Mini-Drehmomentschlüssel für Fahrräder im Test: Präzision und Sicherheit beim Schrauben

Weil viele Verschraubungen am Renner filigran sind und sicherheitsrelevante Bauteile verbinden, sollte man beim Schrauben immer einen Drehmomentschlüssel benutzen. Das Präzisionswerkzeug verhindert, dass Schraubverbindungen oder Bauteile durch zu hohe Kräfte Schaden nehmen und andererseits, dass die Verbindung aufgrund zu geringer Schraubkraft nicht sicher ist. Vorbau, Lenker, Sattelklemmung: Es gibt kaum mehr eine Schraubverbindung am Rennrad, die ohne Drehmomentvorgabe in Newtonmeter (Nm) auskommt. “4 Nm”, “6 Nm” oder “12 Nm” steht dann häufig klein auf den verschiedenen Bauteilen aufgedruckt oder eingelasert.

Warum ein Drehmomentschlüssel?

Doch was bedeuten beispielsweise 4 Newtonmeter, wie sie oft an Carbonlenkern gefordert werden? Ungefähr handfest? Für ein derart sensibles Bauteil, an dem auch die Sicherheit des Radlers hängt, wäre das in etwa so präzise wie die Angabe “eine Prise Salz” im Backrezept.

Laut Definition müsste man einen ein Meter langen Hebel mit 0,4 Kilo belasten, um an der Vorbauschraube das entsprechende Drehmoment aufzubringen. Weil sich das beim Schrauben aber kaum umsetzen lässt, gibt es Drehmomentschlüssel, die beim Erreichen des eingestellten Wertes knacken und kurz abkippen. Schlüssel mit der sogenannten Kurzwegeauslösung decken etwa 90 Prozent des Marktes ab und sind ideal für die Hobbywerkstatt. In unserem Test sind sieben der acht Modelle für die Werkstatt mit dieser robusten Mechanik ausgestattet.

Bereits ab 70 Euro bekommt man solide Werkzeuge, mit denen sich die Schrauben an sensiblen Teilen wie Carbonlenkern oder Sattelklemmen exakt anziehen lassen. Kohlefaser reagiert dabei besonders empfindlich auf die Klemmkräfte. Ein beherzter Dreh, und das teure Teil ist hinüber oder, noch schlimmer, es bricht beim nächsten Einsatz. Doch auch Aluminium hat ein ausgeprägtes Schadensgedächtnis und kann - einmal überlastet - schnell zum Sicherheitsrisiko werden.

Der Drehmomentschlüssel gehört daher zur Grundausstattung jeder Werkstatt. Wer auch unterwegs nicht auf korrekte Anzugsmomente verzichten möchte, ist mit einem der vier handlichen Tools im Test gut beraten.

Was ist ein Mini-Drehmomentschlüssel?

Doch was versteht man überhaupt unter einem „kleinen Drehmomentschlüssel“? Lässt sich das eindeutig definieren? Natürlich ist es so, dass es keine feste Trennlinie zwischen kleinen und großen Drehmomentschlüssel gibt; es gibt auch weniger kleine, weniger große und mittelgroße Drehmomentschlüssel. Wenn man sich das Sortiment eines beliebigen Herstellers von hochwertigen Drehmomentschlüsseln ansieht, findet man etliche Drehmomentschlüssel unterschiedlicher Größen. Doch vor allem für den Gebrauch am Fahrrad kann man den Begriff „kleiner Drehmomentschlüssel“ schon recht gut einengen:

  • Kürzer als 30cm Hebelarm.
  • Ein Drehmoment, das zwischen 2 und 25 Nm liegt. Das Drehmoment kann auch etwas kleiner sein - zwischen 3 und 15 Nm reicht auch schon oft aus. Idealerweise informierst Du dich vor dem Kauf, welche Drehmomente Du an deinem Fahrrad brauchst.
  • Eignen sich für den Großteil aller Arbeiten am Fahrrad. Aber leider eben nur der Großteil der Schrauben am Fahrrad lässt sich damit sicher verschrauben. Zu den Bauteilen, an denen Drehmomente größerer Nm-Ordnungen gefragt sind, gehören Ritzelpaket und Tretlager. Schau im Zweifelsfall nochmal am Bauteil nach oder wende dich an den Hersteller!
  • Haben meistens eine Aufnahme für 1/4-Zoll Bitsätze (muss separat erstanden werden).

