In den letzten Jahren habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt: das Radfahren. Was anfangs nur eine einfache Möglichkeit war, von A nach B zu kommen, entwickelte sich schnell zu einer regelmäßigen Gewohnheit und einer gesunden Leidenschaft.
Mit der Zeit stieg auch mein Fitnesslevel, und die Strecken wurden immer länger. Dann kam mein Arbeitgeber ins Spiel, der mir die Möglichkeit eines Dienstrads bot. Zuerst war ich skeptisch gegenüber E-Bikes, aber letztendlich bereicherte ein schickes E-Bike meinen Fahrradkeller.
Schon seit vielen Jahren hatte ich die Idee, mit dem Fahrrad durch mein Lieblingsland Frankreich zu touren und die Zeit zu vergessen. Entlang eines friedlich dahinfließenden Flusses, umgeben von freundlichen Menschen, idyllischer Natur, prunkvollen Schlössern und Burgen, die mir nach wie vor fremde Sprache und die ultimative Erholung zu erfahren. Aktiv entschleunigen.
Den nötigen Anstoß bekam ich von einer besonderen Person, mit der ich gemeinsam die Tour plante. Gemeinsam fanden wir unser WIR. Entlang der „Seine“ war unsere Ursprungsidee. Da fahren, wo kaum jemand fährt. Allerdings nur, bis wir näher ins Detail gingen. Denn versucht mal, einen Radführer „Mit dem Rad an der Seine entlang“ oder so ähnlich zu finden. Es gibt schlichtweg nichts in deutscher oder englischer Sprache.
Schließlich entschieden wir uns für die Loire. Der Radführer „Loire-Radweg. Von Nevers zum Atlantik“ war schnell bestellt und entpuppte sich als super Investition. Detaillierte Routen(abschnitte), eine Hotelübersicht und alle Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke perfekt dargestellt, machten uns sofort den Mund wässrig. Die Vorfreude wuchs mit jedem Tag, den wir zusammen planten, buchten und diskutierten.
Die Planung im Detail
Wer eine Radtour plant, muss zuallererst den Faktor „Zeit“ ins Kalkül ziehen. Denn was nützt die schönste Route, wenn man von Ort zu Ort hetzt und nichts von dieser aufnehmen kann? Für uns sollte nicht das Ziel im Vordergrund stehen. Der Weg war das Ziel. Wir hatten 7 Tage auf dem Rad eingeplant. Dass wir den gesamten Loire-Radweg mit 690 Kilometern nicht packen würden, war uns schnell klar.
Dazu einige Überlegungen: Welche Streckenleistung kann man auch bei schlechtem Wetter problemlos bewältigen? Natürlich kann man bis zu 80 Kilometer am Tag mit dem Rad zurücklegen. Aber was ist, wenn die Ausrüstung streikt? Stichwort „kaputter Reifen“. Oder es regnet den ganzen Tag? Oder, oder, oder. Es gibt viel, was ein schnelles Vorankommen behindern kann. Also vorsichtige Planung.
Wir setzten pro Tag vernünftige 50 Kilometer an, die Spielraum für Ausflüge abseits der Strecke boten. Nächster Kritikpunkt: Wir benötigten am Startpunkt einen sicheren Parkplatz für unser Auto und - da wir von unserem Ziel per Zug zurück mussten - einen Bahnhof. Start durfte also kein Nest, sondern ein größerer Ort sein. Und beim Blick auf die Karte fiel unsere Wahl auf „Tours“ als Startpunkt.
Unterkünfte
Wenn man knapp 350 Kilometer in Tagestouren zerlegen möchte, stößt man bisweilen auf Hindernisse. Gibt es genau an dem nächsten Haltepunkt in 50 Kilometern vernünftige Hotels? Nein. Zumindest zumeist. Was ist also der nächste Ort danach oder davor? Sind Hotels frei? Fahrradunterkunft möglich? Sehenswert? Viele Punkte, die man unter einen Hut bekommen möchte.
Heraus kamen Tagestouren zwischen gemütlichen 35 und knackigen 87 Kilometern. Teilweise auch bedingt durch die Lage der Hotels etwas abseits des Loire-Radwegs. Ach so: man sollte sich auch Gedanken über die Unterkunft des Autos vor Ort machen. Wo parkt man das die vielen Tage? Für uns kam nur bewacht bzw. in einem gesicherten Parkhaus in Betracht. Und es ließ sich sogar schon vorab buchen und bezahlen, was wir auch taten.
