Mavic Felgen Rennrad Test: Ein umfassender Überblick

Der Markt für Rennrad-Laufräder ist in Bewegung. Junge Laufradmarken setzen die etablierten unter Druck - nicht nur in Sachen Preis/Leistung. Mit Aerycs, Leeze, Newmen und Winspace unterbieten gleich vier junge Anbieter im Test die 1500-Gramm-Grenze deutlich - zu attraktiven Konditionen. Dass die Modelle der großen Anbieter im Handel oft günstiger zu haben sind, als es die unverbindliche Preisempfehlung vermuten lässt, relativiert den Preisvorteil der Herausforderer. Wettbewerb belebt das Geschäft - gut für potenzielle Kunden. Der ROADBIKE-Test hilft bei der Entscheidung.

Aluminium vs. Carbon: Ein Vergleich

Aluminium ist ein ikonisches und bewährtes Material im Radsport und hat zu Generationen von leistungsstarken, zuverlässigen und erschwinglichen Bikes beigetragen. Rennrad-Laufräder aus Aluminium haben sich bei einer Vielzahl von Radsportlern bewährt. Laufräder aus Aluminium haben das Vertrauen von Radsportlern in aller Welt durch ihre Robustheit und Stossunempfindlichkeit gewonnen.

Sie bieten eine gleichmässigere und berechenbarere Bremswirkung als Carbon-Laufräder, besonders bei nassen Bedingungen. Die Pflege von Aluminium-Laufrädern ist ziemlich einfach, aber für die Langlebigkeit unerlässlich. Im Allgemeinen ist Aluminium schwerer als Carbon. Dank technologischer Innovationen gibt es mittlerweile aber auch sehr leichte Laufräder aus Aluminium. Ein gut konzipiertes Aluminium-Laufrad kann ein sehr angenehmes Fahrerlebnis bieten, mit robuster Fahrstabilität und hervorragender Kraftübertragung.

Testberichte und Erfahrungen

Aerycs Aero WT 30

Als echten Dauertest kann man die gut 500 Kilometer mit den neuen Aerycs Aero WT 30 zwar nicht bezeichnen, für einen ausgiebigen ersten Eindruck reicht es dennoch - und der ist, einmal mehr, sehr positiv. Im Vergleich zum letzten Jahr, als Aerycs mit den etwas höheren Aero WT 40 einen Preis-Leistungs-Tipp abräumte, wurde die Carbon-Felge überarbeitet: Satte 23 Millimeter Maulweite bietet die nun in allen der fünf erhältlichen Felgenhöhen - entsprechend breit bauen die Reifen, die mindestens 28, höchstens 65 Millimeter messen dürfen. Trotz ihrer Breite wiegt die Hakenfelge nur 345 Gramm - der Laufradsatz aus Vorder- und Hinterrad bringt es so auf gerade mal 1321 Gramm.

Man spürt bei jedem Antritt: Wieselflink geht’s hier nach vorn, die Fahrdynamik begeistert. Die Kraftübertragung ist top, die Lenkung präzise - je 24 2-fach gekreuzten Messerspeichen von DT Swiss sei Dank. Bei hohem Tempo, in Abfahrten und bei Seitenwind kommt nie Unruhe auf - auch ein Verdienst der nicht zu hohen Felgen. Der Aufbau des Sets war tadellos, die soliden DT Swiss 350-Naben laufen fast widerstandsfrei. In Kombination mit dem sehr ordentlichen Lieferumfang, drei Jahren Garantie und einem Crash-Replacement-Angebot bietet Aerycs so wieder ein sehr attraktives Gesamtpaket.

Die Aerycs sind unser ROADBIKE Tipp Allround.

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • Preis/ Leistung handwerklich top
  • Fahrdynamik Spurtreue
  • Lieferumfang Servicebedingungen
  • in Felgenhöhen von 30 bis 80 mm erhältlich

"Viel Fahrspaß, fairer Preis - Aerycs zeigt hier eindrucksvoll, was klassischer Laufradbau leisten kann." - Christian Brunker, Redakteur

Fulcrum Wind 42

Auf eine stolze Kilometerleistung brachten zwei Testfahrer Fulcrums Wind 42. Positiv: Bei Testende waren weder technischer Verschleiß noch nennenswerte optische Beeinträchtigungen feststellbar. Die Lager laufen leicht, die Räder rund. Damit empfehlen sich die Wind 42 auch als günstigere Alternative zu Fulcrums Wettkampflaufrädern Speed 42: Die Carbon-Hakenfelge kommt mit exakt den gleichen Dimensionen, verwendet aber etwas einfachere Naben, Lager und Speichen. Die sehr seitensteifen Laufräder gehen sportlich-agil nach vorn, lenken messerscharf ein und stehen auch im Wiegetritt und im Sprint wie eine Eins.

