Die Empfehlung der Profis zur Lenkerbreite beim Rennrad

Eine gute Sitzposition ist entscheidend für den Fahrspaß und die Leistung auf dem Rennrad. Bevor Sie mit dem Bikefitting beginnen, sollten Sie einige wertvolle Tipps zur Auswahl der richtigen Rahmengeometrie beachten.

Die Wahl der richtigen Rahmengeometrie

Führen Sie einen "einfachen Check" durch, um sicherzustellen, dass das Rad an Sie anpassbar ist und die Rahmenhöhe nicht völlig daneben liegt. Beim Kauf sollte der Händler Ihre Körpermaße nehmen, Sie bei der Auswahl der Komponenten beraten und das Rad entsprechend "fitten". Einsteiger fühlen sich oft mit einer kompakten und aufrechten Sitzposition wohl.

Grundlagen des Bikefittings

Im Folgenden sind die Grundlagen eines Bikefittings mit einfachen Tools zum Selbermachen beschrieben. Bike Fittings können Winkel an Hüfte, Schulter und Ellbogen exakt bestimmt und optimiert werden. Außerdem erfordern Einstellarbeiten am Cockpit fortgeschrittene Schrauberkenntnisse.

Schrittlänge messen

Zunächst messen Sie Ihre Schrittlänge. Ziehen Sie Ihre Schuhe aus und stellen Sie sich auf einen harten Boden. Klemmen Sie die Wasserwaage mit leichtem Druck nach oben in Ihren Schritt. Messen Sie die Schrittlänge vom Fußboden bis zur Oberkante der Wasserwaage. Die Schrittlänge wird mit dem Faktor 0,885 multipliziert.

Sattelposition einstellen

Die Einstellung der Sattelposition können Sie selbst vornehmen. Überprüfen Sie zunächst die Stellung der Schuhplatten: Sie sollten mittig unter dem Großgelenkt des Großzehes montiert sein. Klicken Sie in die Pedale ein und drehen Sie an der Kurbel, bis der Kurbelarm auf 3:00 Uhr (bzw. 9:00 Uhr auf der anderen Seite) ist. Schieben Sie den Sattel entsprechend vor oder zurück, bis dies erreicht ist.

Beachten Sie: Bei Carbonrahmen sollten Sie einen Drehmomentschlüssel verwenden. Bei Sabrina kann der Sattel um ca. 1,5 cm nach hinten geschoben werden. Durch Verschieben des Sattels nach hinten ist der Lenker noch weiter entfernt!

Cockpit-Einstellung

Für die Einstellung des Cockpits gibt es keine einfache Vermessung und Berechnung wie bei der Satteleinstellung. Wie oben beschrieben, ist die Position des Sattels mit einfachen Bordmitteln zu ermitteln und einzustellen.

Lenker und Vorbau

Einfache oder ältere Räder haben in der Regel vergleichsweise einfach umbaubare Cockpits. Vorbauten, Spacer, Lenker können einzeln getauscht werden. Der Vorbau wurde gedreht. Ein 1 cm kürzerer Vorbau und ein schmaler Lenker mit kleinerem Reach (80 mm statt 100 mm) sind bestellt. Der Vorbau kann gedreht oder ohne sehr großen Aufwand und Kosten getauscht werden.

Weitere Anpassungen

Reicht das alles nicht, bleibt nur den Rahmen oder das ganze Rad zu tauschen. Spacertürme sind nur in Grenzen sinnvoll zu variieren. Diese Arbeiten sollten von einem erfahrenen Schrauber durchgeführt werden.

Rennradlenker: Aerodynamik und Ergonomie

Drop - Reach - Flare: Am Rennradlenker müssen Aerodynamik und Ergonomie Hand in Hand gehen, damit Sie die beste Performance auf die Straße bringen können. Grundsätzlich gilt: Alle Rennlenker bestehen aus einem geraden Mittelteil, der nach außen in einem Bogen nach unten verläuft. Sie werden deshalb auch „Bügellenker“ oder „Dropbars“ genannt.

Ein Rennrad-Lenker, der auf Sie und Ihre Fahrweise zugeschnitten ist, sorgt dafür, dass Sie sowohl lange Strecken als auch kurze, intensive Sprints schmerzfrei und effizient mit optimaler Kraftübertragung fahren können. Doch worauf sollten Sie bei der Auswahl achten und was bedeuten Begriffe wie Drop, Reach oder Flare?

Greifpositionen

Rennlenker erlauben es je nach Fahrsituation eine passende Greifposition einzunehmen. Je nachdem, wo Sie in den Lenker greifen, ändert sich auch Ihre Sitzposition: Mit den Händen auf den Brems-/Schalthebeln sitzen Sie etwas aufrechter und entspannter. Gehen Sie mit den Händen in den Drop, wird Ihre Sitzposition windschnittiger nach vorn gestreckt.

