Marie Therese Schwinn - Eine Biographie

Eva Strittmatter (1930-2011) war eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Lyrikerinnen.

Ihre Gedichtbände und Briefe aus Schulzenhof erreichten bereits in der DDR ein Millionenpublikum. Eva Strittmatters literarische Laufbahn begann jedoch nicht in Schulzenhof, sondern bereits in Neuruppin, in der „Stadt, die ich liebte, die mich liebte“.

Zeitlebens waren ihr Geburtsort und die märkische Landschaft im Wechsel von Werden und Vergehen Inspirationsquelle für ihre zeitlose Lyrik.

Am 1. Dezember 2022 jährt sich der Geburtstag von Anna Louisa Karsch zum 300. Mal.

Sie hinterließ zahllose Gedichte, Libretti und Briefe, war eine der faszinierendsten Autorinnen des 18. Jahrhunderts und die erste in Deutschland, die von ihrer Dichtung lebte.

Das Buntbuch folgt Karschs Spuren ab 1761 und erzählt von ihren literarischen Erfolgen und Misserfolgen in Berlin sowie von ihrer Suche nach einer Heimat, einem Haus.

Annett Gröschner, 2021 als „unermüdliche Chronistin“ mit dem Großen Kunstpreis Berlin und dem Klopstock-Preis für neue Literatur ausgezeichnet, erzählt von der „Karschin“ und ihrem Berliner Leben.

Ende der 1960er-Jahre schien dem Schriftsteller Günter de Bruyn (1926-2020) die Region um Görsdorf/Beeskow - die er das Abseits nannte - ein geeigneter „Unterschlupf“ zu sein, um sich aus der „DDR-Welt“ zurückzuziehen: „Ich war, dachte ich, in die Emigration gegangen, ohne das Land, das mich hielt, verlassen zu haben.

Dem Staat war ich auf seinem eignen Territorium entflohen.“

Nicht nur in seinem autobiografischen Lebensbericht Vierzig Jahre (1996) begegnet man jenem Landstrich, der de Bruyn fünf Jahrzehnte lang Arbeits- und Lebensrefugium war.

Bereits in seiner 1978 erschienenen Erzählung Märkische Forschungen sowie in den Romanen Neue Herrlichkeit (1985) und Der neunzigste Geburtstag.

„Diese ganze Berliner Angelegenheit ist ein so zartes Ding, ist mit letzter Kraft erhascht.“ Franz Kafka, 1923 Berlin war ein Sehnsuchtsort für den Prager Schriftsteller und Versicherungsangestellten Franz Kafka.

Seit seinem ersten Besuch im Dezember 1910 träumte er von der Übersiedlung in die Spreemetropole.

Berlin versprach das Eintauchen in einen modernen Lebensstil, den Anschluss an die literarische Avantgarde, die Lösung aus den Bindungen an Herkunft, Familie und Brotberuf.

»Für mich hängt Berlin wirklich über Prag, wie der Himmel über der Erde«, schrieb Kafka an seine Verlobte Felice Bauer.

Die berufstätige junge Frau, die im Büro einer Berliner Schallplattenfirma arbeitete, war die ideale Projektionsfläche für Kafkas Sehnsucht nach dem modernen Berlin.

Das Heiratsprojekt scheiterte.

Der Rechtsanwalt Gustav Herzfeld (1861-1942), der wohlhabenden Familie Hallgarten-Herzfeld entstammend, gestaltete sein Leben zwischen New York, Berlin und Potsdam über die großen Zäsuren der deutschen Geschichte hinweg.

Befreundet mit Persönlichkeiten wie dem „Vater“ der Weimarer Verfassung Hugo Preuß oder dem Ethnologen und Direktor des Berliner Völkerkundemuseums Karl von den Steinen, belebte Gustav Herzfeld seit der Jahrhundertwende das kulturelle Leben von Potsdam zwischen Jurisprudenz, Wissenschaft, Literatur und den schönen Künsten.