Die höchste Felge in diesem Vergleich schneidet zudem pfeilschnell durch die Luft und zeigt sich selbst bei böigem Wind und hohem Tempo absolut fahrstabil. Ebenfalls positiv: Die Laufräder fahren sich recht komfortabel, was durch breit bauende Reifen dank 23er-Maulweite verstärkt wird. Ungewohnt leise surrt der Freilauf. Schön: Die Laufräder werden in der EU hergestellt.

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • kaum Verschleiß top zentriert
  • schnell, fahrstabil 100 % made in EU
  • Garantie sehr leiser Freilauf
  • Lieferumfang vergleichsweise gering

"Von den Fulcrums war ich wirklich begeistert. Mir gefällt auch, dass sie hier in Europa produziert werden!" - Wolfgang Krauter, Testfahrer

Leeze CC 38 Basic R

Gerade erst hat Leeze die dritte Generation seiner beliebten Laufradlinie Basic vorgestellt, schon erscheint das CC 38 im ROADBIKE-Test - und überzeugt auf Anhieb: Dank des geringen Gewichts gehen die hervorragend aufgebauten Laufräder gut nach vorn, halten dank der aerodynamischen 38-Millimeter-Hakenfelge sehr gut hohes Tempo und bleiben dabei jederzeit fahrstabil. Was die Kraftübertragung und Lenkpräzision angeht, fühlte sich ein Testfahrer gar an Laufräder mit Carbon-Speichen erinnert. Die Felge wurde im Windkanal weiterentwickelt, bei den Naben setzt Leeze nun auf Straightpull-Einspeichung, und anstelle von Pillar- kommen neuerdings Sapim-Messerspeichen zum Einsatz.

Das lebenslange Crash Replacement ist attraktiv, der Preis ist absolut fair. Und: die Leeze sind unser ROADBIKE Tipp Preis/ Leistung!

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • Fahreindruck Aufbau
  • attraktiver Preis Modellvielfalt
  • lebenslanges Crash Replacement
  • Garantie Lieferumfang vergleichsweise gering

"Leicht, schnell, fahrstabil - hätte ich nicht schon gute Laufräder, würde ich ernsthaft einen Kauf der Leeze erwägen." - Tobias Ihle, Testfahrer

Mavic Cosmic SL 32

Licht und Schatten offenbarten die überarbeiteten Cosmic SL 32 Disc. In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort. Dieser wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Maulweite gegenüber früheren Ausführungen der Laufräder auf nun 21 Millimeter angewachsen ist und Reifen entsprechend breiter bauen und noch besser dämpfen können. Auf wenig Gegenliebe stieß hingegen die als träge, fast schwammig empfundene Beschleunigung. Das Set wiegt über 50 Gramm mehr, als der Hersteller verspricht. Auch der Aufbau war nicht hundertprozentig zufriedenstellend: Das Hinterrad stand leicht außermittig.

Keine Blöße gibt sich Mavic in puncto Service: Der Lieferumfang ist gut, bei Registrierung seiner Laufräder gilt eine lebenslange Garantie, und auch Crash Replacement wird angeboten.

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • fahrstabil und sehr komfortabel
  • lebenslange Garantie, Lieferumfang 100 % made in EU
  • HR außermittig Beschleunigung
  • 52 g schwerer als Herstellerangabe

"Der Komfort und die Laufruhe sind top. Für eine dauerhafte Liaison würde ich mir aber mehr Temperament wünschen." - Moritz Pfeiffer, Redakteur

Newmen Streem Climbing

Richtig gelesen: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Und das, obwohl die Felgen 35 bzw. 38 Millimeter hoch und innen immerhin 22 Millimeter weit sind. So ein Leichtgewicht zaubert auch sofort ein breites Grinsen ins Gesicht: Leicht wie eine Feder katapultiert man sich im Wiegetritt nach vorn, bergauf scheint man zu fliegen. Nach Hunderten Kilometern und etlichen Pässen in den französischen Seealpen attestierte Testfahrer Jakob Heni den Newmen-Laufrädern zudem beeindruckende Spurtreue bergab.