Die Lenkerbreite

Viele Rennräder werden abhängig von der Rahmengröße standardmäßig mit einer bestimmten Lenkerbreite ausgeliefert, die selten unter 400 Millimetern liegt. Doch Standards sind ergonomisch gesehen schlechte Ratgeber. Die für Sie passende Breite hängt von Ihrer Schulterbreite ab. Wenn Sie eher schmale Schultern haben und auf dem Rennrad stets weit nach außen greifen müssen, macht sich das rasch in Schulter-, Nacken- oder Armschmerzen bemerkbar und beeinträchtigt Fahrweise und Fahrvergnügen.

Die Schulterbreite dient jedoch nur als Orientierung; wichtigster Anhaltspunkt ist Ihr persönliches Wohlbefinden. Auch der Einsatzzweck spielt eine Rolle: Für Aero-, Bahn-, oder Wettkampfräder wählt man wegen der resultierenden geringeren Stirnfläche in der Regel eher schmalere Lenker. Marathonisti und andere Langstreckenfahrer freuen sich über etwas mehr Breite, da diese mehr Abwechslung bei der Sitzposition und unterschiedliche Griffoptionen bietet. Gravelbiker wählen oft die breitesten Lenker mit ausgestellten Lenkerenden für mehr Kontrolle im Gelände.

Drop, Reach, Rise und Backsweep

Der Drop bezeichnet die Lenkerhöhe, also den Abstand vom Ober- zum Unterlenker - gemessen jeweils von der Rohrmitte. Der Reach bestimmt, wie gestreckt Sie auf dem Rad sitzen. Gemessen wird er von der Mitte der Vorbauklemmung bis zu dem Punkt im Drop, der am weitesten von dieser Stelle entfernt ist (Fixpunkt ist ebenfalls die Rohrmitte).

Nur wenige Rennrad-Lenker haben einen sogenannten Backsweep, also eine leichte Kröpfung der Lenkerhälften nach hinten, dessen Ausprägung in Grad angegeben wird. Der Backsweep unterstützt eine natürliche Position für Hände und Handgelenke.

Flare bei Gravelbikes

Wenn der Unterlenker weit ausgestellt und damit breiter als der Oberlenker ist, spricht man von Flare. Ein großer Flare ermöglicht Ihnen besseres Handling und mehr Fahrkontrolle, was gerade im Gelände nützlich ist. Deshalb findet man vor allem an Gravelbikes Rennlenker mit Flare-Werten von zehn Grad oder mehr.

Gravellenker vs. Rennradlenker

Gravellenker (links) vs. Rennradlenker: Der Flare macht den Unterschied und bietet mehr Kontrolle im Gelände.

Formen von Rennlenkern

Neben dem Sonderfall „Gravellenker“ unterteilt man grundsätzlich zwischen wettkampforientierten Rennlenkern, sogenannten Kompakt-Lenkern und ergonomischen Rennrad-Lenkern. Welcher für Sie am besten passt, kommt auf Ihre persönlichen Vorlieben, Ihr Fahrverhalten als auch auf Ihre Körpermaße an.

Aero-Lenker und Lenkeraufsätze

Auf verschiedene, oft ausfallend anmutende Formen trifft man besonders im Bereich der Aero-Lenker. Bei manchen Modellen ist der Oberlenker extrem abgeflacht, was den Luftwiderstand reduziert und gleichzeitig für eine breitere Grifffläche und somit für mehr Komfort sorgt.

Zeitfahrlenker und Triathlonlenker

Wenn die Uhr Ihr Gegner ist, also beim Triathlon oder Time Trial, dann sind spezielle Zeitfahrlenker bzw. Triathlonlenker eine gute Option. Mit ihnen erreichen Sie eine noch flachere, aerodynamische Sitzposition und auf den Aufsätzen können Ihre Unterarme, wenn Sie Triathlon fahren, nach dem Schwimmen etwas entspannen.

Materialfrage: Carbon oder Aluminium?

Der große Vorteil von Carbon gegenüber Aluminium ist sein geringes Gewicht bei gleichzeitig hohen Steifigkeitswerten. Die Carbonfasern sorgen mit ihrer hohen Eigendämpfung für mehr Komfort und erlauben gezielt flexible Konstruktionen. Im Vergleich zu Aluminium sind Rennrad-Lenker aus Carbon jedoch deutlich teurer.

Aluminium ist robust und verzeiht auch mal etwas fest angezogene Schrauben. Und selbst wenn Alu-Lenker etwas mehr wiegen als ihre Carbon-Pendants, ist es doch statische Masse, die weit weniger ausmacht als die rotierende Masse am Laufrad.

Was ist mit Stahl?

Stahl war und ist beliebt und bleibt ein echter Klassiker. Kein Wunder, denn er besticht durch hohe Steifigkeitswerte, ist relativ günstig und sehr robust. Der einzige Nachteil: Stahl ist schwer, deshalb setzen Hersteller im Rennrad-Bereich, wo es auf jedes Gramm ankommt, auf Aluminium und vor allem Carbon.

