Die Profiltiefe der Reifen ist für die Sicherheit beim Motorradfahren von entscheidender Bedeutung. Egal ob Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen: Die Profiltiefe der Reifen ist überlebenswichtig! Vor allem bei Nässe ist ein ausreichendes Reifenprofil elementar, um ein gutes Griplevel zu gewährleisten.
Gesetzliche Bestimmungen und Empfehlungen
Um die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten, gilt in Europa eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm für Pkw- und Motorradreifen und 1,0 mm für Leichtkrafträder. Die Rechtslage ist eindeutig: Sobald Pkw-Reifen, deren Profil beim Neukauf meist zwischen 7 und 9 Millimeter hat, die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter unterschreiten, darf man mit ihnen nicht mehr im Straßenverkehr fahren. Die Reifen gelten dann als nicht mehr verkehrssicher und müssen aussortiert werden.
Wie viel Profil ein Reifen haben muss, ist klar geregelt. In der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung heißt es: "Luftreifen an Kraftfahrzeugen und Anhängern müssen am ganzen Umfang und auf der ganzen Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder Einschnitten versehen sein. Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang eine Profiltiefe von mindestens 1,6 mm aufweisen; als Hauptprofil gelten dabei die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt."
Als Halter bzw. Fahrer des Fahrzeugs sind Sie für die regelmäßige Kontrolle der Profiltiefe verantwortlich und sollten diese auch regelmäßig nachmessen. Werden Sie im Straßenverkehr mit abgefahrenen Reifen erwischt, drohen 60 Euro Bußgeld sowie ein Punkt ins Flensburg.
Die Bedeutung der Profiltiefe
Die Profiltiefe spielt bei jedem Reifen eine wichtige Rolle. Bei einem Motorrad eine noch viel größere wie beim Auto. Das Profil eines Motorradreifens lässt den Motorradfahrer auch auf nasser Fahrbahn sicher vorankommen. Vor allem in Kurven muss sich der Motorradfahrer auf den Grip seiner Reifen verlassen können. Sowohl beim Vorder- aber auch beim Hinterreifen spielt das Profil eine wichtige Rolle. Der Hinterreifen sorgt für eine kraftvolle Traktion, der Vorderreifen für eine gute Übertragung der Lenkkräfte. Je weniger Profil, desto unkontrollierbarer und instabiler wird das Motorrad auf einer nassen Fahrbahn.
Das Profil des Motorradreifens ist so ausgelegt, dass es das Wasser, welches sich auf der Straße befindet, nach außen trägt und somit für Kontakt zum Asphalt sorgt. Ist zu wenig Profiltiefe gegeben kann der Reifen das Wasser nicht mehr ableiten und es entsteht eine hauchdünne Wasserschicht, auf der der Reifen „aufschwimmt“.
Aquaplaning
Aquaplaning bezeichnet das Aufschwimmen des Reifens auf dem Wasserfilm einer nassen Fahrbahn. In diesem Fall schiebt sich ein Wasserkeil unter die Reifenaufstandsfläche und führt damit zum Verlust der Haftung. Im Moment des Aquaplanings können keine Führungs- und Bremskräfte auf die Fahrbahn übertragen werden. Das Fahrzeug kann infolgedessen ins Schleudern (beim Auto) geraten oder stürzen. Besonders schnell geht das mit einem Motorrad, da du hier nur zwei Räder und eine extrem kleine Kontaktfläche zum Asphalt hast.
Wie misst man die Profiltiefe?
§ 36 Abs. 2 StVZO gibt in Deutschland an, dass das Hauptprofil am ganzen Umfang eine Profiltiefe von min. 1,6 mm aufweisen muss. Als Hauptprofil werden die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche bezeichnet - genauer 3/4 der Lauffläche im mittleren Bereich. Messen kannst du die Profiltiefe mit einem Tiefenmesser*, einer Schieblehre* oder einem speziellen Profiltiefenmessgerät.
