Mechanische vs. Hydraulische Scheibenbremse am Gravel Bike: Ein Vergleich

Interessiert dich das Thema Scheibenbremsen ganz speziell? Wie ihr als treue Leser wisst, schreibe ich in meinem Blog auch oft über Sachen, mit denen ich mich gerade beschäftige und die nicht unbedingt mit einer Radreise oder einem Fahrrad-Aufbau zu tun haben.

Als ich vor vier Jahren mein Norwid Reiserad habe bauen lassen, wurde dies auf meinen Wunsch hin bereits mit Vorrichtungen zur Montage einer Scheibenbremse ausgestattet. Als damals klassischer - und somit natürlich konservativer - Reiseradler waren mir natürlich Scheibenbremsen schon bekannt, aber an einem Reiserad war das noch nix. Vor zwei Jahren begann dann meine Metamorphose zum Bikepacker und ich baute mir ein Bikepacking-Rad auf. Das sollte natürlich Scheibenbremsen haben. Aber welche?

Nun wird der erfahrene Fahrer von hydraulischen Scheibenbremsen vermutlich lachen oder zumindest grinsen, denn im Vergleich zu diesen sind mechanische Scheibenbremsen eher diejenigen, die schlechtere Bremsleistung bringen, bzw. Halten wir fest: wenn es um maximale Bremsleistung, Dosierbarkeit und Kontrolle geht, dann sind hydraulische Scheibenbremsen die beste Wahl - egal ob für das Reiserad oder den Bikepacking-Flitzer.

Mechanische Scheibenbremsen hingegen sind preislich günstiger (meistens), kommen mit ihrer Bremsleistung - wenn richtig eingestellt - durchaus schon an hydraulische Bremsen heran, sind oft leichter als diese und lassen sich einfacher montieren und warten. Und man kann diese Bremsen mit nahezu jedem Bremshebel bedienen, der mechanische Bremsen steuert. Das ist vor allem für all diejenigen interessant, die von einer felgenzerstörenden V-Brake (Achtung, Wertung! 🙂 ) auf eine Scheibenbremse wechseln möchten und dabei nicht gleich die komplette Schalt-/Bremseinheit tauschen wollen. Und was wirklich gut ist: wenn mal was schleift, dann kann man die Bremse sofort wieder einstellen.

Mechanische Scheibenbremsen im Detail

Meine Entscheidung für die mechanische Bremse war durch drei Punkte geprägt: Erstens wollte ich eine Bremse, die ich im Zweifel irgendwo im Nirgendwo reparieren kann. Zweitens wollte ich eine Bremse, die einfach zu montieren ist. Hydraulisch war mir nach meinen Erfahrungen mit der HS33 am Reiserad nix (miserable Bremsleistung, hoher Verschleiß) - zudem hatte ich Sorge vor defekten Leitungen auf Tour (was natürlich nicht wirklich berechtig ist). Diese waren nicht nur einfach zu montieren, sondern im Zweifel auch zu reparieren. Ein kontrollierbares System, welches mir entgegenkam, denn ich wollte für alle Fälle gerüstet sein.

Avid BB7 vs. TRP Spyre/Spyke

Wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftig, kommt man am Ende meist bei drei Bremsen raus: Die Avid BB7, die TRP Spyre und die TRP Spyke. Die TRP Spyre ist aber eher für Road-Räder mit Rennrad Bremshebel gedacht, die Spyke ist mehr für MTB und deren Bremshebel konzipiert. Alle genannten sind für den anspruchsvollen Einsatz am Reise- oder Bikepacking-Rad geeignet.

Welche dieser Bremsen nun die „beste“ ist, darüber kann man streiten. Ich bin sowohl die BB7 Road (am Salsa Marrakesh) als auch die TRP Spyre gefahren. Beide Bremsen sind natürlich gut und bremsen auch bei Nässe prima. Die Montage ist bei beiden sehr einfach und die Beläge sind beidseitig mit einem Inbus, bzw. Rädchen auf der einen Seite bei der BB7, nachstellbar.

Beim Gewicht gibt es allerdings Unterschiede: Die TRP Spyre wiegt (pro Körper) 162g (nachgewogen), die BB7 Road S bringt 197g auf die Waage. Ich habe mich aufgrund der beidseitigen Bremskolben für die TRP Spyre entschieden, die sich mit den SRAM Rival Bremshebeln gut ansteuern lassen. Ich fahre die Bremsen mit 160mm Scheiben und habe damit den Tuscany Trail als auch den Atlas Mountain Race gemeistert.

Die Bremsleistung ist aus meiner Sicht sehr gut, sie arbeitet bissig und bringt die Räder ohne Probleme zum blockieren, hat aber auch genug Dosierung parat. Allerdings ist die Performance auch von den Bowdenzügen abhängig. Am Bombtrack Beyond fahre ich eine TRP Spyre C, die Bauteile aus Carbon hat und etwas leichter als die herkömmliche TRP Spyre ist, die ich am Salsa Fargo installiert habe.

Weitere mechanische Bremsen

Wer absolut auf mechanische Bremsen steht und genug Budget zur Verfügung hat, der sollte sich die PAUL Klamper anschauen. Die Klamper gibt es als Post Mount/IS und Flat Mount Version. Dabei wird dann noch zwischen kurzem Zug, langem Zug und Campagnolo unterschieden. Und: die Klamper bremst einseitig, was aber hier mit „mehr Power“ begründet wird.