Lenkerband

Auch wenn Ihre Touren über weniger anspruchsvolles Terrain führen, sind Lenkerbänder mit stoßdämpfenden Eigenschaften sinnvoll, denn sie erhöhen den Fahrkomfort und beugen Ermüdung vor. Hersteller Fizik setzt beim Tempo Microtex Bondcush Soft auf eine Polymerschicht, die Vibrationen dämpft. Außerdem absorbiert das Material Feuchtigkeit und die angeraute Oberfläche verhindert, dass Sie mit den Händen abrutschen.

Allgemeines zur Ergonomie auf dem Rennrad

Ergonomie auf dem Rennrad gehört längst zu den primären Zielen der Entwicklung und das auch mit gutem Recht: Nur wer beschwerdefrei und entspannt auf seinem Rennrad sitzt, kann über die gesamte Tourlänge seine Ressourcen schonen und somit effektiv Kraft sparen. Der Lenker bildet da keine Ausnahme, schließlich hast du ihn über viele Stunden in der Hand und führst damit dein Rad über die unterschiedlichsten Untergründe.

Lenkermaße

Drei signifikante Kenngrößen gibt es zu beachten, um den perfekten Lenker für dich zu finden:

  • Width = Lenkerbreite in mm, von Rohrmitte zu Rohrmitte gemessen: Sollte immer zu deiner gemessenen Schulterbreite passen!
  • Drop = Lenkerhöhe in mm, senkrechtes Maß von Ober- zu Unterlenker, von Rohrmitte zu Rohrmitte gemessen: Je größer der Drop, desto tiefer musst du dich in die Unterlenkerposition bücken.
  • Reach = Lenkertiefe oder auch Vorbiegung in mm, Maß von Mitte Oberlenker bis zum vordersten Punkt des Lenkerbogens: Je größer der Reach, desto mehr musst du dich strecken, um die Brems-/Schaltgriffe zu greifen.

Grundformen eines Rennradlenkers

Grundsätzlich wird der Rennradlenker in drei unterschiedliche Grundformen eingeteilt:

  • Ergo Lenker
  • Anatomisches Modell
  • Classic Variante

Bei Neurädern orientiert sich die Lenkerbreite an der Rahmengröße, das heißt an kleinen Rädern sind schmale Lenker verbaut, meist mit 400 mm Breite. An mittleren Rahmen meist Modelle mit 420 mm und an großen Rahmen solche mit 440 mm Breite. Abweichungen nach unten und oben sind möglich.

Material und Preise

Die Preisspanne ist relativ groß, einfache Modelle aus Aluminium gibt es ab ca. 15 €, aufwändig geformte Carbon Lenker kosten gerne bis zu 300 € oder sogar deutlich mehr, wenn z.B. der Vorbau gleich integriert ist.

Lenker für Aero-Rennräder

An vielen Rennrädern der Kategorie Aero ist der Oberlenker aerodynamisch abgeflacht. Im Unterlenker kommen alle drei Grundformen in Frage, am häufigsten wird jedoch die Anatomic Form verwendet, da auch hier häufig und lange in der Unterlenkerposition gefahren wird. Gewicht spielt eine untergeordnete Rolle, vielmehr liegt der Fokus hier auf Aerodynamik und Ergonomie.

TT-Aufsätze für Zeitfahrräder

Eine Sonderform der Aero Lenker ist der bei Zeitfahrrädern verwendete TT (Time Trial) Aufsatz. Hier liegt der Fahrer mit den Unterarmen auf und greift die Aero Bars mit am Ende montierten Schalthebeln.

Weitere Aspekte

  • Reach, Drop, Rise, Backsweep und Flare bezeichnen verschiedene Einheiten, die sich aufs Fahrgefühl, den Komfort und auf die Sitzposition auswirken.
  • Die Lenkerhörner sollten etwa genauso breit auseinanderliegen wie die Schultern.
  • Die Installation des Lenkers sowie die Positionierung der Bremsschalthebel ist sehr individuell.

Den richtigen Lenker zu finden, kann ein wenig Zeit in Anspruch nehmen - aber es lohnt sich. Oft werden Spezialbikes (Aero, Endurance oder Gravel) schon mit, für den jeweiligen Einsatzbereich idealen Komponenten ausgestattet.

Die richtige Lenkerbreite finden

Laut Aussage von Bikefittern sind 420mm Lenker für die meisten Menschen zu breit, durchschnittliche Männer sind wohl einige cm darunter und Frauen noch viel mehr. Je breiter der Lenker, desto stabiler das Fahrverhalten.

Drop, Reach und Vorbiegung

Der Drop bezeichnet den Abstand zwischen Oberlenker und Unterlenker, während der Reach den Abstand der kürzesten Griffposition zur weitesten Griffposition kennzeichnet. Die Vorbiegung gab es bei Rennradlenkern eine lange Zeit überhaupt nicht.

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