Anfang der 50er Jahre war es ein seltsames Gefährt, das da in der Nacht unterwegs war, im Schwäbischen zwischen Tübingen und Herrenberg. Die Maico-Werke erprobten auf den Landstraßen das kommende MaicoMobil: integrierte Windschutzscheibe, Aluminiumkarosse, Motorradrahmen, 14-Zoll-Räder und zwei Kofferräume. So viel Luxus war für Zweiradfahrer nicht selbstverständlich. Dazu Zweitaktmotoren mit bis zu 200 Kubikzentimeter Hubraum - Maicos Werbeabteilung pries das MaicoMobil stolz als "Auto auf zwei Rädern".
1951 war es dann so weit: Die Vorserienversion wurde auf der Gewerbeschau in Reutlingen vorgestellt. Doch den erhofften Erfolg brachte der Luxus-Roller nicht. Nur rund 10.000 Mal wurde er bis 1957 gebaut. Der große Aufwand hatte seinen Preis - und der war den meisten potentiellen Kunden zu teuer. Dabei lag Maico mit seiner Idee eigentlich richtig.
In Italien hatten Vespa und Lambretta den Roller zum Erfolg gemacht. Anfang der 50er Jahre war er für viele Deutsche der Einstieg in die motorisierte Mobilität. Die Hersteller trugen dem Rechnung: Das MaicoMobil leitete eine lange Entwicklungsreihe von Rollern "Made in Germany" ein. Und viele der neuen Modelle waren den italienischen Vorbildern sogar überlegen. Sie boten besseren Wetterschutz, stärkere Motoren - und damit sogar so etwas wie Langstreckentauglichkeit. Die Kunden wussten das zu schätzen. Mit ihren Neuerwerbungen rollten sie bis in die neu entdeckten Urlaubsländer am Mittelmeer.
Ein weiterer Vertreter der Kategorie war das Bastert-Einspurauto, das ab 1953 in Bielefeld zusammengebaut wurde. Es bot einen schwenkbarem Autositz, eine Rückenlehne, Winker, die ausklappten und so das Abbiegen signalisierten - und sogar ein richtiges Armaturenbrett. Der Goggo-Roller konnte da zwar nicht mithalten, wurde aber zu einem der größten Verkaufserfolge: 60.000 Exemplare wurden bis 1956 gebaut, zu Preisen bis 1665 Mark. Ein MaicoMobil oder ein Einspurauto waren gut 200 bis 300 Mark teurer. Dafür mussten Goggo-Käufer mit kleinen Acht-Zoll-Rädern vorlieb nehmen, mit einem 125ccm-Motor und mit einer Sitzbank statt eines Sessels.
Die Motoren bezogen die Hersteller übrigens von Fichtel & Sachs oder von den Ilo-Werken in Pinneberg. Für alle Roller galt: Haltbar und leidensfähig mussten sie sein. Wer Roller fuhr, der tat das in der Regel deshalb, weil er sich kein Auto leisten konnte. Und deshalb mussten die Zweiräder für alle Transportaufgaben herhalten, die der Alltag so bot. In den Süden ging es nicht selten mit zwei Personen Besatzung und Zelt, Schlafsäcken, Proviant und Spirituskocher auf dem Gepäckträger. Das Gewicht musste ein Roller nicht nur aushalten können, man musste ihn damit auch noch irgendwie über die Alpenpässe fahren können.
Je wohlhabender die Deutschen nach dem Krieg wurden, desto mehr Hersteller präsentierten eigene Roller: Dürkopp Diana, Venus, Röhr Roletta, Progress Strolch, Hercules R 200, die schöne Triumph Contessa aus Nürnberg - in den Folgejahren wurde in Deutschland fast ein Dutzend eigenständiger Rollertypen auf den Markt gebracht. Fast alle waren nach den italienischen Vorbildern konstruiert: Rahmen aus Pressstahl, mit freiem Durchstieg und Trittbrettern. Motor und Tank lagen bei den Rollern hinten. Nur ein paar PS mehr Leistung als die Italiener boten die Deutschen in der Regel ihren Kunden.
