Die Bedeutung eines optimalen Cockpits für Mountainbikes wird oft unterschätzt. Neben Pedalen und Sattel stellen Lenker und Vorbau die dritte wichtige Kontaktstelle zwischen Fahrer und Bike dar. Ein passendes Cockpit ist daher unverzichtbar, egal ob man als Trail-Tourer besonders viel Wert auf Komfort legt oder als Race-Pilot vor allem die perfekte Kontrolle sucht.
Früher galt: „Ein Vorbau musste mindestens 130 Millimeter lang sein und der Lenker durfte kaum breiter als die Schultern sein.“ Heute hat sich der Trend komplett gedreht. Sicherheit und Kontrolle wird nun groß geschrieben und eine Streckbank wie anno dazumal gehört der Vergangenheit an.
Die Qual der Wahl: Lenkerarten und Materialien
Wer sich an die Suche nach dem perfekten MTB-Lenker herantraut, braucht etwas Geduld, wird aber mit Fahrspaß belohnt. Klar passt der Lenker, der jetzt gerade auf eurem Bike montiert ist - so lange, bis ihr einen ausprobiert, der besser passt. Es gibt einige deutliche Anzeichen dafür, dass ein Wechsel sinnvoll sein könnte. Dazu zählen taube Finger, schmerzende Handflächen oder Schultern, Armpump, das Bedürfnis, die Hände auszuschütteln, oder häufiges Umgreifen auf der Suche nach einer komfortablen Position.
Ein Lenker ist viel mehr als nur seine Breite, seine Dicke und sein Werkstoff. Zu seinen Eigenschaften gehört außerdem, in welchem Winkel seine Enden vertikal nach oben (Upsweep) und horizontal zum Fahrer hin abgewinkelt sind (Backsweep). Diese Werte werden in Grad angegeben und das Optimum ist stark von persönlicher Vorliebe abhängig. Viele Modelle bewegen sich aber bei ähnlichen Sweep-Maßen.
Wie beim Rahmenmaterial dominieren auch beim Lenker die Werkstoffe Carbon und Aluminium die MTB-Welt. Gleiche Maße wie Breite, Rise und Lenkerklemmung vorausgesetzt, ist ein Carbon-Lenker leichter oder kann noch steifer gebaut werden. Er kann aber auch mit mehr Eigendämpfung entwickelt werden, um Vibrationen zu filtern, was zu weniger Ermüdung führt. Carbon ist allerdings auch teurer als Aluminium.
Carbon oder Aluminium?
„Aber Carbon ist besser als Alu, oder?” Darauf ein klares „Jein”. Aufgrund ihres mehrlagigen Aufbaus, ihres ganz spezifischen Lay-Ups also, können Carbon-Parts wie Lenker je nach Konstruktion von butterweich über genau richtig bis hin zu knüppelhart so ziemlich alles sein - ähnlich wie Aluminium, das je nach Materialeinsatz und Wandstärke ebenso unterschiedliche Steifigkeitswerte bietet. Einen eindeutigen Werkstoff-Sieger kann man bei Lenkern nicht benennen. Was wir aber wissen, ist, dass hochwertige Carbon-Lenker leichter, aber auch deutlich teurer sind als Metall-Alternativen.
Auch Alu ist ein hervorragendes Lenkermaterial. Mit Aluminium lassen sich bei vertretbarem Gewicht sehr steife Lenker bauen, die zudem bei Stürzen oder intensiver Belastung unempfindlicher sind. Wer etwa dauerhaft mit Lenkertaschen unterwegs ist, unter dessen Fixierungsbändern gern mal Dreck am Lenker reibt, ist mit Alu definitiv besser beraten. Zudem ist Aluminium nahezu beliebig oft recycelbar und damit trotz der relativ hohen Energiekosten bei der Herstellung ein recht umweltfreundlicher Werkstoff. Nicht zuletzt sind Aluminium-Lenker günstiger.
Die Bedeutung von Breite, Rise, Upsweep und Backsweep
Ein zentraler Schritt auf dem Weg zum perfekten Lenker ist, die für sich richtige Breite herauszufinden. Das braucht ein paar simple Tests, die aber kein Geld kosten, sondern nur einen vorhandenen Lenker und etwas Entschlossenheit erfordern. Ballert ihr am liebsten schnell und hart in der Falllinie, dann denkt euch ein paar Millimeter für mehr Stabilität dazu. Tänzelt ihr lieber verspielt durch enge Waldtrails, dann startet ein bisschen kürzer für extra Agilität.
Heiß diskutiert wird aktuell der Rise von MTB-Lenkern, also der absolute Höhenunterschied von Klemmung zum Griffende. Wie auch beim Stack von MTB-Rahmen, also der Höhendifferenz zwischen Tretlager und dem oberen Ende des Steuerrohrs, ist auch bei Lenkern ein Trend zu mehr Rise zu erkennen. Je höher das Cockpit, desto aufrechter ist die Position auf dem Rad und desto weiter verschiebt sich der Körperschwerpunkt in Richtung Hinterrad. Das entlastet zum einen strapazierte Handflächen, zum anderen kann mehr Rise Sicherheit auf steilen Abfahrten bringen, weil er uns tendenziell hinter statt über dem Lenker aka dem Abgrund platziert.
