Leistungsmessung beim Radfahren: Ein umfassender Leitfaden

Du sitzt auf dem Rad, die Sonne geht auf, die Straße liegt ruhig vor dir - und du hast ein klares Ziel: schneller, stärker, und effizienter zu werden. Aber wie genau schaffst du das? Ein Leistungsmesser kann der Schlüssel sein, um deine Trainingseinheiten auf das nächste Level zu heben. Doch wer sich auf die Suche nach dem richtigen System begibt, merkt schnell: Die Auswahl ist riesig! Einseitig oder beidseitig? Pedal- oder Kurbel-basiert? Im Wirrwarr der Optionen stellt sich die Frage: Welches System passt wirklich zu mir und meinen Zielen? In diesem Beitrag schauen wir uns die verschiedenen Leistungsmesser genauer an und finden heraus, welche Lösung dich am besten unterstützt - damit dich jede Fahrt näher zu deinem persönlichen Erfolg bringt.

Was ist ein Leistungsmesser und warum brauche ich ihn?

Die Leistungsmessung im Radsport hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und bietet immer präzisere Möglichkeiten zur Analyse und Optimierung des Trainings. Leistungsmesser stellen die Daten zur Leistung dar und sind, seit deren Erfindung in den 80er Jahren durch Ulrich Schoberer, ein unverzichtbares Instrument für die Trainingssteuerung. Im Gegensatz zur Herzfrequenz oder Geschwindigkeit, die durch externe Faktoren wie Temperatur, Regeneration und Wetter beeinflusst werden, gibt die ermittelte Leistung eine exakte Aussage über die tatsächlich auf das Pedal geleistete Energie.

Wie funktioniert ein Leistungsmesser?

Das Messprinzip ist seit Ulrichs Patent aus dem Jahr 1987 unverändert geblieben. Dehnungsmesstreifen werden am entsprechenden Bauteil angebracht und nehmen die Materialverformung bzw. Dehnung auf. Um die Leistung des Radlers zu bestimmen, misst ein Powermeter die Materialverformung in Pedal, Kurbelarm oder Kurbel und setzt sie ins Verhältnis zur Trittfrequenz. Sie alle funktionieren im Kern gleich und unterscheiden sich schlicht darin, wo genau die Materialverformung gemessen wird. Powermeter messen also Daten und leiten diese weiter.

Die Vorteile der Wattmessung

  • Genauigkeit: Äußere Faktoren beeinflussen das Ergebnis weniger.
  • Ein Powermeter eliminiert Faktoren wie Gegenwind und Steigungen, die die zurückgelegte Distanz oder den Puls beeinflussen, und sticht die Sportuhr oder den Pulsgurt als Analysetool aus.
  • Ein Powermeter misst die tatsächlich erbrachte Leistung.

Wattmessung vs. Pulsmessung

Beim Training können Berge und Wind den Puls und die Geschwindigkeit als Leistungsparameter verzerren. Zudem reagieren Herzfrequenzmesser immer verzögert auf Belastungsänderungen. In der Regel dauert es nach einer Tempoverschärfung oder dem Einstieg in einen Berg einige Sekunden bis der höhere Puls angezeigt wird.

Während die Wattleistung der wahren „Motorleistung“ entspricht - also dem gesamten Output des Systems aus Muskeln, Herz, Knochen, Gelenken - zeigt die Herzfrequenz sozusagen nur die Arbeit der Treibstoffpumpe an. Mit Pulsmesser ließe sich zwar auch trainieren, aber man zäumt das Pferd dabei eigentlich von hinten auf.

Vor- und Nachteile von Wattmessung und Pulsmessung im Vergleich

Hier nun eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Wattmessung und Pulsmessung bei Triathleten in Training und Wettkampf:

