Der passende Reifendruck beeinflusst unsere Performance auf dem Rennrad ebenso wie die individuelle Sitzposition oder das ausgewählte Material. Die Zeiten, in denen mit 18mm Pneus über schlechte Straßen gefahren wurde, sind glücklicherweise vorbei.
Wie finde ich den optimalen Luftdruck?
Das individuell richtige Setting für den Reifendruck hängt von mehr Faktoren ab, als man auf den ersten Blick vermutet.
Herstellerangaben auf dem Reifenmantel
Die wichtigste Information ist der vom Reifenhersteller freigegebene Reifendruckbereich. Dieser ist üblicherweise auf dem Reifenmantel aufgedruckt.
Der minimale bzw. maximale Reifendruck sollten nicht unter- bzw. überschritten werden. Dazwischen kann man einen für sich optimalen Reifendruck wählen; die nachfolgenden Empfehlungen sollen dabei helfen.
Fahrrad Reifendrucktabelle
Im Internet kursieren diverse Tabellen mit Richtwerten für den optimalen Luftdruck, die aber meist recht ähnliche Empfehlungen enthalten. Nachfolgend eine Reifendrucktabelle aus Wikipedia:
| Reifenbreite | Reifendruck |
|---|---|
| 20 mm | 9,0 bar |
| 23 mm | 8,0 bar |
| 25 mm | 7,0 bar |
| 28 mm | 6,0 bar |
| 32 mm | 5,0 bar |
| 35 mm | 4,5 bar |
| 37 mm | 4,5 bar |
| 40 mm | 4,0 bar |
| 44 mm | 3,5 bar |
| 47 mm | 3,5 bar |
| 50 mm | 3,0 bar |
| 54 mm | 2,5 bar |
| 56 mm | 2,2 bar |
| 60 mm | 2,0 bar |
Wie man an dieser Reifendruck-Fahrrad-Tabelle schön sehen kann, benötigen schmale Fahrradreifen einen hohen Reifendruck und breite Fahrradreifen einen niedrigen Reifendruck.
Gewicht des Fahrers und der Beladung
Die Reifendruck-Empfehlung in obiger Tabelle bezieht sich auf 75 kg für das Gewicht des Radfahrers samt Beladung (Gegenstände im Fahrradkorb, Fahrradtaschen, Rucksack).
Pro 1 kg Mehrgewicht kann der Luftdruck um etwa 1 % erhöht werden, bei weniger Gewicht entsprechend verringert.
Einfluss des Untergrunds / Optimierte Traktion
Der Untergrund, auf dem man fährt, ist ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für den optimalen Reifendruck. Generell gilt: Je härter und gleichmäßiger der Untergrund, desto höher kann der Fahrradreifen-Druck sein. Ein höherer Reifendruck reduziert den Rollwiderstand des Fahrradreifens auf dem Untergrund.
Bei unbefestigten Schotter-, Sand- und Waldwegen ist ein niedriger Reifendruck die bessere Wahl. Der Reifen federt kleine Bodenunebenheiten besser ab. Zudem schmiegen sich die Reifen stärker an den Boden an, es entsteht eine größere Auflagefläche und der Reifen hat eine höhere Bodenhaftung (Grip).
Bei Regen, Schnee und Eis sollte man ebenfalls mit weniger Druck fahren, denn das verringert die Gefahr wegzurutschen.
Nachfolgende Übersicht fasst die Vorteile von höherem bzw. niedrigerem Reifendruck zusammen:
| Niedriger Reifendruck | Hoher Reifendruck |
|---|---|
| Geringerer Rollwiderstand auf unebenem Untergrund | Geringerer Rollwiderstand auf glattem Untergrund |
| Mehr Federungskomfort | Geringerer Verschleiß |
| Mehr Grip | Geringere Pannenanfälligkeit |
Den für sich optimalen Reifendruck findet man, indem man den Luftdruck ein wenig variiert und jeweils eine Probefahrt macht.
Warum ist der richtige Reifendruck wichtig?
Abgesehen von den oben genannten Auswirkungen auf den Fahrkomfort, sollte der Reifendruck keinesfalls zu niedrig oder zu hoch sein. Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die möglichen Probleme bei falschem Luftdruck im Fahrradreifen, die im Nachgang ausführlicher erläutert werden:
| Zu niedriger Reifendruck | Zu hoher Reifendruck |
|---|---|
| Verringerte Lebensdauer | Verringerte Lebensdauer |
| Gefahr des Durchschlags | Schlechtere Dämpfung |
| Schlechtere Fahrstabilität in Schräglagen | Erhöhte Erschütterungen |
| Gefahr eines Ventilabrisses beim Schlauch | Geringere Bodenhaftung |
Die Auswirkungen von zu niedrigem Reifendruck
Ein zu geringer Reifendruck verursacht eine erhöhte Walkarbeit des Reifens, was die Flanken des Reifens stärker beansprucht und schneller brüchig werden lässt. Das verringert die Lebensdauer des Reifens.
