Look Kéo oder Shimano SPD: Ein Vergleich von Klickpedalen für Rennräder

Klickpedale sind für viele Rennradfahrer ein unverzichtbares Zubehör, da sie eine hocheffiziente Kraftübertragung ermöglichen und somit für eine optimale Leistung und Geschwindigkeit auf dem Rad sorgen. Klickpedale, oder auch Systempedale, sorgen dank der Cleat-Verbindung zwischen Pedal und Fahrradschuh für eine optimale Kraftübertragung und effizientes Pedalieren. Das Ergebnis ist maximale Performance und eine ergonomische Haltung. So ermöglichen Klickpedale neben einem runden Tritt auch eine gesunde Stellung des Fußes. Aus diesen Gründen sind Klicksysteme besonders im sportlichen MTB- und Rennradbereich beliebt.

Es gibt eine Vielzahl von Fahrrad-Klicksystemen auf dem Markt. Die größten Hersteller von Pedalsystemen sind die Marken Shimano, Look, Time und Speedplay. Jeder Hersteller verfolgt jedoch eine andere Philosophie in Bezug auf den Verbindungsmechanismus und Handhabung, weshalb die Systeme nicht miteinander kombiniert werden können. Welches Klicksystem am besten zu dir und deinem Fahrrad passt, hängt vom Biketyp, deinem Fahrstil sowie dem bevorzugten Terrain ab. Es empfiehlt sich daher verschiedene Klickpedale auszuprobieren, um die geeigneten zu finden.

Was sind eigentlich Cleats?

Cleats sind spezielle Schuhplatten, die mit zwei bis drei Schrauben an der Unterseite von Fahrradschuhen befestigt werden und eine Verbindung zwischen dem Schuh und dem Klickpedal herstellen. In der Regel bestehen Fahrrad-Cleats aus Metall oder Kunststoff und sind in Form und Größe auf das jeweilige Pedalsystem abgestimmt. Je nach System gibt es die Platten mit verschiedenfarbigen Aufsätzen, an der sich die seitliche Bewegungsfreiheit (Float), also der Rotationswinkel des Cleat im Pedal vor dem Ausklicken, erkennen lässt. Mit Hilfe der Cleats-Pedalplatten wird ebenfalls der Winkel von Fuß und Bein zum Pedal bestimmt. Diese sollte so eingestellt sein, dass du beim Pedalieren keine Schmerzen hast und die Kraft optimal übertragen wird.

Rennrad Klickpedale: Die Systeme für hohe Geschwindigkeiten

Da Rennradfahrer bei allen Komponenten an Gewicht sparen möchten, sind Klickpedale fürs Rennrad besonders leicht designt. Im Verhältnis zur Pedalgröße ist die Auflagefläche der Rennrad-Klickpedale häufig relativ groß, damit die Kraft effizienter übertragen werden kann. Die Rennrad-Pedalsysteme der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich hauptsächlich in Gewicht, Handhabung, Haltbarkeit, Bewegungsfreiheit (Float), Material und Preis.

Optisch unterscheiden sich die Shimano SPD-SL Pedale kaum, die Unterschiede liegen vielmehr in den verwendeten Materialien und im Gewicht. Günstige Modelle gibt es bereits ab 30 Euro. Diese Pedale bestehen aus Aluminium, verfügen über eine einfache Stahlachse mit Kugellager und schlagen mit einem Gewicht von etwa 330 Gramm pro Paar zu Buche. Auf der anderen Seite der Skala sind die High End Pedale aus Carbon mit Titanachse und Keramiklager, die lediglich 140 Gramm als Paar auf die Waage bringen. Solche Pedale kosten dann aber auch schon mal gerne 300 Euro oder mehr.

SHIMANO SPD-SL Klickpedal-System

Shimano versteht es, seine Kunden mit einer breiten Produktpalette über alle Qualitätsstufen zu bedienen - so auch bei den Pedalen. In Anlehnung an die bekannten Komponentengruppen gibt es die SPD-SL Pedale in den Qualitätsstufen der Gruppe 105, Tiagra, Ultegra und Dura Ace, sowie günstigere “gruppenlose” SPD-SL Pedale.

Die Auslösewinkel liegen zwischen 32 und 35 Grad, wobei du bei allen Pedalen die Auslösehärte über eine kleine Einstellschraube leicht verstellen kannst. Für die Bewegungsfreiheit im Pedal (Float) bietet Shimano drei verschiedene Cleats an, die sich farblich voneinander unterscheiden:

  • Rote Cleats mit einer Bewegungsfreiheit von 0 Grad
  • Blaue Cleats mit einer Bewegungsfreiheit von 2 Grad
  • Gelbe Cleats mit einer Bewegungsfreiheit von 6 Grad

Für die meisten Rennradfahrer sind die gelben Cleats die beste Wahl, weil sie durch ihren hohen Bewegungsfreiraum das Knie beim Pedalieren schonen.