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Einige Hersteller geben an, wie genau ihre Werkzeuge die vorgewählten Drehmomente einhalten können. In vielen Fällen werden maximale Abweichungen von drei oder vier Prozent ausgewiesen. Wir würden selbst Differenzen von zehn Prozent als unkritisch bewerten. Ob mit 4 oder 4,4 Newtonmetern angezogen wird, ist selbst für Carbonteile keine Frage von fest oder ab.

  • Handling: Gute Noten bekamen Kandidaten mit übersichtlicher Skala und präzise funktionierender Einstellung. Schlüssel mit Anzeigen, bei denen Teilstriche fehlen, die anfällig für Paralaxenfehler sind oder deren Einstellmechanismen Spiel zeigten, bekamen entsprechend schlechte Noten. Bonuspunkte gab es für ergonomisch geformte Griffe und einfachen Werkzeugwechsel am Antrieb.
  • Präzision: Normalerweise sollte jedem Drehmomentschlüssel ein Kalibrierzertifikat nach DIN EN ISO 6789 beiliegen. Die Genauigkeit haben wir mit einem geeichten Prüfgerät kontrolliert, das uns die Firma Gedore zur Verfügung gestellt hat. Die besten Schlüssel haben wir mit “Sehr gut” bewertet, vielfache Normabweichungen mit maximal “Ausreichend”.
  • Verarbeitung: Fehler beim Oberflächen-Finish oder spürbar viel Spiel in der Antriebsmechanik bedeuten hier Punktverlust. Die meisten der getesteten Schlüssel geben in dieser Kategorie wenig Anlass zu Kritik.
  • Zubehör: Eine praktische Aufbewahrungsbox schützt den Drehmomentschlüssel und schafft Ordnung für Bits oder Adapter. Ausgerechnet teure Modelle wie die von Parktool oder Pedro’s geizen hier. Selbst die günstigen Marken wie 3min19sec oder BBB bieten da mehr Zubehör.

Test: Drehmomentschlüssel für die Werkstatt

3min19sec Premium-Drehmomentschlüssel

Der günstigste Schlüssel im Test überzeugt mit überraschend präzisen Mess-Ergebnissen und ist der Preis-Leistungs-Tipp für Hobbyschrauber. Die sauber aufgelaserte Skala lässt sich in 0,2er-Schritten verstellen und reicht über einen breiten Drehmomentbereich. Die schicke Softbox enthält die wichtigsten Bits. Auch wenn der kurze Griff nicht optimal in der Hand liegt, lässt es sich mit dem sauber verarbeiteten Schlüssel gut arbeiten. Im Testbetrieb klemmte teilweise die Mechanik der etwas rauen Ratsche. Wird die Arretierung nicht sauber geschlossen, kann sich der Schlüssel verstellen.

  • Preis: 70 Euro
  • Gewicht / Länge: 262 Gramm / 220 Millimeter
  • Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
  • Bereich / Antrieb: 2-26 Newtonmeter / 1/4 Zoll
  • Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 2,5-10, Torx 25 und 30, Softbox
  • TOUR-Bewertung: Gesamtnote 2,0

BBB Torqueset BTL-73

Im unteren Drehmomentbereich liegt der TorqueSet minimal außerhalb der Normwerte. Das größere Manko aber ist die schwer ablesbare Skala, die anfällig für Paralaxenfehler und wenig intuitiv übersetzt ist. Zudem läuft die Verstellmechanik hakelig. Die Ratsche dagegen ist sauber gerastert, lässt sich leicht umstellen und löst deutlich hör- und spürbar aus. Auch wenn der Kunststoffgriff kein Handschmeichler ist, lässt es sich mit dem BBB-Tool angenehm arbeiten. Ein Hinweis für die korrekte Drehrichtung fehlt ebenso wie ein vollwertiges Zertifikat. Der BBB-Schlüssel kommt in einer feinen Softbox.

