Motorrad-Reisen und -Touren durch landschaftlich schöne Gebiete stehen für Genuss mit allen Sinnen. Der kann jedoch nachhaltig getrübt werden, wenn bei der Routenplanung die Länge der Tagesstrecke falsch eingeschätzt wird. Dass mehr Strecke nicht nur weniger Spaß am Erleben ist, sondern auch ein Sicherheitsrisiko bedeutet.
Körperliche Belastung und Streckenlänge
Die körperliche Belastung beim Motorradfahren sollte nicht unterschätzt werden. Schließlich summieren sich die Ausführung der Fahrmanöver, die Haltearbeit und der Widerstand gegen den Fahrtwind sowie die permanente Aufmerksamkeit und der Stress im Straßenverkehr. Die Herz-Kreislauf-Belastung steigt durch die erhöhte Hormonausschüttung zusätzlich. Wer zu lange fährt, riskiert nicht nur Aufmerksamkeitsdefizite, die zu fatalen Folgen führen können.
Wenn erste Konzentrationsmängel auftreten, muss jedem klar sein, dass er schon zu lange fährt, weshalb regelmäßige und geplante Pausen wichtig sind. Der zwei Stunden-Rhythmus aus dem Autobereich kann, je nach Motorrad (mit oder ohne Verkleidung), Streckenbeschaffenheit und Wetter, für Motorradler zu lange sein.
Faustregel für Motorradtour-Streckenlänge
Die Faustregel der ADAC Motorradexperten für die richtige Streckenlänge pro Fahrtag:
- auf Autobahnen maximal 700 Kilometer
- auf Bundesstraßen maximal 450 Kilometer
- auf Landstraßen maximal 350 Kilometer
- im Gebirge mit Pässen maximal 250 Kilometer
- auf Enduro-Strecken mit viel Schotter maximal 200 Kilometer
Dies gilt auch nur für gutes Motorrad-Wetter: Besonders große Hitze, niedrige Temperaturen oder extreme Temperaturschwankungen sowie Dauerregen erfordern eine Reduzierung der Teilstücke. Gleiches gilt für Fahrten auf Routen mit erheblicher Verkehrsbelastung. Bei hohen Temperaturen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig, um die Thermoregulation des Körpers zu gewährleisten.
Pausen richtig nutzen
Dass die Pausen nur für Tanken, Toilette und womöglich Rauchen genutzt werden, ist gänzlich falsch: Jede Rast sollte zur aktiven Erholung und Regeneration im physischen und psychischen Bereich genutzt werden. Dazu zählt der Mediziner Lockerungs- und Dehnübungen auch in der Kombi, schließlich verkrampfen nicht nur Muskeln an den Beinen, Armen und im Schulterbereich. Auch die Wirbelsäule bekommt trotz aller Federung kaum merkbare Stöße ab. Selbst "Augengymnastik" wie Grimassenschneiden oder Augenrollen hilft: Dadurch wird die Feuchtigkeit im Auge angeregt.
Weil nur gut fährt, wer entspannt unterwegs ist, rät nicht nur zur aufmerksamen Selbstkontrolle: "Lockerheit erkennt man am besten an einer entspannten Unterlippe.
12 Tipps für Solo Motorradfahrer auf großer Tour
Was dabei für einen Solo Motorradfahrer vor allem zählt, ist ausgeklügelte Logistik und eiserne Disziplin. Sonst leidet der Spaß am Fahren. Daß sich bei solchen Unternehmungen zwischendurch mal ein psychischer „Hänger“ einstellt, ist vollkommen normal. Das gibt sich wieder. Wenn man als notorischer Solo Motorradfahrer gut über die Runden kommen will, gibt es eine Menge zu beachten. Sonst wird das nichts.
- Wenn ich in einsamen Gegenden alleine mit dem Motorrad unterwegs bin, halte ich die Meinigen auf dem Laufenden, wo ich mich herumtreibe und wann ich am Tagesziel angekommen bin. Meine bevorzugte Funktion ist die Einstellung „Standortfreigabe“ bei Google Maps.
- Früh starten. Zu den gesunden Tips für Solo Motorradfahrer empfehle ich meine Routine: Um 6 Uhr aufstehen, Duschen, Frühstück, Maschine zurechtmachen und möglichst schon vor 8 Uhr auf Strecke gehen. Als Morgenmensch liebe das Erwachen der Natur und des Alltagslebens.