Nach über 3500 Testkilometern geben die Laufräder in puncto Verschleiß keinen Anlass zur Klage: Die Lager laufen extrem leichtgängig, Höhen- und Seitenschläge sind keine zu verzeichnen, optisch wirken Felgen und Naben wie neu. Nur eine leichte Außermittigkeit des Hinterrads verhindert die Endnote eins plus mit Sternchen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das Tubelesssystem mit sehr breitem Felgenloch, in dem das Ventil auf Wunsch vollständig versenkt werden kann.

Unter 1200 Gramm für das Set aus Vorder-/Hinterrad sind eine Ansage. Verdienter ROADBIKE Tipp Gewicht.

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • sehr leicht toller Praxiseindruck
  • kaum Verschleiß Lieferumfang
  • Garantie & Crash Replacement
  • sehr leiser Freilauf Hinterrad bei Testende außermittig

"Explosiv im Antritt, leichtfüßig bergauf, absolut spurtreu bergab: Die Newmen-Laufräder haben richtig Spaß gemacht!" - Jakob Heni, Testfahrer

Shimano Ultegra WH-RS8170 C36

Testfahrer Eric Gutglück lieferte seine positiven Praxiseindrücke gleich mit potenzieller Gegenrede ab, "denn alle meine Testeindrücke könnte man auch negativ auslegen". Wer aber genau das gar nicht plant, hat gute Chancen, hier einen Begleiter fürs Leben zu finden. Denn der WH-RS8170 C36, wie er Shimano-typisch etwas kryptisch heißt, überzeugt in der Praxis mit guter Kraftübertragung, stoischer Ruhe bei Seitenwind und angenehmem Dämpfungskomfort.

Im Labor punktet er mit soliden Messwerten, im Dauertest mit Verlässlichkeit und Haltbarkeit: Nach gut 1500 Testkilometern steht der Laufradsatz wie eine Eins ohne Seiten- und Höhenschläge, die Konuskugellager mit Schleifdichtung laufen wie am ersten Tag und lassen sich mit dem richtigen Werkzeug leicht selbst warten. Tubeless-Reifen verschiedener Marken ließen sich leicht auf der Felge mit 21er-Maulweite montieren, rasteten schnell ein und hielten sehr gut die Luft.

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • solider Dauerläufer
  • einfaches Tubeless_Set-up
  • kein Gewichtslimit technisch-nüchtern
  • leiser Freilauf kein Crash Replacement

"Ein grundsolider Mix aus Aero und Gewicht, ideal für wellige Strecken. Dazu gepflegtes Understatement - mir gefällt’s!" - Eric Gutglück, Redakteur

Winspace Lún Grapid

Winspace - nie gehört? Streng genommen handelt es sich dabei um einen Gravel-Laufradsatz mit 25er-Maulweite, der aber mit Reifen ab 30 Millimetern bestückt auch an Performance- und Endurance-Rennrädern eine gute Figur abgibt. Auf böigen Seitenwind reagieren die 38 Millimeter hohen Felgen allerdings recht sensibel. Die knapp 1000 Testkilometer hinterließen keine nennenswerten Spuren: Die Naben mit überdimensionierten Edelstahllagern laufen leicht, die Räder drehen sich mittig und ohne Höhen- oder Seitenschlag.

Der Freilauf surrt auffällig hell, der Lieferumfang umfasst eine Lenkertasche. Wer das akzeptiert, macht hier ein Schnäppchen.

  • Breite innen / Breite außen / Höhe
  • Preis/ Leistung leicht und flink
  • Lenkertasche im Lieferumfang kaum Verschleiß
  • nervös bei Böen kein Crash Replacement

"Winspace kannte ich nicht, die Laufräder haben sich aber bewährt und sehen schick aus. Geschmiedet für Spaß

Aero-Laufräder im Test

Aero-Laufräder machen schneller - dies ist ein Fakt. Die „goldene Mitte“ bilden hier in der Regel die Varianten mit Felgenhöhen zwischen 45 und 55 Millimetern. In diesem Aero-Laufräder-Test fokussierten wir uns deshalb auf Modelle mit Felgenhöhen zwischen 55 und 65 Millimetern.