Ebenso kann es bei Fahrradreifen mit Schlauch zu einem Durchschlag kommen, wenn z.B. eine Bordsteinkante oder ein Stein überfahren wird. Dabei wird der Fahrradschlauch zwischen Mantel und Felge eingeklemmt und durchstanzt. Da der Schlauch doppelt liegt, entstehen dadurch meist zwei nebeneinander liegende Löcher, die als Snake Bite bezeichnet werden, weil sie an einen Schlangenbiss erinnern. Starke Aufschläge können sogar die Felge verformen und sie damit beschädigen.
In Kurven kann ein zu niedriger Reifendruck zu schlechterer Fahrstabilität führen, denn der Reifen beginnt zu „schwimmen“, d.h. er bewegt sich ein Stück weit quer zur Fahrtrichtung. Das verschlechtert das Fahrverhalten und die Fahrsicherheit.
Bei einem zu niedrigem Reifendruck sitzt der Reifen nicht mehr so fest auf der Felge, dass er besonders beim Bremsen in Längsrichtung wandern kann. Das zieht den Schlauch mit und führt zu seitlicher Belastung am fest in der Felge eingeschraubten Luftventil. Nach einiger Zeit kann das zu einem Riss am Ventil oder sogar zum Ventilabriss kommen und der Schlauch wird undicht.
Die Auswirkungen von zu hohem Reifendruck
Ein zu hoher Reifenluftdruck kann zu Dehnungsrissen im Gummi führen und den Reifen ausbeulen, das verringert die Lebensdauer des Reifens.
Auch führt ein hoher Reifendruck unmittelbar zu einer schlechteren Dämpfung von Bodenunebenheiten, Stöße werden direkter auf Rahmen und Fahrer übertragen, insbesondere dann, wenn das Fahrrad keine Federgabel und Hinterradfederung hat. Der Fahrer nimmt dies als erhöhte Erschütterungen wahr.
Die geringe Elastizität des Fahrradreifens bei sehr hohem Reifendruck führt zu einer kleinen Kontaktfläche des Reifens mit dem Boden, das bedeutet eine geringere Bodenhaftung (Grip) sowohl auf glattem als auch auf unebenem Untergrund.
Zusätzliche Faktoren und Tipps
Je breiter der Reifen ist, desto weniger Luftdruck benötigt er. Unabhängig von der Reifenbreite braucht der Reifen bei Nässe und hier besonders in Kurvenlage mehr Grip und Haftung, damit wir nicht wegrutschen. Hier als Faustformel: bei Nässe ca. Natürlich gilt, je schwerer die Person, die auf dem Rad sitzt, desto mehr Luftdruck muss befüllt werden.
An den Seitenflanken eines Reifens steht immer eine Herstellerangabe, eine sog. Range, die besagt, mit welchem Druck in Bar/PSI der Reifen mindestens befüllt werden sollte - und maximal befüllt werden darf. Je nach Reifenbreite und Bedingungen gilt bzgl. Bei immer wiederkehrenden oder gar chronischen orthopädischen Problemen (Schulter-Nacken, untere Rücken) empfiehlt es sich, besonders bei einem Körpergewicht zwischen 50-70 Kilogramm, den Reifendruck zwischen der mittleren und unteren Empfehlung des Herstellers anzusiedeln.
Tubeless Reifen, die ohne Schlauch gefahren werden, haben einen schnelleren Luftverlust als Clincher. Bei Clinchern ist der Luftverlust stark davon abhängig, mit welchem Schlauchmaterial diese bestückt werden. Die „klassischen“ Butyl Schläuche halten die Luft 7-10 Tage, leichte TPU Schläuche (z.B. Tubolito) halten die Luft am längsten, hier reicht eine Kontrolle alle 10-14 Tage.
Sclaverand Ventile können bei Feuchtigkeit und/oder Kälte in ihrer Funktion nachlassen -> soll heißen, dass die Luft schneller entweichen kann.
Tipps zum Aufpumpen der Reifen
Zum Aufpumpen der Fahrradreifen empfiehlt sich eine Fahrradpumpe mit Manometer, also mit einer Anzeige für den Luftdruck. Eine Übersicht über die verschiedenen Arten von Luftpumpen findest du im Artikel zu Fahrradpumpen.
Regelmäßige Überprüfung und Anpassung
Ein Fahrradreifen kann pro Monat bis zu 1 bar an Reifendruck verlieren. Generell gilt dabei, dass hoher Druck schneller verloren geht als niedriger Druck, d.h. bei Reifen mit hohem Reifendruck muss man öfter nachpumpen.
Der Reifendruck sollte also regelmäßig überprüft werden, besonders vor längeren Fahrradtouren.
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