Herzfelds weitläufige Familie, aus der Personen wie John Heartfield und Wieland Herzfelde international Berühmtheit erlangten, stemmte sich seit 1933 gegen die nationalsozialistische Verfolgung.

Mit Gustav Herzfelds Hilfe konnten sich Familienmitglieder ins Ausland retten.

Andere fielen der Vernichtung in Theresienstadt, Sobibor oder Auschwitz zum Opfer.

Magnus Hirschfeld schrieb in seiner Studie Die Transvestiten (1910/12): »Der junge Transvestit Willi Pape, dessen Veranlagung durch einen Selbstmordversuch in Frauenkleidern bekannt wurde.

Seine Eltern wurden vom Verfasser über seinen eigenartigen Zustand aufgeklärt und gestatteten ihm dann, zum Varieté zu gehen, wo er seitdem mit größtem Erfolg als Schlangentänzerin auftritt.«

Willy Pape (1891-1940) war unter seinem Künstlernamen Voo Doo das Tanzphänomen der Varietébühnen der 1920er-Jahre in Berlin, Zürich, Paris und Wien.

Mann oder Frau? Das war immer die Frage.

Klassischer Damendarsteller oder frühes Beispiel von Trans*, queer oder non-binär?

Voo Doo war immer mehr Bühne als Boulevard, mehr Spitzenartist als Sternchen, mehr fleißiger Arbeiter als Salonheld.

Schließlich eröffnete er einen Club, zu dessen Gästen auch Klaus Mann zählte.

Ein Vierteljahrhundert lebte Franz Fühmann (1922-1984) in Märkisch Buchholz.

Dort entstand ein Großteil seines Werkes: Kinderbücher, Gedichte, Essays, Erzählungen und Briefe.

Warm geworden ist er mit der märkischen Landschaft nicht, ein Gefühl der Fremdheit blieb dem im Sudetenland Aufgewachsenen, wie er bereits 1968 anlässlich eines (unabgeschlossenen) Buchprojektes bekundete: „Die Reisen nach Preußens Schoß haben mir deutlich gemacht, was ich eigentlich bin: ein österreichischer Schriftsteller in einem Land, dem dankbar zu sein ich genaue historisch-politische Gründe habe.

Paul Alfred Kleinert begibt sich zu Fühmanns 100.

Rudolf Borchardt (1877-1945) ist neben Thomas Mann, Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke einer der großen deutschsprachigen Briefschreiber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Zunächst noch aus Deutschland und ab 1905 vor allem aus Italien spannt er mit seinen zahllosen Korrespondenzen ein filigranes Briefnetzwerk über ganz Europa, mit dessen Hilfe er sein Programm einer ‚schöpferischen Restauration‘ der abendländischen Kultur in einer Krisenepoche umzusetzen versucht.

In dem Band werden Borchardts deutsche, italienische und englische Briefwechsel mit Dichterfreunden, Gelehrten und Verlegern erstmals im Überblick dargestellt.

Daneben ist Borchardt ein großer Liebesbriefautor.

Die Briefe an seine zweite Ehefrau Marie Luise Voigt sowie an die von ihm ebenso leidenschaftlich wie vergeblich geliebte und kunstvoll umworbene lesbische Bildhauerin Christa Winsloe werden eingehend untersucht.

Der 1863 in dem kleinen märkischen Dorf Hermsdorf (Münchehofe) geborene Richard Dehmel, wuchs in Kremmen auf, besuchte in Berlin das Gymnasium, machte in Danzig Abitur, promovierte nach einem Studium der Ökonomie in Leipzig, arbeitete, bis er als freier Schriftsteller leben konnte, als Angestellter in der Versicherungswirtschaft.

Er war zweimal verheiratet, häufig unglücklich verliebt, Vater dreier Kinder.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg hat er Berlin verlassen, und zog, nun ein berühmter Mann, mit seiner zweiten Frau Ida Dehmel nach Hamburg.