- Mit der Tagesstrecke verhält es sich wie mit einem Symphoniekonzert: Das längste Stück kommt vor der großen Pause. Mit dieser Strategie kann man seine frische Unternehmungslust darauf verwenden, erst mal „Strecke zu machen“. Vor allem kann man am Nachmittag in kürzeren Abständen Stops einlegen zum Tanken und Kaffeetrinken, für Besichtigungen und Umwege. Wiederholte kleine Pausen am Nachmittag schonen die Konzentration und den Rücken.
- Auf Strecke trage ich immer Gehörschutz. Nicht nur, weil es das Gehör schont.
- Mache Dich kundig, wie das Wetter auf der Strecke voraussichtlich werden wird und nimm die richtigen Klamotten mit. Fahrtwind ist wunderbar bei Hitze. In der kalten Jahreszeit kann es dagegen brutal werden, weil man den Windchill-Effekt unterschätzt: Fährt man bei +10° C mit 60 km/h, fühlt sich das an wie 5,1 °C.
- Nichts ist schlimmer als mit einer unzureichend gewarteten Maschine auf große Tour gehen zu wollen. Wer auf der sicheren Seite sein will, gibt die Maschine vorher in die Werkstatt. Vorbeugen ist besser als den ADAC (oder wen auch immer) zu rufen.
- Von der „normalen“ Urlaubsreise kennen wir das: Man hat viel zu viel mitgenommen. Also rigoros auf das beschränken, was man wirklich braucht. Es gibt sogar Spezialisten, die fahren nur in alter Unterwäsche und entsorgen unterwegs die getragenen Teile. Nun ja. Ich pers.
- Ein Navi ist mittlerweile bei Tourenfahrern Allgemeingut. Jeder hat bei Modell und Menüführung seine Vorlieben. Bei Karten bevorzuge ich den Maßstab 1.150.000, weil er im wesentlichen eine Tagestour abdeckt und dennoch ausreichend Details für das Besichtigungsprogramm unterwegs anzeigt.
- Es ist nicht immer einfach, an den vielen schönen Lokalen mit guter Speisekarte einfach vorbeizufahren. Also ist wohl das Picknick die Verköstigung der Wahl. Im schlankheitsbewußten Zeitalter halten die Supermärkte eine gute Auswahl an kleinen, leichten Sachen bereit, die man ohne Verzicht auf kulinarischen Genuß unterwegs in mehreren Etappen verspeisen kann.
- Wer möchte, kann ja seinen Urologen dazu befragen. Auch der wird sagen: Im Grunde trinken wir alle viel zu wenig. Das ist besonders beim Motorradfahren bedenklich. Zu wenig trinken schwächt die (überlebensnotwendige) Konzentration, kann Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder Übelkeit verursachen.
- Einer meiner wichtigsten Tips für Solo Motorradfahrer beruht auf einer schlimmen Vorstellung: Unfälle sind nie auszuschließen. Bei der Erstversorgung und auch danach kommt es meist auf jede Minute an. Was aber, wenn man selbst nicht mehr sprechen und den Rettern/Ärzten nicht die wichtigsten Informationen kann? Blutgruppe? Unverträglichkeiten? Medikamente? Kontaktadressen?
- Einer der wichtigsten Tips für Solo Motorradfahrer klingt so banal, daß er immer wieder vergessen wird: Bei allem Ruhe und Gelassenheit bewahren: beim Packen, bei einer Panne oder wenn sonst mal was schiefgeht, wenn man sich verfahren hat oder wenn es unterwegs Probleme mit den lieben Zeitgenossen geben sollte. In der Ruhe liegt die Kraft.
Checkliste für die Motorradtour
Es ist endlich soweit! Das Wetter passt, du hast deine Route geplant und deinen Urlaub genehmigt bekommen. Aber bevor du ins Abenteuer aufbrichst, solltest du sicherstellen, dass du an alles gedacht hast.
Tipp Nr. 1: Das Motorrad vorbereiten
Es gibt wenig ärgerlicheres, wie wenn die Tour durch einen vermeidbaren technischen Defekt unterbrochen werden muss. Sind die Bremsbeläge in Ordnung? Halten Kette und Ritzel die geplanten Kilometer noch aus? Wann wurden die Flüssigkeiten das letzte Mal getauscht? Starte mit einem Bike in top Zustand - Unterwegs kann auch so noch genug schiefgehen.
