Mehrtägige Radtour in den Alpen: Planung und Tipps

Eine Radtour in den Alpen bietet traumhafte Aussichten, glänzende Bergseen und das gute Gefühl sportlicher Betätigung. Sowohl unerfahrene als auch geübte Fahrer können mit dem Bike die Alpen überqueren. Bei der Vielzahl an Wegen ist für jeden etwas dabei. Jedoch gilt es aber auf ein paar Dinge zu achten.

Die Wahl des richtigen Fahrrads

Für eine erfolgreiche Alpenüberquerung braucht es zunächst natürlich das passende Rad. Grundsätzlich stellt hier das Mountainbike die klassische Option dar. In den meisten Fällen ist dieses die richtige Wahl. Je nach Route bestehen aber durchaus zu einem Rennrad, Tourenrad oder zu einem E-Bike greifen.

Mit dem Fahrrad über die Alpen - das war lange Zeit Mountainbikern und Rennradfahrern vorbehalten. Doch dank E‑Bikes können nun auch sportlich weniger ambitionierte Fahrer ihren Sommerurlaub mit einer Alpenüberquerung verbringen - wenn es die Infektionslage in den verschiedenen Ländern zu lässt. Eine elektrische Trittunterstützung erleichtert die Überquerung des Alpenkamms mit dem Fahrrad enorm. Nicht nur die unterschiedlichen Radgattungen, auch die unterschiedlichen Antriebe sollten bei der Wahl berücksichtigt werden. E‑Mountainbiker fahren in den Alpen steilere Anstiege und brauchen deshalb mehr Power am Berg, während E‑Tourenfahrer eher gemütlich vorankommen möchten.

Wenn man viel auf Asphalt unterwegs ist, muss man sich die Passstraßen mit Autos und Motorrädern teilen. Asphaltstrecken bieten aber den Vorteil, dass man schneller und auch Akku-schonender vorankommt. Im Gelände können jedoch unvermittelte Tragepassagen warten, z. B. bei Weidezäunen oder Treppen. Mit einem vollbeladenen E‑Bike ebenfalls eine Herausforderung. Mit einem E-Rennrad fährt man nicht auf den Trail. Andersherum versucht man, mit einem E‑Fully möglichst Straßen zu meiden.

„Entscheidend ist der Wohlfühlfaktor: Für längere Mehrtagestouren sollte man ergonomisch korrekt und entspannt auf dem Rad sitzen, um die Kraft optimal zu entfalten“, rät Stefan Stiener vom Reiseradspezialisten Velotraum.

Die richtige Reisezeit

Die richtige Reisezeit ist mitentscheidend für einen erfolgreichen Alpencross. Ansonsten kann es auch passieren, dass man in höheren Lagen noch auf Schnee trifft. „Speziell für Touren im Gelände bieten sich eigentlich nur die Sommermonate an“, erklärt Anja Knaus, die die Schweizer Berge direkt vor der Haustür täglich genießen kann.

Planung der Route und Etappen

Die Länge der Etappen sowie die Unterkünfte unterwegs sollten schon vor dem Start sorgsam geplant werden, damit weder den Radlern noch den E-Bikes die Kräfte ausgehen. Deshalb ist es ratsam, die Etappen vorab am heimischen Rechner zu planen und die Daten auf ein GPS-Gerät zu laden. Bei der Planung sind neben den Kilometern unbedingt die Höhenmeter mit einzubeziehen.

Außerdem sorgt das Gepäck für Mehrgewicht und somit höheren Stromverbrauch, die kühlen Temperaturen in den Höhenlagen mindern zusätzlich die Leistungsfähigkeit des Akkus. Zudem sind in Österreich manche Wege für den Radverkehr gesperrt. Ein bisschen Puffer für einen Umweg oder eine Ladepause sollte man deshalb bei der Routenplanung immer berücksichtigen.

Die Akku-Größe bestimmt die Etappenlänge, Routenwahl und ggf. Ladestopps. Das „Problem“ für E‑Biker: Der Akku braucht am Ende des Tages Strom. Wer nicht ein Solarpanel mitführen möchte, ist auf eine feste Unterkunft mit Steckdose angewiesen - und diese sind im Sommer heiß begehrt oder aufgrund von Corona-Regelungen geschlossen. Aber auch die Zeltübernachtung auf dem (Natur-)Campingplatz oder anderen geeigneten Flächen ist möglich. Die Ladestopps finden dann einfach während des Tages in Cafés und Restaurants (falls geöffnet) oder an speziellen Ladestationen, wie sie immer mehr Tourismusregionen anbieten, statt.

Hilfe bietet das ein oder andere Buch für E‑Bike-Touren. Darin werden Strecken-Tipps aufgezeigt, bei denen Lademöglichkeiten oder Umfahrungen von Schiebe- und Tragepassagen vermerkt sind. Wenn die Etappen doch etwas länger werden sollten, besteht die Option eines Zweit-Akkus. Dieser ist entweder direkt am Rad verbaut oder er kann optional im Gepäck transportiert werden. Dafür eignen sich spezielle E‑Bike-Taschen, wie nicht nur wasserdicht sind, sondern auch über ein Akku-Fach verfügt, in dem der Energiespeicher während der Fahrt geschützt ist.

„Deshalb sollte man einerseits langfristig planen und sich umsehen, wo es geeignete Übernachtungsmöglichkeiten gibt, andererseits sich auch auf kurzfristige Umbuchungen gefasst machen“, rät Stiener.

