Geisterräder: Mahnmale für verunglückte Radfahrer

In vielen Städten sieht man weiß gestrichene Fahrräder an der Straße stehen - festgekettet, oftmals an gut sichtbaren Stellen wie zum Beispiel an belebten Kreuzungen. Bei den genannten Personen handelt es sich um an dieser Stelle tödlich verunglückte Radfahrer, denen dieses Geisterrad, auch Mahnrad oder Ghost Bike genannt, gewidmet ist.

Die Geisterräder sollen zum einen an die verunglückten Radfahrer erinnern, zum anderen aber auch an entsprechenden Gefahrenstellen warnen.

Ursprung und Verbreitung der Geisterräder

Die Geschichte der Geisterräder beginnt mit 20 Rädern, die Freiwillige im Jahr 2002 im US-Bundesstaat Missouri aufstellten. Die ersten Ghost Bikes wurden im Jahr 2003 in St. Louis im Bundesstaat Missouri aufgestellt. Es folgten viele weitere Städte in den Vereinigten Staaten, sowie später auch Kanada (2007), Brasilien (2006) und Australien. Seitdem wurden auch in Deutschland immer wieder Geisterräder als Mahnmale errichtet.

Oftmals verantwortlich dafür zeichnen sich die Kreis- und Ortsverbände des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Insbesondere in Deutschland und Österreich ist diese Bewegung bekannt.

Funktion und Bedeutung der Geisterräder

Die Räder dienen jedoch nicht nur als Gedenkstätte, sie sollen auch zur Vorsicht mahnen und auf Gefahrenstellen hinweisen. Das weiße Geisterrad signalisiert, dass hier jemand auf einem Fahrrad zu Tode gekommen ist. Das Andenken an den Menschen, der bei einem Unfall getötet wurde, steht für mich beim Aufstellen eines Ghost Bikes an erster Stelle.

Das weiße Fahrrad soll darüber hinaus ein sichtbares Zeichen für die vielen Opfer der autozentrierten Verkehrsinfrastruktur sein, die ich nicht einfach hinnehmen werde - und dass noch sehr viel für eine Verkehrswende und die sichere Teilnahme von allen im Verkehr zu tun ist.

Sie sind ein Ort des Trauerns, der Mahnung und sollen unsere Solidarität gegenüber der Angehörigen zeigen. Das Ghost Bike ist eine Aufforderung zum Nachdenken, ist also ein „Denkmal“.

Die Rolle des ADFC und anderer Initiativen

Der ADFC fordert, dass die Politik mehr für die Sicherheit sorgt. Fahrradinitiativen wie VeloCityRuhr stellen dann mit Angehörigen ein weiß lackiertes Fahrrad an der Stelle auf, oft weißt ein kleines Schild am Rad auf den Unfall hin. Mit Unterstützung einer Aktivengruppe organisieren wir für jedes Opfer eine Kundgebung und stellen ein weißes Rad als Mahnmal auf.

Das bietet uns die Möglichkeit, mit Mitstreitern, Angehörigen, Ersthelfern, Zeugen und anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Es ist tatsächlich immer mehr Arbeit als man glaubt und es wäre schön, wenn sich mehr Leute zu dieser Art der Trauerbewältigung berufen fühlten.

Denn es ist für eine gute Sache. Wir gedenken damit eines Menschen, der bei einer Tätigkeit getötet wurde, die man selber liebt - dem Radfahren.

Beweggründe der Aktivisten

Aber was motiviert Menschen eigentlich, an Opfer zu erinnern, die sie gar nicht kannten? Warum setzen sie sich so intensiv damit auseinander, wenn ein*e Unbekannte*r in der Stadt gestorben ist. Ich kümmere mich in Frankfurt um das Aufstellen und die Pflege der Ghost Bikes und den jährlichen Ride of Silence, weil ich finde, dass die getöteten Radfahrer*innen ein angemessenes Andenken verdienen.

Deren Tode hätten in den meisten Fällen durch bessere Infrastruktur und mehr Rücksicht von Seiten der motorisierten Verkehrsteilnehmenden verhindert werden können. Die Ghost Bikes bieten einen Ort, an die getöteten Menschen zu erinnern.

Auch wenn ich diese Menschen nicht persönlich kannte, sind sie doch Teil dieser Gemeinschaft gewesen, und ihr Tod sollte nicht unsichtbar und unkommentiert bleiben. Ghost Bikes stelle ich auf, damit der Verkehrstod eines Menschen sichtbar wird.