Eng zusammen mit dem Rise hängt der Upsweep. Dieser Begriff bezeichnet die Biegung des Lenkers nach oben, gemessen in Grad zwischen der Mittelachse des Lenkers und dem Griffbereich. Beim Upsweep ähneln die meisten Lenker einander. Zu viel Upsweep kippt das Handgelenk stark nach innen. Werte zwischen drei und acht Grad sind üblich. Weil der Upsweep stark mit Lenkerbreite und Rise zusammenhängt, geben manche Hersteller ihn nicht separat an.
Spannender ist der Backsweep. Wieder ein Winkel, diesmal die Biegung des Lenkers nach hinten. Ergonomisch gesehen eröffnet der Backsweep eine breite Spielwiese. Ein Lenker mit einem geringen Backsweep zwischen 5° und 8° erleichtert eine dynamisch angewinkelte Ellenbogenposition direkt aus dem Fahrtechniklehrbuch und sorgt so für viel Kontrolle über das Vorderrad und viel Bewegungsfreiheit beim Wegschlucken von Wellen oder Drops. Gleichzeitig erhöht eine solche Lenkerform die Belastung auf die Handgelenke.
Ausgewählte Lenker und Griffe im Detail
Hier eine Auswahl von Lenkern und Griffen, die auf dem Markt erhältlich sind, mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Vorteilen:
- Newmen Evolution SL 318.2 Vorbau und Advanced Lenker: Leichtbau-Kombination ohne Gewichtsbeschränkung, die Steifigkeit und Flexibilität gut ausbalanciert.
- Levelnine Lenker: Deren Design soll für eine besonders natürliche Arm- und Handhaltung sorgen.
- Joystick Analog Carbonlenker: Das Verhältnis von Stabilität und Gewicht wurde im Labor optimiert und hat sich bereits bei der Downhill-WM und beim Rampage bewährt.
- Enve M7 Mountain Handlebar: Der neue 35-mm-M7-Lenker und -Vorbau wird als das ultimative Enduro-Setup angepriesen und soll ein steifes, aber dennoch nachgiebiges Fahrverhalten bieten.
- SQlab 3OX: Der Fahrradlenker von Sqlab ist ergonomisch geformt, um eine komfortable Griffposition zu gewährleisten.
- RXL SL Carbon Riser Lenker: Der RXL SL Carbon Riser Lenker überzeugt mit einem Durchmesser von 31,8 mm für Stabilität und einem 3K-matten Erscheinungsbild für Ästhetik.
- Fifty-Fifty Riser Lenker: Der Lenker ist aus 6061 Aluminiumlegierung gefertigt, was ihn sowohl langlebig als auch stark macht.
Frozen Cool Grips: Gut aussehen und gleichzeitig komfortabel sein - genau das ist das Motto der Frozen Cool Grips. Ihre Gummimischung sorgt dafür, dass auch lange Tage auf den Trails angenehm zu meistern sind. Gleichzeitig sind die Griffe aber auch für die kurze Runde im Hinterhof gut geeignet. Das Griffmaterial ist dabei UV-beständig und strapazierfähig.
Bikeyoke Grippy: Mit Liebe zum Detail hat Bikeyoke den Grippy entwickelt. Der asymmetrisch und in Wabenstruktur designte Zwei-Komponenten-Griff bietet zur Auflage ein dickeres Profil, während die Grifffläche der Finger ein niedrigeres Profil aufweist. Das Ergebnis ist eine Kombination aus hohem Komfort und festem Grip - sowohl mit als auch ohne Handschuhe.
Absolute Black Silikongriffe: Die Silikongriffe von Absolute Black überzeugen zum einen durch ihre spannende Optik und zum anderen durch ihre durchdachten Details. Das Grundmaterial ist deutlich dichter als bei vielen Konkurrenten, wodurch die Griffe robuster werden.
Pacific North West Loam Grip: Loam ist das englische Wort für Lehm. Das zeigt bereits an, was die Haupteigenschaft des Loam Grip von Pacific North West ist: Der Mountainbike-Griff besteht aus extrem klebrigem Material und ist damit genau richtig für all diejenigen, die ihre Hände immer fest am Lenker haben wollen. Praktisch: Durch seine Länge von 133,5 Millimetern haben auch größere Hände Platz.
Lizard Skins Machine-Lock-on-Griff: Lizard Skins sind Experten für den besten Grip am Sportgerät - egal ob am Hockeyschläger, am Gamecontroller oder am Mountainbike. Der Machine-Lock-on-Griff bietet eine fein strukturierte Oberfläche für viel Komfort und ein bewährtes Waffelmuster an der Unterseite für viel Grip. Robustes Material macht die Griffe besonders widerstandsfähig.