Mein ursprünglicher Gedanke, die erste Nacht in Frankreich fix zu buchen und dann peu à peu individuell auf der Strecke etwas zu finden, fand berechtigterweise keine Zustimmung. Zu groß war das Risiko, irgendwo zu stehen und keine Unterkunft mehr zu finden. Oder eine vergammelte, überteuerte Bleibe nehmen zu müssen. Also buchten wir die Hotels alle frühzeitig von zu Hause aus.
Wir wählten das Portal „Boooking.com“ für unsere Buchungen. Den Ort und die Zeit eingeben, Kritikpunkte wie „Frühstück inklusive“ oder „Storno möglich“ anklicken und Hotels betrachten. Eigentlich ganz einfach. Stehen aber mehrere Hotels zur Wahl, geht es ins Detail. Zimmer anschauen, Kritiken anderer Reisenden lesen, Leistungen vergleichen,… Viel Arbeit, um letztendlich eine Mischung zwischen Vernunfts- und Herzensentscheidung finden.
Als Beispiel dient hier unsere Unterkunftssuche zwischen Angers und Nantes. Es mussten 110 Kilometer in drei Tagen mit zwei Übernachtungen geplant werden. Die erste von diesen zweien fanden wir in La Pommeraye, ziemlich nah an der Fahrradroute. Die zweite Unterkunft war etwas kniffliger. Genau an der Strecke gab es genau ein Hotel, das verfügbar war. Dies war aber so teuer und unattraktiv, dass wir sofort wussten, dass eine Alternative her musste.
Und diese fand sich etwas abseits in den Weinbergen. Idyllisch gelegen, attraktiver Preis, hübsche Zimmer auf den Bildern und mal etwas komplett anderes. Das fand sofort den Weg in unser Herz. Dafür lag es aber auch etwas ab vom Schuss, was uns in diesem Fall nicht von der Buchung abhielt. Weil wir genug Reservekilometer hatten und davon überzeugt waren. Wenn man solch ein Kleinod findet, ist die Vorfreude noch ein klein wenig größer als bei den „Standard“-Hotels.
Anreise und Vorbereitung
Aufbruch war am 12.06.2022 um 8 Uhr geplant. Ein Sonntag. Ohne Schwerverkehr, ganze entspannt. Insgesamt 950 Anfahrkilometer. Wir planten mit den Rädern auf dem Buckel mit 9 bis 10 Stunden Anfahrt bis Tours. Etwas Bauchschmerzen machten uns im Vorfeld die Mautstellen. Große Schleusen mit vielen Varianten und irgendwie muss das Geld dort ohne große Verzögerung übergeben werden. Ich sah mir zahlreiche Videos dazu an.
Frankreich ist nicht günstig. Die teurere, direkte, Route kostet einfach ca. 70 €, eine günstigere, dafür aber umständlichere und über Paris führende, ca. 50 €. Nebenbei sind die Strafgebühren für zu schnelles Fahren horrend. Egal wie schnell, immer kostet eine Überschreitung 135 €.
Für die beiden Übernachtungen in Tours (nach An- und vor Abreise) wurde separat gepackt. Dies blieb dann im Fahrzeug. Die zwei Satteltaschen am Gepäckträger schienen für unterwegs reichlich zu sein. Hat man aber alle Dinge beisammen, die man mitnehmen muss/möchte, sind diese plötzlich viel zu klein. Also Anbaualternativen überlegen. Eine Rahmentasche oder Satteltasche sind Alternativen. Oder einfach Dinge zu Hause lassen.
Bei der Bestückung bewiesen wir Mut zur Lücke. Alles, was außer einer leichten Jacke mit Regen zu tun hatte, blieb zu Hause. Das Auto ist frisch gewaschen, der Radgepäckträger montiert und alle Taschen im Innenraum verstaut. Es kann losgehen.
Man muss sich immer eines vor Augen halten: Wichtig sind Handy, Geldbeutel und alle Ausweise und Papiere. Der Rest kann auch auf der Reise besorgt werden. Auch in Frankreich gibt es Geschäfte.