  • Preis: 95 Euro
  • Gewicht / Länge: 277 Gramm / 223 Millimeter
  • Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
  • Bereich / Antrieb: 2-14 Newtonmeter / 1/4 Zoll
  • Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 3-8, Torx 25 und 30, Softbox
  • TOUR-Bewertung: Gesamtnote 2,2

Birzman Torque Wrench 3-15Nm

Der kompakte Birzman gefällt nicht nur durch seine wertige Metalloptik. Seine sauber gelaserte Skala ist gut ablesbar und in 0,1er-Schritten einstellbar. Auch die Drehrichtung ist angegeben. Die Verstellmechanik läuft sehr geschmeidig, allerdings muss der Feststellring immer unten gehalten werden, was die Einstellung erschwert. Mit seinem kurzen Griff liegt der Birzman zwar nicht allzu ergonomisch in der Hand, dafür befinden sich alle Werte absolut im Normbereich. Bei korrekter Anwendung also ein präzises Tool mit insgesamt sechs brauchbaren Bits und einer praktischen Verlängerung. Das Kunststoff-Case ist dagegen nur Standard.

  • Preis: 139 Euro
  • Gewicht / Länge: 295 Gramm / 209 Millimeter
  • Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
  • Bereich / Antrieb: 3-14 Newtonmeter / 1/4 Zoll
  • Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 3-8, Torx 25

Hazet 5108-3CT (MOUNTAINBIKE-Testsieger)

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2,5-25 Nm
  • Länge/Gewicht: 23,5 cm/313 g
  • Lieferumfang: Prüfdokumente, Plastikumverpackung, Anleitung. Keine Bits
  • Einstellgenauigkeit: Mit 0,25-Nm-Feineinstellung etwas grob, dafür haptisch top
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
  • Handhabung: Liegt hervorragend in der Hand, Nonius rastet spürbar ein
  • Verarbeitung:
  • Fazit: Toll verarbeitet, super Handhabung, dafür jedoch im Vergleich recht grobe Verstellung: Der Hazet ist dank sehr guter Messwerte dennoch besonders für regelmäßige Schraubarbeiten perfekt. Höherer Preis.
  • Testergebnis: Sehr gut (87 Punkte)

Pro Bike Tool Torque Wrench Set (MOUNTAINBIKE-Kauftipp)

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2 bis 20 Nm
  • Länge/Gewicht: 22 cm/282 g
  • Lieferumfang: Inbus: 2, 2,5, 3, 4, 5, 6, 8, 10; Torx 10, 25, 30; Bit-Verlängerung
  • Einstellgenauigkeit: Feineinstellung in 0,1-Nm-Schritten, prima ablesbare Skala
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
  • Handhabung: Die Grifffläche ist etwas knapp bemessen und zu rutschig, sonst sehr gut
  • Verarbeitung:
  • Fazit: Ausstattung und Handhabung sind gut bis sehr gut, die Messwerte sind unkritisch, der Lieferumfang zudem üppig - daher mit 79 von 100 möglichen Punkten der verdiente Kauftipp! Nur der Testsieger und die wesentlich teureren Modelle von Topeak und Wera sahnen mehr Punkte ab.
  • Testergebnis: Sehr gut (79 Punkte)