Alle Verkehrsteilnehmer sollten sich mit den Folgen ihrer Fortbewegungsart auseinanderzusetzen. Das Ghost Bike soll diesen Irrsinn sichtbar machen. Es soll permanent daran erinnern, dass sich etwas an den Regeln und am Verhalten im öffentlich Raum grundlegend ändern muss, bis niemand mehr sterben muss, weil er von A nach B wollte.

Beispiele und persönliche Geschichten

Im Januar 2018 fuhr mein Mann mit Kollegen seines Radsportvereins zur ersten Trainingsfahrt des neuen Jahres los. Während der Tour kam es zu einem Unfall mit einem Pkw, bei dem mein Mann tödlich verletzt wurde. Dennoch stand von Anfang an außer Frage, dass wir ein Ghost Bike aufstellen würden.

Es wurde im April 2018 von Freunden, Kollegen, Radsportlern des Vereins und mir in einer kleinen Zeremonie aufgestellt. Ich besuche es regelmäßig - alle zwei bis drei Wochen -, bringe es in Ordnung und stelle Blumen auf.

Am 4. September verunglückte eine Radfahrerin auf der Speyerer Straße zwischen Oggersheim und Mutterstadt beim Überholen durch einen Traktor tödlich. Die traurige Realität dieses Unfalls macht deutlich, wie wichtig eine sichere Radverkehrsinfrastruktur ist.

Diana Pügner kommen noch oft die Tränen, wenn sie an dem weißen Fahrrad an der Kreuzung Schützenstraße/Bismarckstraße in Görlitz vorbeikommt. Hier starb ihr Vater vor fast genau fünf Jahren bei einem Unfall mit dem Fahrrad.

Frank Janßen kam bei einem Fahrradunfall ums Leben. Es handelt sich um ein sogenanntes Geisterfahrrad, mit dem Sonja Janßen nicht nur an ihren verstorbenen Mann sowie weitere im Straßenverkehr tödlich verletzte Radfahrer erinnern möchte.

Sie will ein Mahnmal setzen, das alle Menschen daran erinnert, im Straßenverkehr aufeinander Rücksicht zu nehmen und vorsichtig zu sein.

Statistiken und Fakten

Laut ADFC kamen alleine im vergangenen Jahr 383 Radfahrer ums Leben. Demnach sind deutschlandweit im Jahr 2022 insgesamt 266 Radfahrer ohne Hilfsmotor und 208 Pedelec-Fahrer tödlich verunglückt.

JahrTödlich verunglückte Radfahrer (ohne Hilfsmotor)Tödlich verunglückte Pedelec-Fahrer
2019leicht verringertgestiegen
2022266208

Weitere Denkmäler und Kunstwerke zum Thema Radfahren

Hier aufgeführt sind Kunstwerke, Denkmäler oder andere Sehenswürdigkeiten, die mit dem Fahrrad bzw. dem Radfahren in Verbindung stehen. Diese können beispielsweise Bezug zum Radsport, zur Kulturgeschichte oder zur technischen Entwicklung des Fahrrads haben.