Punkt acht ging es auf die Piste. Alle 2 Stunden Fahrerwechsel mit ausreichend Pausen zwischendurch. Kaum Verkehr, keine Staus und die Vorfreude machten die Anfahrt zu einem kurzweiligen Ereignis - trotz insgesamt fast zehn Stunden Anfahrt. Gerade die Mautabwicklung in Frankreich lief erstaunlich reibungslos.
Wer einmal in Frankreich auf den Bezahlautobahnen eine Rast zelebrieren konnte, mag nie wieder in Deutschland rasten. Stets sauber, fein gelegen und mit richtig viel Raum für jeden zum Ausspannen.
Der vorab gebuchte Parkplatz für die 10 Tage erwies sich als Glücksfall. In der Tiefgarage des IBIS Styles Centre inmitten der Stadt Tours war unser Auto bestens aufgehoben. Und das für knapp über 20 Euro insgesamt.
Navigation mit Komoot
Als eine gute und vor allem komfortable Variante erwies sich die Zusammenarbeit zwischen Komoot und unserem Bikeliner „Loire-Radweg“. Jeder der 7 Tagestouren aus dem Reiseführer konnte bequem als eine Komoot-Tour nachgestellt werden. Einfach so lange neue Wegepunkte im Bearbeiten-Modus einfügen, bis man die Tour 1:1 zur Papierstrecke hatte. Vorne an den Lenker montiert, diente das Handy dann perfekt zum Navigieren.
Montagmorgen, 8 Uhr 30. Wir stehen vor unserem Hotel, dem Ibis Style Centre in Tours. Nachdem wir unser Gepäck abends ausgeräumt hatten, ist nun der Teil, der uns die kommenden 8 Tage begleiten wird, sicher in den Packtaschen verstaut. 87 Kilometer stehen auf dem Plan. Und das bei allerschönstem Wetter - Sonnenschein pur.
Unsere Komoot-App erwies sich von Anfang an als perfekter Radführer, denn es ging los mit einer etwas beschwerlichen Tour mitten durch die Stadt. In die offizielle Tour eingestiegen sind wir am Stadtrand von Tours an einem kleinen Seitenarm der Loire, der „Cher“.
Die Fahrt an diesem Flüsschen entlang sollte sich als eine der schönsten des gesamten Urlaubs herausstellen. Perfekt gestaltete Radwege inmitten der ländlichen Idylle. Mal führte uns der Weg durch aufwendige Parkanlagen mit hübsch arrangierten Beeten, Büschen und wie zufällig gelegene Mäuerchen. Dann ging es auch mal am Waldesrand mit stetigem Blick auf die Cher auf schmalen Wegen entlang. Immer wieder garniert mit kleinen Brücken, liebevoll eingerichteten Rastplätzen, schön gestalteten Gärten und knuffigen Häuser. Da blieb keine Luft zum Sattsehen.
Die besonderen Momente waren zahlreich. Also viel zu sehen. Und zu grüßen. Denn es waren in der Tat schon einige Radfahrer unterwegs. Die Landschaft tat ihr Übriges, damit wir uns ohne lange Eingewöhnung von der Idylle des Loire-Tales verzaubern lassen konnten. Oft erwischten wir uns auf der Suche nach dem perfekten Foto.
Ob der anstehenden insgesamt 87 Kilometer zum Tagesziel mussten wir uns oft losreißen. Aber es gab an diesem Tag auch Schattenseiten. Ab der zweiten Hälfte der Strecke wurde es etwas eintöniger.
Die Cher war längst in die Loire gemündet und wir begleiteten nun die Loire an deren Südufer. Es ging nun auf geteilten Straßen weiter. Zu erkennen an den blauen Verkehrsschildern (partageons la route), die urplötzlich aufgetaucht waren und nicht mehr schwinden wollten. Mit ihnen waren nun Autos unser stetiger Begleiter. Zwar meist vorsichtig und behutsam überholend, aber dennoch von Idylle keine Spur mehr.
Die Ortschaften waren nach wie vor sehr schön, die Verbindung dazwischen allerdings anstrengend. Also auch keine motivierenden Worte untereinander.
Alternativen zur Routenplanung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die optimale Navigation zu gewährleisten. Hier sind einige Tipps und Alternativen:
- Komoot: Detaillierte Karten, speziell für Outdoor-Aktivitäten entwickelt. Ermöglicht die Planung unter Berücksichtigung der Streckenbeschaffenheit und des Höhenprofils.
