Ein Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, entsteht durch eine Schwachstelle in der Bauchwand. Er tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf und kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden.
Was ist ein Leistenbruch?
Ein Leistenbruch ist eine Erweiterung des Leistenkanals. Je nach Ausmaß des Bruchs kann ein Teil der Darmwand in diese Lücke rutschen. Typischerweise ist ein kleiner Leistenbruch an einer kleinen Wölbung im Leistenbereich zu erkennen, die sich wegdrücken lässt. Mediziner bezeichnen die Haut, die den Bauchraum auskleidet und die meisten Bauchorgane umfasst, als Bauchfell. In der Ausstülpung (Bruchsack) können sich aber auch Eingeweide des Bauchraums befinden (Bruchinhalt), zum Beispiel ein Stück Darm.
Ursachen und Risikofaktoren
Auslöser für einen Leistenbruch ist in der Regel ein erhöhter Druck auf die Bauchhöhle, wie er zum Beispiel beim Gewichtheben entstehen kann. Die Lücke entsteht aufgrund einer anatomischen Schwachstelle in der vorderen Bauchwand, dem sogenannten Leistenkanal.
Risikofaktoren für einen Leistenbruch können sein:
- Höheres Lebensalter (häufig ab dem 65. Lebensjahr)
- Familiäre Vorbelastung
- Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
- Rauchen
- Übergewicht
- Kollagenfasererkrankungen
- Bindegewebsschwäche
Kann Radfahren einen Leistenbruch verursachen?
Beim Rennradfahren ist der Bereich der Bauchhöhle normalerweise keinem so starken Druck ausgesetzt, es sei denn, man fährt eine extrem flache Sitzposition. Dann kann der untere Bauchbereich stark geknickt werden. Jedoch ist es auch dann eher unwahrscheinlich, dass alleine durch diese Belastung ein Leistenbruch entsteht. Auch das Fahren großer Gänge allein kann nicht zu einem Leistenbruch führen.
Wenn in der Familie bereits häufiger Leistenbrüche vorgekommen sind, ist es möglich, dass eine angeborene Neigung dazu besteht. Dann sollten extrem aerodynamische Sitzpositionen und langes Treten sehr dicker Gänge, wie etwa beim Sprinten oder Bergfahren, vermieden werden.
Symptome eines Leistenbruchs
Typisches Anzeichen für einen Leistenbruch ist eine Schwellung in der Leistengegend. Diese kann auch im Genitalbereich, also am Hoden oder an den Schamlippen auftreten. Oft lässt sich diese Vorwölbung kurzzeitig zurückdrücken.
Weitere Symptome können sein:
- Ziehen oder unangenehmes Druck- oder Fremdkörpergefühl
- Verstärkung der Beschwerden bei Druck auf den Bauch (z.B. beim Heben, Husten, Niesen, Stuhlgang, Sport)
- Nachlassen der Symptome in Ruhe oder im Liegen
Wann ist ein Leistenbruch gefährlich?
Sehr starke, plötzlich einsetzende Schmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen können darauf hindeuten, dass im Bruchsack Teile von Eingeweiden eingeklemmt wurden. Dies kann die Durchblutung des betroffenen Gewebes stören und zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung oder Bauchfellentzündung führen. Handelt es sich bei dem eingeklemmten Gewebe um ein Stück Darm, kann es auch zu einem Darmverschluss kommen. Die sogenannte Inkarzeration ist ein medizinischer Notfall, der innerhalb weniger Stunden operiert werden muss.
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Leistenhernie sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, also ein Allgemeinmediziner. Die Diagnose Leistenbruch stellt der Arzt oder die Ärztin mithilfe verschiedener Untersuchungen:
- Anamnese: Ausführliches Gespräch mit dem Patienten über Symptome, Vorerkrankungen und familiäre Vorbelastung.
- Tastuntersuchung: Untersuchung der Leistengegend auf eine Schwellung.
- Ultraschalluntersuchung: Zusätzliche Ultraschall-Untersuchung zur Beurteilung des Bruchs.
Bei der Diagnostik ist der dynamische Ultraschall besonders hilfreich. Prof. Henning Niebuhr hat das Verfahren maßgeblich mit entwickelt. Der dynamische Ultraschall ist sehr präzise und zeigt den Bruch bzw. seine Größe und Beschaffenheit sehr aufschlussreich.
Behandlung
Da es keine spontane Ausheilung eines Leistenbruchs gibt, kann nur eine Operation den Bruch beheben. Die Leistenbruch-OP soll den Bruchsack samt Inhalt zurück in die Bauchhöhle verlagern.
Es gibt verschiedene Operationsmethoden:
- Offene Operation: Der Chirurg arbeitet von außen über einen längeren Schnitt in der Haut. Die Bruchpforte wird mit dem benachbarten Bindegewebe vernäht oder mit einem Netz aus Kunststoff abgedeckt.