Sein Haus in Blankenese, einst von reichen Gönnern dem Dichter geschenkt, kann nach seiner Restaurierung als „Gesamtkunstwerk“ von Richard und Ida Dehmels Hand besichtigt werden.

Die Mark, das Forsthaus in Kremmen, in dem Richard Dehmel aufwuchs, haben reiche Spuren in seinem Werk hinterlassen.

Er soll der Firmenerbe des zweitgrößten Lokomotivbau-Unternehmens der Welt werden: Arnold von Borsig (1899-1972) macht erste praktische Erfahrungen in der väterlichen Maschinenfabrik in Berlin, freundet sich während des Studiums mit Theodor Haubach und Carlo Mierendorff an, ist von den Ideen des Soziologen Eugen Rosenstock-Huessy begeistert und trifft Schriftsteller wie Carl Zuckmayer und Arnold Zweig.

Von einem zweijährigen Aufenthalt in den USA bringt er Ideen zur Modernisierung der Firma mit, wird jedoch durch die Weltwirtschaftskrise ausgebremst und steigt schließlich aus dem Unternehmen aus.

Der weltgewandte und liberale Borsig sieht früh die Gefahr, die vom Aufstieg der Nationalsozialisten ausgeht.

In seinem Berliner Salon tragen bis 1933 Wissenschaftler und Intellektuelle vor, die später emigrieren oder in den Widerstand gehen, wie Arvid Harnack, Albrecht Haushofer oder Wilhelm Röpke.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten emigriert Tet Arnold von Borsig zunächst nach Italien, wo er beginnt, sein Hobby, das Fotografieren, systematisch zu betreiben.

Anfang 1939 geht er nach New York.

Als 1941 deutsche Guthaben in den USA eingefroren werden, muss er mit seinen Fotos Geld verdienen.

Seit 1949 kann er, nun amerikanischer Staatsbürger, wieder Deutschland und Europa besuchen und schließlich auch wieder in Deutschland veröffentlichen.

Ernst-Friedrich Harmsen greift für die Biografie von Tet Arnold von Borsig auf das Familienarchiv zurück und zeigt, dass die Umbrüche im Familienunternehmen der Borsigs eng verwoben sind mit den politischen Entwicklungen in der ersten Hälfte des 20.

Mit seiner erstmals 1988 erschienenen Publikation Mit dem Davidstern auf der Brust - Spuren der jüdischen Sportjugend in Berlin zwischen 1898 und 1938 leistete Kurt Schilde Pionierarbeit - sowohl, was die Gründung des ersten Berliner jüdischen Turnvereins Bar Kochba im Jahr 1898 anbelangt, als auch, was das Gedenken an die Zerschlagung des jüdischen Sports im Nationalsozialismus betrifft.

Schildes Konzentration auf Berlin ist insofern gerechtfertigt, weil Bar Kochba Berlin der Ausgangspunkt für die Makkabi-Weltbewegung war.

Seine wegen der vorzüglichen Bebilderung mit vielen zeitgenössischen Fotos und Dokumenten rasch vergriffene Studie war der Startschuss für weitere lokale, regionale oder kulturhistorisch angelegte Studien zum jüdischen Sport.

Hans Joachim Teichler ordnet in seinem Kurt Schildes Text zur Seite gestellten Essay Jüdische Sportlerinnen und Sportler in Deutschland die Situation der Berliner jüdischen Sportjugend in einen weiteren Kontext ein.

Die große Aktualität des Bandes unterstreicht Christian Krull, der Vorsitzende der Sportjugend Berlin: „Die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung jüdischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener, die bis 1938 in jüdischen Sportvereinen Zuflucht suchten, mahnt uns, wachsam zu bleiben.

Die Neuauflage von Mit dem Davidstern auf der Brust setzt diesen Menschen ein würdiges Denkmal.

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