Leichte Enduro Laufräder im Test: Steifigkeit, Performance und Fahrgefühl

Die meisten Biker kennen das Gewicht ihres Bikes, aber kaum jemand kann die Steifigkeit beziffern. Dabei ist dieser Wert stark von der Kombination der Komponenten abhängig und hat je nach Fahrsituation einen unterschiedlichen Einfluss.

Moderne Enduro-Bikes werden immer länger, flacher und steifer. Vor allem Carbon ist von modernen Enduro-Bikes nicht mehr wegzudenken. Dabei ist vor allem die Gewichtsersparnis im Vergleich zu Alu das große Argument bei der Kaufentscheidung und viele der Highend-Ausstattungen sind mit den teureren Carbon-Parts versehen.

Für unseren Test haben wir zwei Specialized S-Works Stumpjumper EVO aufgebaut, um an ihnen verschiedene Laufradsätze, Lenker und Gabeln zu testen. Zudem haben wir alle weiteren Komponenten der Bikes wie Reifen, Griffe, Vorbauten, Dämpfer und Antrieb angepasst, um exakt identische Voraussetzungen zu schaffen. Mit gleichbleibendem Fahrwerks-Setup und Reifendrücken haben wir dann auf einer definierten Teststrecke unsere Runden gedreht und Stück für Stück Gabeln, Lenker und Laufräder durchgewechselt.

Auswirkungen der Steifigkeit auf die Fahreigenschaften

Steifigkeit hat in den verschiedenen Komponenten unterschiedliche Auswirkungen auf die Fahreigenschaften. Somit ist die Kombination der Parts, die man an seinem Bike fährt, entscheidend. Je nachdem, wie man steife und nachgiebige Parts kombiniert, bekommt man in unterschiedlichen Fahrsituationen höhere oder niedrigere Präzision.

Auch die Kraftübertragung in Anliegern oder Kompressionen und das Feedback, das vom Boden an den Fahrer weitergeleitet wird, ändert sich. Und nicht zuletzt gibt es große Unterschiede in der Ermüdung, die sich beim Fahren einstellt, je nachdem wie steif die Parts sind.

Jede Komponente trägt einen Teil dazu bei und hat eine eigene Auswirkung auf das Fahrgefühl. Es gibt also nicht das eine steife oder das ultimativ nachgiebige Bike.

Laufrad-Test: Carbon vs. Aluminium

Für den Laufrad-Test wurden drei verschiedene Modelle verwendet:

  • DT Swiss XMC 1200 (Carbon)
  • DT Swiss EX1700 (Aluminium)
  • Zipp 3ZERO MOTO (Carbon, auf Nachgiebigkeit ausgelegt)

DT Swiss XMC 1200: Diese Carbonfelgen bieten die höchste Präzision und ein sehr direktes Feedback. Um schnelle Anlieger fliegt man förmlich herum und auch beim Pushen über Wellen kann man mit diesen Laufrädern massig Speed generieren. Das macht sie vor allem auf Flowtrails super spaßig. Auf technischeren Strecken muss man mit dem ungefilterten Feedback jedoch zurechtkommen, denn seitliche Impulse werden direkt an den Fahrer weitergeleitet und fordern, dass man sofort und gekonnt reagiert.

DT Swiss EX1700: Die Alu-Laufräder im Test sind die DT Swiss EX1700. Sie sind in Kurven etwas schwammiger als ihre Kontrahenten und man spürt im Vergleich zu den Carbonfelgen deutlich den Flex, den sie in harten Kompressionen haben. Hier fehlt es etwas an Präzision und bei Anliegern oder Sprüngen geht im Vergleich zu Carbon Kraft verloren. In roughen Passagen ist es dafür mit ihnen einfacher, die Kontrolle zu halten, da nicht jeder Schlag direkt an den Fahrer weitergegeben wird und sich die Laufräder dem Boden anpassen. Dadurch sind sie weniger ermüdend zu fahren und auch nach einem langen Tag kann man noch entspannt durch das Steinfeld bügeln, ohne Sorgen vor unerwarteten Bewegungen des Bikes haben zu müssen.

Zipp 3ZERO MOTO: Die Zipp 3ZERO MOTO-Laufräder bestehen zwar aus Carbon, sie sind jedoch speziell auf Compliance - sprich Nachgiebigkeit - ausgelegt. Auf dem Trail kommen sie dem Fahreindruck eines Alu-Laufrads näher. Sie filtern Schläge ähnlich gut wie die DT Swiss EX 1700 Alu-Laufräder und sind damit auch auf rauen Strecken oder Bremswellen komfortabel. Das hilft an langen Tagen auf dem Bike, weil die Arme weniger stark ermüden. Trotzdem sind sie beinahe so präzise wie die DT Swiss XMC 1200. Statt das Beste aus beiden Welten zu vereinen, sind die Zipp-Laufräder ein gelungenes Mittelding.

Lenker-Test: Carbon vs. Aluminium

Auch bei den beiden Lenkern lassen sich ähnliche Unterschiede zwischen Alu und Carbon feststellen wie bei den Laufrädern.

  • TRUVATIV DESCENDANT (Carbon)
  • Aluminium Lenker

TRUVATIV DESCENDANT Carbon: Der TRUVATIV DESCENDANT Carbon hat eine spezielle Carbon-Laminierung, die Vibrationen eliminieren soll. Dennoch bietet er wenig Flex und ist spürbar unkomfortabler als das Pendant aus Alu. Die Unterschiede bei der Präzision sind hier aber deutlich geringer als bei den Laufrädern. Somit ist der Carbon-Lenker hauptsächlich für ambitionierte Racer sinnvoll.

