Wenn der Motorradclub Hardt auf die grüne Wiese am Ortsrand lädt, bestimmen röhrende Bikes und laute Musik die Szene.
Die Anfänge und das Domizil
Nachdem die ersten Hörner abgestoßen waren, wurde es beim Motorradclub (MC) Hardt etwas ruhiger. Die Betonung liegt auf etwas. Nachdem es oberhalb des Mönchhofs mit der Zufahrt schwierig war - insbesondere bei Wolkenbrüchen -, suchte der Verein nach einem neuen Domizil.
Dieses wurde in Richtung Hugswald ausgemacht und hing eng mit der Person Konrad Storz zusammen. "Er war ein großer Befürworter des Vereins und des Treffens dort. Für ihn war es immer selbstverständlich, dass wir dorthin konnten", erzählt der langjährige MC-Präsident Uwe Valenta.
"Er hat gesagt ›Ihr könnt das Zelt aufstellen und ewig hier festen‹", ergänzt Dietmar "Breit" Flaig, der heutige Präsident.
Ganz ohne Überraschungen ging es aber auch hier nicht ab, wie das langjährige Mitglied Bernd Allgaier weiß. "Einmal suchten wir nach einem Wasseranschluss", erinnert er sich. Gesucht wurde im Futtergang des an das Festgelände angrenzenden Hofs von Konrad Storz, wo die MCler zutiefst erschraken - lag doch Franz Klausmann alias "Basches Franz", ein seit Jahren verstorbenes Hardter Original, im Futtergang. Konrad Storz hatte immer ein Herz für Menschen in schwierigen Lebenslagen und bot ihnen Unterschlupf.
Legendäre Treffen und Anekdoten
Die Treffen selbst sind legendär und das Herzstück des MC. Mitunter "raschelte" es gehörig. So kamen vor vielen Jahren Angehörige eines anderen Motorradclubs vorbei und waren auf Ärger aus. Kurzerhand versenkte ein nicht für seine Zimperlichkeit bekanntes Mitglied den Anführer der ungebetenen Gäste im angrenzenden Ententeich.
Jedenfalls, die Störenfriede zogen von dannen - um dann mit einem Revolver ausgestattet zurückzukehren und die "Auslieferung" der Person zu fordern. Diese war aber längst in Sicherheit und so war alles in Butter.
Sicherheit und Ordnung
Angesichts solcher Vorfälle gab es in den Folgejahren immer wieder ein größeres Polizeiaufgebot. Teilweise kamen vier Kleinbusse mit Polizisten, die mit Helm und Schild ausgestattet waren. Großen Ärger gab es aber nicht mehr. Nur einmal wurde eine Person mit einem Schießeisen ausgemacht.
"Es ist ruhig, obwohl es ein großes Treffen ist", weiß Uwe Valenta. Die imposante Stahltheke wirke dabei als Festung gegen Bedrohungen. Security wird keine gebraucht, das regeln "Breit" und seine Kollegen im Notfall selbst. "Es passiert bei uns weniger als bei jedem Dorffest", weiß der Präsident.
Das heißt aber nicht, dass alles zahm und brav ist. So fuhren schon einige Unentwegte mit ihrem Feuerstuhl in das Zelt hinein. Dabei drehten sie derart am Gas, dass das Zelt im Nu fast leer war - der Gestank und Nebel war nur etwas für die ganz Hartgesottenen.
Wie viele Reifen im Laufe der Zeit dran glauben mussten, ist nicht überliefert. Diese lassen die Fahrer auf Holzplatten oder dem Asphalt durchdrehen, was für apokalyptischen Lärm und Rauch sorgt. Einen Spaß machte sich einst ein Fahrer, als er den Auspuff immer wieder kräftig röhren ließ - und zwar wenige Zentimeter nebem dem Ohr eines selig schlafenden Besuchers. Dieser wachte aber davon nicht einmal auf. Der Schlaf der Gerechten war tief.