Tipp Nr. 2: Die richtige Motorradbekleidung
Egal, ob du in die Berge oder an den Strand fährst, deine Sicherheit sollte an erster Stelle stehen. Helm, Handschuhe, Motorradjacke und -hose sowie geeignetes Schuhwerk sind ein Muss. Außerdem kann die richtige Kleidung deine Tour auch noch deutlich angenehmer machen. Eine gute wasser- und winddichte Kombi gibt dir in kalten Gegenden mehr Widerstandskraft gegen die Elemente und du hast mehr von der Reise.
Tipp Nr. 3: Werkzeug und Ersatzteile
Du weißt nie, wann du eine Panne hast. Ein kleiner Werkzeugsatz und einige Ersatzteile wie Sicherungen, Glühbirnen und Schläuche können den Unterschied zwischen einer kurzen Pause und einer mühsamen, langwierigen und kostspieligen Rettungsaktion ausmachen. Gerade bei modernen und größere Bikes kommt es dabei häufig vor, das an relevanten Stellen Spezialwerkzeug oder unübliche Dimensionen benötigt werden.
Tipp Nr. 4: Gepäcksystem
Ein zuverlässiges Gepäcksystem ist unerlässlich, um deine Sachen sicher zu verstauen. Welches Gepäcksystem dabei die beste Wahl ist, hängt stark von der Art der Tour ab und auch dein Reisestil hat großen Einfluss. Fährst du gerne dynamisch? Dann suche nach möglichst leichten Gepäcklösungen. Wirst du mehrere Nächte in einer Unterkunft verbringen? In dem Fall empfehlen sich Gepäcksysteme, welche du flott abmontieren und im Hotel lassen kannst.
Tipp Nr. 5: Navigation
Ob GPS-Gerät, Smartphone-Halterung oder klassische Straßenkarten, du möchtest nicht in der Pampa verloren gehen. Stell sicher, dass du weißt, wo du hinwillst. Aber stelle auch sicher, dass du weißt, wie du hinnavigierst. Denn heutzutage kann man sowohl mit 500 € teuren Navis, als auch nur mit dem Smartphone quer durch die Welt navigieren.
Tipp Nr. 6: Weniger ist mehr
Aus Erfahrung weiß ich, dass man selbst bei zurückhaltender Packweise noch immer mehr mitnimmt, als man eigentlich braucht. Was mir geholfen hat, sind erstens multifunktionale Kleidungsstücke. Zum Beispiel Hosen mit abzippbaren Hosenbeinen, die sowohl lang als auch kurz getragen werden können. Mag nicht besonders modisch sein, aber zumindest bei meinen Motorradtrips stehen keine Galas oder Abendessen im Hauben-Lokal am Programm.
Tipp Nr. 7: Hygieneartikel
Sobald es aber abenteuerlich wird, man auf solchen Luxus verzichten muss und vielleicht auch das Gepäck knapp wird, dann ist mein Motto: Ein bisschen stinken hat noch niemanden umgebracht. Wenn es hart auf hart kommt, dann spare ich eher bei Seife und Co., nehme mir meist nur ein Duschgel in der kleinen Reisedimension (oft in Hotels verfügbar) mit und fertig.
Tipp Nr. 8: Erste-Hilfe-Set und Reiseapotheke
Unfälle passieren, also sei vorbereitet. Ein einfaches Erste-Hilfe-Set kann in Notfällen Leben retten, weshalb diese hierzulande sowieso verpflichtend mitzuführen sind. Aber selbst wenn es nicht gleich um Leben und Tod geht, lohnt es sich eine durchdachte Reiseapotheke mitzunehmen.
Tipp Nr. 9: Essen und Trinken
Noch wichtiger ist ausreichend Trinkwasser mitzuführen, vor allem im Hochsommer wenn man unter der Motorradkombi ausrinnt und viel Flüssigkeit verliert. Selbst wenn man eigentlich nur eine kurze Tagestour machen möchte, zahlt es sich aus zumindest ein paar Müsli-Riegel oder Snacks einzupacken.