Sie können die Profiltiefe Ihrer Autoreifen aber auch ganz einfach mit einer 1-Euro-Münze als Tiefenmesser überprüfen. Es ist zwar nicht möglich, damit eine millimetergenaue Messung durchzuführen - eine Vorabdiagnose kann jedoch gestellt werden. Der Grund: Der goldene Rand der 1-Euro-Münze ist exakt drei Millimeter breit. Das Profil liegt mit einer Tiefe von drei Millimeter oder mehr sogar in dem von Experten angeratenen Bereich. Ist ein Teil des goldenen Rands jedoch sichtbar, sollten Sie bald über einen Reifenwechsel nachdenken.
Tipps zur Messung
- Motorradprofil mit Münze prüfen: Der Messingrand der 1 Euro Münze hat genau eine Breite von drei Millimetern. Schiebe die Münze in die Profilrillen und du kannst schnell auf Sicht prüfen, ob dein Reifen noch über dem gesetzlichen Mindestmaß liegt.
Ausnahmen: Rennstreckenreifen (Slicks)
Komplett anders in Hinblick auf das Profil sieht es hingegen auf der Rennstrecke aus. Hier bieten Hersteller spezielle Rennstreckenreifen an, welche zum Teil ohne Profil auskommen. Diese Art der Reifen nennt man Slicks. Slicks bieten aufgrund der speziellen Gummimischung und das fehlende Profil einen ausgezeichneten Trockengrip. Die Auflagefläche des Reifens wird aufgrund der durchgehenden Oberfläche ohne Profileinkerbungen größer, was für mehr Traktion sorgt. Diese Slicks können aber nur bei trockenen Bedingungen eingesetzt werden. Rennslicks können über kleine „Bohrungen / Löcher“ in den Reifen auf Restgummi geprüft werden.
Bußgelder und Konsequenzen bei Unterschreitung der Mindestprofiltiefe
In Deutschland und vielen anderen Ländern in der EU muss der Motorradreifen mindestens über 1,6mm Profil verfügen. Sofern du diesen Wert einhältst, bist du eigentlich überall in der EU auf der sicheren Seite. Die Beachtung der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 mm ist wichtig, will der Motorradfahrer bei einem Unfall eine Mitschuld angelastet bekommen kann.
Wer mit einem abgefahrenen Reifen unterwegs ist, begeht eine Ordnungswidrigkeit, welche mit mindestens 60 Euro und 1 Punkt in Flensburg geahndet wird. Wer in der Probezeit mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, begeht einen B-Verstoß. Zusammen mit einem weiteren B-Verstoß führt das zu einer Verlängerung der Probezeit und zur verpflichtenden Teilnahme an einem Aufbauseminar. Dies gilt aber nur, wenn keine Gefährdung oder kein Unfall stattgefunden hat. Kommt es zu einer Gefährdung aufgrund des abgefahrenen Reifens werden 75 Euro Strafe fällig, kam es zum Unfall mit einem abgefahrenen Reifen kostet das Bußgeld satte 90 Euro.
Neben den Bußgeldern und Punkten in Flensburg erwarten dich im schlimmsten Fall auch noch weitere Konsequenzen. Besonders im Falle eines Unfalls musst du damit rechnen, dass dir eine größere Schuld zugesprochen wird.
Die Nichteinhaltung der Mindestprofiltiefe sanktioniert der Gesetzgeber auch in anderen Ländern mit einem Bußgeld:
- In Österreich beträgt die Geldstrafe mindestens 35 Euro, bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer oder einem Unfall droht eine Strafe von bis zu 5.000 Euro.
- In der Schweiz kostet eine ungenügende Profiltiefe eine Busse von 100 Franken pro fehlerhaftem Pneu.
- In Frankreich kostet Fahren mit abgefahrenen Reifen ca. 135 Euro.
- In Spanien kostet Fahren mit abgefahrenen Reifen ca. 200 Euro.