Traditionen und Besonderheiten
Im Vorfeld wird eine Woche lang aufgebaut, was den Zusammenhalt stärkt. Ebenfalls ein fester Bestandteil jedes Treffens: der Mofaweitwurf. Diese Idee wurde einem Werner-Comic entnommen. Außerdem: Die Essensauswahl sei in Hardt besser als bei anderen Treffen, so der Präsident.
Das größte Problem derzeit: "Eine Klofrau ist schwieriger zu bekommen als eine Stripperin", stellt Dietmar Flaig fest.
Von Anfang an als Gäste beim Treffen dabei sind die befreundeten Clubs Torpedo Moos aus Bühl, der Motorradclub Rottweil oder der MC aus Urexweiler im Saarland. Eine besondere Verbindung des MC Hardt bestand immer ins 350 Kilometer entfernte Greding in Franken. Dort sicherte sich der MC Hardt unter anderem Pokale für die weiteste Anfahrt. "Da waren wir immer stolz darauf", sagt Uwe Valenta.
Doch beschaulich ging es auch dort nicht immer zu, wie Gründungspräsident Wolfgang Haberstroh und Bernd Allgaier erzählen. Einmal sei in Greding ein konkurrierender Motorradclub mit 36 Harley-Fahrern aufgekreuzt und habe mit Waffengewalt die kompletten Einnahmen des dortigen Treffens gefordert - und bekam diese angesichts der Umstände auch.
Ausflüge und Veränderungen
Anfangs war das Ziel, möglichst viel und weit zu fahren, betont Flaig. So wurden Treffen in Cuxhaven, Osnabrück oder gar Dänemark besucht. "Am Samstag ging es hin, am Sonntag zurück", so der Präsident. Damals habe der Spaß aber hin und zurück 50 Mark gekostet, heute seien es 200 Euro.
In früheren Zeiten wurde auch noch peinlich darauf geachtet, dass die Mitglieder mitzogen. "Ansonsten wurde der Person nahegelegt, doch besser wieder auszutreten", sagt Uwe Valenta. Mittlerweile sei der MC aber nicht mehr so streng, was auch dem Alter mancher Mitglieder geschuldet sei, fügt Dietmar Flaig hinzu.
Musik und Unterhaltung
Die Hochzeitsreise eines Biker-Paares führte auf Trikes zum 28. Motorradfest des MC Hardt auf die große Wiese am Hugswald an der Straße nach Weiler. Allzu romantisch dürfte es in den Zelten allerdings nicht gewesen sein, denn über Nacht war es stark abgekühlt und aus dem Festzelt wummerten lautstark die Bässe.
"Red Hot" ließ den "Highway Star" durch die schwarze Nacht rocken und wollte wie Ozzy Osbourne keinen Tränen sehen ("No more Tears"). Mit ihrem ersten Auftritt in Hardt erfüllte die Gruppe aus Bühl offenbar den Wunsch vieler Rockfans nach der Musik von Deep Purple, Led Zeppelin und AC/DC.
Die "Bohemian Rhapsody" und eine längere Version von "Child in Time" waren zu hören und als Zugabe wabberte "Smoke on the Water".
Michael bekam für die längste Anreise mit 345 Kilometern den Pokal von Präsident Dietmar "Breit" und für Stefan gab es sogar als Preis für den Sieg im Elefantenrennen eines der Massivholz-Motorräder aus dem Fasnet-Umzug. Vor Schreck über den schwergewichtigen Preis überließ er sich erstmal der vollen Dröhnung mit Schwermetall von der Bühne mit "Maidenhead".
Titel von Metallica, Black Sabbath und Iron Maiden ließen den Regenbogen über dem Festplatz verblassen und Himmel und Hölle (Heaven and Hell) aufflackern. Aber auch "Phantom of the Opera" war zu hören und in den frühen Morgenstunden auch das "Living after Midnight".
Seit 25 Jahren bespielt der Motorradclub die Wiese am Hugswald und hofft auch auf weitere rauschende Feste im Grünen am Ortsrand. Ganz so lange gibt es den Mofa-Weitwurf noch nicht, aber in diesem Jahr standen die kräftigen Werfer meist im Regen.
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