Eine Alpenüberquerung mit dem E-Bike ist für viele Mountainbiker ein Traum. Dank der Unterstützung durch den Elektromotor können auch weniger trainierte Fahrer den Alpenhauptkamm überqueren. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen, Herausforderungen und notwendige Ausrüstung für eine erfolgreiche Transalp mit dem E-Bike.
Die Herausforderung: Autarkie und Reichweite
E-MTBs können fast alles, aber eine ausgewachsene Transalp gehörte bisher nicht dazu. Jedenfalls nicht ohne Begleitfahrzeug und Gepäcktransport, damit im Rucksack ein schwerer Zweitakku samt Ladegerät Platz findet. Tagesetappen jenseits der 2000 Höhenmeter sind mit den meisten Bikes und nur einer Batterie einfach nicht drin.
Die größte Herausforderung bei einer autarken Transalp mit dem E-Bike ist die Reichweite des Akkus. Tagesetappen mit über 2000 Höhenmetern sind mit den meisten Bikes und nur einer Batterie kaum zu bewältigen. Doch dann präsentierte mir Claus Fleischer, CEO der Firma Bosch und gelegentlicher Touren-Gefährte, den vermeintlichen Gamechanger: „Damit“, grinste Claus, und hielt mir ein trinkflaschengroßes, schwarzes Teil vor die Nase, „schaffst du 3000 Höhenmeter.“
Um die Reichweite zu erhöhen, kann ein Range Extender verwendet werden. Ein Beispiel hierfür ist der "Bosch Power More 250", der in einer speziellen Halterung anstelle des Flaschenhalters montiert und mit einem eingebauten 750-Wattstunden-Akku am Bike kombiniert wird. Dieses System liefert 250 zusätzliche Wattstunden.
Wenn das funktioniert, müsste eine autarke Transalp tatsächlich möglich sein. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.
Die Route: Eine komprimierte Version der BIKE-Transalp
Die hier beschriebene Tour basiert auf einer auf vier Etappen komprimierten Version der BIKE-Transalp-Strecke, die von Marc Schneider, dem Rennleiter der BIKE-Transalp, in Form von GPS-Daten zur Verfügung gestellt wurde. Von Imst nach Boario Therme, bei Breschia, mit insgesamt 340 Kilometern und 10624 Höhenmetern. Damit ist klar: Wir werden es dem Range Extender maximal schwer machen. Oder uns selbst, wie Tag 2 eindrucksvoll demonstrieren sollte.
Etappen im Überblick
Die Transalp-Route wurde in vier Etappen unterteilt:
- Etappe 1: Imst-Nauders (81 km, 2327 hm)
- Etappe 2: Nauders-Bormio (104 km, 3032 hm)
- Etappe 3: Bormio-Aprica (98 km, 3232 hm)
- Etappe 4: Aprica-Boario Therme (67 km, 2033 hm)
Detaillierte Etappenbeschreibung
Etappe 1 - Imst-Nauders: 81 km - 2327 hm
Das Höhenprofil der Startetappe verspricht eine Art lockeres Einrollen: Zwischen Imst und Nauders summieren sich zwar 2327 Höhenmeter, aber ohne erkennbar steile Ausschläge. Wir kurbeln auf Asphalt einige Kilometer ins Pitztal und traversieren die Pillerhöhe auf einem steilen, rutschigen Pfad Richtung Inntal. Mein Finger zuckt nach dem Schalter für die Unterstützungsstufen, aber ich gönne mir nicht mehr als Tour Plus. Dafür dreht mein Puls hoch.
30 Kilometer leicht, aber stetig bergauf. Im Eco zehrt das an den Reserven etwa so viel wie eine kurze Rampe. Nach 60 Kilometern Strecke geht's in den letzten Anstieg: noch 600 Höhenmeter und 15 Kilometer bis Nauders, aber auch noch 50 Prozent Akku. Gut gewirtschaftet. Sabine hat sogar noch 10 Prozent mehr. Wir schauen uns an: „Okay, Turbo!“. Und so fliegen wir in Rekordzeit zum Mutzkopf hoch und auf feinsten Bikepark-Trails hinunter nach Nauders.
Etappe 2 - Nauders-Bormio: 104 km - 3032 hm
3000 Höhenmeter sind eine Ansage. Wenn wir heute Abend in Bormio ankommen wollen, müssen wir nicht nur mit den Akkus haushalten, sondern auch mit dem Tageslicht. Im Oktober hat man einfach deutlich weniger Zeit für solch einen Marathon. Um 18:30 Uhr geht derzeit die Sonne unter. Dann wird es im Hochgebirge schnell ungemütlich. Theoretisch könnte man von Nauders direkt Richtung Schweizer Grenze rollen. Aber es handelt sich ja um die BIKE Transalp-Strecke.
So wird es 15:30 Uhr bis wir in Santa Maria in einer Bar zum Mittagessen anhalten - wo die Küche nun zu hat. „Salat wäre noch möglich“, sagt die Bedienung und schaut uns mitleidig an. Wenigstens gibt's Energie für unsere Bikes, sie dürfen an die Steckdose. Aber nur für eine halbe Stunde, denn wir sitzen auf Kohlen. Als wir aufbrechen, zeigt mein Display immerhin einen weißen Balken mehr, also 10 Prozent. Trotzdem dürfte es eng werden.