Die Aerodynamik-Messungen nahmen wir im GST-Windkanal in Friedrichshafen vor. Die beiden Parameter, die im Mittelpunkt standen: Luftwiderstand und Seitenwind-Empfindlichkeit. Bei der alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus - das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.

Die Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde durchgeführt, wobei die Räder mit der gleichen Geschwindigkeit durch eine Walze angetrieben wurden, um realistische Verhältnisse zu erhalten. Um wie viel schneller kann man jeweils mit einem dieser zwölf Aero-Laufrädern im Vergleich zum Flachfelgen-Referenz-Modell bei gleicher Leistung fahren? Mit dem Aero-Testsieger Swiss Side würde man nun mit 45,43 km/h statt der Basisgeschwindigkeit von 45 km/h fahren.

Ein wichtiges Ergebnis: Die 65-Mililimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf, was auf der Straße bei böigem Seitenwind sehr deutlich spürbar und bei Stürmen teils kaum noch beherrschbar ist.

Leichte Laufräder beschleunigen besser und haben bei höhenmeterreichen Touren und Radmarathons Vorteile. Testsieger beim Gewicht wurden die Aero-Laufräder von Newmen mit 1429 Gramm - gefolgt von den Engage-, 1487, und den Specialized-Roval-Modellen, 1503 Gramm. In beiden Laufrädern befinden sich jeweils 21 Carbon-Speichen. Speichen aus Carbon sind aktuell ein neuer Trend im Laufradbau.

Die besten Seitensteifigkeiten lieferten die Modelle von DT Swiss, Edvelo und Swiss Side mit je 24 Speichen - sowie die Newmen mit ihren 21 Carbon-Speichen.

Tabelle: Aero-Laufrad Vergleich

Marke Felgenhöhe (mm) Gewicht (g) Material Seitensteifigkeit Aerodynamik
Swiss Side 62.5 - Carbon Sehr gut Aerodynamik-Sieger
Newmen 65 1429 Carbon Sehr gut Leichtgewicht
DT Swiss 62.5 - Carbon Sehr gut Gut

Nach dem Lesen und Durcharbeiten dieses Testberichtes wird klar: Den einen ultimativen Testsieger kann es nicht geben. Ein Aero-Laufradsatz kann nicht in allen Technik-Disziplinen „der Beste“ sein.

Tubeless-Technologie von Mavic

Bei Mountainbikern und am Automobil längst etabliert, stößt der Begriff „Tubeless“ bei Rennradfahrern noch immer auf Skepsis. Dabei liegen die Vorteile der Tubeless-Technik auf der Hand: geringeres Gewicht bei gleichzeitig erhöhter Pannensicherheit, verbesserter Traktion, Kontrolle und Fahrkomfort.

Mavic löst das mit einer überdurchschnittlich exakten Felgenfertigung und einer sehr steifen Reifenwulst aus Kevlar, die keine Luft zwischen Felge und Reifen entweichen lässt. Die Montage geht schnell und einfach. Für die richtige Menge gibt Mavic eine Empfehlung von 30 ml pro Laufrad an. Anhand der Messskala auf der Flasche, kann man so genau die Menge bestimmen. Hier gibt Mavic einen Maximaldruck von 7 Bar an, mehr ist jedoch keineswegs nötig bei Tubeless-Systemen.

Nach meinem Test bin ich wirklich überrascht, wie gut und unkompliziert der Umstieg auf Tubeless geklappt hat. Selbst als Tubeless-Neuling wie mich, stellte die Montage keine Probleme dar und ging einfach von der Hand. Der Rollwiderstand ist erwiesenermaßen geringer. Meiner Meinung nach wird sich die Tubeless-Technologie auf kurz oder lang durchsetzen und im Rennradbereich die gleiche Akzeptanz finden wie bei den Mountainbikern. Mavic zeigt der Konkurrenz mit der gesamten Umstellung auf das UST-System die Zukunft und für...

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