Zu den erfolgreichsten deutschen Modellen jener Tage gehörte auch die Zündapp Bella, die auf ein Gebläse verzichtete und deren Motor nur vom Fahrwind gekühlt wurde - bis 1964 wurde sie etwa 130.000 Mal gebaut. Außerdem noch der Heinkel Tourist, der einen Viertakt-Motor aufwies und von dem bis 1965 etwa 106.500 Fahrzeuge abgesetzt wurden. Zu guter Letzt schob Maico den stärksten deutschen Roller nach: die Maicoletta 250/275 mit 14 beziehungsweise 17 PS Leistung. Doch da hatten viele der Kunden schon genug Geld für ein richtiges Auto gespart.
Mehr als 100 Moped-Anbieter gab es in den 1950er Jahren in Deutschland. Es wird ausführlich berichtet, wie diese Zweiradklasse entstand, die Szene aufblühte und Trends setzte. Begeben Sie sich auf eine Zeitreise in die 1950er Jahre, als das Moped unglaubliche Verkaufserfolge erzielte. Über 450 Abbildungen und umfangreiche Tabellen machen dieses Buch zu einem grundlegenden Nachschlagewerk für den an Technikgeschichte interessierten Zweiradliebhaber.
Kreidler: Ein wichtiger Hersteller der 50er Jahre
Die Kleinmotorräder von Kreidler, denen die Sonderausstellung im Auto & Technik MUSEUM SINSHEIM gewidmet ist, haben ihren Ursprung in der im Jahr 1904 unter dem Namen „Kreidlers Metall- und Drahtwerke“ von Anton Kreidler in Kornwestheim bei Stuttgart gegründeten Firma. Das Unternehmen produzierte zunächst diverse Metallerzeugnisse. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Kreidler ab den 1950er Jahren zunächst durch die „Florett“ Kleinmotorräder und später durch die MF und „Flory“ Mofas.
Kreidler hat fast ausschließlich Zweiräder mit 50-cm3-Motor gebaut. Erst kurz vor dem Konkurs brachte die Firma als Reaktion auf die geänderten Zulassungsvorschriften mehrere sogenannte Leichtkrafträder mit 80-cm3-Motor auf den Markt.
Kreidler Mofas
Bei einem „Mofa“, die Abkürzung steht für „motorisiertes Fahrrad“, ist die Geschwindigkeit durch technische Maßnahmen auf 25 km/h begrenzt. Früher mussten Mofas außerdem mit einer Tretkurbel ausgestattet sein mit der es, zumindest theoretisch, möglich war, das Fahrzeug wie ein Fahrrad zu bewegen. Das Mofa als eigenständige Fahrzeugart wurde 1965 eingeführt. Bis heute darf jeder, der mindestens 15 Jahre alt ist, ein Mofa fahren.
In den späten 1960er Jahren erlebten die Mofas in Deutschland einen riesigen Boom. Auf den Schulhöfen standen auf einmal Scharen von kleinen motorisierten Zweirädern, die sich nach Schulschluss knatternd und qualmend in Bewegung setzten. Steigende Einkommen und ein moderater Preis machten es jetzt auch den Kindern der Wirtschaftswundergeneration möglich, sich mit der finanziellen Unterstützung von Papa und Mama den Traum vom ersten Motorfahrzeug zu erfüllen.
Kreidler reagierte auf diesen Trend und brachte 1969 erstmals ein Mofa, die Kreidler MF 4, mit Zweigang-Automatikgetriebe auf den Markt. Die Kreidler-Mofas waren deutlich besser ausgestattet als die Billig-Mofas aus französischer oder italienischer Produktion, die damals den Markt beherrschten, waren aber auch rund doppelt so teuer. Trotzdem verkauften sie sich gut, was aber nicht zuletzt daran lag, dass Kreidler-Mofas eher von älteren Personen gekauft wurden, die mehr Geld zur Verfügung hatten.