Rose Drehmomentschlüssel Pro

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 1-25 Nm
  • Länge/Gewicht: 26,5 cm/484 g
  • Lieferumfang: Inbus: 3, 4, 5, 6, 8, 10 mm, Torx: 15, 20, 25, 27, 30, 40; Kreuz: PH2, PH3
  • Einstellgenauigkeit: Etwas grobe 0,2-Nm-Feineinstellung, Skala nicht optimal ablesbar
  • Abweichung vom Zielwert: Bei 2 Nm zeigt der Rose 0,5 Nm zu wenig an, der Rest ist okay
  • Handhabung: Liegt stabil, aber etwas kopflastig in der Hand. Griff eher rutschig
  • Verarbeitung:
  • Fazit: Günstig, stabil und reichhaltig ausgestattet, aber mit deutlicher Schwäche im unteren Einstellbereich. 0,5 Nm Abweichung sind hier zu viel. Für Hobbyisten ohne kritische Leichtbau-Anbauteile okay.
  • Testergebnis: Befriedigend (59 Punkte)

Topeak D-Torq Pro

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", akustisch, 1-20 Nm
  • Länge/Gewicht: 21 cm/169 g
  • Lieferumfang: Inbus: 2, 2,5, 3, 4, 5, 6 mm; Torx: 25; Kreuz: PH2; Bit-Verlängerung
  • Einstellgenauigkeit: Mini-Display, auf 0,1 Nm genaue, digitale Einstellung. Umschaltbare Einheiten
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
  • Handhabung: Sehr schmal, nicht gut zu greifen. Zu kleine Folientasten und Mini-Display!
  • Verarbeitung:
  • Fazit: Klein, leicht und rein digital: Der Topeak ist etwas für Schrauber mit Gefühl, da die Gefahr besteht, ihn zu überdrehen. Dafür zeigt er "live" das aktuelle Drehmoment an. Messwerte unkritisch. Sehr teuer!
  • Testergebnis: Sehr gut (80 Punkte)

Wera Click-Torque A5

  • Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2,5-25 Nm
  • Länge/Gewicht: 29,8 cm/432 g
  • Lieferumfang: Prüfdokumente, Plastikumverpackung, Anleitung. Keine Bits
  • Einstellgenauigkeit: 0,1-Nm-Rasterung, großes Sichtfenster und perfekte Ablesbarkeit
  • Abweichung vom Zielwert: Zeigt im unteren Bereich minimal bis etwas zu viel an, im oberen knapp an der Toleranz
  • Handhabung: Perfekter Grip, gut ausbalanciert - so macht Schrauben Spaß!
  • Verarbeitung:
  • Fazit: Der Wera ist ein toller Schlüssel mit bester Handhabung, perfekter Einstell- und Ablesbarkeit und toller Verarbeitung. Leichte, aber unkritische Schwäche am oberen Ende des Drehmoments.
  • Testergebnis: Sehr gut (86 Punkte)

Laborergebnisse in der Übersicht

Um ein möglichst genaues Bild der Schlüssel abzubilden, haben wir die Schlüssel sowohl auf dem Prüfstand als auch in der Werkstatt getestet.

Gemeinsam mit dem Prüfmittelservice der GTÜ und dem Kalibrierlabor von Kessler QMP hat MOUNTAINBIKE keine Mühen gescheut, um die sieben Drehmomentschlüssel nicht "nur" in der Werkstatt auf Handhabung und Verarbeitung zu testen, sondern auch auf dem Prüfstand. Die GTÜ arbeitet dazu deutschlandweit mit mobilen Laboren bei Werkstätten und Händlern vor Ort. In einer auf 20° Celsius klimatisierten Messzelle können die Prüfer Hauptuntersuchungs-relevante ("HU") Handmessmittel wie Schließkraftmessgeräte, Druckluftmanometer, Messschieber, Bügelmessschrauben oder eben Drehmomentschlüssel in Anlehnung an normenkonforme Messverfahren kalibrieren.

Zum Einsatz kam dabei unter der fachkundigen Leitung von Julian Schmidt, Bereichsleiter Mechanische Messgrößen bei Kessler QMP in Friedewald, eine sogenannte DAkkS-Kalibrierung nach DIN 6789-2:2017-07. Dazu wurde jeder Schlüssel im fabrikneuen Zustand in einem temperierten Raum auf einen speziellen Prüfstand liegend eingespannt und je fünf Mal hintereinander bei 2 Nm bzw. Messbereichsanfang, bei 60 und 100 Prozent der auf dem Schlüssel aufgedruckten Einstellbereiche ausgelöst. Das Ergebnis wiederum werteten wir entsprechend aus - einen Überblick über die Messwerte gibt die Tabelle.