Ausrüstung und Sicherheit

Auch E‑Bikes können einmal eine Panne haben. Deshalb ist es bei Mehrtagestouren immer sinnvoll, die nötigsten Hilfsmittel dabei zu haben. Ein leichter Ersatzschlauch und eine kleine Luftpumpe gehören ebenso ins Gepäck wie ein Multitool und ein Erste-Hilfe-Set. Ein Schloss ist ebenfalls Pflicht.

„Nachts im Fahrradkeller im Hotel oder tagsüber auf der Hütte hat man sein E‑Bike einfach nicht immer im Blick. Und wer will schon riskieren, dass der teure Reisebegleiter auf einmal weg ist?“, sagt Torsten Mendel vom Sicherheitsspezialisten Abus.

Selbst an heißen Sommertagen kann das Wetter im Hochgebirge schnell umschlagen. Eine leichte Regenjacke ist deshalb Pflicht. „Aber auch Arm- und Beinlinge sollten im Gepäck verstaut sein. Denn in den Bergen kann es leicht kalt werden. Die Produkte nehmen nicht viel Platz weg und sind schnell übergezogen“, rät Anna Rechtern vom Outdoor-Ausrüster Vaude und ergänzt, dass auch eine dünne, winddichte Mütze (passt unter den Helm) und ebenfalls winddichte Langfinger-Handschuhe vorsichtshalber mit ins Gepäck sollten, um Auskühlung zu verhindern.

Fahrradrahmen von E-Bikes, die trotz Akku noch Platz für einen Flaschenhalter bieten, sind auf Reisen im Vorteil: Bei längeren Anstiegen in der Sonne greift auch ein E‑Biker gerne zum Wasser, ohne die Flasche umständlich irgendwo aus der Tasche ziehen zu müssen. Falls der Akku keine Befestigung am Unterrohr zulässt, können die Flaschenhalter beispielsweise am Sattel- oder Steuerrohr angeschraubt werden und sind so stets griffbereit. Alternativ bieten manche Hersteller bei manchen Modellen ein magnetisches Railsystem wie das von Monkeylink zur Befestigung an. Auch ein paar Riegel und kleine Snacks für die Trikottasche sind sinnvoll.

E‑Mountainbiker können ihre Kleidung beispielsweise in einem praktischen Rucksack mit vielen Fächern und Trinksystemvorbereitung transportieren.

Fitness und Vorbereitung

Das E‑Bike nimmt zwar einen (Groß-)Teil der Arbeit ab, aber ohne Training geht es trotzdem nicht. Eine gewisse Grundkondition ist für eine mehrtägige Tour mit vielen Höhenmetern Pflicht. Wer diese nicht hat, sollte jetzt an den Aufbau denken. Etwa drei Monate zuvor gilt es regelmäßig größere Runden mit dem Rad zu drehen und mal mehr mal weniger Höhenmeter einzubauen. In den Wochen davor empfehlen wir dir außerdem Probefahrten durchs Mittelgebirge zu machen. Nimm dir dabei genau die Ausrüstung mit, die du auch bei der Alpenüberquerung im Gepäck haben möchtest. So kannst du feststellen, welche Dinge überflüssig sind und welche du noch in der Fahrradtasche vermisst. Zusätzlich steigert sich deine Fitness durch Laufrunden, Skitouren, Besuche im Fitnessstudio oder andere Sportarten.

Daher ist es wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und sein eigenes Fitnesslevel richtig einzuschätzen. Denn dieses entscheidet nicht zuletzt über die Wahl der Route. Überschätzt du dich selbst, so kann der Ausflug schnell gefährlich werden. Insbesondere Neulinge im Radsport sollten sich daher zunächst an einfacheren Touren versuchen. Der Spaß- und Genussfaktor steht im Vordergrund! Wer sein Bike und das Risiko in den Bergen bereits wie seine Westentasche kennt, darf sich ruhig an schwierigere Routen, abseits der breiten, ausgebauten Wege wagen.

Weitere Tipps

  • Ein paar Gadgets und Werkzeuge erleichtern dir die Fahrt und unterstützen dich im Notfall dabei, dich zurechtzufinden.
  • Darüber hinaus gehören für eine mehrtägige Tour Sachen zum Wechseln und kleine Energielieferanten mit ins Gepäck.
  • Dieses packst du am besten in wasserdichte Fahrradtaschen. Sie halten dir gerade auf mehrtägigen Radtouren den Rücken frei.

Abhängig von deinem Fitnesslevel und davon, wie lange du schon ein Freund oder eine Freundin des Radsports bist, solltest du eine einfachere Tour wählen oder dich an eine neue Herausforderung herantrauen. Besonders am Anfang empfehlen wir dir dich nicht zu übernehmen. Schließlich sollte speziell der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen. Wenn du dich auf der Fahrt nur abplagst, hast du vielleicht schon bald keine Lust mehr auf weitere Unternehmungen mit dem Rad.

Für erfahrene Mountainbiker und Profis sind der Kreativität in den Alpen keinerlei Grenzen gesetzt. Neben der selbstständigen Planung bestehen zudem die Optionen sich einer individuellen selbstgeführten Tour oder einer geführten Gruppentour anzuschließen. In beiden Fällen wird die Organisation von erfahrenen Radlerinnen und Radlern übernommen und du selbst musst dich lediglich um deine Ausrüstung kümmern. Zusätzlich zur Planung ist die Motivation innerhalb der Gruppe ein weiterer Pluspunkt: Sie kann dir bei einsetzender Müdigkeit zu neuer Kraft verhelfen. Ebenso ist es eine tolle Möglichkeit, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und sich über bisherige Erfahrungen auszutauschen. Manche mögen es jedoch lieber, wenn sie in ihren Entscheidungen frei sind und sich nicht an das Fitnessniveau anderer anpassen müssen.

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