  • Joaquim Rodríguez, spanischer Radprofi von 2001 bis 2016 und in Andorra ansässig, erhielt auf dem Coll de la Gallina ein Denkmal.
  • Die Skulptur Esforç veranschaulicht die Zielankunft mehrerer Tour- und Vuelta-Etappen an diesem Ort; sie wurde 2018 aufgestellt.
  • Monumento al ciclista mit unbekanntem Hintergrund. Die Radlerfigur ist eine drehbare Wetterfahne, die daher immer Rückenwind hat.
  • Abstrakte Metallskulptur eines Radlers, die wohl auf eine jährlich organisierte Radtour von Gaiman nach Beltrán über mehr als 500 km Länge zurückgeht.
  • Zwischen Brandsen und Jeppener steht am Straßenrand ein Gedenkstein für den Unfall, dem Víctor Velázquez durch einen Lastwagen zum Opfer fiel.
  • Das Monumento al ciclismo steht an der Landstraße westlich von Rivadavia bei einem Aussichtspunkt.
  • Ebenfalls einsam an der Landstraße steht eine Skulptur, die auf die Tour de San Luis zurückgeht.
  • Ein übergroßes Fahrrad dient als Monumento a la Solidaridad, wie die dahinterstehende Tafel verrät.
  • Biociclo nennt sich eine 2012 aufgestellte Skulptur eines "Design-Fahrrads", das zur Verkehrswende aufrufen soll.
  • La Cumbre ist jährlicher Veranstaltungsort des Desafio Río Pinto, mit 5000 Teilnehmern eine der größten Radsportveranstaltungen Argentiniens.
  • In einem schreinartigen Schaukasten ist ein älteres Lastenfahrrad ausgestellt, der Hintergrund ist unbekannt.
  • Aufwändiges Standbild des lokalen Radsporthelden Antonio Matesevach, der in den 1960er und 1970er Jahren aktiv war.
  • Claudio Lepratti war engagierter Sozialarbeiter, der bei Unruhen im Jahr 2001 von der Polizei erschossen wurde, als er Schulkinder schützen wollte.
  • Hubert Opperman war Pionier des australischen Radsports in den 1920er und 1930er Jahren.
  • Im tasmanischen Dorf Evandale findet jährlich ein Rennen auf historischen Hochrädern statt.
  • Das Rennen Melbourne-Warrnambool besteht seit 1895 und ist damit eines der ältesten der Welt.
  • Vor dem Recycling-Center des Stadtteils Chullora findet sich das 1997 gebaute und über fünf Meter hohe Big Bicycle.
  • An der Passhöhe unterhalb des Gipfels steht das Kreuz für Amand Jubaru, der dort durch einen Fahrradunfall ums Leben kam.
  • U.a. Karel van Wijnendaele war Begründer und langjähriger Organisator der Flandern-Rundfahrt.
  • Metrostation Eddy Merckx.
  • Denkmal für Cyrille Van Hauwaert, Pionier des Radsports in Belgien, im Sportkomplex seines Heimatorts.
  • Koolskamp ist der Austragungsort des traditionsreichen Rennens Meisterschaft von Flandern, rund um die Kirche gibt es mehrere Andenken an das Rennen.
  • Ein aus 1800 Rennfahrer-Porträts zusammengesetztes Mosaik erinnert an den Frühjahrsklassiker Gent-Wevelgem.
  • Ein Kreisel am Wendepunkt des Eintagesrennens Lüttich-Bastogne-Lüttich ist mit Skulpturen von Rennsportszenen dekoriert.
  • Sean Kelly, "dem besten Klassikerfahrer seiner Generation", ist ein Gedenkstein in Vielsalm gewidmet.
  • Stan Ockers war Mitte der 1950er Jahre einer der bestimmenden Rennfahrer.
  • Am Ufer der Ourthe in Esneux steht ein Ehrenmal der belgischen Fahrradtruppen beider Weltkriege.
  • Die Gemeinde Meise hat vor ihrem neuen Rathaus in Wolvertem ein Denkmal für ihren langjährigen Bürger Eddy Merckx aufgestellt.
  • Vor der Dorfkirche in Berg steht eine Büste von Raymond Impanis.
  • Büste von Lomme Driessens, Ehrenbürger der Gemeinde, der als erfolgreicher Sportdirektor im Radsport bekannt wurde.
  • Fahrer aus dem wallonischen Dorf Florennes dominierten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die Tour de France.
  • Die Pedaalstompers sind eine Vereinigung im Ort Westmalle, die ein Riesentandem für 35 Personen bauten und damit einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde aufstellten.
  • In seinem Geburtsort Arendonk steht eine Büste von Rik Van Steenbergen, u.a.
  • Die Skulptur De Blauwer en de Frontalier erinnert an die ehemalige Situation nahe der französischen Grenze.
  • Denkmal für Frans De Mulder, der u.a.
  • Am linksseitigen Treidelweg der Schelde südlich von Gent wurde 2011 ein Gedenkstein für die Rennfahrer Frederiek Nolf, Wouter Weylandt und Dimitri De Fauw aufgestellt, die in den Jahren 2009 und 2011 ums Leben kamen.
  • Im Viertel Vogelzang im Osten der Region Brüssel war Eddy Merckx bis zum Beginn seiner Karriere zu Hause, eine Stele erinnert daran.
  • In der Ortsmitte des Dorfs Ichtegem steht die Skulptur eines Radfahrers unter dem Namen "De Flandrien".