Tipp Nr. 10: Flexibilität
Deshalb mein persönlicher Tipp: Lieber in der Planung etwas Raum für Ungeplantes lassen. So kann man bleiben, wo es einem gefällt und mehr die Tour selbst genießen, anstatt einem selbstauferlegten Zeitplan nachzuhetzen. In Zeiten des Internets ist es zumindest laut meinen Erfahrungen für Einzelpersonen und kleinere Gruppen kein Problem, auch spontan und rasch eine Bleibe für die Nacht zu organisieren.
Motorradtour planen: Fragen vor dem Roadtrip
Um eine Motorradtour zu planen, solltest Du Dir einige grundsätzliche Fragen stellen - und zwar noch bevor praktische Aufgaben wie Motorrad-Check, Streckenplanung oder Packliste angegangen werden.
- Welche Art von Motorradtour ist geplant? Auf schnellstem Weg von A nach B fahren oder ein ausgiebiger Roadtrip mit diversen Zwischenstopps: Deine Reiseplanung ist davon abhängig, welche Art von Motorradtour geplant ist.
- Soll die Fahrt im In- oder Ausland stattfinden? Führt die Motorradtour auch ins Ausland, sollte man sich rechtzeitig informieren - über mitzuführende Dokumente und Equipment wie Warnwesten und Ersatzlampen oder Maut- oder Helmpflichten.
- Wie ist meine persönliche Fitness und Fahrpraxis? Je besser Du Dich einschätzen kannst, desto besser kannst Du planen, wie lang die Motorradtour dauern soll und welche Tagesstrecken Du Dir zumuten kannst.
- Wie sind Straßenverhältnisse und Verkehrslage auf der Tour? Mit einem Ziel vor Augen kannst Du Dir bereits im Voraus ansehen, wie es um die Straßenverhältnisse und die Verkehrslage auf der geplanten Strecke steht.
- Wie ist das Wetter auf der Tour voraussichtlich? Letztere liefern sogar Informationen zum Routenwetter: Gibt man Start- und Zielpunkt ein, bekommt man nicht nur die schnellste Route angezeigt, sondern auch verlässliche Wettervorhersagen für die Strecke.
- Sind Übernachtungen geplant? Wer sich für Übernachtungen in Hotels entscheidet, profitiert von weniger Reisegepäck, da man kein Zelt, kein Schlafsack und keine Campinguntensilien mit auf die Reise nehmen muss.
- Was kostet mich die Tour? Vorbereitet sein sollte man auch auf Unvorhergesehenes: Beispielsweise kann es sein, dass Reservierung wieder storniert werden müssen. Auch aufgrund kleinerer Reparaturen oder Strafzettel können zusätzliche Kosten anfallen.
Insidertipps für die perfekte Motorradtour
- Nicht unter Druck setzen und die Tour von Anfang bis Ende durchplanen, sondern einfach starten und schauen, wo man am Abend landet.
- Damit die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit immer gegeben ist, um sicher am Ziel anzukommen, sollten genügend, ausreichend lange Pausen eingelegt werden.
- Auf einer längeren Motorradtour ist es nicht unüblich, durch alle Wetterlagen fahren zu müssen. Die meisten Biker lassen sich ihren Fahrspaß davon nicht verderben - insbesondere, weil sie mit wetterfester Motorradkleidung ausgerüstet sind.
- Vor allem für die Planung von Motorradreisen ins Ausland sollte man sich rechtzeitig über die Besonderheiten vor Ort informieren.
Packliste für Motorradtouren
Auf dem Motorrad hat man nicht viel Platz, deshalb sollte jedes Utensil, das im Gepäck landet, gut durchdacht sein. Mit unserer Packliste für Motorradtouren kannst Du überprüfen, ob Du alles Notwendige eingepackt hast.
Grundausstattung:
- Geldbeutel mit Kreditkarte, Ausweis und Führerschein, außerdem Fahrzeugschein
- kleiner Kulturbeutel (Shampoo etc. in kleinen Fläschchen, Reisewaschmittel)
- Smartphone plus Ladegerät
- Buch (für Wartezeiten bei Pannen o. Ä.)
Camping-Ausrüstung
- leichtes Kompaktzelt (max. 2 kg)
- Schlafmatte (max. 1 kg)
- ultrakompakter Schlafsack (max.
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