Die Variante aus Alu bietet deutlich mehr Dämpfung und schont eure Hände auf ausgebombten Tracks.

Gabel-Test: RockShox ZEB Ultimate vs. RockShox Lyrik Ultimate

Die RockShox ZEB Ultimate hat 38 mm dicke Standrohre und somit andere Fahreigenschaften als die dünnere Lyrik. Die Luftkammer ist durch den größeren Durchmesser größer und benötigt somit weniger Druck. Auch die Steifigkeit ist höher, wobei hauptsächlich die Torsionssteifigkeit und Seitensteifigkeit erhöht ist - in Fahrtrichtung ist der Unterschied sehr gering.

In gemäßigtem Terrain fühlt man kaum einen Unterschied zwischen den Gabeln. Erst wenn es an harte Lines mit vielen Schlägen und starken Kompressionen geht, spürt man, dass die ZEB mehr Präzision und Kontrolle liefert. Straightline-Fahrer, die gerne die härtesten Linien fahren, profitieren von diesen Eigenschaften. Allerdings verspringt die ZEB bei seitlichen Schlägen eher statt nachzugeben, was mehr und präziseren Input des Fahrers erfordert. Besonders für leichte Fahrer ist sie daher anspruchsvoller zu fahren.

Die dünnere RockShox Lyrik Ultimate hat einen Standrohrdurchmesser von 35 mm. Durch die schlankere Bauweise ist die Lyrik etwas nachgiebiger, was sie einfacher zu fahren macht, besonders für leichte Fahrer. Bei Wurzel- oder Steinfeldern gibt sie seitlichen Schlägen nach und lässt sich dadurch nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Man muss also nicht ganz so aufmerksam fahren, da Unebenheiten auf dem Untergrund nicht so direkt an den Fahrer weitergegeben werden.

In starken Kompressionen oder bei schnell aufeinanderfolgenden Schlägen werden jedoch vor allem schwerere Fahrer die Verwindung in der Gabel spüren.

Fazit: Die richtige Kombination macht den Unterschied

Viele Eigenschaften, die man für gewöhnlich mit einem leichten Bike verbindet - das eben oft viele Carbon-Komponenten besitzt -, rühren nicht vom Gesamtgewicht des Bikes. Sie hängen stattdessen mit seiner Steifigkeit zusammen. So sind Agilität, Leichtfüßigkeit, Präzision, aber auch Nervosität und Unruhe bei hohen Geschwindigkeiten nur zu geringem Maße dem Gewicht zuzuschreiben. Die Gründe liegen vielmehr in den einzelnen Komponenten und dem dazugehörigen Rahmen.

Hier zählt also die richtige Kombination, denn eine zu steife Zusammenstellung macht eben so wenig Sinn wie eine zu weiche. Zudem haben der Einsatzbereich, der Fahrstil und vor allem das Fahrergewicht einen großen Einfluss auf euer Empfinden.

Für Hobbyfahrer, für die der Spaß auf dem Trail an oberster Stelle steht und denen es nicht um Bestzeiten geht, ist die Kombination aus Alu-Laufrädern, Alu-Lenker und Lyrik-Gabel sinnvoll. Damit hat man auch nach einem langen Tag auf dem Bike am wenigsten Probleme mit Armpump oder schmerzenden Händen, und kleine Fahrfehler werden von den nachgiebigen Komponenten geschluckt.

Wer gerne auf flowigen Trails unterwegs ist oder auf der Jagd nach der letzten Millisekunde ist und jede Bewegung präzise auf den Trail bringen möchte, der profitiert von Carbon-Laufrädern, Carbon-Lenker und ZEB-Gabel. Man benötigt in roughen Passagen zwar die Fitness und die Fahrskills, um mit dem super direkten Feedback der steifen Komponenten umzugehen. Dann profitiert man allerdings von der hohen Präzision und verliert keinen Schwung in die Verwindung von Parts in Anliegern oder harten Kompressionen.

Seid ihr viel im Bikepark unterwegs und verlangt euren Laufrädern den ein oder anderen Einschlag ab? Oder bringt ihr durch euer Gewicht etwas mehr Belastung für das Material mit? Dann braucht ihr ein sorgenfreies Setup. In dem Fall bietet sich ebenfalls ein Lenker und Laufradsatz aus Alu an. Diese Kombination verzeiht den ein oder anderen Fahrfehler und im Falle des Falles kann man auch mit einer leicht verbogenen oder eingedellten Felge fahren, ohne dass es ein Totalausfall wird.

Wer ein Setup sucht, das alles mitmacht, hohe Präzision bietet und trotzdem eine solide Dämpfung hat, ist mit den Zipp-Laufrädern gut beraten. Die sind steif genug, um in Anliegern oder Kompressionen weniger nachzugeben, aber trotzdem komfortabel genug, um den ganzen Tag armpumpfrei gefahren zu werden. Fahrer unter 85 kg sind dabei mit der Lyrik gut beraten, schwerere Fahrer tun gut daran, zur ZEB zu greifen.

Steifer bedeutet nicht automatisch besser! Aber steif ist auch nicht gleich steif. Die Kombination unterschiedlich steifer Komponenten erzeugt komplett verschiedene Fahreigenschaften - so kann man sein Bike auf seine Vorlieben oder seinen Fahrstil zuschneiden. Soll es lieber ein steifes, präzises, aber anspruchsvoll zu fahrendes Bike sein? Oder ist für euch wichtig, dass es leicht zu fahren, komfortabel und nachgiebig ist? Irgendwas dazwischen ist natürlich auch denkbar.

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