Meaty-Paw-Lock-on-Griffe: Wenn die Hände dann zurück zum Lenker gehen, stehen da die Meaty-Paw-Lock-on-Griffe bereit. Mit einer extradünnen Innenhülle und einem großen Durchmesser vermitteln sie jedem das Gefühl, Kyles „große Pranken“ zu besitzen.
Ergon GE1 Evo: Der GE1 Evo soll die Griffigkeit am Lenker erhöhen und so das Risiko von Arm-Pump und einschlafenden Händen minimieren. Der bewährte GE1 Evo von Ergon kommt 2020 überarbeitet und mit neuen Farben. Die Alu-Klemmung schillert im regenbogenfarbenen Oil Slick. Wie von den Vorgängermodellen gewohnt, unterstützt die leichte Drehung der Griffflächen eine optimale Stellung der Ellenbogen.
Tune Angriff-Griffe: Die Tune-Angriff-Griffe bestehen zu 100 Prozent aus Silikon. Das aufgelaserte Muster verbessert noch einmal den Halt, und das Material besticht durch seine Eigendämpfung. Tune-typisch ist aber vor allem das extrem niedrige Gewicht von weniger als 80 Gramm.
ODI Elite Pro Lock-On 2.1: Wer Griffe sucht, die komfortabel und zugleich robust sind, ist bei den Odi Elite Pro Lock-On 2.1 richtig. Diese verfügen unter anderem über verstärkte Lenkerendkappen, die die Abnutzung des Griffs verringern und so die Lebensdauer verlängern. Komfort bringt die erhöhte, gerippte und dämpfende Polsterung.
Sensus Lite / Disisdaboss!: Noch immer stehen bei der Firma Sensus Griffe im Fokus, auch wenn das Zubehörsortiment weiter angewachsen ist. Die Griffform dämpft und bietet doch eine perfekte Verbindung zum Lenker. Das Sortiment reicht vom extraleichten, schmalen Griff bis hin zum Disisdaboss! Signature Griff von ... ja, wem wohl?
Die richtige Montage und Anpassung
Beim Übertragen des Lenkers von einem anderen Vorbau müssen Griffe und Armaturen demontiert werden, um das Teil durch den Evolution SL Vorbau zu fädeln. Dies wiederum bereitet keinerlei Probleme. Leider weist der Advanced Carbon-Lenker keine Markierungen zum Kürzen auf.
Mit dem Lenker-Rise kannst Du relativ einfach Deine gewünschte Cockpit-Höhe an Stack-Höhe, Steuerrohrlänge und Gabel-Einbauhöhe Deines Bikes anpassen. Allgemein sorgt ein niedriges Cockpit für viel Druck auf dem Vorderrad und verhindert, dass es beim Klettern steigt. Ein höheres Cockpit macht die Sitzposition entspannter und reduziert Überschlaggefühle, wenn es steil bergab geht.
Vorsicht ist außerdem bei dicken Lenkern mit 35 mm Klemmmaß am Vorbau geboten! Die sehen fett aus und machen optisch mehr her als die dünnere 31,8-mm-Alternative, könnte man zwar urteilen. Doch ein größerer Durchmesser bedeutet tendenziell mehr verbautes Material und damit mehr Steifigkeit. Das kann gut sein - oder aber auch zu viel des Guten.
Schutz für den Lenker
Ein Carbon-Lenker ist in der Regel eine kostspielige Investition. Fällt das Bike, unbedacht abgestellt, um oder stürzt du, ist es oft die Lenkeraußenkante, die den ersten und damit kräftigsten Stoß abbekommt. Carbon ist leicht, aber auch spröde und bricht gerne bei zu hoher Krafteinwirkung. Die FusePlugs Lenkerstopfen dienen als Elastomerpuffer und absorbieren einen Teil der Aufprallenergie.
Testergebnisse und Empfehlungen
Im aktuellen BIKE-Lenkertest mussten sich daher erneut Lenker-Vorbau-Kombinationen beweisen - vom Cross-Country- bis hin zum Enduro/Downhill-Einsatz, aus Alu und Carbon. Die Testergebnisse zeigen einen positiven Trend in Sachen Haltbarkeit und Sicherheit. Statt nur 24 Prozent schaffen diesmal 45 Prozent der Lenker-Vorbau-Kombinationen die Maximal-Hürde von 250.000 Lastwechseln und halten damit auch langjährigem Downhill oder sogar E-MTB-Einsatz stand.
Tabellarische Übersicht ausgewählter Lenker
| Lenker | Material | Breite | Rise | Backsweep | Upsweep |
|---|---|---|---|---|---|
| SQlab 3OX | Aluminium | 780 mm | Variabel | Variabel | 4° |
| RXL SL Carbon Riser | Carbon | 760 mm | 18 mm | - | - |
| Fifty-Fifty Riser | Aluminium | 780 mm | 35 mm | - | - |
| Renthal Fatbar Carbon | Carbon | - | - | 7° | 5° |
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