Es dämmert bereits, als wir das Val Mora durchqueren. Die blaue Stunde wirft ein gespenstisches Licht auf den Cancano-See. Wie in Trance, kneten wir auf der Schotterstraße Bormio entgegen. Sabine gibt mir Windschatten, sie hat wieder einen Balken mehr als ich. Mein Display leuchtet rot. Gut, dass wir eine kleine Stirnlampe eingepackt haben. So können wir den Trail im letzten, finsteren Waldstück noch grob erahnen. Die Anzeige blinkt, als wir die Bikes im Skikeller des Hotels Baita Fanti parken.
Etappe 3 - Bormio-Aprica: 98 km - 3232 hm
Und es kommt härter. Richtung Val di Sole und Adamello-Massiv zieht sich der berüchtigte Mortirolo-Pass. Allein das sind schon 1300 steile Asphalt-Höhenmeter am Stück. Doch irgendwie sind wir heute weniger aufgeregt. Vielleicht, weil wir unsere Reserven und die unserer Batterien jetzt besser einschätzen können. Im Grunde ist es ein Rechenexempel: Wir kennen Höhen- und Kilometer und die Restkapazität der Akkus.
In Grosio am Fuße des Mortirolo-Pass wollen wir unsere Batterien in der Mittagspause laden. Deshalb gönnen wir uns für den langen Anstieg ins Val di Dentro den Tour Plus-Modus. So können wir dieses einsame Hochtal mit ihren Almen und kleinen Bergseen auch viel mehr genießen. Auch die Abfahrt auf uralten Karrenwegen ins Valtellina macht Spaß: 1800 Tiefenmeter bis in die Gassen von Grosio hinunter. Nach dem geplanten Boxenstopp im Hotel Sassella steht nun der Mortirolo-Pass mit seinen endlosen Asphaltkehren an. 10 Prozent steil im Schnitt.
Etappe 4 - Aprica-Boario Therme: 67 km - 2033 hm
Den Zahlen nach sollte die letzte Etappe ein Klacks sein - allerdings soll sie ein „episches Monster“ enthalten: den Passo Venerocolo. Im unteren Teil ist dieser Pass teils so steil, dass wir nur weit über den Lenker gebeugt vorankommen - im Turbo-Modus. Danach wird’s etwas flacher, bleibt aber technisch. Am Bergrestaurant „Ristoro Aprica“ verabschiedet sich die menschliche Zivilisation für Stunden. Sektion für Sektion arbeiten wir uns hoch. Erst auf einem verwinkelten Wurzel-Trail, später auf hochalpinen, drahtseilgesicherten Wandersteigen. Ein Juwel von einem Trail!
Als wir den Pass überqueren, tut sich vor uns die große Weite der Poebene auf. „Wow, das Ende der Alpen“, sage ich zu Sabine, und die deutet auf ihr Display: „Und das nahe Ende meines Akkus.“ Tja, da haben wir uns heute wohl verrechnet. Egal, dann laden wir unten im Tal irgendwo nach, dann sollte es bis Boario Therme reichen. Der Uphillflow-Spaß war's wert.
Ausrüstung und Gewicht: Jedes Gramm zählt
Wer eine autarke Transalp vorhat, kämpft um jedes Gramm. Und das nicht nur, um weniger Last auf dem Buckel zu haben. Gewicht wirkt sich dramatisch in der Reichweite der Akkus aus. Markus wiegt mit voller Montur, also mit Helm, Schuhen und Klamotten 83 Kilo. Sabine mit 70 Kilo 13 Kilo weniger. Im Schnitt spart sie dadurch zwischen 10 und 20 Prozent Strom.
Gewichtsübersicht
| Komponente | Gewicht (Markus) | Gewicht (Sabine) |
|---|---|---|
| Bike mit Pedalen | 23 Kilo | |
| Range Extender mit Halterung | 1,6 Kilo | |
| Rucksack (o. Wasser) | 8,5 Kilo | 9 Kilo |
| Lenkertasche | 1,7 Kilo | 1,5 Kilo |
| Tasche im Rahmendreieck | - | 0,65 Kilo |
Empfehlungen für die Ausrüstung
- Bike: Leichtes und effizientes E-MTB mit 750 Wattstunden-Akku
- Reifen: Schwalbe Nobby Nic (oder ähnliche) für geringen Rollwiderstand
- Pedale: Klickpedale für gute Kraftübertragung
- Antrieb: Bosch CX Antrieb (oder ähnliche mit zuverlässiger Kapazitätsanzeige)
- Navigation: Smartphone mit GPS-Halterung und Powerbank
- Range Extender: Bosch Power More 250 (oder ähnliche)
Tipps und Tricks für die E-MTB Transalp
- Akkumanagement: Wirtschaftliches Fahren und Nutzung der Unterstützungsstufen
- Pausenplanung: Lademöglichkeiten entlang der Strecke nutzen
- Gewichtsoptimierung: Leichte Ausrüstung wählen
- Navigation: GPS-Gerät oder Smartphone mit Offline-Karten
- Notfallausrüstung: Stirnlampe, Werkzeug, Erste-Hilfe-Set
Die Via Claudia Augusta: Eine Alternative für E-Biker
Seit über 2000 Jahren verbindet die Via Claudia Augusta die Alpen mit der Adria und ist heute eine der faszinierendsten Radstrecken Europas. Radfahrer und E-Bike-Reisender Maximilian Semsch hat die 600 Kilometer in sieben Tagen gemeistert und teilt seine Erfahrungen.
Die Via Claudia Augusta ist eine der beliebtesten Radrouten durch die Alpen. Sie führt von Donauwörth über Augsburg und Füssen nach Österreich, weiter über mehrere Pässe nach Südtirol und schließlich nach Italien. Die Strecke verläuft durch malerische Städte wie Bozen, Meran und Trient.
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