- Minimalinvasive Operation (Laparoskopie): Der Chirurg setzt kleine Hautschnitte, über die er eine Kamera sowie die Instrumente in den Bauchraum einführt. Bei dieser Art der Operation kommt immer ein Kunststoffnetz zum Einsatz.
Studien haben gezeigt, dass Operationen mit einem Kunststoffnetz seltener zu einem Rückfall führen, als Operationen ohne.
Welches Verfahren am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Alter des Patienten, der Art und Größe des Bruchs, den körperlichen Anforderungen im Beruf oder persönlichen Wünschen des Patienten.
Nach der Operation
Nach der Operation sollte für die ersten zwei Wochen auf schwere körperliche Aktivitäten und sportliche Aktivitäten wie Fahrradfahren, Fußballspielen oder Joggen verzichtet werden, um dem Körper die Zeit zu geben, das Netz gut im Gewebe zu verankern.
In der Regel können die Betroffenen nach zwei Wochen schon wieder vorsichtig mit Sport ohne große Belastung beginnen, etwa Rad fahren. Nach etwa vier Wochen ist eine höhere Belastung möglich.
Leichte Sportarten, wie Wandern können nach einer Woche wieder ausgeübt werden. Andere Sportarten, wie Joggen oder Ballsportarten, können beschwerdeadaptiert nach 2 bis 3 Wochen wieder begonnen werden. Die Belastung sollte langsam gesteigert werden und der Schmerzsymptomatik angepasst sein.
Fahrrad und Auto fahren sind spätestens nach Abschluss der Wundheilung (10-14 Tage) wieder möglich.
Nach einer Leistenbruch OP folgt ein stationärer Aufenthalt von ein bis drei Tagen. Währenddessen sind Sie schon wieder auf den Beinen. So ist schon am OP-Tag leichte Bewegung möglich. Die Wundheilung ist im Durchschnitt nach sieben bis zehn Tagen abgeschlossen.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus melden Sie sich bitte bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, damit sie bzw. er die Operationswunde und den allgemeinen Heilungsverlauf kontrollieren kann.
Empfehlungen für Radfahrer nach einer Leistenbruch-OP
Wenn Sie nach einer Leistenbruch-OP wieder mit dem Radfahren beginnen möchten, sollten Sie folgende Empfehlungen beachten:
- Warten Sie die Wundheilung ab: Beginnen Sie erst mit dem Radfahren, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist (in der Regel nach 7-10 Tagen).
- Steigern Sie die Belastung langsam: Beginnen Sie mit kurzen, lockeren Fahrten und steigern Sie die Distanz und Intensität allmählich.
- Achten Sie auf Ihren Körper: Hören Sie auf Ihren Körper und vermeiden Sie Überanstrengung. Bei Schmerzen oder Beschwerden sollten Sie das Training unterbrechen.
- Vermeiden Sie extreme Sitzpositionen: Vermeiden Sie in den ersten Wochen nach der OP extrem flache Sitzpositionen, bei denen der untere Bauchbereich stark geknickt wird.
- Passen Sie Ihr Fahrrad an: Verwenden Sie ein Cityfahrrad mit einem moderat breiten Sattel, einer moderaten Sitzposition (Lenkerhöhe gleich Sattelhöhe), dicken Reifen und mittlerem Reifendruck.
- Vermeiden Sie Stöße: Fahren Sie auf relativ brauchbarem Asphalt und vermeiden Sie Unebenheiten.
- Schützen Sie die Wunde: Kleben Sie die Wunden am Bauchnabel vor der Fahrt ab, um Reibung durch den Hosenbund zu vermeiden.
Nach einer Operation können folgende Beschwerden auftreten:
- Stöße von unten (dagegen helfen: dicke Reifen mit reduziertem Luftdruck, sonstige Federungssysteme aller Art, Unebenheiten vorsichtig angehen)
- Die Sattelnase drückt auf den leicht angeschwollenen und ggf. blutunterlaufenen Damm (dagegen hilft: ein etwas breiterer und weicherer Sattel als sonst, Sitzposition anpassen, keine langen Touren, Pausen zwischendurch, immer mal wieder den Hintern aus dem Sattel heben (z.B. beim Überfahren von Unebenheiten))
- Der Hosenbund drückt auf die und scheuert an den OP-Wunden am Bauchnabel (dagegen hilft: vor der Fahrt die Wunden abkleben)
Gymnastik kann vorbeugen, kräftigen Sie dabei die gerade und schräge Bauchmuskulatur.
Vorbeugung
Um einem Leistenbruch vorzubeugen, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Vermeiden Sie starkes Pressen beim Stuhlgang.
- Heben Sie schwere Lasten richtig (aus den Beinen, nicht aus dem Rücken).
- Stärken Sie Ihre Bauchmuskulatur durch regelmäßiges Training.
- Vermeiden Sie Übergewicht.
- Verzichten Sie auf das Rauchen.
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