Die Handhabung bewerteten wir bei stundenlangen Schrauberarbeiten an diversen Bikes in unserer Werkstatt - u. a. anhand des Gewichts, der Länge, der Verzahnung sowie des Einstellmechanismus.

Tipps für den korrekten Gebrauch

Wie exakt die Werkzeuge arbeiten, haben wir mithilfe eines geeichten Messgerätes überprüft. Die meisten Kandidaten liegen innerhalb der zulässigen Toleranz von plus vier bis minus vier Prozent. Dass gerade die Schlüssel bekannter Marken wie Parktool und Pedro’s etliche Abweichungen erzeugen, hat uns etwas überrascht - auch wenn sich die Werte im Bereich von weniger als 0,5 Newtonmetern bewegen.

Ob ein Drehmomentschlüssel verlässliche Werte liefert, hängt aber auch stark mit der korrekten Anwendung zusammen. Ruckartiges Auslösen führt schnell zum Überziehen der Schrauben. Daher sollte man mit dem Drehmomentschlüssel immer gleichmäßig, langsam und kontrolliert arbeiten. Das häufig zu beobachtende Nachdrücken - um etwa zu überprüfen, ob die Schraube auch wirklich korrekt angezogen wurde - ist so etwas wie die Todsünde der Drehmomenthandhabung und führt in der Regel so zuverlässig zu erhöhten Werten wie Handspiel im Strafraum zum Elfmeter im Fußball. Auch das Verlängern oder Verkürzen des Hebels verändert das anliegende Drehmoment maßgeblich. Daher sollten Sie den Schlüssel immer mittig am Griff und mit gleichmäßiger Druckverteilung fassen. Im besten Fall finden Sie am Griff eine kleine Markierung, welche den optimalen Punkt zur Krafteinleitung vorgibt und der auch bei der Kalibrierung des Schlüssels als Angriffspunkt dient.

Die wichtigsten Tipps für korrektes Schrauben:

  1. Einstellen: Stellen Sie das erforderliche Drehmoment immer vom höheren Wert kommend ein, damit sich der Mechanismus im Inneren entspannt und nicht verspannt. Fassen Sie den Schlüssel mittig und mit gleichmäßigem Druck am Griff. Gute Exemplare haben eine Markierung, an welcher der Mittelfinger aufliegen sollte. Ziehen Sie kontrolliert mit zunehmender Kraft, niemals ruckartig. Stoppen Sie den Anzugsvorgang sofort bei Auslösung, um nicht zu überziehen. Bei geringen Drehmomenten können Sie auch nur mit der Daumenbeuge in der Griffmitte oder an der entsprechenden Markierung drücken, um besonders exakte Werte zu erreichen.
  2. Sauber arbeiten: Setzen Sie den Schlüssel exakt und gerade in die Schraube ein. Verkantet der Schlüssel, kann es zum Auslösen kommen, bevor das gewünschte Drehmoment anliegt. Achten Sie darauf, dass die Gewinde der Schraubverbindungen und die Schrauben selbst sauber und trocken sind. Eine auf den Boden gefallene Schraube sollten Sie vor dem Einbau kurz reinigen. Selbst kleinste Schmutzpartikel verändern die Reibwerte im Gewinde und an der Schraubenkopfauflage. Die Reibung macht am Ende bis zu 80 bis 90 Prozent des Drehmoments aus.
  3. Die richtige Richtung: Verwenden Sie den Drehmomentschlüssel nicht zum Lösen von Schrauben, um Schäden am Werkzeug durch zu fest sitzende Schrauben zu vermeiden. Auch wenn ein Schlüssel in beide Richtungen auslöst, ist er in der Regel nur in eine Richtung kalibriert. Ein Pfeil sollte auf die entsprechende Funktionsrichtung hinweisen.
  4. Am Ende - Entspannen: Viele Hobbyschrauber vergessen, den Drehmomentschlüssel nach Gebrauch wieder zu entspannen, indem sie ihn auf den niedrigsten Wert der Skala zurückstellen. Das schont den Federmechanismus. Drehen Sie jedoch nicht weiter als bis zum Ausgangspunkt der Skala.
  5. Immer nur ein Mal: Selbst erfahrene Mechaniker drücken oft ein zweites Mal, um sicherzugehen, dass die Schraubverbindung richtig angezogen wurde. Das ist unnötig und erhöht die Gefahr, die Schraube noch zu überziehen. Bei den sensiblen Verschraubungen am Fahrrad liegen so schnell mal ein paar Newtonmeter zu viel an, was bereits zum Defekt eines Bauteils führen kann. Mehrfachauslösungen sind nur an Teilen notwendig, die von mehreren Schrauben (Schraubverband) gesichert werden, wie etwa der Bremsscheibe oder dem Vorbau. Durch das Anziehen der einen Schraube verringert sich hier die Vorspannkraft an der anderen; daher muss noch einmal nachgezogen werden.
  6. Qualitätskontrolle: Jedem Drehmomentschlüssel sollte ein Kalibrierzertifikat nach DIN EN ISO 6789 beiliegen. An drei definierten Messpunkten müssen jeweils fünf Messvorgänge verzeichnet sein, die eine Toleranz von plus/minus 4 Prozent nicht überschreiten dürfen. Zertifikate ohne exakte DIN-Angabe und mit nur drei Prüfungen pro Sollwert weisen lediglich auf eine Qualitätskontrolle beim Hersteller hin. Es wird empfohlen, den Drehmomentschlüssel einmal im Jahr oder nach 5000 Lastwechseln zu überprüfen und gegebenenfalls rekalibrieren zu lassen, da häufiger oder falscher Gebrauch Einfluss auf die Messgenauigkeit haben kann.

Interview mit Dipl. -Ing. Dirk Zedler

TOUR: Viele Hobbymechaniker ziehen Schrauben am Rad rein nach Gefühl an. Wie gefährlich ist das?

Dirk Zedler: Fahrräder sind unter dem Gesichtspunkt des Maschinenbaus absoluter Leichtbau. Faktisch wird an jedem Detail Gewicht gespart. Dreht man Schrauben nach Gefühl an, kann das nicht nur das Gewinde selbst schädigen. Bauteile aus Carbon können regelrecht zerquetscht werden. Im Ergebnis können vorgeschädigte Bauteile im Betrieb versagen.

TOUR: Reagiert Aluminium genauso empfindlich auf ein zu hohes Drehmoment wie Carbon?

Zedler: Zerquetschen ist hier nicht das große Thema, und wenn eine Delle in den Alu-Rahmen kommt, ist das typischerweise auch kein Bruchkeim. Kritisch kann es bei den Klemmstellen am Lenker werden, wenn hier Einschnürungen auftreten. Dann spricht der Fachmann von Kerbwirkung, und es kann über kurz oder lang zum Ermüdungsbruch kommen.

TOUR: Gibt es nur ein “zu fest”, oder können auch zu geringe Drehmomente Probleme bereiten?

Zedler: Lenker können sich bei einem Stoß abrupt im Vorbau verdrehen oder Vorbauten in Spurrillen auf Gabelschäften. Aber auch Kurbeln oder Pedale können sich vollständig lösen und plötzlich abfallen, wenn diese nicht korrekt festgedreht sind. Besonders kritisch sind auch Schrauben von Sattelstützen. Daher der dringende Rat, sich innerhalb der Drehmomentspannen zu bewegen. Und wichtig: Die Verschraubungen sollten nach etwa zehn bis fünfzehn Betriebsstunden erstmals mit dem Drehmomentschlüssel kontrolliert werden und dann turnusgemäß und je nach Härte des Einsatzes etwa alle 50 Stunden. Genaues steht in der Bedienungsanleitung.

