Lithium-Ionen-Akkus im Motorrad: Vorteile und Nachteile

Die Frage, ob man eine Blei-Säure-Batterie durch eine Lithium-Ionen-Batterie (Li-Ionen) ersetzen sollte, wird unter Motorradfahrern immer wieder diskutiert. Lithium-Ionen-Akkus sind die leistungsfähigsten Energiespeichermedien, die derzeit auf dem Markt sind und halten seit vielen Jahren Einzug in unseren Alltag. Sie bieten eine sehr hohe Energiedichte, die es ermöglicht, auch bei vergleichsweise kompakter Bauweise hervorragende Leistungen zu erbringen.

Vorteile von Lithium-Ionen-Akkus im Motorrad

  • Hohe Energiedichte: In einem Li-Ionen-Akku kann drei- bis viermal so viel Energie gespeichert werden wie in einem Nickel-Kadmium-Akku (NiCd-Akku) derselben Größe.
  • Geringe Selbstentladung: Der Ladezustand der Batterien verringert sich pro Monat nur um 1-2 %, im Gegensatz zu herkömmlichen Blei-Säure-Batterien. Wenn der Minuspol abgeklemmt wird, ist die Selbstentladung noch geringer.
  • Kein Memory-Effekt: Der bei herkömmlichen NiCd-Akkus vorhandene Memory-Effekt sorgt mit der Zeit für einen Leistungsverlust der Batterien.
  • Zwischenladungen sind möglich: Lithium-Ionen-Batterien können jederzeit zwischengeladen werden, auch wenn der Akku noch nicht entleert ist. Hierbei kann die Zwischenladung vollständig oder auch nur teilweise stattfinden, ohne dass der Akku dadurch geschädigt wird.
  • Große Stromstärke: Lithium-Batterien können besonders hohe Stromstärken bereitstellen, was für den Einsatz in Motorrädern vorteilhaft ist.
  • Gewichtsersparnis: Lithium ist sehr leicht. Lithium-Ionen-Batterien sind für alle elektrischen Geräte besonders gut geeignet, bei denen es auf die Minimierung des Gewichts bei hoher Energiedichte ankommt.
  • Längere Lebensdauer: Lithium-Ionen-Batterien erreichen über 2.000 Ladezyklen dank ihres intelligenten Batterie-Management-Systems (BMS).
  • Schnellere Ladezeiten: Das Aufladen einer Lithium-Ionen-Batterie erfolgt deutlich schneller als bei einem Blei-Akku.

Nachteile von Lithium-Ionen-Akkus im Motorrad

  • Temperaturempfindlichkeit: Sowohl bei niedrigen Temperaturen unter +5 Grad als auch bei hohen Temperaturen von mehr als +35 Grad Celsius reagieren viele Lithium-Batterien empfindlich.
  • Kälteempfindlichkeit: Bei niedrigen Temperaturen unter ca. 5 Grad kann durch eine Erhöhung des Innenwiderstandes nicht die volle Leistung abgerufen werden, was das Starten des Motorrads erschweren kann.
  • Höherer Preis: Die Mehrkosten für eine Lithium-Ionen-Batterie im Vergleich zu einem Bleiakku können zwischen 70 und 120 Euro betragen.
  • Umweltauswirkungen: Die Gewinnung der Rohstoffe wie Kobalt, Aluminium und Lithium ist umweltschädlich und erfolgt oft unter ausbeuterischen Bedingungen.
  • Entsorgung und Recycling: Die hochreaktiven Bauteile der Akkus machen die Technologie zu Sondermüll, der entsprechend entsorgt werden muss. Ein großflächig standardisierter Recyclingprozess existiert bislang nicht.
  • Brandgefahr: Bei defekten Akkus kann es durch eindringendes Wasser oder durch die Bildung von Kondenswasser zur Überhitzung kommen, durch die eine Brandentwicklung begünstigt wird.

Worauf Sie beim Umstieg achten sollten

Kaltstartstrom

Achten Sie beim Kauf nicht auf die Amperestunden (Ah), sondern auf den Kaltstartstrom, der üblicherweise bei -20° gemessen wird.

Ladegeräte

Lithiumbatterien verlangen nach moderner Ladeversorgung sowohl am Motorrad als auch aus der Steckdose. Ladegeräte können recht einfach sein, müssen aber garantieren, dass die Ladespannung MAXIMAL 14,4V beträgt. Viele Ladegeräte benutzen eine hohe Spannung, um der Sulfatbildung vorzubeugen, was für Lithium-Ionen-Akkus schädlich sein kann. Achten Sie bei Ihrem Batterieladegerät darauf, dass dies für Lithiumbatterien geeignet ist, da sonst die Batterie Schaden nehmen kann.

Batteriemanagementsystem (BMS)

In der Regel besitzen Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die fürs Motorrad bzw. Autos angeboten werden, immer ein Batteriemanagementsystem (BMS), dass sich um die richtige Ladung der Zellen kümmert. Im BMS sind verschiede Komponenten vereint, wie z.B. der Balancer, die Ladekurven, Temperatur- und Ladestromüberwachung, Unter- und Überspannungsschutz usw.

Umgang bei Kälte

Bei niedrigen Temperaturen unter ca. 5 Grad kann ein Motorrad eventuell nicht oder schlecht gestartet werden kann. Hier gibt es einen simplen Trick: Schalten Sie einfach die Zündung und Verbraucher, wie z.B. Licht usw. ein, um die Batterie sanft "aufzuwecken".

Einbau

Lithiumbatterien werden ähnlich wie herkömmliche Batterien in verschiedenen Standardgrößen geliefert. Sollte ein leistungsvergleichbarer Typ zu Ihrer herkömmlichen Batterie kompakter ausfallen, sollte er problemlos in das Batteriefach Ihres Motorrads passen.

Vergleich: Lithium-Ionen vs. Blei-Säure Akkus

Hier ist ein tabellarischer Vergleich der wichtigsten Eigenschaften von Lithium-Ionen- und Blei-Säure-Akkus:

Eigenschaft Lithium-Ionen (LiFePO4) Blei-Säure (AGM/Gel)
Energiedichte Hoch Niedrig
Selbstentladung Sehr gering (1-2% pro Monat) Höher
Lebensdauer Bis zu 2000+ Ladezyklen 300-500 Ladezyklen
Gewicht Leicht Schwer
Kaltstartstrom Gut (aber temperaturabhängig) Gut
Ladezeit Schnell Langsamer
Preis Höher Niedriger
Umweltverträglichkeit Problematische Rohstoffgewinnung, Recycling Blei ist umweltschädlich
Temperaturempfindlichkeit Höher Geringer

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