Ein optimaler Luftdruck ist entscheidend für Fahrgefühl, Grip und Pannenschutz beim Mountainbiken. Dabei spielen Reifengröße, Fahrergewicht und Untergrund eine wichtige Rolle.
Grundlagen zum Reifendruck
Auf jedem Fahrradreifen findet sich an der Seite der minimal und maximal zulässige Reifendruck. Diese Angaben sind als Richtwerte zu verstehen, wobei der ideale Luftdruck oft innerhalb dieser Spanne liegt. Der Reifendruck wird in Bar oder PSI angegeben, wobei 1 Bar etwa 14,5 PSI entspricht. Es ist wichtig, diese Werte nicht zu unter- oder überschreiten, um Schäden am Reifen, Schlauch oder Felge zu vermeiden und Stürze zu verhindern.
Generell gilt: Je dünner der Reifen, desto höher der Luftdruck. Ein erhöhter Reifendruck ist auf ebenen, asphaltierten Wegen empfehlenswert, während ein geringerer Luftdruck auf weichen Böden wie Wald-, Feld- und Kieswegen sinnvoll ist.
Der richtige Luftdruck beim Mountainbike
Die Reifen sind beim Mountainbike die Schnittstelle zum Untergrund. Wer mit dem Mountainbike im Gelände unterwegs ist, weiß, wie wichtig der Luftdruck ist. Denn er ist entscheidend für ein gutes Fahrgefühl, einen optimalen Grip, und er schützt vor Fahrradpannen.
Entscheidend für den richtigen Luftdruck im Reifen ist allerdings das Fahrergewicht, der Fahrstil und der Untergrund. Der optimal befüllte, nicht zu stark aufgepumpte Reifen filtert die Vibrationen und entlastet damit Hände und Arme. Die Vibrationen vom Untergrund werden nämlich nur in geringem Maße von den Federgabeln kompensiert.
Faustformel und Tabelle für den MTB-Luftdruck
Die folgende Tabelle bezieht sich auf eine Beispielrechnung mit einem 75 Kilogramm schweren Radfahrenden. Allerdings gilt auch hier abhängig vom Fahrverhalten und Gewicht: ein zu niedriger Luftdruck kann Reifen und Felgen schnell beschädigen.
Das heißt, der MTB-Reifen rollt wesentlich leichter und angenehmer über Schotterwege, Trails oder Wiesen, wenn er nicht so stark aufgepumpt ist.
| Gelände | Idealer Luftdruck | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Allgemein | Mittelwert zwischen minimalem und maximalem Druck (auf dem Reifen angegeben) | Gutes Verhältnis zwischen Grip, Geschwindigkeit und Komfort |
| XC, Marathon, Bikepark | +0,2 Bar / 3 PSI | Für mehr Geschwindigkeit, Verzicht auf Komfort |
| Komfortorientiert, spielerischer Fahrstil | -0,2 Bar / 3 PSI | Mehr Komfort und Grip |
Wichtig: Den vom Reifenhersteller empfohlenen Mindestdruck nicht unterschreiten!
MTB-Luftdruck: Ausnahmen und Besonderheiten
Wer mit seinem Mountainbike auf ungewohntem Terrain unterwegs ist, kann und sollte vom üblichen Luftdruck abweichen. Auf Asphalt und gut befestigtem Untergrund kann der Druck schon mal um ein halbes oder sogar ein ganzes Bar erhöht werden. Aber Vorsicht - weniger Rollwiderstand bedeutet zwar höhere Geschwindigkeit, aber auch weniger Traktion.
Umgekehrt verhält es sich bei weichem Untergrund wie Schlamm oder Sand. Hier kann am unteren Ende des Mindestdrucks gefahren werden. Wer auf Sand fährt und sich sicher ist, dass der Reifen gut auf der Felge sitzt, kann diesen Wert sogar um 0,2 bar unterschreiten.