Kreidler Mopeds und Mokicks
Im Jahr 1953 traten in Deutschland neue gesetzliche Vorschriften für motorisierte Zweiräder mit Pedalen in Kraft. Sofern ein solches Fahrzeug von einem Motor mit maximal 50 cm3 Hubraum angetrieben wurde und höchstens 33 kg wog, wurde es als „Motorfahrrad“ eingestuft, war damit steuer- und zulassungsfrei und durfte ab 16 Jahren ohne Führerschein gefahren werden. Die Bezeichnung „Moped“ für die entsprechenden Zweiräder geht auf einen Namensvorschlag der Motorenfabrik ILO zurück, der im Rahmen eines Wettbewerbs gefunden wurde.
In den folgenden Jahren wurden die Vorschriften für Mopeds mehrfach geändert. 1957 entfiel die Gewichtsbegrenzung, dafür wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 40 km/h beschränkt. Auch die Pedalpflicht wurde aufgehoben und so entstanden Kleinmotorräder mit Fußrasten und Kickstarter, die sogenannten Mokicks. Die Begriffe Moped und Mokick werden aber häufig nicht exakt verwendet und für viele ist jedes Kleinmotorrad mit 50-cm3-Motor ganz einfach ein Moped. Ab 1961 wurde für Mopeds und Mokicks ein Führerschein der Klasse V verlangt, der ein Mindestalter von 16 Jahren voraussetzte.
Das erste Moped von Kreidler war die J 50 aus dem Jahr 1954. Zwei Jahre später stellte Kreidler dann das erste Zweirad der Florett-Modellserie vor, mit der das schwäbische Unternehmen binnen weniger Jahre zum Marktführer bei den 50-cm3-Kleinmotorrädern aufstieg.
Die frühen Kreidler-Modelle waren weniger auf Sportlichkeit als auf einen möglichst problemfreien Alltagsbetrieb ausgelegt. Die späteren Florett-Mokicks erinnerten da schon mehr an echte Motorräder und kamen auch bei der jungen Kundschaft gut an. Eine Kreidler zu fahren wurde zum Ausdruck jugendlichen Lebensgefühls und die Flucht aus der bürgerlichen Enge des elterlichen Wohnzimmers gelang vielen Jugendlichen mit ihrem „Schwabenpfeil“ aus Kornwestheim.
Kreidler im Straßenrennsport
Aufgrund der enormen Beliebtheit der 50-cm3-Kleinmotorräder insbesondere in Deutschland war es nur konsequent, speziell für diese Motorradklasse eigene Straßen-Rennserien zu schaffen. Die erste auch auf Grand-Prix-Rennstrecken ausgetragene 50-cm3-Rennserie war der 1959 ins Leben gerufene „Motocup“. Bei Kreidler erkannte man sofort die enorme verkaufsfördernde Wirkung solcher Wettbewerbe und schickte Werksrennmaschinen an den Start, die der Konkurrenz auch prompt den Auspuff zeigten.
1962 erfolgte der Ritterschlag: Die 50-cm3-Klasse wurde in das Programm der Motorrad-Straßen-Weltmeisterschaft aufgenommen. Dadurch verschärfte sich allerdings die Konkurrenzsituation, da insbesondere die japanischen Hersteller Honda und Suzuki den Deutschen das 50-cm3-Segment nicht kampflos überlassen wollten.
Simson: Ein weiterer wichtiger Hersteller
Die Geschichte der Simson-Produktion begann im Jahr 1856 mit der Gründung des Unternehmens Suhl, das später in Simson umbenannt wurde. Ursprünglich war das Unternehmen als Waffenhersteller tätig, aber es begann auch mit der Herstellung von Fahrrädern und Motorrädern.
In den 1950er Jahren entwickelte Simson das Modell S 51, das zu einem der bekanntesten und meistverkauften Motorräder der DDR wurde. Es hatte einen Zweitaktmotor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S 51 B, S 51 C und S 51 E. Das Modell wurde in großen Stückzahlen produziert und erfreute sich großer Beliebtheit bei jungen Menschen in der DDR.
In den 1960er Jahren brachte Simson das Modell S 50 auf den Markt, das ebenfalls sehr erfolgreich war. Es hatte einen 50ccm-Motor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S 50 B, S 50 C und S 50 E. Später wurde das Modell durch die S 51 abgelöst.