Vorteile der Wattmessung

  • Direkte und schnelle Rückmeldung über die Belastungsintensität
  • Gezielterer Formaufbau durch besseres Timing vor Wettkämpfen
  • Die Leistungsentwicklung, Trainingseffekte und Wettkämpfe können gut analysiert werden
  • Besseres Pacing im Wettkampf möglich, und damit Vermeidung von „Überzocken“
  • Die Ermüdung kann ebenfalls als Faktor quantifiziert werden, sodass man ein besseres Gefühl für den Grad der Gesamtbelastung entwickeln kann
  • Genaue Berechnung der verbrauchten Kalorien bzw. Kilojoule, und damit exakteres „Nachfüllen“ bei der Nahrungsaufnahme möglich
  • Motivationsfördernd für härteres Training, da man eine direktere und klarere Rückmeldung (und Erfolgsmeldung) bekommt
  • Die Erfahrung zeigt, dass manche Athleten ihre Spitzenleistung im Wettkampf erst durch wattgesteuertes Training erreichen - manchmal sogar erst im Alter
  • Kurze intensive Intervalle können besser gesteuert werden
  • Keine aufwändige und eventuell fehleranfällige Laktatdiagnostik mehr nötig; Trainingszonen und -fortschritte können mit Hilfe von selbst auf der Straße gefahrenen Feldtests ermittelt werden

Vorteile der Pulsmessung

  • Technisch einfacher, leicht zu bedienen und zu installieren bzw. zu warten (keine Montage, Kalibrierung etc. nötig)
  • Etablierte Methode mit vielen Langzeiterfahrungen
  • Reagiert auf körperliche Einflüsse wie Krankheiten, Übertraining, Stress, Schlafmangel etc. und kann damit dabei helfen, sich nicht zu hoch zu belasten, wenn es nicht sinnvoll oder sogar gefährlich ist
  • Günstig

Nachteile der Wattmessung

  • Bezieht körperliche Faktoren für die Leistungsfähigkeit nicht mit ein (Müdigkeit, Tagesform, Stress, Infekte, Übertraining etc.)
  • Die Messung und Erfassung der Daten ist technisch aufwändig
  • Das Körpergefühl kann darunter leiden, wenn man sich zu sklavisch und zahlenversessen an die Werte auf dem Display klammert
  • Teuer

Nachteile der Pulsmessung

  • Reagiert auf Umgebungsfaktoren wie vor allem Temperatur und Feuchtigkeit, welche die Pulsfrequenz beeinflussen, aber eigentlich nichts mit der wirklichen Trainingsbelastung zu tun haben (Achtung zum Beispiel im Hochsommer und beim Spinning!)
  • Tragen des Pulsgurts ist lästig (und Systeme ohne Pulsgurt meist nicht sehr genau)
  • Reagiert nur mit Verzögerung auf Veränderungen der Leistungsintensität - besonders nachteilig beim Fahren kurzer Intervalle!

Einseitige oder beidseitige Leistungsmessung?

Einseitige Leistungsmessung: effizient und ausreichend. Die einseitige Leistungsmessung erfasst nur die Leistung eines Beins, meist des linken, und verdoppelt diesen Wert, um die Gesamtleistung zu schätzen.

Beidseitige Leistungsmessung: präzise und differenziert. Die beidseitige Leistungsmessung misst die Leistung für jedes Bein separat. Dadurch wird eine detaillierte Analyse des individuellen Tretmusters und der Symmetrie ermöglicht.

Ob eine einseitige oder eine beidseitige Leistungsmessung sinnvoller ist, hängt stark von den individuellen Zielen, Bedürfnissen und Voraussetzungen des Sportlers ab. Für die allgemeine Trainingssteuerung und die Einhaltung der Trainingsbereiche ist eine einseitige Messung völlig ausreichend und kosteneffizient.

Details zu den Messsystemen

Bei einseitigen Systemen wird die gemessene Kraft verdoppelt und darüber die Gesamtleistung angenommen. Da unsere Beine in der Regel nicht gleich stark sind, ist hier ein gewisser Fehler enthalten. Bei beidseitigen Systemen wird noch einmal zwischen der „gemeinsam" beidseitigen und der individuell beidseitigen Messung unterschieden.

Werden beide Beine individuell erfasst, benötigt der Powermeter zwei unabhängig voneinander messende Sensoren plus die dazugehörigen Sendeeinheiten. Aktuell können das nur die Pedal-Powermeter, der Shimano-Powermeter mit Dehnmessstreifen in beiden Kurbelarmen und die Rotor-2INPower-Systeme mit Sensoren in der Kurbelachse und im rechten Kurbelarm. Sie erfassen die gesamte Kurbelumdrehung, also die Druck- und die Zugphase für jedes Bein.