Wer nicht gerade ein All-Mountain-Bike in gemäßigtem Gelände fährt und vorne und hinten den gleichen Reifen hat oder ohnehin einen weichen Vorderreifen und einen härteren Hinterreifen fährt, kann am Vorderreifen etwas weniger Druck fahren als am Hinterreifen. Dabei sollte der Vorderreifen weniger Druck haben, um möglichst viel Traktion und damit ausreichend Grip zum Kurvenfahren und Bremsen zu haben, während der Hinterreifen nur dem effizienten Vortrieb dient.
Warum ist ein niedrigerer Reifendruck im Gelände besser?
Ein niedrigerer Reifendruck bietet im Gelände folgende Vorteile:
- Geringerer Rollwiderstand im Gelände
- Höherer Komfort
- Mehr Traktion
- Geringerer Rollwiderstand auf Asphalt
- Höherer Durchschlagschutz
- Mehr Stabilität des Reifens auf der Felge
Allerdings sollte der Reifendruck nicht zu niedrig sein, da sonst die Stabilität des Reifens auf der Felge leidet und es zu Durchschlägen auf Wurzeln oder Steinen kommen kann. Bei zu niedrigem Reifendruck besteht die Gefahr, dass sich der Mantel in Kurven und beim Driften seitlich über die Flanke biegt oder sogar aus dem Felgenbett rutscht.
Tubeless-Reifen
Besonders schlauchlose Reifen können generell mit weniger Luftdruck gefahren werden. Schlauchlose Reifen können ganz ohne Snakebite-Gefahr mit niedrigerem Druck gefahren werden - der perfekte Reifendruck für einen Tubeless-Reifen variiert allerdings je nach Fahrstil und Gelände.
Wie finde ich den idealen Luftdruck beim MTB?
Wenn du bereits alle Schritte unter 1. GIBT ES EINEN RICHTWERT FÜR DEN MTB-LUFTDRUCK? durchlaufen hast und immer noch das Gefühl hast “es muss noch besser gehen”, helfen wir Dir hier, den idealen Luftdruck für deinen Reifen zu finden. Wir gehen davon aus, dass dein Bike technisch in Ordnung ist, Gabel und Dämpfer nach Herstellerempfehlung auf dein Gewicht und deinen Fahrstil eingestellt sind.
Anschließend solltest du folgende Checks durchführen:
- Fährst du das richtige Pedal? Passt es zu deiner Schuhgröße und deinem Fahrstil?
- Stehen Deine Füße auch richtig für Deine Mountainbike-Disziplin?
- Sitzt Du mittig auf dem Rad?
- Kannst du dein Gewicht vom Hinterrad auf das Vorderrad verlagern und dabei eine Hand vom Lenker nehmen?
- Dein Reifen ist grundsätzlich dem Einsatzzweck angepasst und nicht älter als zwei Jahre?
Nun kannst du den Druck vorsichtig in 0,1 bar Schritten erhöhen, bis der Vorderreifen in aggressiven Kurven leicht rutscht. Wenn Du nun den Luftdruck schrittweise um 0,1 bar reduzierst, bis das Hinterrad den Minimalwert erreicht, bist Du auf der “Grip-” Seite. Der Unterschied zwischen Vorder- und Hinterreifen sollte nicht mehr als 0,5bar betragen. Dies gilt auch bei unterschiedlichen Reifen.
Tipps zur Reifendruck-Optimierung
Während einer Bike-Tour sind die Reifen (hoffentlich) der einzige Kontaktpunkt zwischen uns und dem Boden. Sie beeinflussen das Fahrgefühl also mehr als jedes teure „Must-have“-Zubehör. Wenn ihr das Beste aus eurem Bike herausholen wollt, ist der einfachste und günstigste Weg, den richtigen Reifendruck zu finden.
