinn.

Aber: „Light“-E-MTBs mit wenig Drehmoment und kleinen Akkus sind im E-MTB Bereich Geschichte. Light-E-MTBs waren ein notwendiger Gegentrend zum Akku- und Power-Wettrüsten und haben die Entwicklung leichterer Motorsysteme in vielerlei Hinsicht vorangetrieben. Jetzt pendelt sich - wie schon so oft in der Bike-Industrie - das Gleichgewicht wieder ein, und eine neue Generation von E-Mountainbikes steht in den Startlöchern.

Leichte E-Bikes unter 20 kg: Eine Übersicht

Leichte E-Bikes, die weniger als 20 Kilogramm wiegen, sind besonders beliebt bei Fahrern, die eine flexible, leistungsstarke und einfach zu handhabende Lösung suchen. Diese E-Bikes kombinieren die Vorteile elektrischer Unterstützung mit der Leichtigkeit traditioneller Fahrräder, was sie ideal für den städtischen Einsatz und längere Touren macht.

Vorteile leichter E-Bikes

  • Einfaches Handling: Mit einem Gewicht unter 20 kg lassen sich diese E-Bikes leichter manövrieren, tragen und verstauen.
  • Bessere Beschleunigung und Agilität: Ein geringeres Gewicht bedeutet, dass das E-Bike schneller beschleunigen kann und wendiger ist.
  • Effizienz und Reichweite: Leichtere E-Bikes benötigen weniger Energie, um in Bewegung zu bleiben, was die Effizienz erhöht und die Akkulaufzeit verlängert.
  • Komfort und Fahrspaß: Das reduzierte Gewicht trägt zu einem insgesamt angenehmeren Fahrerlebnis bei.

Worauf man beim Kauf achten sollte

  1. Akkukapazität und Reichweite: Trotz des geringen Gewichts sollte der Akku leistungsstark genug sein, um eine vernünftige Reichweite zu bieten.
  2. Motorleistung: Ein leichter Motor mit ausreichender Leistung ist entscheidend. Achten Sie auf Motoren, die eine gute Balance zwischen Leistung und Gewicht bieten.
  3. Rahmenmaterial: Leichte E-Bikes verwenden oft Rahmen aus Aluminium oder Carbon. Diese Materialien bieten eine hervorragende Kombination aus Stabilität und geringem Gewicht.
  4. Komponentenqualität: Hochwertige Komponenten wie Schaltung, Bremsen und Reifen tragen zum Gesamtgewicht des E-Bikes bei und beeinflussen das Fahrverhalten.
  5. Komfortmerkmale: Auch bei leichten E-Bikes sollten Komfortmerkmale wie ergonomische Griffe, bequeme Sättel und Stoßdämpfer nicht fehlen.
  6. Sicherheitsfeatures: Trotz des geringen Gewichts sollten Sicherheitsaspekte nicht vernachlässigt werden.

Leichtere E-Bikes unter 20 kg bieten eine ideale Lösung für alle, die ein leichtes, agiles und leistungsstarkes Fortbewegungsmittel suchen. Sie kombinieren die Vorteile der elektrischen Unterstützung mit dem Handling und der Flexibilität eines traditionellen Fahrrads.

Leichte Power-Bikes: Eine spannende Alternative

Keine Lust auf ein klassisches Light-E-MTB? Leichte Full-Power-Bikes um 20 Kilogramm von BH, Amflow und Cannondale sind eine spannende Alternative.

In der aktuellen Verkaufsflaute gehören Light-E-MTBs trotzdem zu den schlimmsten Ladenhütern. Die Einbußen bei Reichweite und Motorpower sind vielen schlicht zu groß. Mit Bikes wie dem Cannondale Moterra SL, dem BH iLynx+ und auch dem Amflow Carbon PL manifestiert sich daher ein neuer Trend: Mit einem Gesamtgewicht von gut 20 Kilo laut Hersteller bei voller Motorpower und mittlerer Akkugröße sollen diese leichten Power-Bikes das beste aus beiden E-MTB-Welten vereinen.

Die drei leichten Powerbikes zeigen Charakter. Das BH iLynx+ SL legen wir Tourenfahrern ans Herz, im sportlichen Trail-Einsatz sammelt das Cannondale Moterra SL die meisten Punkte. Den Testsieg schnappt sich aber Amflow. Der DJI-Motor fährt in einer neuen Liga, auch Traumgewicht und Fahreigenschaften begeistern.

Kaum ein Vergleichstest wird die Bike-Entwicklung derart verändern wie dieser. Light-E-MTBs waren der Trend der letzten Jahre. Doch das ändert sich nun: Kategorien verschwimmen, technologische Grenzen verschieben sich.

Light-E-MTB-Test: Die Kandidaten

Für unseren Light-E-MTB-Vergleichstest haben wir 9 spannende Bikes zum Test eingeladen. Doch das Testfeld könnte kaum unterschiedlicher sein. Es treffen nicht nur ganz unterschiedliche Konzepte, sondern auch sechs verschiedene Motorsysteme aufeinander. Neben E-Mountainbikes mit schwachem Motor und kleinem Akku sind auch E-MTBs mit kraftvollem Motor und großem Energiespeicher vertreten. Dadurch können wir euch eine große Bandbreite an unterschiedlichsten Konzepten vorstellen und eine tiefgründige Kaufberatung mit allen Stärken und Schwächen der einzelnen Bikes und Konzepte bieten. So vermeidet ihr Fehler beim Kauf und wisst ganz genau, worauf es ankommt.