Bei einem gemeinsam beidseitig messenden System wird dagegen eine Hälfte einer Kurbelumdrehung dem einen Bein und die andere Hälfte dem anderen Bein zugeordnet und so die Gesamtleistung berechnet. Das ist das Funktionsprinzip der SRAM- und Quarq-Powermeter, deren Messsensoren entweder im Spider oder im Kettenblatt sitzen.

Wann ist welche Messung sinnvoll?

Suchst Du einen Powermeter für eine leistungsbasierte Trainingssteuerung, als Kontrollinstanz zum Pacing oder zum Einstieg in die Powermeter-Welt, ist eine einseitige Messung ausreichend.

Beidseitig messende Systeme sind vor allem dann für Dich interessant, wenn Du weißt, dass Du eine nennenswerte Dysbalance zwischen beiden Beinen hast. Zum Beispiel, wenn Du von einer Verletzung zum Training zurückkehrst, durch die ein Bein stärker geschwächt wurde.

Möchtest Du Dich mit dem Bewegungsablauf beim Pedalieren und der Effizienz Deines Tritts genauer auseinandersetzen, ist ein getrennt beidseitig messendes System empfehlenswert.

Die verschiedenen Arten von Leistungsmessern

  • Kurbelarm-Powermeter: Beginnen wir mit dem Kurbelarm-Powermeter, weil es mit dem Pedal-Powermeter der einfachste und günstigste Einstieg in die Welt der Wattmesser für das Rennrad ist. Kurbelarmsysteme messen in der Regel nur einseitig, also nur den Druck eines Beins, der dann mit dem Faktor zwei multipliziert wird.
  • Pedal-Powermeter: Pedal-Powermeter bieten gegenüber dem einseitigen Kurbelarm einen praktischen Vorteil: Die Montage gelingt noch einfacher. Das dürfte vor allem für Besitzer mehrerer Räder interessant sein, die keine Lust haben, mehrere Wattmesser zu kaufen und die ein Interesse daran hegen, die Powermeter schnell zu wechseln.
  • Kettenblatt-Powermeter: Powermeter, die sich am Kettenblatt befinden, messen in der Regel die Kraft des linken und rechten Beins.

Der FTP-Wert: Ihre persönliche Leistungsschwelle

Um den Trainingsfortschritt zu erkennen, nutzen Sportler gern den sogenannten FTP-Wert. Dieser lässt sich mit Powermetern besonders gut ermitteln, weil ihre Daten unabhängig von äußeren Faktoren sind. FTP steht für "Functional Threshhold Power", was wörtlich übersetzt "funktionelle Schwellenleistung" bedeutet.

Den FTP-Wert zu ermitteln, ist in der Theorie relativ leicht. Entweder, Sie fahren 20 Minuten so schnell wie Sie können, berechnen den Durchschnitt des Messwerts des Powermeters und multiplizieren das Ergebnis mit 0,95. Oder Sie radeln einfach 60 Minuten mit Ihrer Höchstleistung und errechnen aus den Daten des Powermeters den Durchschnitt.

Die Functional Threshold Power (FTP) ist die höchste Leistung, die ein Radfahrer über einen Zeitraum von etwa einer Stunde aufrechterhalten kann, ohne zu ermüden.

Wie wende ich den FTP-Wert an?

Um aus dem FTP-Wert Ableitungen für dein Training machen zu können, hat Dr. Coggan verschiedene Trainingszonen definiert, die sich wie folgt aufteilen:

FTP-Bereich Trainingszone Beschreibung
< 55% Aktive Regeneration (Rekom) Leichte Ausfahrten, ideal nach einem harten Wettkampf.
55% - 75% Grundlagenausdauer (GA1) Training für lange, langsamere Distanzen.
75% - 90% Tempo-Zone (GA2) Schnellere Gruppenfahrten oder Radmarathons.
90% - 105% Laktatschwelle (Entwicklungsbereich (EB)) 30-90-minütige Triathlon- oder Zeitfahr-Wettkämpfe.
105% - 120% VO2max Zwischensprints oder kurze Anstiege im Wettkampf.
>= Laktattoleranz Laktattoleranz Intensive Intervalle von 30 Sekunden bis 2 Minuten oder beim Zielsprint.

Training mit dem Powermeter

Beginnen wir unser Training mit dem Powermeter, ergibt es also Sinn, erst einmal den FTP-Wert zu ermitteln, dann zu trainieren und in einem Monat später den gleichen Test noch einmal zu wiederholen.