Klicksysteme von Look

Look Road Pedale erfreuen sich sowohl bei Freizeitsportler als auch im Profibereich sehr großer Beliebtheit. Der französische Hersteller gilt als Erfinder des heutigen Klickpedals und weiß, was sich Rennradfahrer von einem Pedal wünschen: geringes Gewicht, einfache Handhabung und eine ansprechende Optik. Das sind die Merkmale, die Look in allen Produkten gekonnt umsetzt und daher bis heute einen Großteil des Marktes bedient.

Die Einsteiger- und Mittelklasse Modelle Kéo Classic, Kéo Sprint und Kéo 2 Max sind mit ihrer einstellbaren Spiralfeder technisch einfacher aufgebaut als die Top-Modelle der Kéo Blade Reihe, bei denen ein Carbon-Federblatt die Bindung herstellt. An den Blade-Modellen finden sich zudem Carbon-Körper und Titanachsen für geringes Gewicht bei zuverlässiger Funktion. So kommt das Top-Modell Kéo Blade Carbon TI für 250 Euro lediglich auf 248 Gramm inklusive der Cleats, während das günstige Look Pedalsystem Kéo Classic 348 Gramm auf die Waage bringt - dafür aber auch nur 35 Euro kostet.

Für die Bewegungsfreiheit im Pedal bietet Look drei verschiedene Cleats an:

  • Schwarze Cleats mit einer Bewegungsfreiheit von 0 Grad
  • Graue Cleats mit einer Bewegungsfreiheit von 4,5 Grad
  • Rote Cleats mit einer Bewegungsfreiheit von 9 Grad

Der größte Teil der Rennradfahrer wählt die grauen Cleats mit +/- 4,5 Grad Float, weil sie den besten Kompromiss zwischen Bewegungsfreiraum und Kontaktgefühl zum Rad bieten. Die Auslösehärte kann bei den Blade-Modellen durch Austausch des Carbon-Blattes (im Lieferumfang enthalten) entweder auf 12 Nm oder auf 16 Nm eingestellt werden. Bei den Modellen Kéo Sprint, Kéo Classic und Kéo Max kannst du die Auslösehärte über eine kleine Einstellschraube ähnlich wie bei Shimano verstellen.

Der Markt für Rennradpedale ist überschaubar. Marktführer ist Look. Eine Kunststoffplatte mit Drei-Loch-Bohrung kommt unter den Schuh. Zum Einstieg wird die Platte mit der Spitze ins Pedal eingefädelt, durch Absenken der Ferse wird die Platte mit einer schwenkbaren Klappe am Pedal verriegelt. Über die meist einstellbare Federspannung dieser Klappe wird die Kraft bestimmt, die zum Ausstieg notwendig ist (Angabe in Newtonmeter in der Tabelle). Es gibt starre Platten und solche, die der Ferse etwas seitliche Bewegungsfreiheit geben. Etliche Firmen bauen Pedale, die mit den Pedalplatten von Look kompatibel sind.

Shimano verwendet eine ähnlich aussehende Kunststoffplatte, die auf den drei identischen Löchern befestigt wird, ansonsten aber nicht mit Look kompatibel ist. Mit der Platte der Japaner lässt es sich besser gehen, sie ist in einem weiteren Bereich verstellbar, die Schrauben sind besser und sie hält länger. Und der Stand auf dem Pedal ist weniger kippelig als bei Look. Dafür drehen sich die Shimano-Platten zäher auf dem Pedal.

Weitere Klickpedal-Systeme

Pedalsysteme von Time

Die Pedale von Time unterscheiden sich optisch deutlich von den Shimano und Look Modellen. Der ungewohnte Look hat aber auch seine Vorteile. So sind die Ausführungen von Time mit die leichtesten Klickpedale, die es derzeit auf dem Markt gibt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sämtliche Time Pedale nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Sie kommen ohne die übliche Spiralfeder aus und stellen die Bindung lediglich mit einer Blattfeder her.

Eine weitere Besonderheit der Time Road Pedale ist das patentierte I-Clic-System. Dieses ermöglicht ein noch leichteres Einrasten, da das System zwischen Aus- und erneutem Einklicken leicht geöffnet bleibt. Darüber hinaus verfügen alle Time Pedale über den gleichen Float, der mit 10 Grad sehr großzügig bemessen ist und somit auch Fahrern mit Kniebeschwerden entgegenkommt.

Fahrrad-Klicksysteme von Speedplay

Speedplay Pedale fallen sofort durch ihr reduziertes und auffälliges “Lollipop”-Design auf. Außer der Drehachse besitzen sie keinerlei Mechanik und ihr Klickmechanismus sitzt im Cleat. Auch Bindung und Auslösewinkel werden über die Cleats hergestellt, die wiederum über vier statt der üblichen drei Schrauben mit dem Radschuh verbunden werden.