Empfehlungen für sicheres Fahren
Experten empfehlen bei schwierigen Wetterbedingungen (besonders bei Nassfahrten) sogar eine Profiltiefe von mindestens 2,0-2,5mm beim Motorrad. Der Indikator liegt meist deutlich unter der gesetzlichen Mindestprofiltiefe. Neue Motorradreifen weisen je nach Modell und Einsatzzweck eine Profiltiefe von 4-9mm auf.
Prüfen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit die Profiltiefe der Reifen mehrmals im Jahr! Und denken Sie immer daran: Die Mindestprofiltiefe von 1,6 mm ist ein rein gesetzlicher Wert. Für sicheres Fahren im Straßenverkehr sollte bereits ab 3 bzw. 4 mm Profiltiefe die Reifen gewechselt werden.
Die Versuche mit den Winterreifen belegen den großen Einfluss der Profiltiefe auf die Leistungsfähigkeit - und das gilt tendenziell genauso für Sommer- und Ganzjahresreifen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte also bei drei oder vier Millimetern wechseln.
Profiltiefe und TÜV
Wenn Motorradreifen am gesamten Umfang des Rades auf 3/4 der Lauffläche aus der Mitte heraus gesehen den gesetzlichen Mindestwert von 1,6mm unterschreiten, bekommt das zu prüfende Fahrzeug keine neue TÜV-Plakette. Viele verlassen sich lediglich auf die Mindestprofiltiefe, vernachlässigen aber die Kontrolle des Reifenalters. Auch wenn noch genügend Profil vorhanden, der Reifen aber zu alt ist, kann es zur deutlichen Verschlechterung der Fahreigenschaften kommen. Generell raten wir ab Zeitpunkt der Montage den Reifen nicht länger als 5 Jahre zu fahren bzw. montiert zu lassen.
Profiltiefe bei 125er Motorrädern
Für Mofas und Leichtkrafträder, also Zweirädern bis 125 Kubikmeter Hubraum, ist laut Gesetz nur eine Profiltiefe von 1 mm vorgegeben. Zu den Leichtkrafträdern zählen Mopeds, E-Bikes, Roller oder leichte Motorräder bis 125 ccm Hubraum. Die Mindestprofiltiefe für ein Motorrad der Klasse A1 beträgt ebenfalls 1,0 mm.
Zusammenfassung
Das Reifenprofil ist eines der wichtigsten Kriterien dafür, ob ein Reifen noch eine weitere Saison gefahren werden kann oder gegen einen neuen auszutauschen ist. Der Gesetzgeber im deutschsprachigen Raum macht klare Vorgaben, welche Reifenprofiltiefe vorliegen muss. Halten Sie sich nicht daran, müssen Sie mit einem Bußgeld rechnen. Auch die Schuldfrage bei einem Unfall sowie der umfassende Versicherungsschutz stehen auf dem Spiel, wenn Sie die Profiltiefe Ihrer Reifen vernachlässigen. Sie ist notwendig, damit sich der Bremsweg nicht unnötig verlängert oder Aquaplaning nicht zur Gefahr für Verkehrsteilnehmer wird.
Empfohlene Mindestprofiltiefe für Motorradreifen
In einem ist man sich einig: 1,6 mm ist ein Richtwert, der bereits gefährlich ist. Einige Quellen empfehlen, das Profil nicht unter 2 mm abzufahren. Insbesondere der ADAC empfiehlt jedoch, bei 3mm den Strich zu ziehen. Bei Winter- und Allwetterreifen empfehlen sie allgemein sogar schon einen Austausch bei einer Profiltiefe von 4 mm. Der Grund: Mit jeder Abnutzung der Reifen wird es in Extremsituationen gefährlicher. Insbesondere die Gefahr von Aquaplaning ist bereits bei einem Restprofil von 4 mm stark gestiegen und die Zugkraft auf Schnee hat sich bei 4 mm Profiltiefe auf unter die Hälfte verringert. Denn es ist das Profil, das diese und viele weitere Gefahren bannt und die Fähigkeiten des Reifens zum Ausdruck bringt.
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