Ein herausragendes Ereignis in der Simson-Geschichte war die Produktion des legendären Simson Schwalbe, die 1964 begann. Das Modell war das bekannteste Simson-Motorrad und wurde bis 1986 produziert. Die Schwalbe hatte einen 50ccm-Motor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der KR 51/1, KR 51/2 und KR 51/2 N.
Ein weiteres Ereignis war die Übernahme von Simson durch die Firma MZ (Motorradwerk Zschopau) im Jahr 1990. Unter dem neuen Eigentümer wurden die Simson-Modelle modernisiert und weiterentwickelt, aber aufgrund von wirtschaftlichen Problemen wurde die Produktion 2002 eingestellt.
Heute haben die Simson-Motorräder einen Kultstatus unter Sammlern und Enthusiasten erlangt und es gibt immer noch viele Menschen, die diese ikonischen Motorräder besitzen und fahren. Die Simson-Geschichte bleibt ein wichtiger Teil der deutschen Motorradkultur.
Das Simson Model S51 - der Klassiker
Das Modell S51 war eines der bekanntesten und meistverkauften Motorräder, das von Simson produziert wurde. Es wurde erstmals 1980 auf den Markt gebracht und wurde bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 2002 hergestellt. Die S51 wurde als Nachfolger des Modells S50 entwickelt und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S51 B, S51 C, S51 E, S51 N und S51 Enduro.
Die S51 hatte einen luftgekühlten Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 50ccm. Die Leistung variierte je nach Version und lag zwischen 2,5 und 4,4 kW. Die Höchstgeschwindigkeit betrug etwa 60-80 km/h, je nach Version und Zustand des Fahrzeugs.
Das Modell hatte eine robuste Konstruktion und war für den Einsatz auf unebenem Gelände geeignet. Es hatte eine Federgabel und eine Federung am Hinterrad, die für eine gute Stoßdämpfung sorgte.
Was war die damals so innovativ an den Modellen von Simson?
Die Simson-Motorräder waren für ihre fortschrittliche Technologie und ihre innovativen Funktionen bekannt. Hier sind einige Beispiele für die Innovationen, die die Simson-Modelle im Laufe der Jahre hervorgebracht haben:
- Zweitaktmotoren: Simson war einer der ersten Motorradhersteller, der Zweitaktmotoren in seinen Motorrädern einsetzte.
- Elektronische Zündung: Simson war einer der ersten Motorradhersteller, der elektronische Zündungen in seinen Modellen einsetzte.
- Scheibenbremsen: Die Simson-Modelle waren einige der ersten Motorräder, die mit Scheibenbremsen ausgestattet wurden.
- Gabel- und Federungssysteme: Die Simson-Motorräder waren mit fortschrittlichen Gabel- und Federungssystemen ausgestattet.
- Vielseitige Konfiguration: Viele Simson-Modelle, einschließlich der S51 und der Schwalbe, waren in verschiedenen Konfigurationen erhältlich, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten waren.
- Einfache Wartung: Simson-Modelle waren bekannt für ihre einfache Wartung und Reparatur.
Warum lebt der Kult um die Simson-Modelle heute weiter?
Es gibt viele Gründe, warum der Kult um die Simson-Modelle heute noch lebt. Hier sind einige der wichtigsten Gründe:
- Nostalgie: Für viele Menschen, insbesondere für diejenigen, die in der DDR aufgewachsen sind, sind die Simson-Motorräder ein Symbol für ihre Kindheit und Jugend.
- Einzigartiges Design: Die Simson-Motorräder haben ein einzigartiges Design, das sich von anderen Motorrädern unterscheidet.
- Erschwinglichkeit: Viele Menschen schätzen die Erschwinglichkeit der Simson-Motorräder im Vergleich zu modernen Motorrädern.
- Einfache Wartung und Reparatur: Die Simson-Motorräder sind für ihre einfache Wartung und Reparatur bekannt.
- Exklusivität: Da die Simson-Modelle nicht mehr produziert werden, sind sie zu einem exklusiven Sammlerstück geworden.
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