Hier eine Übersicht der getesteten Bikes:

  • Specialized Turbo Levo SL
  • YT DECOY SN
  • Santa Cruz Heckler SL
  • SCOTT Voltage eRIDE 900 Tuned
  • Mondraker Dune RR
  • Orbea Rise LT M-Team
  • Cannondale Moterra SL1
  • MERIDA eONE-SIXTY 10 K
  • GIANT Trance X Advanced E+ Elite 0 V2

Die Bedeutung des Motorsystems

Wie wir bereits oben schon erwähnt haben, macht es keinen Sinn, die nackten Eckdaten von Motoren zu vergleichen. Was bringt einem der stärkste Motor, wenn er wie ein Rennpferd unkontrolliert nach vorne marschiert? Oder wenn er mit einem zu kleinen Akku kombiniert ist und ihn schneller leer saugt wie ein Muscle Car den Kraftstoff aus dem Tank?

Ihr ahnt es schon, das richtige Gesamtkonzept ist das Zauberwort. Kraft, Ansprechverhalten, Dosierbarkeit, Kraftentfaltung und das Ökosystem um den Motor entscheiden über Frust oder Freude. Natürlich ist auch die Zuverlässigkeit ein wichtiger Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte.

Jährlich werden neue Motorensysteme vorgestellt, die gerade noch am Anfang mit Problemen behaftet sind, wie z.B. das FAZUA Ride 60-Motorsystem, das selbst nach über 2 Jahren nach Vorstellung noch unzuverlässig ist. Von kleinen Störungen bis hin zu kompletten Systemausfällen kann alles dabei sein.

Aber egal wie zuverlässig das Motorsystem auch sein mag, eine der größten Rollen spielt das Servicenetzwerk. Ein gut ausgebautes Service-Netzwerk des Motorenherstellers ist unerlässlich, um schnellstmöglich und ohne viel Stress an Ersatz zu kommen.

Testbedingungen und Fazit

Neben jeder Menge forderner Tests hatten wir eine Mordsgaudi. Unsere Teststrecke - eine Mischung aus der Giada Line und dem neuen Supernatural-Trail - hat nicht nur die Bikes an ihre Grenzen gebracht, sondern auch unsere erfahrene Testcrew. Vor allem Light-E-MTBs werden die meiste Zeit auf Trails bewegt, daher müssen sie sich auch in einem Umfeld verschiedenster Trails beweisen. Gespickt mit unzähligen Steinfeldern und technischen Kurven im oberen Teil, wechseln sich weiter unten flowige Kurven mit etlichen Sprüngen und Wurzelpassagen ab.

Schluss mit der Kategorisierung! Die Grenzen zwischen den verschiedenen E-MTB-Kategorien verschwimmen zunehmend. Es kommt auf das richtige Gesamtkonzept an. Die Vielzahl an Modellen und Herangehensweisen der Hersteller machen den E-MTB-Dschungel immer undurchsichtiger.

Testergebnisse

Das Cannondale Moterra SL1 überzeugt nicht nur mit seiner schicken Optik. Es setzt sich mühelos gegen einen Großteil des Testfelds durch und begeistert mit seinem breiten Einsatzbereich - egal, ob auf Flowtrails oder technischen Singletrails. Fahrspaß ist durch das intuitive Handling sowohl für Anfänger und Experten geeignet.

Das GIANT Trance X Advanced E+ Elite 0 V2 setzt auf den hauseigenen, kraftvollen GIANT SyncDrive Pro2 MG-Motor, der von einem 400-Wh-Akku gespeist wird. Optional kann er durch einen 200-Wh-Range Extender vergrößert werden. In Sachen Power gehört es zu den stärksten Bikes im Test, kann aber die Kraft durch das sehr direkte Ansprechverhalten und die schwach profilierten Reifen nicht auf den Boden bringen. Auf dem Trail wird es durch seine Ausstattung limitiert und ist nur schwer zu kontrollieren. Damit reiht sich somit im letzten Drittel des Testfelds ein...

Light-E-MTBs im Trend: Ein Kommentar

Bereits seit einigen Jahren werden mehr E‑Mountainbikes verkauft als „Bio“-Mountainbikes, also Räder ohne Elektromotor. Das Light-E-MTB könnte diesen Trend weiter verstärken und zum neuen Standard beim sportlichen Geländesportrad außerhalb der klassischen Radsportdisziplinen avancieren. Wem sich bisher E‑Mountainbikes mit ihrem brachialen Turboschub und hohem Gewicht zu sehr nach Motocross-Motorrad anfühlten, wer sich aber trotzdem Motorunterstützung wünscht, dürfte hier fündig werden.

Beide Segmente, Light- und Full-Size-E-MTB ersetzen sich nicht, sondern ergänzen sich. Das Argument, E‑MTB-Fahren sei kein Sport, ist ohnehin längst obsolet. Wer will, kann sich auch auf dem E‑MTB vollkommen verausgaben. Der Motor gibt dann nur das Seine dazu und katapultiert die Leistungsfähigkeit von Mensch und Maschine nahe an das Niveau von Profisportler:innen.

Auf diese Option zu verzichten, wenn sie mit so wenig Kompromissen verbunden ist wie beim Light-E-MTB, könnte in Zukunft zunehmend zur Minderheitenwahl werden. Für mich persönlich in jedem Fall: Light-E-MTBs rücken weniger technische Daten in den Mittelpunkt und eignen sich nicht fürs Superlativmarketing.

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