Zum Beispiel die Avid BB5 (MTB/Road). Sie verfügt aber nicht über die Belagnachstellmöglichkeiten der BB7. Allerdings ist die BB5 mit einem Preis von ca. Ähnlich ist die Hayes MX-5, die für MTBs gedacht ist. Eine einfache Bremse für Road und Cross ist die Tektro Lyra, die mit 148g ein tolles Gewicht hat und um die 45 Euro kostet. Ich habe aber keine Erfahrungswerte mit dieser Bremse finden können. Völlig unbekannt ist mir die Clarks CMD 22. Aber sie bremst mit 2 Kolben und ist mit ca 35-40 Euro pro Körper auch nicht ganz so teuer (ca 80 Euro für v/h). Bei Seven Day Cyclist habe ich einen recht informativen Testbericht zu dieser Bremse gefunden.

Ich habe gerade mit dem Surly Bridge Club ein neues Testrad bekommen. Das bremst mit den mechanischen Promax 300 Bremsen. Mein erster Eindruck ist, dass sie verzögern, aber von der Bremsleistung her jetzt nicht vorne mitspielen. Aber ich war auch grad nur mit dem Rad Pizza holen. Promax ist ein Komponentenanbieter und baut auch mechanische Scheibenbremsen unter der Typbezeichnung Render.

…und damit einige weitere mechanische Bremsen-Modelle wie die BR-R317 aus der Shimano Sora 3500 Gruppe, die vorzugsweise an Road Bikes und Crossern verwendet wird und mit 183g pro Körper auch nicht besonders schwer ist. Oder die BR-CX77 aus der Shimano Ultegra 6800 Gruppe für den Einsatz am Cyclocrosser. Die BR-TX805 ist eine mechanische Scheibenbremse aus der Tourney TX Gruppe. Sie ist für MTB mit Center Lock System vorgesehen und wiegt 295g pro Körper (vermutlich inkl. Disc. Ebenfalls für MTB, aber auch Trekking und City ist die BR-M375 aus der Shimano Altus Gruppe.

Hybrid-Bremsen: Eine Kombination aus Mechanik und Hydraulik

In Marokko hatte ich nach 1,5 Tagen im Race vor allem bei langen technischen Abfahrten das Problem, dass die Hände anfingen zu schmerzen und zu krampfen. Der Grund dafür war das ununterbrochene Betätigen der Bremsen und das permanente Aufrechterhalten von Druckpunkten. Ein bisschen Öl kann da nicht schaden, vor allem wenn es zu mehr Bremskraft und Dosierbarkeit führt und in sogenannten Hybrid-Bremsen zum Einsatz kommt.

Diese Bremsen sind eine Kombination aus mechanischen und hydraulischen Bremsen. Dabei werden die Bremsbeläge hydraulisch gegen die Scheibe gedrückt und die Hydraulik mechanisch gesteuert. Bei Hybrid-Bremsen fällt zuerst immer ein Name: TRP HY RD. Diese Hybrid-Bremsen für Rennrad Bremsgriffe gibt es schon sehr lange.

Trotz dieses zusätzlichen Öl-Pakets bauen die Bremsen nicht besonders breit und lassen sich wie alle TRP mechanischen Scheibenbremsen einfach und schnell montieren. Automatische Bremsbelagnachstellung. Besonders aufgefallen ist mir, wie viel weniger Kraft ich beim Bremsen aufwenden muss, vor allem wenn man wie ich viel von oben bremst. Damit meine ich das Bremsen, wenn die Hände oben auf den Brems-/Schalthebeln liegen.

Um diese Performance zu gewährleisten, sollte man die TRP HY RD vorzugsweise mit Jagwire Slick Lube und kompressionslosen Bowdenzughüllen verbinden. Der Öl-Behälter ist sehr solide verschlossen und die Gefahr des Blutens ist eher unwahrscheinlich. Und nicht nur weniger Kraft ist nötig, sondern auch die Bremsperformance hat sich verbessert. Die Bremsen haben die Power einer hydraulischen Bremse, packen ordentlich zu und sind wesentlich feiner in der Dosierung und Druckpunktsteuerung. Kurzum: Die TRP HY RD ist aktuell „meine“ Bremse, denn sie vereint momentan das Beste aus beiden Welten.

Bei meiner Recherche habe ich nur noch eine andere Hybrid-Bremse gefunden: Die Yokozuna Motoko und Ultimo. Der Unterschied zwischen Motoko und Ultimo liegt in der Anzahl der Kolben.

Zusätzliche Informationen

  • Wartungsarmut: Nein, sie sind oft sogar wartungsärmer, weil weniger Schmutz ins System gelangt.
  • Umbau: Das ist prinzipiell möglich, jedoch musst du Brems- und Schalthebel, Bremssattel sowie Leitungen austauschen.
  • Bremsbeläge: Die Wahl der Bremsbeläge ist abhängig von deiner Fahrweise und den Wetterbedingungen.

…wenn ihr euch für mechanische oder Hybrid-Scheibenbremsen interessiert, dann hoffe ich, dass dieser Beitrag euch weitergeholfen hat. Ach so: ich erwähne im Text nicht die Bremsscheiben. Alle genannten Bremsen arbeiten auf jeden Fall mit 140 bis 160mm Bremsscheiben.

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