- Google Maps: Bietet Radwege und Routen mit Echtzeit-Informationen über Verkehr und alternative Strecken.
- AllTrails: Geeignet für landschaftlich reizvolle Strecken mit Nutzerbewertungen und Bildern.
- BikeMap: Speziell für Radfahrer entwickelt, mit Millionen von Fahrradrouten weltweit und der Möglichkeit, eigene Routen zu erstellen.
- BRouter: Ermöglicht die detaillierte Routenplanung mit verschiedenen Profilen und Anpassungsmöglichkeiten.
- Mapy.cz: Kostenlose App mit herunterladbaren Karten und alternativen Routen inklusive Zeit- und Höhenprofil.
Es ist wichtig, die eigenen Vorlieben und Anforderungen zu berücksichtigen, um die passende Navigationslösung zu finden.
Die Loire-Region
Der Loire-Radweg ist der längste und beliebteste Flussradweg in Frankreich. Die Radroute beginnt in Saint-Brevin-les-Pins an der Loire-Mündung und endet in Saint Nazaire. Auf keinen Fall verpassen: Chambord, Chenonceau und Villandry. Einzigartig ist auch die Natur der Loire, wo noch Graureiher und Biber leben.
Französisch ornamental: der Schlossgarten des Château d’Angers. Ob stromabwärts oder stromaufwärts geradelt wird, bleibt euch überlassen. Ein kleiner Tipp: Wer stromaufwärts radelt, also von West nach Ost, hat immer den Wind im Rücken!
Die Loire ist erst spät schiffbar in ihrem Verlauf. Insofern ist der Fluss an vielen Stellen noch ein echter Wildfluss. Dazu kommen schöne Burgen und eine weite, wenig besiedelte Landschaft, die den Reiz und die Besonderheit dieses Radwegs ausmachen. Oft ist es also unglaublich romantisch am Loireradweg. Es ist sehr grün am Wegesrand und man hat oft weite Sicht.
Weitere Radrouten in Frankreich
Frankreich bietet eine Vielzahl von Radrouten für jeden Geschmack. Hier sind einige Beispiele:
- Vélomaritime: 1.500 Kilometer langer Küstenradweg von der Nordsee bis zum Atlantik.
- EuroVelo 5: Von London über die Alpen in die italienische Hafenstadt Brindisi.
- Voie Bleue: Von Luxembourg nach Lyon.
- Véloscénie: Von Paris zum Mont-Saint-Michel.
- FlowVélo: Von der Insel Aix bis ins Reich der Trüffel.
Tipps für die Radreise
Eine Radreise durch Frankreich erfordert gute Planung und Organisation. Hier sind einige Tipps:
- Packliste: Handy, Geldbeutel, Ausweise und Papiere sind essenziell.
- Unterkünfte: Frühzeitig buchen, besonders in der Hauptreisezeit.
- Navigation: Komoot, Google Maps oder andere Apps nutzen.
- Verpflegung: Bäckereien in kleinen Orten bieten Kaffee, Mineralwasser und Sandwiches.
- Zugverbindungen: Fahrradticket in französischen TER-Interregio-Zügen meist kostenlos.
Mit der richtigen Vorbereitung wird Ihre Radreise entlang der Loire zu einem unvergesslichen Erlebnis!
Hilfreiche Apps für Radfahrer in Frankreich
Hier ist eine Tabelle mit nützlichen Apps für Ihre Radtour durch Frankreich:
| App | Beschreibung |
|---|---|
| Komoot | Detaillierte Karten, Routenplanung, Offline-Navigation |
| Google Maps | Radwege, Echtzeit-Verkehrsinformationen |
| AllTrails | Landschaftlich reizvolle Strecken, Nutzerbewertungen |
| BikeMap | Millionen von Fahrradrouten, eigene Routen erstellen |
| AccuWeather | Detaillierte Wettervorhersagen und Echtzeit-Warnungen |
| Warmshowers | Kostenlose Unterkunft bei gastfreundlichen Radfahrern |
| Airbnb / Booking.com | Flexible Buchung von Hotels und privaten Unterkünften |
| Mapy.cz | Kostenlose App mit herunterladbaren Karten und alternativen Routen inklusive Zeit- und Höhenprofil |
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