TOUR: Was kann ich tun, wenn trotz korrektem Drehmoment ein Bauteil nicht fest ist?

Zedler: Toleranzen bei der Herstellung sind kaum zu vermeiden, daher muss an erster Stelle geprüft werden, ob die Teile zueinander passen. Bei Klemmungen, bei denen ein Partner aus dem Verbundwerkstoff Carbon ist, ist Fett absolut zu vermeiden. Beidseitig gleichmäßig dünn aufgetragene, reibungsfördernde Carbonpaste wirkt hier Wunder, dann klappt es innerhalb der vorgegebenen Drehmomente.

TOUR: Was tun, wenn ein Bauteil zu fest angezogen wurde?

Zedler: Keine einfache Frage, und auch definitiv nicht pauschal zu beantworten. Einmal zu fest angedreht und dann gleich wieder gelöst, ist das typischerweise kein “Beinbruch”. Beim kritischen Carbon kündigen Knistergeräusche oft schon beim Festdrehen an, dass der Druck zu hoch war. Auch beim Lösen kann man die Geräusche hören. Ist dies der Fall, dann ist es definitiv Zeit für den Austausch. Auch hier rate ich, sich an Experten zu wenden.

Drehmomentschlüssel für unterwegs

Wer auch unterwegs nicht auf korrekte Anzugsmomente verzichten möchte, ist mit einem der vier handlichen Tools im Test gut beraten. Sie verfügen in der Regel über einen Schleppzeiger, der das aktuell anliegende Drehmoment auf einer kleinen Skala anzeigt. Die Ausnahme bildet das Werkzeug von Lezyne. Es verhindert mit einer sogenannten Rutschkupplung ein Überdrehen der Verschraubungen.

Birzman Pocket Torque Wrench 2-10 Nm

  • Preis: 50 Euro
  • Gewicht*: 91; 142 g
  • Grifflänge: 20 mm
  • Bereich / Antrieb: 2 bis 10 Nm / 1/4 Bit
  • Zubehör: Anleitung; Inhex 3 bis 6; Torx 25; PH2; Hartbox
  • Fazit zum Drehmomentschlüssel: Birzman liefert ein handliches Tool mit Schleppzeiger für unterwegs. Die seitliche Anzeige fällt etwas klein aus und ist nur schwer korrekt abzulesen. Im Test lagen die Werte teilweise deutlich unterhalb der Toleranz. Auch die Anwendung per Fingerhebel ist nicht ganz einfach. Wer sich am Gehäuse abstützt, verfälscht schnell die Werte. Im Lieferumfang befinden sich sechs Bits und eine Verlängerung. Die Kunststoffbox ist kein wirklich schönes Aufbewahrungsmittel, hier wäre eine Softbox für Rucksack oder Packtasche wünschenswert. Die Mechanik der Ratsche arbeitet einwandfrei.

Lezyne Pocket Torque Drive

  • Preis: 65 Euro
  • Gewicht*: 75; 156 g
  • Grifflänge: 75 mm
  • Bereich / Antrieb: 2 bis 6 Nm / 1/4 Bit
  • Zubehör: Anleitung; Inhex 2,5 bis 5; Torx 20, 25; Softbox
  • Fazit zum Drehmomentschlüssel: Im schicken Softcase verbergen sich sechs Bits für die wichtigsten Verschraubungen am Bike. Das Drehmoment wird über einen separaten Schlüssel eingestellt. Die Skala ist an sich gut lesbar, der passende Wert trotzdem nur schwer einzustellen. Passt die Einstellung, liefert das Lezyne-Tool dafür solide Werte. Mit seinem aufsteckbaren T-Griff liegt das Werkzeug gut in der Hand. Ohne Verlängerung erreicht man mit dem torpedoartigen Tool versteckte Schrauben allerdings nur schwer. Die eingebaute Rutschkupplung macht ein Überdrehen quasi unmögli...

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