Wer mit einem Leistungsmesser trainiert, sammelt dabei jede Menge Daten. Ob in den Pedalen, der Kurbel, am Kettenblatt oder direkt in der Nabe. Powermeter gibt es inzwischen in unzähligen Varianten - und sie werden bei Hobbysportlern immer beliebter.

Am Ende jeder Fahrt erscheint nämlich im Display bzw. der Auswertungssoftware eine meist vierstellige gewichtige Zahl mit dem Kürzel „kJ“. Dieses steht für Kilojoule und zeigt die umgesetzte Energie an. Wer beispielsweise 3 Stunden lang kontinuierlich mit 150 Watt fährt, hat folgendes investiert: 150 Joule x 10800 Sekunden = 1.620 000 Joule oder eben 1.620 Kilojoule.

Solch ein Fahren nach Kilojoule macht beispielsweise im Trainingslager Sinn, wenn man aufgrund der Topographie oder Gruppendynamik nicht die Intervalle wie zuhause geplant fahren kann. Daher gibt er den Athleten, die er betreut, einfach Kilojoule-Vorgaben mit auf die Reise. Entscheidend dabei ist, dass der Athlet auf den vorgegebenen Energieumsatz kommt.

Ein wichtiger Aspekt ist die Energieversorgung. Ein batteriebetriebener Leistungsmesser hat den Vorteil, dass Ersatzbatterien einfach in die Trikottasche passen - praktisch für lange Ausfahrten oder Wettkämpfe, bei denen man ungern auf Wattwerte verzichten möchte. Ein Akkusystem hingegen erfordert regelmäßiges Laden. Wird das einmal vergessen, könnte die nächste Einheit wattfrei ausfallen.

Abnehmen mit dem Powermeter

Abnehmen mit dem Powermeter - klingt zugegeben wie die verheißungsvolle Schlagzeile „Schlank in 2 Tagen“, aber der Powermeter bzw. das Training per Leistungsmessung kann tatsächlich dabei helfen, „Gewicht zu machen“. Was auch hier zählt ist der Energieumsatz.

Wer also abnehmen und trainieren will, sollte hier ein wenig kulinarische und sportliche Buchführung betreiben, um am Ende des Tages tatsächlich ein angestrebtes Defizit zu erreichen. Allerdings gibt es dabei einige Dinge zu berücksichtigen.

Um diese „unnützen“ Kilometer zu verhindern, sollte der Athlet während des Fahrens immer seine momentane Leistung in Watt mit seinen vorgegebenen Trainingszonen bzw.

Den Powermeter als Testinstrument nutzen

Wer einen Powermeter nutzt, sollte ihn nicht nur zum Fahren nach Zahlen einsetzen, sondern auch als „Testinstrument“. Richtig angewendet, lassen sich per Leistungsmessung die Trainingsbereiche perfekt im Selbstcheck ermitteln.

Wichtig dabei ist, hier immer standardisierte Bedingungen zu schaffen und die Umwelteinflüsse zu minimieren. Hier sind die Topografie und der Wind zu nennen, die das Ergebnis verzerren können.

Alle 6 bis 8 Wochen lohnt solch eine Standortbestimmung; nicht nur um die Trainingsbereiche anzupassen, sondern auch als Formcheck. Gerade bei Hobbysportlern zeigt sich, ob das Training zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und zur Verbesserung des Fettstoffwechsels und der Erholungsfähigkeit tatsächlich gefruchtet hat.

Das Pacing mit dem Powermeter

Wer den Powermeter einsetzt, um sich seinen Leistungsoutput gut einzuteilen, kann bessere Ergebnisse erzielen. Das bedeutet dann tatsächlich, nach Zahlen zu fahren. Ein Radmarathon wie der Ötztaler werden energetisch gepaced, da hier die zur Verfügung stehende Energie beziehungsweise der Kohlenhydratverbrauch der limitierende Faktor ist.

Gerade Einsteigern in dieser Disziplin hilft ein Leistungsmesser. Sie bekommen so ein Gefühl für ihre Power und laufen nicht Gefahr, sich zu Beginn zu sehr zu verausgaben. Wichtig: „Bei Zeitfahren bewegten sich auch Profis in einem Watt-Korridor. Es gibt also nicht en einen fixen Wert.

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