Alle Speedplay Pedale verfügen über den gleichen Float, der mit 15 Grad äußerst großzügig bemessen ist und sich daher für Fahrer mit Knieproblemen bestens eignet. Die Besonderheit: Dadurch, dass der Klickmechanismus bei Speedplay Klicksystemen im Cleat integriert ist, kann der Fahrer auf beiden Seiten des Pedals einklicken. Zudem lässt sich die Bewegungsfreiheit optimal an die eigenen Vorlieben anpassen.

Perfekte, im Winkel einstellbare Drehfreiheit ist die Domäne der Speedplay-Pedale aus den USA. Aus biomechanischer Sicht ist das top, und das sind auch alle weiteren Details. Der Verschlussmechanismus ist in die Pedalplatte integriert, der Fuß steht sehr dicht über der Pedalachse - bei Schuhen, die serienmäßig die spezielle Vier-Loch-Bohrung für Speedplay-Platten aufweisen, sind es nur neun Millimeter.

Speedplay-Pedale gibt’s mit verschieden langen Achsen aus Stahl, Edelstahl oder Titan, und mit Ausgleichsplatten für den Fall, dass linkes und rechtes Bein unterschiedlich lang sind. Bike-Fitter lieben daher Speedplay.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme

  • Shimano: Große Kontaktfläche, benutzerfreundlich, langlebig, gut abgedichtete Lager, weniger Einstellmöglichkeiten, höheres Gewicht.
  • Look: Leicht, benutzerfreundlich, gute Kraftübertragung, Cleats verschleißen schnell, Lager weniger gut abgedichtet, Federspannung nicht verstellbar.
  • Time: Leicht, benutzerfreundlich, viele Einstellungsmöglichkeiten, viel Bewegungsfreiheit, Schuhplatten verschleißen relativ schnell, Lager etwas weniger gut abgedichtet.
  • Speedplay: Leicht, an beiden Seiten einklickbar, vielfältig anpassbar, Klickmechanismus in den Cleats, Schuhplatten verschleißen schnell.

Klickpedale im Test

Unter unseren zwölf Testmustern fällt das billige Contec Roadster negativ auf, die Achse dreht sich schwer, rastet und eiert. Das veranlasste uns herauszufinden, wie viel Tretleistung solch ein Pedal eigentlich „schluckt“. Im Labor ermitteln wir Verluste in Höhe von 0,15 Prozent der Tretleistung. Das ist mehr als zehnmal so viel wie bei den Klassenbesten, aber weniger als befürchtet. Auch das günstige Btwin 500 reibt mehr als nötig, weil das Hauptlager nur ein Gleitlager ist; ein winziges Kugellager nimmt hauptsächlich axiale Kräfte auf. Davon abgesehen, funktionieren die günstigen Pedale nicht schlechter als sechsmal teurere.

Den Testsieg holt sich Speedplay mit dem minimalistischen, aber sündhaft teuren Modell Pavé (ca. 500 Euro) mit Titanachse; letztlich ist die Funktion bei allen Speedplay-Zero-Modellen aber identisch. Nur Einsteigern würden wir nicht unbedingt dazu raten, mit Speedplay zu beginnen. Das System braucht etwas Hinwendung und ist nicht ideal für erste Klick-Erfahrungen.

Bei den Dreiloch-Platten-Systemen liegt Shimano aufgrund der Verfeinerungen rund um die Platte in der Funktion vorne. Look hält vor allem mit günstigen Preisen, tollem Finish und feinen Lagern dagegen.

Ein Tipp am Rande: Wer öfter mit Radschuhen laufen will, sollte sich bei Mountainbike-Pedalen umsehen. In Verbindung mit einem Cross-Country-Schuh mit steifer Sohle ist das gehfreundlich und dennoch einwandfrei rennradtauglich.

Pedal Besonderheiten
Speedplay Aero Stainless Wettkampf-Pedal mit Golfball-Design. Nur einseitig betretbar
Speedplay Zero Pavé Titan Einstellbare Drehfreiheit, minimale Bauhöhe, leicht
Speedplay Zero CrMo Klassiker. Hier mit CrMo-Achse.
Shimano Dura-Ace PD-R 9100 Bestes Pedal mit Drei-Loch-Platte, ausgewogen, weiter Einstellbereich
Shimano Ultegra PD-R 8000 Gut in der Funktion, die Lagerung ist schlechter als beim Top-Modell
Shimano PD-R540 Günstig und gut, brauchbare Lager, weiter Einstellbereich
Kéo Blade Carbon Blattfeder-Verschluss. Rastet sehr knackig ein. Sehr gute Lagerung
Kéo 2max Guter Einstellbereich, gute Lagerung. Verschleißzone aus Edelstahl
Kéo Classic 3 Gut und günstig. Top-Lager, weich einstellbar. Ideal für Einsteiger
Ritchey Echelon Carbon Leicht und flach, aber Platte höher als Kéo. Hoher Auslösewiderstand
BTWIN Road Auto 500 Unter Last stark reibendes Gleitlager; funktioniert ansonsten tadellos
Contec Roadster Sehr minderwertige und eiernde Lagerung.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0