  • Aus dem Dorf stammt der Fahrer Jules Vanhevel, der in den 1920er-Jahren je einmal die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix gewann.
  • Das Städtchen Gistel in Westflandern ist Heimat von Sylveer Maes, zweimaligem Toursieger in den 1930er-Jahren, und Johan Museeuw, ehem. Weltmeister und dreimaliger Roubaix-Gewinner.
  • Einige Kilometer nordwestlich von Diksmuide nahe der IJzer steht die Kapelle Oud Stuivekens.
  • Neben der Kirche seines Heimatorts steht ein lebensgroßes Abbild von Briek Schotte in Aktion.
  • Denkmal von Lucien Buysse, Sieger der Tour de France 1926, vor der Kirche seines Heimatorts (weitere Details).
  • Der in Zerkegem geborene Romain Maes gewann 1935 die Tour de France.
  • Zu Beginn der Paddestraat in Velzeke steht eine Stele zu Ehren der Flandern-Rundfahrt.
  • Marcel Kint gewann u.a. die Straßen-WM 1938.
  • Ronse war Austragungsort der Straßen-WMs 1963 und 1988.
  • Jan Wouters war Zielrichter bei zahlreichen Wettkämpfen auf höchstem Niveau (Tour, WM etc) und Vorsitzender der Technischen Kommission der UCI.
  • An der Mauer von Huy, Endpunkt des Rennens Flèche Wallonne, wurde 2015 eine Skulptur für den zuvor verstorbenen Claude Criquielion eingeweiht, der aus Wallonien stammte, in den 1980ern das Rennen zweimal gewann und zudem Straßenweltmeister war.
  • Auf dem Col d'Haussire in den Ardennen, oberhalb der Stadt La Roche-en-Ardenne, steht ein weiterer Gedenkstein für Claude Criquielion.
  • Tafel am Geburtshaus von Maurice De Waele, u.a.
  • Lucien van Impe gewann 1976 als bislang letzter Belgier die Tour de France.
  • Vor dem Geburtshaus Eddy Merckx' wurde anlässlich der Tour de France 2015 eine Skulptur aufgestellt.
  • Die Gemeinde Bredene bei Ostende ehrt ihre Lokalhelden Oscar Goethals, Marcel Seynaeve und Charles Verkeyn mit einem 2016 eingeweihten Riesenfahrrad.
  • Fred De Bruyne aus Berlare war einer der erfolgreichsten Klassiker-Fahrer der Radsportgeschichte.
  • Gedenktafel am Geburtshaus Jean-Pierre Monserés, der als amtierender Weltmeister 1971 bei einem Rennunfall ums Leben kam.
  • Auf dem Marktplatz von Nieuwkerke in Westflandern ist Lucien Storme eine Gedenktafel gewidmet.
  • Ein Standbild von Rik Van Looy wurde 2017 in Herentals eingeweiht, es steht auf dem Marktplatz.
  • Van Looy ist einer von nur drei Fahrern, die in ihrer Karriere alle fünf "Monumente" des Radsports gewinnen konnten.
  • Nur wenige Meter vom Standbild Rik Van Looys entfernt hängt an der Hauswand eine Gedenktafel für Rob Goris, der als Eishockeyspieler und Radprofi tätig war, aber im Alter von nur 30 Jahren verstarb.
  • Die Skulptur Os Ciclistas in diesem Vorort São Paulos soll Symbol einer angestrebten Verkehrswende sein, auch wenn sie eher Radsportler darzustellen scheint.
  • Am Strand von Itararé findet man das 2008 eingeweihte Denkmal des Ciclista trabalhador, d.h. derjenigen, die sich mit dem Fahrrad zur Arbeit begeben.
  • Claudio Clarindo war Ultramarathon-Radsportler und u.a. mehrfacher Teilnehmer des Race Across America.
  • Abstrakte Skulptur eines roten Hochrads, aufgestellt im Jahr 2017 zum 200. Bestehen des Fahrrads.
  • Im Parque Bicentenario findet sich eine 2011 aufgestellte, etwas eigenwillige Skulptur namens La Búsqueda (Die Suche).
  • Vom selben Künstler wie in Vitacura stammt die Skulptur Oda a la ciclovia am Ufer des Río Mapocho.
  • Ein stählerner Radfahrer trotzt dem Verkehr in Rancagua.
  • Im Stadtzentrum steht ein 2010 eingeweihtes Standbild des ehemaligen Bürgermeisters Bernhardt Jensen samt Fahrrad.
  • Relief für Freiherrn v.
  • Die Kirche in Weßnig bezeichnet sich als "Erste Radfahrerkirche Deutschlands" und soll Touristen des Elberadwegs zum Anhalten bewegen.
  • Ein Denkmal am Karlsplatz steht am Wendepunkt der ersten Testfahrt, die Karl Drais am 12.
  • Am Ems-Radweg auf Höhe der Jann-Berghaus-Brücke gegenüber von Leer steht eine Balance genannte Skulptur.
  • Im Ortskern von Nottuln findet man eine Skulptur, die einen abgemagerten Radfahrer mit Dreitagebart zeigt, der sein Geld zählt.
  • Vorm Rathaus in Netphen bei Siegen findet man einen radfahrenden Keiler.
  • Philipp Moritz Fischer erfand 1853 ein Tretkurbelfahrrad, veröffentlichte die Erfindung jedoch nicht.
  • Vorm Bahnhof verweist eine farbenfrohe Skulptur auf die Fahrradstation "Gleis 31".
  • Die Postliesl in der Hoheluftchaussee stellt eine radfahrende Briefträgerin dar.
  • Vor dem Oberen Tor steht das Radlträger-Denkmal.

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