Weniger Reifendruck ermöglicht im Allgemeinen mehr Grip, da sich der Reifen um Wurzeln und Steine herum verformen kann, anstatt zu verspringen. Das verbessert die Traktion und den Komfort, sowohl bergauf als auch beim Downhill! Weniger Druck kann auch zu einem geringeren Rollwiderstand im Gelände führen. Denn Reifen mit niedrigerem Druck benötigen weniger Energie, um sich um ein Hindernis herum zu verformen, als Reifen mit höherem Druck, die das Bike und das Gewicht des Fahrers über das Hindernis drüber heben müssen.
Weitere Einflussfaktoren
- Fahrergewicht: Leichtere Fahrer können etwas weniger Reifendruck fahren, wohingegen schwerere Fahrer mehr Druck benötigen, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.
- Terrain: Wenn ihr hauptsächlich auf harten Flow-Trails unterwegs seid, könnt ihr weniger Reifendruck fahren, solange der Reifen in Kurven nicht wegknickt.
- Fahrstil: Wenn ihr immer auf der Straightline durch Steinfelder fliegt, kann ein höherer Reifendruck die Komponenten schützen.
- Reifen und Felgen: Die Wahl der Reifen und Felgen ist ausschlaggebend für das Einstellen des Reifendrucks am Mountainbike.
Die Balance zwischen Grip und Stabilität
Das Geheimnis des perfekten MTB-Reifendrucks? Die Balance zwischen Grip und Stabilität.
- Zu hoch: Ein hoher Reifendruck unterstützt die Seitenwand des Reifens und bietet so mehr Stabilität und besseren Schutz für die Felgen. Doch wenn ihr zu weit nach oben geht, reduziert ihr die Traktion, weil die Kontaktfläche reduziert wird.
- Zu niedrig: Ein niedriger Druck erhöht dank der größeren Kontaktfläche den Grip und verbessert die Traktion in Kurven, da sich der Reifen dem Trail besser anpassen kann. Wenn ihr allerdings mit zu wenig Druck fahrt, erhöht sich das Risiko eines Felgenschadens bei starken Schlägen. Außerdem reduziert der geringere Druck die natürliche Dämpfung des Reifens, was bei höheren Geschwindigkeiten ein instabiles Fahrgefühl erzeugen kann.
Das richtige Werkzeug
Nicht alle Luftdruckmessgeräte sind gleich und die Messungen können variieren. Am besten verwendet ihr immer dasselbe Messgerät. Schafft euch einen hochwertigen Luftdruckmesser an und passt darauf auf.
Die Teststrecke
Schnappt euch eine Pumpe und einen Luftdruckmesser und haltet Ausschau nach einer kurzen Teststrecke. Sucht nach schönen flachen Kurven, Anliegern, Kompressionen und Wurzeln - idealerweise auf einer Strecke, die dem Gelände entspricht, auf dem ihr normalerweise unterwegs seid. Der Trail sollte nicht zu anspruchsvoll sein, da ihr euch eher auf das Fahrgefühl konzentrieren solltet und nicht darauf, dass ihr keinen Abgang hinlegt.
Das Testprozedere
- Pumpt eure Reifen stark auf, um zu sehen, wie sich der hohe Druck anfühlt. Fahrt den Trail und lasst es dabei entspannt angehen.
- Reduziert den Reifendruck um 2 psi vorne und hinten und wiederholt euren Test-Trail. Konzentriert euch dabei wieder auf das Fahrgefühl und darauf, wie viel Grip die Reifen liefern.
- Wiederholt das Ganze immer wieder und verringert jedes Mal den Druck.
- Wenn der Druck zu niedrig wird, fühlen sich die Reifen in Kurven schwammig an und werden instabil bei hohen Geschwindigkeiten. Versucht, den Punkt zu finden, an dem eine weitere Reduktion des Reifendrucks die Performance nicht mehr verbessert.
- Spielt mit der Balance zwischen Hinter- und Vorderreifen. Normalerweise könnt ihr vorne etwas weniger Druck fahren.
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